Starke Schule beider Basel

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News

  • Montag, Januar 20, 2020

    Sanierung der Sekundarschule Frenke in Liestal

    Die Regierung beantragt dem Landrat einen Realisierungskredit in der Höhe von 18.2 Millionen Franken, um das 46 Jahre alte Sekundarschulhaus Frenke in Liestal umfassend zu sanieren.

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  • Sonntag, Januar 19, 2020

    Sekundarschüler musste wegen Drogenkonsum ins Spital

    Ein 12-jähriger Schüler der Sekundarschule Gelterkinden konsumierte das starke Beruhigungsmittel Xanax und musste daraufhin hospitalisiert werden.

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  • Donnerstag, Januar 16, 2020

    Informatik wird Pflichtfach am Gym

    Ab dem Schuljahr 2021/22 wird an den Baselbieter Gymnasien das Fach Informatik im Rahmen von drei Jahreslektionen über die gesamten vier Schuljahre hinweg zum Pflichtfach. Damit soll dem latenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden

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Leserbriefe

Geleitete Lehrmittelfreiheit: Mit Trick 15 zurück zum Status quo ante!

Die zwangsverfügte Verwendung von Mille feuilles und Clin d’oeil ist zwar aufgehoben. Beide dürfen aber weiter verwendet werden, obwohl nach eingehender Analyse mit diesen Lehrmitteln nicht alle Lehrziele abgedeckt sind. Da aber die Auswahl der Lehrmittel in der pädagogischen Verantwortung der Lehrpersonen liegt, können ein paar Unverbesserliche aus irgendwelchen Gründen munter weiter mit Mille feuilles arbeiten. Halb so schlimm: Mit genügend Zusatzmaterialien sind die geforderten Lehrziele vielleicht doch noch zu erreichen.

Einem jüngst an die Eltern der Primarschülerinnen und -schüler verteilten Informationsblatt heisst es: «Im Vordergrund stehen die optimale Förderung der Schülerinnen und Schüler sowie das Erreichen der Vorgaben des Lehrplans.» Dies kann sowohl mit den neuen als auch mit den alten Lehrmitteln erreicht werden. Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Aber Sprachkenntnisse kann er wohl kaum vermitteln.

Markus Müller, Allschwil

 

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16.1.2020

Vorstand der SSbB wird verstärkt

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) beabsichtigt in diesem Jahr, ihre Aktivitäten im Stadtkanton zu verstärken und in die Bildungspolitik einzugreifen, zugunsten der Volksschulen, ihrer Schüler/-innen und den Lehrpersonen. Zu diesem Zweck hat sich der Vorstand verstärkt.

Neu dabei ist seit Beginn dieses Jahres Kathrin Zimmermann, die sich aktiv in ihrem Wohnort Basel-Stadt einbringen wird. Sie ist dreifache Mutter, wobei zwei ihrer Kinder im schulpflichtigen Alter sind und das jüngste Kind im Sommer in den Kindergarten kommt. Kathrin Zimmermann unterrichtet die Fächer Deutsch und Englisch. Zurzeit besucht sie im Rahmen des konsekutiven Ausbildungsganges die Pädagogische Hochschule (PH) in Muttenz.

Während im Landkanton verschiedene Bildungsreformen, wie z.B. die Sammelfächer oder die unsägliche Passepartout-Ideologie in den Fremdsprachen Englisch und Französisch erfolgreich gestoppt werden konnten, will das Basler Erziehungsdepartement offensichtlich an den heftig kritisierten Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» festhalten, ohne nachvollziehbare Begründung und entgegen der ungenügenden Resultate diverser Untersuchungen. Widerstand aus Kreisen der Lehrpersonen war bis anhin selten. Hinter vorgehaltener Hand wird dafür der Leiter der Volksschulen Basel-Stadt verantwortlich gemacht. Ihm sei es gelungen, Kritik an der offiziellen Bildungspolitik seitens der Lehrpersonen unter einem Mantel des Schweigens zu halten. Wie real das hier angesprochene Szenario ist und inwiefern allenfalls rechtlich abgestützt, sei dahingestellt. Jedenfalls verfehlt es offenbar seine Wirkung bei vielen Basler Lehrpersonen nicht.

Die SSbB möchte mit Hilfe einer offenen und transparenten Bildungspolitik diesem Zustand entgegen-wirken und auch unangenehme Fragen stellen. Unser Ziel ist es, das Gute beizubehalten und das Unge-nügende zu verbessern. Die Lehrpersonen sollen gestärkt werden und mehr Verantwortung resp. Entscheidungskompetenzen erhalten. Wenn sie sich frei von Angst äussern können, kann ihre Expertise und Berufserfahrung unmittelbar in die Bildungspolitik einfliessen. Somit können Fehlentwicklungen gestoppt werden, bevor sie Schaden zulasten der Schüler/-innen anrichten.

