Starke Schule beider Basel (SSbB)

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News

  • Mittwoch, Dezember 02, 2020

    Baselland investiert zusätzlich 62 Millionen in die Bildung

    Die Baselbieter Schüler/-innen schnitten bei den gesamtschweizerischen Vergleichsprüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Französisch schlecht ab. Dies hat nun Konsequenzen: Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) schlägt vor, dass der Kanton und die Gemeinden 62 Millionen zusätzlich in ein Massnahmenpaket investieren sollen.

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  • Donnerstag, November 26, 2020

    Alle Jahre wieder die gleichen Versprechen

    Die Pädagogische Hochschule (PH) FHNW hat bei einer breit angelegten Umfrage betreffend «Praxisbezug» von ihren Studierenden ungenügende Noten bekommen. In den beiden Basler Halbkantonen haben Beatrice Messerli (BS) und Regina Werthmüller (BL) in den vergangenen Wochen gleichlautende Interpellationen bei den jeweiligen Regierungen eingereicht.

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  • Samstag, November 21, 2020

    Schullager in BL verboten

    Die verschärften Massnahmen des Kantons Basel-Landschaft für die Volksschulen (Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe 1) betreffen hauptsächlich die geplanten Schullager und die Maskentragpflicht der Schüler/-innen beim Znüni-Essen.

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Interview

In den frühen Morgenstunden vom 10. Februar 2020 erhielten die kantonalen und kommunalen Schulleitungen sowie die Erziehungsberechtigten vom Amt für Volksschulen (AVS) die Information über den sich nähernden Sturm «Sabine», welcher die Gefahrenstufe 4 erreichte. Den Erziehungsberechtigten wurde es freigestellt, ob sie an diesem Tag ihre Kinder zur Schule schicken wollten. Involviert waren der Sicherheits- und der Bildungsdirektion sowie der kantonale Krisenstab. Die Informationsketten funktionierten nur teilweise, was Landrätin Regina Werthmüller bewog, eine Interpellation einzureichen, die nun von der Regierung beantwortet wurden. Mehr

 

Webseite der SSbB wird stark besucht

Vom 2. November 2015 bis zum 1. November 2020 besuchten 25`972 verschiedene User/-innen die Webseite der SSbB mindestens einmal. Diese hohe Zahl ist ebenso erfreulich wie der stetige Zuwachs. In den vergangenen 365 Tagen verzeichnete die Webseite 8`667 neue User/-innen. Die durchschnittliche Sitzungsdauer betrug 3 Min. 58 Sek.

Uns motivieren diese Zahlen, die Homepage regelmässig zu aktualisieren und neue Infos sowie auch Artikel hochzuladen. Für Ihr Interesse danken wir Ihnen.
 

Kampagne finanzieren

Die Initiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" der Starken Schule kommt definitv am 7. März 2021 im Kanton Basel-Landschaft zur Abstimmung. Unterstützen Sie die bevorstehende Kampagne und spenden Sie hier:


 

Bildungsinitiative in Basel

Unterschreiben Sie die formulierte Initiative der Starken Schule beider Basel, mit welcher wir der gescheiterten Passepartout-Ideologie ein Ende setzen möchten. Die Initiative verlangt eine echte Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Basel-Stadt. Die Lehrpersonen sollen die Lehrmittel "Mille feuilles", "Clind d'oeil" und "New World" durch bewährte Lehrmittel ersetzen können.

Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen.

Die Starke Schule empfiehlt bei Sammelständen Schutzmasken zu tragen oder beim Ansprechen auf der Strasse einen Abstand von 2 Metern einzuhalten.

 

Leserbrief

Sozialromantische Ressourcenverschwendung

Es ist unbestritten, dass sich der Mensch im Verlaufe seines Lebens gewisse Kompetenzen aneignen muss. Diese sind eine Weiterentwicklung der Persönlichkeit und beruhen auf Wissen, hervorgegangen aus Interesse, Erfahrungen, Erfolgen und Misserfolgen. Deswegen ist kompetenzorientierter Unterricht während einer tertiären Ausbildung sicher richtig, aber auf der Volksschulstufe Ressourcenverschwendung. In der Volksschule muss für alle die gleiche Basis gelegt werden. Zuerst braucht es ein Fundament (Wissen, Erfahrung, Interesse), wenn das gefestigt ist, kann darauf aufgebaut werden (Kompetenzen). Ohne Fundament stürzt jede Baute ein. Damit wir von Chancengleichheit reden können - wenn es die überhaupt gibt - dann müssen überall die gleichen Lerninhalte vermittelt werden. Alles andere ist sozialromantischer Unfug und eine Beschäftigung der Bildungstheoretiker, die fernab jeglicher Praxis ihr Dasein fristen. Die Zeche bezahlt eine ganze veräppelte Generation.

Das Sagen hat längst die Wirtschaft (IT-Branche und Lehrmittelverlage): Digitale Wandtafeln, Laptop für jeden Schüler, jede Schülerin, Lehrmittel mit viel Text und wenig Übungsmaterial, zusätzliches Material nur mit Nutzerschlüssel während eines Jahres abrufbar. Fremdsprachenlizenzen. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.

Nicole Hirt

 

Spenden

Wir freuen uns über Ihre Spende.

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30.11.2020

Sind die Übertrittsprüfungen genügend aussagekräftig?

Grundsätzlich entscheiden die Primarlehrpersonen, in welches Leistungsniveau der Sekundarschulen die Primarschüler/-innen am Ende der Primarschulzeit eingeteilt werden. Sind Eltern mit dieser Einteilung nicht einverstanden, besteht für die Kinder die Möglichkeit, mittels Übertrittsprüfung statt ins Niveau A ins Niveau E oder statt ins Niveau E ins Niveau P eingeteilt zu werden.

Die entsprechenden Tests werden vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich konzipiert und ausgewertet. Abgefragt werden die Kinder in den Fächern Deutsch und Mathematik, wobei die Deutschprüfung 90 Min. und die Mathematikprüfung 60 Min. dauert. Damit Kinder in den E-Zug aufgenommen werden, müssen sie einen Durchschnitt von mindestens 4.5 erreichen. Damit es für die Aufnahme in den P-Zug reicht, ist ein Schnitt von mindestens 5.25 notwendig.

Seit Jahren fällt auf, dass nur eine sehr kleine Anzahl von Primarschüler/-innen die Anforderungen für das höhere Leistungsniveau bestehen, obwohl seit 2016 rund 180 Schulkinder die Prüfung absolvieren. Im laufenden Jahr waren es von 178 Schüler/-innen nur 14, die den Übertritt vom Niveau A ins Niveau E schafften. Von den 83 Schüler/-innen, welche die Übertrittsprüfung fürs Niveau P absolvierten, erreichte sogar niemand die notwenige Punktzahl. (siehe Graphik)

 

Woran könnten diese tiefen Quoten liegen? Wir sehen zwei Optionen:

1.   Die Einteilung der Primarlehrpersonen stimmt in fast allen Fällen. Da sie täglich über mehrere Jahre mit den Kindern arbeiten, wissen sie, in welchem Niveau die Schulkinder am besten aufgehoben sind. Sie liegen deshalb in nur 5.3% der Fälle mit ihrer Einteilung falsch.

2.   Die Aufnahmeprüfungen für das nächst höhere Niveau sind zu schwierig, was den Kindern praktisch nicht ermöglicht, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu zeigen. Die meisten Primarschüler/-innen (im Schnitt 94.7%) erreichen deshalb die Anforderungsbedingungen nicht.

Die tiefe Quote von Schüler/-innen, welche die Anforderungen ins nächst höhere Niveau erreichen, erstaunt. Viele Eltern und Lehrpersonen befürchten, dass die Prüfungen möglicherweise zu schwierig sind resp. die ungewohnte Prüfungssituation zu wenig berücksichtigt wird. Immerhin müssen Primarschüler/-innen eine Prüfung mit anderer Struktur, ungewohnter Aufgabenstellung und in einem anderen Umfeld schreiben. Diese Faktoren erschweren die Prüfungssituation unbestrittenermassen. Ob dennoch die Aufnahmeprüfungen genügend aussagekräftig sind, liesse sich relativ einfach abklären: Man müsste lediglich die Prüfungen von mehreren Testklassen schreiben lassen, nachdem sie von den Primarlehrpersonen eingeteilt wurden. Entsprechen die Prüfungsresultate in den meisten Fällen der von den Primarlehrpersonen festgelegter Einteilung, so wären die Aufnahmeprüfungen zweifelsfrei aussagekräftig. Erreichen jedoch viele Kinder dieser Testklassen die entsprechenden Anforderungen des von der Primarlehrperson eingeteilten Niveaus nicht, so müsste der Schwierigkeitsgrad der Aufnahmeprüfung überdacht werden.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel


28.11.2020

BYOD an weiterführenden Schulen

Ab dem Schuljahr 2021/22 führen die weiterführenden Schulen (FMS und Gymnasien) des Kantons Basel-Landschaft das Prinzip «Bring Your Own Device», kurz BYOD, aufsteigend ein. Alle Schüler/-innen bringen ihr persönliches Gerät in den Unterricht mit. Damit soll die Digitalisierung an den Schulen intensiviert werden.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) befürwortet BYOD, denn der versierte Umgang mit digitalen Geräten muss in der heutigen Welt gelernt sein. Problematisch hingegen ist, dass dies einen grossen finanziellen Aufwand für die Schüler/-innen resp. deren Familien bedeutet, weil die Schulen hohe Anforderungen an die Geräte stellen, zum Beispiel Laptop mit Touchscreen. Mit einem dazugehörigen Stift kann auf solchen Computern von Hand direkt auf dem Bildschirm geschrieben werden. Ein Computer oder Tablet, welches diesen Anforderungen gerecht wird, kostet zwischen 1’000 und 2'000 Franken und stellt so einen grösseren Budgetposten für Jugendliche resp. deren Eltern dar.

Momentan müssen die Schüler/-innen die von der Schule generierten Kosten vollständig selber tragen, was die SSbB ablehnt. Für Jugendliche mit einer Lehrstelle, die monatlich bereits mehrere hundert Franken verdienen, sind solche Anschaffungen besser verkraftbar. Schüler/-innen der weiterführenden Schulen hingegen haben im Normalfall kein Einkommen. Deshalb ist eine Subvention unabdingbar. So könnte beispielsweise zu Beginn des Schuljahres ein Betrag basierend auf einem durchschnittlichen Gerätepreis ausgezahlt werden, womit ein entsprechendes Gerät neu gekauft werden kann.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

19.11.2020

Variable Führungsstrukturen für Primar- und Musikschulen

Zurzeit ist im Kanton Basel-Landschaft eine Vorlage in der Vernehmlassung, bei welcher die Führungsstrukturen der Primar- und Musikschulen angepasst werden sollen.

Ziel der Vorlage ist es, die Forderungen der Gemeinden nach mehr Autonomie und Variabilität bei den kommunalen Schulstrukturen zu erfüllen. Diese Forderung entstammt der Charta von Muttenz vom 2012, bei der die Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft eine Stärkung ihrer Handlungsfreiheit forderten. Mit dem neuen §47a Absatz 1 der Kantonsverfassung erfüllt der Kanton diesen Anspruch. Die staatlichen Aufgaben sollen konsequent auf diejenigen Ebene delegiert werden, auf welcher sie nach dem Subsidiaritätsprinzip, also bedarfsgerecht, effizient und kostenbewusst erbracht werden.

Aufgrund enormer Entwicklungen in den letzten Jahren im Bildungsbereich waren Kanton, Gemeinden und Schulen laufender Veränderung ausgesetzt. Diese forderten die Schulen stark. Erschwerend dabei war, dass die Aufgabenaufteilung zwischen Schulrat und Schulleitung zum Teil nicht eindeutig definiert war. Beim heutigen Schulführungsmodell haben Gemeinderäte nur beschränkte Einflussmöglichkeiten, da Schulräte als vorgesetzte Behörde der Schulen für die Anstellung von Schulpersonal, für das Bewilligen des Schulprogramms und weitere Aufgaben zuständig sind. Gerade weil die Führungsstrukturen für alle Schulen im Kanton gleich sind, konnten Gemeinden auf lokale Begebenheiten nicht eingehen.

Neu soll mit drei Modellen die Forderung der Gemeinden nach Variabilität bei den Führungsstrukturen an den Primar- und Musikschulen erfüllt werden.