Kathrin Zimmermann wird als neues Vorstandsmitglied künftig mithelfen, diese Anliegen speziell im Stadtkanton einzubringen.

 

11.1.2020

Lehrmittellisten offiziell publiziert

Gestern hat der Kanton die offiziellen Lehrmittellisten publiziert, welche ab Januar 2020 in Kraft sind. Erfreulich ist, dass der Bildungsrat korrigierend eingegriffen hat: Entgegen der Empfehlung der Arbeitsgruppe Englisch Primar, hat er mit «English Plus» (Verlag Oxford) ein weiteres international anerkanntes Lehrmittel, welches sich nicht nach der Passepartout-Ideologie richtet, auf die Lehrmittelliste gesetzt. Der Bildungsrat hat damit ein klares Zeichen gesetzt, den Volksentscheid vom 24. November 2019 umzusetzen.

Unbefriedigend ist einzig, dass im Fach Französisch für die 3. und 4. Primarklasse kein alternatives Lehrmittel auf der Lehrmittelliste auftaucht. Weshalb das Lehrmittel «Léo et Théo» (Verlag Eli) für die 3. und 4. Klasse Französisch nicht auf die Liste gesetzt wurde, kristallisiert sich in der Zwischenzeit immer stärker heraus. Der Bildungsrat hatte keine Kenntnis der folgenden Informationen:

Der INGOLDVerlag, der das Lehrmittel «Léo et Théo» in der Schweiz vertreibt, bestätigt in einem Schreiben, dass das Lehrmittel «mit seinen Themen, seiner Gestaltung und seiner Methode die Kinder der Altersstufe 3./4. Klasse (…)» anspricht, «stufengerecht» und «klar und einheitlich strukturiert» ist. Nach einer internen Prüfung, ob mit dem Lehrmittel die Lernziele des Lehrplans erreicht werden können, empfiehlt der Verlag «Léo et Théo» auf die Lehrmittelliste zu setzen. Der Verlag bestätigt ebenfalls, dass dieses «per sofort zur Verfügung steht». Diese Aussagen werden durch zahlreiche Primarlehrpersonen bestätigt, welche «Léo et Théo» bereits in diesem Schuljahr erfolgreich einsetzen. Ihre Beurteilung fällt äusserst positiv aus: «Die Kinder sind sehr motiviert, weil sie schnell Erfolgserlebnisse erfahren (…)». Das Gelernte können sie «anwenden, was bei Mille feuilles nicht der Fall ist». Auch betreffend Grundwortschatz und Grammatik kommt das Lehrmittel bei den Primarlehrpersonen sehr gut an.

Die Starke Schule empfiehlt dem Bildungsrat, in Kenntnis dieser Informationen, eine Aufnahme des Lehrmittels «Léo et Théo» auf die Lehrmittelliste zu prüfen, um damit den Lehrpersonen bereits ab dem kommenden Schuljahr auch für die 3. und 4. Primarklasse eine Alternative zu «Mille feuilles» zu geben. Die vom Kanton kürzlich publizierten Lehrmittellisten finden Sie hier (Primarstufe, Sekundarstufe).

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

11.1.2020

Die Lehrmittelfreiheit kommt

Zuerst die gute Nachricht: Das unselige Lehrmitteldiktat durch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ist zumindest für die Sekundarstufe 1 bereits definitiv beendet. Die FHNW wird künftig keine sektiererischen Ideologien mehr verordnen können, für die sich Verlage prostituieren müssen, um einen Lehrmittelauftrag an Land zu ziehen.

Mit English Plus, Solutions, Think, English in Mind und Beyond stehen auf der Stufe Sek.1 gute Lehrwerke zur Auswahl. Ungleich New World mit seinem inexistenten Sprachbad und allen andern Mängeln, berücksichtigen die neuen Sprachbücher Selbstverständlichkeiten in der Fremdsprachenvermittlung: Neben der Förderung von Schreibfertigkeiten mit Rücksicht auf Orthographie, Hör- und Leseverständnis bauen sie systematisch Wortschatz und Grammatikkenntnisse auf, von einfacheren Strukturen zu schwierigeren. Den gleichen Ansprüchen gerecht werden im Französisch auch Tous ensemble und A toi. Zusätzlich steht Dis donc zur Auswahl.

Akzeptabel ist die Situation in Englisch auf der Primarstufe. Neben New World schlug die Arbeitsgruppe um Lukas Flüeler, Co-Präsident der AKK, aus unerklärlichen Gründen zwar mit More nur ein einziges alternativobligatorisches Lehrmittel vor; allerdings griff der Bildungsrat hier korrigierend ein und ergänzte den Vorschlag mit English Plus, einem international sehr bewährten Buch. Somit stehen den Lehrkräften auf der Primarstufe immerhin zwei nicht Passepartout-ideologische Englisch-Lehrwerke zur Verfügung.