  • Beim Grundmodell übernimmt der Gemeinderat die heutigen Aufgaben und Kompetenzen des Schulrats, mit Ausnahme von operativen Aufgaben wie beispielsweise der Anstellung aller Lehrpersonen.
  • Beim Schulratsmodell überträgt die Gemeinde die in diesem Gesetz vorgesehene Aufgaben des Gemeinderats gesamthaft an einen Schulrat.
  • Beim Schulkommissionsmodell setzt die Gemeinde eine ständige Kommission zur Beratung des Gemeinderats und zur Unterstützung der Schule ein.

Die Starke Schule beider Basel anerkennt die Forderungen der Gemeinden nach mehr Handlungsspielraum und variablen Führungsstrukturen an den kommunalen Schulen. Durch die Gesetzesanpassung wird ihrem Wunsch nach bürgernahem, bedarfsgerechtem, effizientem und kostenbewusstem Handeln nachgekommen. Die Gemeinden sollen zudem autonom entscheiden können, welches Modell sie in ihrer Gemeinde anwenden möchten.

Regina Werthmüller
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

14.11.2020

Lediglich Schein-Lehrmittelfreiheit in Basel-Stadt

Zwar gibt es in Basel-Stadt eine Lehrmittelliste mit verschiedenen Lehrmitteln – eine echte Auswahl ist gleichwohl nicht möglich. Einerseits figurieren nur für einige Fächer mehrere Lehrmittel auf der Liste, andererseits fehlen die notwendigen finanziellen Mittel, um die Schulbücher zu kaufen.

Auf der Lehrmittelliste sind beispielsweise für das Fach Mathematik (Sekundarstufe 1) die beiden Lehrmittel «Mathbuch» und «Mathematik Sekundarstufe» aufgelistet. Keine Auswählmöglichkeit gibt es auf der Primarstufe im Fach Englisch, wo die Lehrer/-innen noch immer mit dem heftig kritisierten «New World» unterrichten müssen. Auch in der 4. Klasse Primar gibt es im Fach Französisch für «Mille feuilles» keine Alternative. Trotzdem wirbt die städtische Regierung damit, dass die Lehrmittelfreiheit umgesetzt wurde.

Finanzielle Mittel stehen nicht zur Verfügung

Der Starken Schule beider Basel wurde ein Protokoll der Kantonalen Schulkonferenz zugespielt, in welchem sich die Primarschulen beschweren, dass trotz alternativen Lehrmitteln, kein anderes Lehrmittel eingekauft werden könne: Die Volksschulleitung (VSL) würden «nicht ausreichende finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellen. Die aus der neuen Lehrmittelfreiheit resultierenden Mehrkosten sind im Schulmaterialbudget nicht eingerechnet», was auch der Präsident der Kantonalen Schulkonferenz Basel-Stadt (KSBS) für die Sekundarstufe 1 bestätigt: «Dieses Problem besteht aktuell auch auf der Sekundarstufe 1». Basel-Stadt ist noch weit entfernt von einer echten Lehrmittelfreiheit.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel
 

Zu diesem Thema wurde uns aufgrund der erneuten Absage der Fasnacht, schon jetzt der erste vorfasnächtliche Schnitzelbank zugeschickt:
 

Passepartout, em Conradin si Waterloo!

Dr Conradin Kramer isch a glatte Joggel,

Äär isch fir Passepartout sit dr erschte Schtund,

Do drfiir wirft äär e mänge Batze in a tiefe Schlund,

Me könnt maine, äär isch dr gröschti Doddel!

 

Doch wyt g’fäält, äär isch e schlaue Hächt.

Wägem Widerstand geege die Ideologie,

Fiert äär kurzerhand d’Lehrmittelfreihait ii.

Doch leider, gopferdelli, isch die gar nit ächt!

 

Dr Kramer haltet nämli fescht an däm Passepartout Schund,

Denn als Byldigsdiräggdr isch äär im B’sitz vo dr Wohrhait.

Bösi Zunge allerdings behaupte, es isch eher sini Schturhait.

Derwyyl kömmet d’Schieler immer mehr uff dr Hund!

 

D’Lehrmittelfreihait isch fir dr Kramer nur e Strategie,

Zur Rettig vo däre unsinnige Fremdsprooche-Ideologie.

Denn jetz sait dr Conradin, dä glatti Mogge,

D’Kasse fir neii Schuelbiecher sin leider drogge!

 

Conradin, du Spitzbueb, bisch wirklig bankrott,

Verzychtisch aifach uff dä Passepartout Schrott!

Hör äntlig uff, Bürschli, mit däm eifäldige Gedue,

Und sorg jetz verflixt emol in dr Schuel fir Rue!

 

Mit Passepartout kriegsch die nit,

Denn, dä Saich isch eifach nid dr Hit!

Du willsch doch nid zu däne ghööre,

Wo de Schuelbetrieb nüd als schtööre!

 

Conradin, gib dr ä Rugg,

Mir baue dir do ä Brugg.

Mit bitzeli Muet,

Wird alles guet!

 

Felix Hoffmann, Sekundarlehrperson

 
 

09.11.2020

Bildungsdirektion will Kompetenzhoheit in Personalfragen

Die Vorlage mit dem beschönigenden Titel "Klare Führungsstrukturen für die kantonalen Schulen, Stärkung von Qualität und Aufsicht im Bildungswesen des Kantons Basel-Landschaft" befindet sich zurzeit in der Vernehmlassung. Politische Parteien und Bildungsorganisationen sind aufgefordert, Stellung zu beziehen.

Ziel der Vorlage ist es, auf der Sekundarstufe 1 die einzelnen Aufgabenbereiche der drei Ebenen Schulleitung, Schulrat und Bildungsdirektion (BKSD) neu zu strukturieren: Gemäss den Erläuterungen in der Vorlage soll eine «effektivere und effizientere Führung» der Schule ermöglicht werden. Die Schulleitungen sollen «gestärkt» werden und die BKSD zusätzliche Kompetenzen in Personalfragen erhalten. Neu soll die BKSD die Schulleitungen wählen. Damit kann das Amt für Volksschulen (AVS) einen stärkeren Einfluss auf die Schulleitungen nehmen und so auch auf die Schulentwicklung der einzelnen Schulen. Die Schulräte hingegen würden in Personalfragen vollständig entmachtet. Mit den vorgeschlagenen Änderungen wird eine stärkere Hierarchie mit Rektor und Konrektoren angestrebt.

Heute agieren die Schulleitungen meist im Team und fällen ihre Entscheide nach dem Mehrheitsprinzip, oft auch mit Einbindung der Lehrpersonen. Dies bewirkt, dass alle Schulbeteiligten die Entscheide wesentlich besser mittragen. Die gute und kooperative Zusammenarbeit ist an vielen Sekundarschulen auch zwischen Lehrpersonen, Schulleitung und Schulrat sichtbar vorhanden: Beispielsweise nehmen Vertreter/-innen der Lehrpersonen und der Schulleitung an den Schulratssitzungen mit beratender Stimme teil. Dies ermöglicht einen konstruktiven Austausch, der dem Schulrat einen vertieften Einblick ins alltägliche Schulgeschehen erlaubt. Meist arbeiten Schulräte, Schulleitungen und Delegierte der Lehrpersonen konstruktiv zusammen. Dieses Gefüge würde gestört, wenn die Hierarchien verstärkt und betreffend Personalentscheide eine Machtkonzentration beim AVS resp. BKSD entstünde.

Mit den geplanten Änderungen können AVS und BKSD indirekt über die Schulleitungen Einfluss auf die rund 5’500 Lehrpersonen nehmen. Die BKSD wäre neu in übergeordneter Linie weisungsberechtigt gegenüber Schulleitung und Lehrpersonen.

Diese Struktur finden wir heute im Polizei- und Gesundheitswesen: Die Angestellten sind deutlich stärker gehemmt, sich zu Missständen in der eigenen Direktion kritisch zu äussern. Im Schulbereich können sich hingegen sowohl Personalverbände und bildungspolitische Gruppierungen pointierter äussern und damit einen stärkeren Einfluss auf die bildungspolitischen Entscheide nehmen und korrigierend einwirken. Mit der angestrebten Machtkonzentration würden sich weitaus weniger Lehrpersonen getrauen, in politischen Schulfragen sich öffentlich kritisch zu äussern.

Der Schulrat steht in bildungspolitischen Fragen selten im Fokus der Kritik. Gibt es Differenzen und Unstimmigkeiten zwischen Schulrat und dem Konvent der Lehrpersonen, so hat dies meist andere Gründe: Beispielsweise können einzelne Schulräte, deren eigenen Kinder dieselbe Schule besuchen, ihr Amt ausnutzen und eine Lehrperson aus privaten Gründen unter Druck setzen, was allerdings sehr selten vorkommt. Für die Lehrperson weitreichende Konsequenzen (z.B. Kündigung) hatte dies - soweit bekannt - bislang jedoch noch nie.

Die Starke Schule beider Basel lehnt die vorgeschlagenen Änderungen aus den erwähnten Gründen ab.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel
 
 

07.11.2020

Corona-Situation an den Baselbieter Schulen

Nicht nur in der Öffentlichkeit werden die Schutzmassnahmen betreffend Covid-19 laufend angepasst, auch die Baselbieter Schulen erneuern, resp. verschärfen ihre Schutzkonzepte für den Unterricht regelmässig. Grundsätzlich gilt überall (Primarstufe, Sekundarstufe 1 und 2) eine strikte Maskentragpflicht, also auf dem gesamten Schulareal und während des Unterrichts. Auf den verschiedenen Schulstufen gibt es jedoch unterschiedliche Ausnahmen. Auf der Primarstufe sind die Schüler/-innen ganzheitlich von der Maskenpflicht befreit und die Lehrpersonen dürfen während des Unterrichts, sofern der Abstand von 1.5 Meter eingehalten werden kann, die Maske ablegen.

Zurzeit sieht es im Kanton Basel-Landschaft betreffend Corona- und Quarantänefällen folgendermassen aus (Stand 02.11.2020):

Deutlich zu sehen ist, dass auf der Primarstufe, in welcher keine Maskenpflicht im Unterricht gilt, prozentual mit Abstand die meisten Lehrpersonen in Quarantäne müssen (1.3%). Da insbesondere auf Primarstufe die Abstandsregelung nicht so einfach einzuhalten ist und trotzdem keine durchgehende Maskenpflicht gilt, ist diese Zahl nicht verwunderlich.

Bei den Schüler/-innen hingegen ist es die Sekundarstufe 2, auf welcher die meisten Personen in Quarantäne sind (0.6%) oder sogar positiv auf das Coronavirus getestet wurden (4.3%). Weiterhin gilt also, egal auf welcher Stufe sich Lehrpersonen oder Schüler/-innen befinden, sich an die Abstands- und Maskenpflichtregelungen zu halten. Hier finden Sie die aktuellen Zahlen des Kantons Basel-Landschaft.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

27.10.2020

Vierkantonaler Lohnvergleich - Baselland schneidet gut ab

Der Kanton Aargau hat angekündigt, seinen Lehrpersonen in Zukunft einen höheren Lohn auszuzahlen. Da der Kanton im Vergleich zu den Nachbarkantonen teilweise deutlich schlechter abschneidet, will Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Löhne bei den Lehrpersonen im Schnitt um 6% erhöhen. Damit solle der Beruf wieder attraktiver gemacht und ein Abwandern in die Nachbarkantone verhindert werden.

Bisher zählt im Kanton Aargau im Lohnsystem nur das Lebensalter und nicht zusätzlich die Jahre an Berufserfahrung - wie dies in vielen anderen Kantonen bereits der Fall ist. Das neue Lohnsystem soll im Kanton Aargau ab 2022 eingeführt werden.

Vergleicht man die Lohndurchschnitte der Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Aargau, so steht Baselland gut da. Mit durchschnittlich CHF 93'300.- Anfangslohn liegt der Landkanton etwas hinter Solothurn (CHF 94'451.-), aber deutlich vor Basel-Stadt (CHF 88'374.-) und Aargau (CHF 88'263.-). 