Unhaltbarer Zustand im Französisch der ersten beiden Jahre

Völlig unbefriedigend ist die Situation beim Französisch auf der 3. und 4. Primarstufe. Wie der bz vom 3. Januar 2020 zu entnehmen ist, gibt es hier keine Alternative für das unbeliebte Mille feuilles. Der Artikel erwähnt richtigerweise, dass die Lehrmittelfreiheit nicht zuletzt mit 85% angenommen wurde wegen der weitverbreiteten Ablehnung dieses Lehrmittels. Dass es für die ersten beiden Jahre auf der Primarstufe dennoch alternativlos bleiben soll, ist inakzeptabel. Dies umso mehr, als dass die Begründung hierfür faktenwidrig ist.

Françoise Kessler, Mitglied der Arbeitsgruppe Primar Französisch, behauptet, mit Léo et Théo könnten die Lernziele nicht erreicht werden. Dies ist eine Verkehrung der Tatsachen. Denn insbesondere vom Institut für Mehrsprachigkeit in Fribourg (IfM) liegt genau dieser Befund vor, allerdings für Mille feuilles! Das gleiche Resultat liefert abgesehen von weiteren Studien auch die Überprüfung der Grundkompetenzen in Französisch (ÜGK). Diese sind unbefriedigend wegen Mille feuilles. Mit andern Worten wird hier ein untaugliches alternativobligatorisches Lehrmittel ohne Alternative durchgedrückt, obwohl es zusätzlich mindestens ein besseres gäbe. Erklärt werden kann diese Absurdität mit dem Umstand, dass Françoise Kessler und Lukas Flüeler Mitte 2018 eine Petition einreichten für die Beibehaltung von Mille Feuilles. Der dortige Grundtenor: Die Primarstufe hat einen grossen Reform bedingten Aufwand zu bewältigen, wir wollen uns nicht in ein neues Lehrwerk einarbeiten. In der Tat sind es in erster Linie die ständigen Reformen gepaart mit der Integration, welche Lehrkräfte am meisten belasten. Wer allerdings so argumentiert, nimmt in Kauf, dass den Dritt- und ViertklässlerInnen der Primarstufe weiterhin ein gutes Französisch-Lehrwerk verwehrt bleibt. Zusätzlich wird übersehen, dass im Gegensatz zu Mille feuilles ein gutes Lehrwerk die Lehrpersonen entlastet.

Der Druck der Elternschaft wird steigen

Auf diesem Hintergrund wird der an sich erfreuliche Umstand relativiert, dass für die 5. und 6. Primarstufe mit Dis donc und vor allem mit Ça bouge nun zwei zusätzliche alternativobligatorische Lehrmittel zur Auswahl stehen. Aber nach zwei Jahren des Französischunterrichts mit Milles feuilles im dritten und vierten Schuljahr wurde bereits ein nachteiliges Lernverhalten antrainiert, u.a. aufgrund fehlender Korrekturen und Wortschatzvermittlung. Entsprechend mangelhaft sind sodann das Leseverständnis sowie die mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit. Nicht einmal 11% der Schülerschaft erreicht in der Folge die Ziele der Passepartout-Kantone. (siehe NZZ vom 8. Januar 2020) Sollte oben erwähnte Petition von Kessler und Flüeler tatsächlich im Sinne der Primarschullehrkräfte entstanden sein, ist zu befürchten, dass allenfalls mehr als nur ein, zwei Lehrpersonen ab dem 4.Primarschuljahr auf kein anderes Lehrmittel umsteigen werden. Die dadurch entstehenden Stofflücken nach vier Jahren Französischunterricht mit Mille feuilles können anschliessend auf der Sek. Stufe I kaum noch behoben werden. Die Negativkonditionierung hat sich bis dann nämlich verfestigt.

In der Folge ist zu erwarten, dass Eltern u.a. anlässlich von Elternabenden und Standortgesprächen zu Recht Druck ausüben werden auf diejenigen Lehrkräfte, welche trotz Alternativen weiter mit Mille feuilles unterrichten. Der Lernerfolg von SchülerInnen, die der Passepartout-Ideologie ausgesetzt werden, ist bekanntlich viel geringer als derjenige von Lernenden, die man mit seriösen Lehrmitteln unterrichtet. Eltern wissen dies und sie werden es verständlicherweise nicht akzeptieren, sollte ihr Kind benachteiligt werden.