 

Nach 11 Jahren im Beruf verdient eine in Baselland angestellte Lehrperson durchschnittlich am meisten im vierkantonalen Vergleich. Aargau liegt mit CHF 101’924.- wieder deutlich unter dem Durchschnitt; Basel-Stadt folgt mit CHF 117’192.- und Solothurn und Basel-Landschaft bieten die besten Löhne mit CHF 127'509 respektive Basel-Landschaft mit CHF 128'047.-

Interessant ist, dass die Schere beim potentiellen Maximallohn wieder etwas zusammengeht. Das Schlusslicht bildet hier Basel-Stadt mit CHF 138’326.-, während der Kanton Aargau mit CHF 140’857.- nur wenig hinter Solothurn mit CHF 141’676.- liegt. Basel-Landschaft liegt mit einem möglichen Jahreslohn von CHF 145’298.- deutlich an erster Stelle im vierkantonalen Vergleich.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule beider Basel
 

22.10.2020

Pädagogische Hochschule erhält erneut ungenügende Noten

Die Studierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) in Muttenz und Brugg-Windisch geben ihrem Bildungsinstitut bei der breit durchgeführten Umfrage im entscheidenden Bereich «Praxisrelevanz» miserable Noten. Die Resultate, welche die Direktorin unter Verschluss zu halten versuchte, wurden der Starken Schule beider Basel (SSbB) zugespielt.

Bei allen drei Fragen «Verknüpfung von Theorie und Praxisanteilen», «Erwerben berufsrelevanter Funktionen» und «Praxisorientierung in der Lehre und im Lehrangebot», welche alle die Praxisrelevanz betreffen, erhielt die PH die Note 3.2 oder tiefer. Damit schnitt die PH im Jahr 2020 noch schlechter ab als im Jahr 2018. Damals lag die Zufriedenheit der Studierenden auf einer Skala von 1 bis 6 bei 3.2, wie Prime News im Oktober 2019 offenlegte.[1] Auch in den Jahren 2013 und 2016 schnitt die PH mit den Noten 3.1 und 3.4 ungenügend ab. Diese ungenügenden Noten spiegeln auch die Äusserungen von Studierenden, die sich bei der SSbB und der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) gemeldet haben. Die bz formulierte online am 1.10.2020 pointiert: «Durch ihr Studium fühlen sie [die Studierenden] sich nicht ausreichend befähigt, die Herausforderungen des Lehrerberufs souverän zu bewältigen. Eine schallende Ohrfeige für ihre Ausbildungsstätte».[2]

Die Noten dieser aktuellen Umfrage passen ins langjährige Bild und sind mit einer Stimmbeteiligung von rund 30% aussagekräftig. Offensichtlich gelingt es der PH trotz intensiver Bemühungen nicht, die Qualität in ihrem Bildungsinstitut sowohl menschlich als auch fachlich zu verbessern. Statt offen die Umfragedaten zu kommunizieren und die notwendigen Diskussion zuzulassen, verschliesst sich die PH-Leitung.

Da hilft es auch wenig, wenn der Institutsleiter der beiden Sekundarstufen 1 und 2 seinen Studierenden einen beschönigenden Brief schreibt: «Wir freuen uns, dass Sie verschiedene zentrale Aspekte/Bereiche Ihres Studiums, die eine wichtige Grundlage für Ihren Studienfortschritt bilden, eher positiv bis positiv einschätzen.» Er nennt z.B. das «allgemeine Studienklima», welches gute Noten erhielt. In der Tat: Das Klima zwischen den Studierenden wurde von diesen zwischen gut und sehr gut beurteilt. Es wäre schön, wenn die Ausbildungsqualität der PH ebenfalls eine solch gute Note erhalten würde.

Regina Werthmüller
Vorstand Starke Schule beider Basel, Landrätin parteilos

21.10.2020

Auf Twitter aufgeschnappt

Regina Jäkel (Primarlehrerin und Verfechterin von Mille feuilles), Jan Kirchmayr (Landrat und Sekundarlehrer) sowie Philipp Loretz (Bildungsrat und Mitglied der Geschäftsleitung des LVB) streiten sich auf Twitter über den Baselbieter Lehrplan. Folgend ein Auszug:

Jan Kirchmayr: "Ich kann die Kritik ein stückweit nachvollziehen: Stoffinhalte sind nicht gleich Kompetenzen. Wichtiger scheinen mir jedoch Treffpunkte. Es muss geklärt sein, was die Schüler*innen (Kompetenzen & Stoffinhalte) Ende Primar- & Sekundarschule in den Fächern mitbringen."

Regina Jäkel: "Es ist geklärt und das Volk hat sich für eine Kompetenzenorientierung ausgesprochen. Es wäre der Sache dienlich, wenn die abnehmenden Stufen sich endlich danach richten würden."

Philipp Loretz: "Der Bildungsrat beauftragt die BKSD, einen Ergänzungserlass zum Lehrplan Volkschule für die Sekundarschule - so genannte Stofflehrpläne - zu erarbeiten, welcher Grobziele, Themen und Inhalte in Ergänzungen zu den Kompetenzen im Lehrplan Volksschule BL definiert."

Regina Jäkel: "Eben... nicht Volkswille..."

Jan Kirchmayr: "Doch. Volksabstimmung vom 10. Juni 2018. Alle Parteien und auch das Volk sagte deutlich ja, verstehe nicht, weshalb du das in Abrede stellst?"

Regina Jäkel: "Ich würde mir wünschen, dass die abnehmden Stufen ihn auch kennen, bevor sie Stoffinhalte 'bestellen'. Die Lehrpersonen der Primarstufe müssen auch mit dem haushalten, was sie bekommen."

Jan Kirchmayr: "Und das ist dann der Grund dafür, dass du dich gegen Treffpunkte Ende Prim und Sek1 wehrst?"

Regina Jäkel: "Wie du richtig feststellst, wehre ich mich gegen Lernziele, weil sie wie bisher mit dem alten Lehrplan auch, nicht im gewünschten Umfang geliefert werden. Es braucht ein echtes Umdenken. Kompetenzenorientierte Treffpunte unterstütze ich sehr."

Jan Kirchmayr: "Das ist natürlich legitim, wenn das deine persönliche Ansicht ist. Dass es das Volk anders wollte, ist jedoch auch klar."

Philipp Loretz: "Bildungsrat, Regierungsrat, Landrat und das Volk haben sich dafür ausgesprochen, dass der Lehrplan der Volksschule Baselland Kompetenzen und Stoffinhalte gleichermassen abbildet. Der Volksentscheid gilt - ohne Wenn und Aber."

Philipp Loretz: "Einfach gesagt: Wenn man im Restaurant eine Cola und ein Fanta bestellt, erhält man in aller Regel eine Cola und ein Fanta. Nicht so im Kanton BL. Hier bringt der Kellner zwei Flaschen Cola, die eine mit einer Fanta-Etikette versehen."

Regina Jäkel: "Eben... der Lehrplan ist zu einem unüberschaubaren Flickwerk geworden und die Stufenübergänge klappen nicht."

Philipp Loretz: "84.2% der Stimmberechtigten sprechen sich für Stofflehrpläne aus. Was gibt es da überhaupt zu diskutieren?"

Kommentar

Felix Schmutz: "Ein Merkmal von ausgeprägter Dummheit ist, wenn man trotz höflichem Zureden nicht wahrhaben will, dass die eigenen Füsse nicht in den Schuhen drinstecken, sondern einen Meter daneben stehen."

Felix Hoffmann: "Es ist ein systemimmanentes Problem des Bildungsbetriebs, dass Leute in Positionen sitzen, die nicht begreifen, wenn sie etwas nicht verstehen."

 

17.10.2020

36-seitigen Englisch-Lehrplan erfolgreich verhindert

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des AVS, welche enge Kontakte mit der Pädagogischen Hochschule der FHNW pflegte, erarbeitete für das Fach Englisch einen fixfertigen, 36-seitigen, völlig chaotischen Lehrplanteil «Stoffinhalte und Themen», der statt Stoffinhalte jedoch 414 Kompetenzbeschreibungen enthielt. Dieses unbrauchbare Produkt, welches der Starken Schule beider Basel vorliegt, sollte von einer aus erfahrenen Lehrpersonen bestehenden Arbeitsgruppe ohne strukturelle Änderungen abgesegnet und auf der Sekundarstufe 1 eingeführt werden.

Dank dem energischen Widerstand dieser Lehrpersonen, konnte dieser Lehrplan verhindert werden. Stattdessen erarbeiteten die Lehrpersonen einen klar strukturierten und übersichtlichen Stofflehrplan, der vom Bildungsrat in der Zwischenzeit beschlossen wurde. Hier können sie diesen Lehrplan herunterunterladen. Er wird von sämtlichen Bildungsorganisationen (SLK, KLS, AKK, SSbB und LVB) befürwortet.

 
 
17.10.2020

Die Notwendigkeit von Stoffinhalten und Lernzielen

Man sollte meinen, als Lehrkraft müsste man sich vor allem auf den Unterricht und gelegentlich auf renitente Schüler konzentrieren. Im Kanton Basel-Landschaft allerdings ist auch der Kampf gegen die Uneinsichtigkeit einiger renitenter AVS-Angestellten Teil des Arbeitspensums von Lehrpersonen.

Der Einsatz gegen die lernunwirksame kompetenzorientierte Passepartout-Ideologie geht ins achte Jahr und noch immer arbeiten etliche Primar- und ein paar wenige Sekundarlehrkräfte mit den berüchtigten Lehrwerken. Immerhin ermöglichte Erziehungsdirektorin Monica Gschwind, das auf der Kompetenzorientierung basierende Lehrmitteldiktat der Fachhochschulen zu kippen. In der Folge herrscht in Baselland Lehrmittelfreiheit und es kommen wieder vermehrt seriöse, auf Lernziele und Stoffinhalte aufbauende Schulbücher zur Anwendung.

Doch für die über unterschiedliche Schulstufen kontinuierlich fortgeführte Stoffvermittlung mit eben diesen Lehrwerken braucht es logischerweise auf Stoffinhalte und Lernziele aufbauende Lehrpläne. Ansonsten sind verbindliche Treffpunkte zwischen den Schulstufen schlicht nicht möglich. Lehrmittelfreiheit im Rahmen ausschliesslicher Kompetenzorientierung ist in etwa so, als ob man zur Energiegewinnung Braunkohle und Sonnenkraft gesetzlich zulässt, Sonnenkollektoren aber verhindert. Die weitverbreitete Einsicht in die Notwendigkeit von Lernzielen bzw. Stoffinhalten in den Lehrplänen widerspiegelt sich in über 84% der Stimmberechtigten, die diesem Anliegen 2018 zustimmten.

Das Durchboxen der Kompetenzformulierungen in beiden Lehrplanteilen A und B erscheint als weiterer Versuch besagter AVS-Beamten, nicht nur die Passepartout-Lehrmittel zu retten, sondern den Einsatz lernziel- bzw. stoffbasierter Lehrbücher zu behindern. Es stellt sich die Frage, für wen diese Leute eigentlich tätig sind: für die Volksschule oder die entsprechenden Passepartout-Verlage? Und woher nehmen sie die Dreistigkeit, sich über Volksentscheide hinwegzusetzen? Und warum gebietet die Bildungsdirektion diesem Treiben nicht Einhalt? Ausschliesslich kompetenzbasierte Lehrpläne sind jedenfalls bereits vor deren Einsatz veraltet, jetzt da aus Gründen viel grösserer Lerneffizienz immer mehr Lehrwerke eingesetzt werden, die auf Stoffinhalten und Lernzielen gründen.

Nichts spricht gegen Kompetenzen. Im Gegenteil! Sie sind Folge guten Unterrichts mit guten Lehrbüchern. Werden hier Ursache und Folge verkehrt, steht die Schulwelt kopf. Was dabei rauskommt, zeigt auf katastrophale Weise die Passepartout-Ideologie: Inkompetenz.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

13.10.2020

Die Arroganz der vermeintlichen Deutungshoheit

Verschiedene aktuelle Artikel zu den Entwicklungen in Sachen Lehrpläne und Lehrmittel benennen in corpore einen einzigen Missstand: Die Arroganz derjenigen, die meinen, aufgrund ihrer momentanen Machtposition im (kantonalen) Bildungswesen, die Deutungshoheit in Sachen Lehren und Lernen vereinnahmen zu dürfen.

Offenbar gehört es zu den Zeiterscheinungen des neuen Jahrtausends, dass vermeintlich neue Ideen im Bildungssektor zu pseudoreligiösen Dogmas hochstilisiert werden. Ein solches Dogma ist die Kompetenzorientierung, an der auf Teufel komm raus festgehalten wird. Verbunden damit sind einerseits Lehrpläne (oder sollte ich besser schreiben «Leerpläne»), die seitenstark, aber ohne nährende Inhalte gefüllt, daherkommen und vorgaukeln, ein neues pädagogisches Zeitalter einzuläuten.

Ich durfte an einer sogenannten Ratingkonferenz der Sekundarstufe 1 im Fach Musik teilnehmen. Irgendwann im Verlauf der Veranstaltung stellte ich die Frage, wer denn diesen Lehrplan geschrieben hat. Dabei ging es bereits um die Fassung Lehrplanteil A mit konkreten stofflichen Inhalten. Doch ebendieser Lehrplan bestand im Wesentlichen lediglich aus Zielformulierungen und Treffpunktvorgaben, die in ihrer Banalität entweder schon beinahe lächerlich waren oder aber derart hochgestochen daherkamen, dass ich mich fragen musste, ob es hier um die Vorbereitungen zum Eintritt in die Musikfachhochschule geht. Hauptsache, Ziele nach der Fassung: Die Schülerin, der Schüler soll und kann…

Dasselbe bei den Lehrmitteln. Auch hier wird das Mantra der Konstruktivität in Verbindung mit Kompetenzen hochgehalten. Im Fach Mathematik bestehen auch die Folgelehrmittel nach dem berühmt-berüchtigten Mathbu.ch lediglich aus Aufgabensammlungen – theoretische Herleitungen und Erklärungen sind absolute Mangelware. Selber machen und ausprobieren – das ist das Gebot der immer noch andauernden Stunde.

Übertragen auf die Situation eines Flugschülers hiesse das: Probiere mal. Aus Fehlern lernt man. Das geht so lange gut, als dass erstens eine entsprechend theoretische Vorbereitung und zweitens eine enge Begleitung und Instruktion durch einen Fluglehrer gewährleistet ist. Doch sogenannt moderner Unterricht geht eher vom Alleinflug aus, bevor die entsprechende Schulung hat stattfinden können. (Frontale) Instruktion? Verpönt! Ich habe vor acht Jahren (Segel) Fliegen gelernt und bin froh, dass dies auf klar instruierendem und nicht auf primär konstruktivistischem Weg geschehen ist – zweiteres hätte ich wahrscheinlich nicht überlebt…

Das BL-Stimmvolk hat den mangelnden Nährstoffgehalt konstruktivistischer und kompetenz-orientierter Stoff(nicht)vermittlung erkannt und in Abstimmungen klar entschieden. Doch es ist inzwischen demokratische Mode geworden, solche Volksentscheide auszuhebeln.

Daniel Vuilliomenet, Lehrperson Sekundarstufe 1

 

12.10.2020

AVS kocht eigenes Lehrplansüppchen

Das Amt für Volksschulen (AVS) lässt Bildungsrat, Parlament und Öffentlichkeit glauben, erfahrene Fachlehrpersonen würden die Lehrpläne Volksschule Baselland erarbeiten. In Wirklichkeit erarbeitet das AVS die rein kompetenzorientierten Lehrpläne und lässt diese durch die Fachexpertinnen und -experten, welche höchstens nur noch punktuelle Änderungen vornehmen sollen, absegnen.

Eigentlich ist es völlig dreist, wie das AVS seine eigenen Lehrpläne der Sekundarstufe 1 im Kanton Basel-Landschaft durchzwängt; meistens mit Erfolg, ausser im Fach Englisch. Dort biss sich das AVS am Engagement der Arbeitsgruppe, welche aus erfahrenen Englisch-Lehrpersonen bestand, die Zähne aus. Diese weigerten sich, lediglich die Rolle eines Marionettengremiums einzunehmen.

Das AVS, welches für die Volksschulen zuständig ist, steht regelmässig vor der Aufgabe, die Erarbeitung von Lehrplänen und die Evaluation neuer Lehrmittel zu begleiten. Beim Begleiten bleibt es jedoch in den wenigsten Fällen. In der Regel bestimmt das AVS in gekonnter Manier, wie die neuen Lehrpläne betreffend Struktur, Umfang und Inhalt auszusehen haben. So auch geschehen bei den heute gültigen Lehrplanteilen «Stoffinhalte und Themen», die nichts mit Stofflehrplänen zu tun haben, sondern eine Ansammlung von Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 sind (ausser im Fach Englisch und Französisch). Mit allen Mitteln versucht das AVS einen Grossteil der 3'536 oft schwammigen Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 auch in unserem Kanton im Lehrplan Volksschule Baselland zu verankern und damit Stofflehrpläne zu verhindern. Und niemand solle es merken.

Die Strategie des AVS ist eigentlich eine ganz einfache: Sie bilden eine Arbeitsgruppe aus möglichst obrigkeitsgläubigen Fachlehrpersonen, welche offiziell die Aufgabe erhalten, einen neuen Lehrplan zu erarbeiten. Wobei: Erarbeiten müssen sie rein gar nichts. Sie erhalten vom AVS einen fixfertig ausgearbeiteten, rein kompetenzorientierten Lehrplan vorgesetzt, mit einem klaren Auftrag, was sie damit tun dürfen und was sie gefälligst lassen sollen: Erlaubt sind einzelne Treffpunkte im vorhandenen, kompetenzorientierten Lehrplan «zusammenzufassen». Allfällige «Streichungen sind gut zu begründen und eher eine Ausnahme», schreibt das AVS in seinem Anweisungspapier an eine Arbeitsgruppe. Und Änderungen seien «im Korrekturmodus ins Word-Dokument» einzuarbeiten. Exemplarisch sei hier ein Beispiel einer Kompetenzbeschreibung genannt, welche das AVS im Englisch-Lehrplanteil «Stoffinhalte und Themen» der ersten Sekundarklasse drin haben wollte: «Die Schülerinnen und Schüler können die optische Wirkung von Lesetexten entdecken und beschreiben.»

Der Druck des AVS ist deutlich spürbar. Am Schluss segnen die einzelnen Fach-Arbeitsgruppe den von ihnen höchstens punktuell veränderten AVS-Lehrplan ab. Das AVS leitet den Lehrplan anschliessend zur Beschlussfassung an den Bildungsrat weiter. Diesem gaukelt es vor, die Arbeitsgruppen hätten den Lehrplan erarbeitet, das AVS sei lediglich der Überbringer und nicht verantwortlich für den Inhalt.

Diese Strategie hat in allen Fächern – ausser in Englisch – funktioniert. Die Englisch-Lehrpersonen taxierten den vorgesetzten kompetenzorientierten Lehrplan als unbrauchbar und erarbeiteten gegen den Willen des AVS von Grund auf einen neuen Lehrplanteil «Stoffinhalte und Themen». Die Arbeitsgruppe wehrte sich erfolgreich gegen die versuchte Beeinflussung durch das AVS. Sie verdienen Respekt für ihr Engagement und ihr Standvermögen. Dank ihnen geniessen die Englischlehrpersonen auf der Sekundarstufe 1 einen Lehrplanteil A «Stoffinhalte und Themen», der diesen Titel verdient. Er ist kurz, prägnant, übersichtlich und klar strukturiert geschrieben und wurde von den Bildungsorganisationen AKK, LVB, SSbB, KLS und SLK in höchsten Tönen gelobt.

Lesen Sie zum fragwürdigen Vorgehen des AVS den folgenden Artikel «Arbeitsgruppe Fremdsprachen werden als Marionetten benutzt» von Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule beider Basel. In diesem Artikel zeigt die Autorin eindrücklich auf, wie das AVS die von der Bildungsdirektion erhaltenen Arbeitsaufträge eigenmächtig abänderte, um den vom AVS fabrizierten kompetenzorientierten Lehrplan durchzuzwängen.

Regina Werthmüller
Landrätin parteilos, Vorstand Starke Schule beider Basel  
 
 
11.10.2020

Frühfranzösisch: der grösste und teuerste Witz der Schulgeschichte!

Diesen Sommer ist unser Sohn an die Sek P übergetreten. Innerhalb weniger Wochen wurde ihm schmerzlich und in aller Deutlichkeit bewusst, dass er in 4 langen Jahren Französischunterricht mit dem Lehrmittel «Mille feuilles» an der Primarschule von dieser Sprache rein gar nichts mitbekommen hatte. Die Realität hat ihn eingeholt.

Sein Vater hatte ihm zwar immer wieder einmal angedeutet, dass es um seine Französischfähigkeiten – trotz durchgehender Zeugnisnote 6 in allen 4 Jahren! – eher trübe bestellt sei. Aber so richtig nachvollziehen kann er es erst jetzt, wo er zum ersten Mal so etwas wie einen strukturierten Französischunterricht erlebt. Und wo von ihm erwartet wird, dass er gewisse sprachliche Strukturen mündlich und schriftlich anwenden kann. Bezeichnend ist, dass an der Sek P nun mit dem Lehrmittel «Le Cours intensif 1» (Klett-Verlag) gearbeitet wird. Dieses Lehrmittel beginnt in Französisch wieder bei null: Mit «avoir» und «être», mit den Personalpronomen und basalem Wortschatz. Ein klareres Eingeständnis, dass die 4 Jahre Frühfranzi an der Primar zu 100% wirkungslos verpuffen, gibt es nicht.

Die bittere Wahrheit sieht nämlich so aus: Den allermeisten Schülerinnen und Schülern ist nach 10 Jahreslektionen (= knapp 400 Einzellektionen!) Französisch an der Primar z.B. nicht bekannt, …

  • dass (und wie) «je» und «j’ai» verschieden ausgesprochen werden und etwas Unterschiedliches bedeuten;
  • was es mit «un/une» respektive «le/la» auf sich hat;
  • wie «le» und «les» korrekt ausgesprochen werden;
  • wie man ein -er-Verb konjugieren könnte;
  • was allereinfachste Unterrichtsanweisungen wie «Ouvrez les livres» oder «Lis la phrase» meinen könnten;
  • wie elementarste Smalltalk-Formulierungen wie «Comment tu t’appelles?» usw. gebildet/ausgesprochen/beantwortet werden müssen.

Ich habe mich mit zahlreichen Eltern, deren Kinder teilweise dieselbe oder andere Sekundarschulen besuchen, unterhalten. Die Aussagen sind überall ähnlich oder identisch. Und dabei geht es noch um jene Schülerinnen und Schüler, welche angeblich am meisten können sollten in Französisch! Das mit vollkommen unrealistischen Verheissungen eingeführte Frühfranzösisch ist kolossal gescheitert und kann verlustlos wieder gestrichen werden. Den Primarschulkindern wäre mit einem zusätzlichen freien Nachmittag pro Woche sicher mehr gedient. Und mit dem Geld würde man lieber die Schulbauten verbessern. Oder gute Leseförderung in Deutsch betreiben.

Übrigens: Innerhalb von 4 Tagen habe ich – und das ganz ohne das Hirngespinst «Didaktik der Mehrsprachigkeit» – unserem Sohn nach Feierabend das beigebracht, was er benötigte, um im ersten Französischtest bestehen zu können (dafür hätte er allerdings 4 Jahre lang Zeit an der Schule gehabt…). Aber was ist mit jenen Kindern, die zuhause niemanden haben, der ihnen so helfen kann? Die lässt man im Stich.

Alternative Lehrmittel stehen zur Verfügung

Im Kanton Basel-Landschaft dürfen Primarlehrpersonen ab der fünften Klasse die Passepartout-Lehrmittel ersetzen. Falls Ihr Kind noch immer mit dem Lehrmittel Mille Feuilles unterrichtet wird, so motivieren Sie die Primarlehrperson, das Lehrmittel zu wechseln. Es geht um Ihr Kind.
Handeln Sie jetzt nicht, so riskieren Sie, dass ihr Kind spätestens an der Sekundarschule Schwierigkeiten erhält.

Das Schulfach Französisch hatte immer schon einen schweren Stand. Aber nun wurde es langfristig, womöglich endgültig ruiniert. Es ist bei den Schülerinnen und Schülern noch unbeliebter als je zuvor. Die PH-Studenten wählen es grossmehrheitlich ab. An den Unis findet man kaum noch Romanistik-Studentinnen. Leider muss damit gerechnet werden, dass dieser Wahnsinn noch 10-15 Jahre so weitergehen wird – erst dann werden alle verantwortlichen Personen von den PHs und aus der Politik in Rente gegangen sein. Bis dahin wird selbstmörderisch weiter «erfolgreich» gescheitert auf der ganzen Linie. Und Verantwortung dafür übernehmen muss sowieso niemand.

Nicht zu beantworten bleibt angesichts der eklatanten Misere diese Frage: Warum gibt es nicht längst einen flächendeckenden Aufstand von Eltern und Lehrkräften gegen diese gewaltige Geld- und Zeitvernichtungsmaschine? Aus dem politischen Milieu ist das nicht zu erwarten, denn sonst müsste man ja über die Verantwortlichkeiten sprechen.

Gastbeitrag eines Vaters und Lehrers aus der Nordwestschweiz
(Name der Redaktion bekannt)

[Quelle: Condorcet-Blog, 20. September 2020]