Behinderung eines gesunden Wettbewerbs

Aufhorchen lässt der zuvor erwähnte bz-Artikel mit einem Zitat, wonach ausländische Lehrmittel dem Schweizer Lehrplan entsprechen müssten. Warum sollte denn ein anderswo bewährtes Lehrmittel sich für den Schweizer Lehrplan nicht eignen? Lernen Kinder und Jugendliche in der Schweiz Fremdsprachen anders als solche in anderen Ländern? Natürlich liegt hier keine Eigenheit vor im Sprachzentrum des Schweizer Gehirns junger Menschen. Eigen im wahrsten Sinne des Wortes ist vielmehr der Schweizer Lehrplan21 mit seinen Tausenden in der Unterrichtspraxis irrelevanten Kompetenzbeschreibungen. Diese entpuppen sich folglich als Heimatschutz, der ausländische Verlage vom Schweizer Markt fernhalten soll. Erst wenn jene pro forma etwas Kompetenzschnickschnack in ihre Lehrwerke packen, dürfen sie bei uns verkaufen. Heimatschutz ist teuer. Den Preis dafür bezahlt haben bis anhin Schweizer SchülerInnen.

Ein solcher Protektionismus ist beschämend für ein Land, das sich für seinen Marktliberalismus rühmt und ansonsten auf Freihandel setzt. Erstaunlich auch, dass sich der an sich renommierte Schweizer Schulverlag plus - mit Bonne Chance immerhin der Entwickler des bis anhin vielleicht besten Französischlehrmittels - sich den irrigen Vorgaben der FHNW unterwarf, um den Zuschlag für das vielleicht schlechteste Lehrmittel zu erhalten.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

3.1.2020

Bildungsrat beschliesst ein weiteres Fremdsprachenlehrmittel

An seiner Sitzung vom 18. Dezember hat der Bildungsrat die neuen Lehrmittel für die beiden Fremdsprachenfächer Englisch und Französisch beschlossen. Erfreulicherweise figuriert zusätzlich zur bereits bekannten Liste auch «English Plus» für die Primarstufe auf der Lehrmittelliste, wie die Basellandschaftliche Zeitung gestern Freitag berichtete. Die Primarlehrpersonen erhalten damit für Englisch ein weiteres, bewährtes Lehrmittel mit einer aufbauenden Struktur, in welchem auch Grundwortschatz, Orthografie und Grammatik einen wichtigen Platz einnehmen. Folgend die aktualisierte Liste der Lehrmittel, die zurzeit noch provisorisch ist. Der Bildungsrat kommuniziert die definitive Liste erst ca. Mitte Januar.

 Stufe + Fach
 Buch
 Verlag
 Sek 1 Englisch
 Solutions  Oxford
   Think  Cambridge
   English Plus
 Oxford
   English in Mind     
 Cambridge
   Beyond  Macmillan
   New World
 Klett
 Primar Englisch
 More  Cambridge
   English Plus
 Oxford
   New World
 Klett
 Sek 1 Französisch
 Tous ensemble
 Klett
   A toi
 Cornelsen
   Dis donc
 Lehrmittelverlag Zürich 
   Clin d'oeil
 Schulverlag Plus
Primar Französisch  (5./6. Kl.)
 Dis donc
 Lehrmittelverlag Zürich
                                (5./6. Kl.)
 Ça bouge
 Klett und Balmer
                            (3. bis 6. Kl.)
 Mille feuilles
 Schulverlag Plus

Damit stehen den Lehrpersonen in Englisch (für die gesamte Primar- und Sekundarstufe 1) sowie in Französisch (für die 5./6. Primarklasse und die gesamte Sekundarstufe 1) bereits ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 qualitativ gute Lehrmittel zur Verfügung, mit welchen sie «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» ersetzen können.

Ohne den notwendigen politischen Druck und das klare Ja der Stimmberechtigten am 24. November zur Initiative der Starken Schule beider Basel wäre dieser Erfolg kaum in diesem Ausmass möglich geworden.

Baustelle Französischlehrmittel 3./4. Primar

Unbefriedigend bleibt im kommenden Schuljahr einzig die Situation für die 3. und 4. Primarklasse im Fach Französisch. Der Bildungsrat konnte sich bislang nicht durchringen, das bereits heute von mehreren Primarlehrpersonen mit Erfolg verwendete Lehrmittel «Léo et Théo» vom italienischen Verlag Eli auf die Lehrmittelliste zu setzen.

Die Primar-Arbeitsgruppe Französisch hat aus unverständlichen Gründen das Lehrmittel «Léo et Théo» gar «nicht detaillierter (…) evaluiert», was aus einem Mail der Arbeitsgruppe hervorgeht. In der Basellandschaftlichen Zeitung vom 2. Januar wird Françoise Kessler, Mitglied der Arbeitsgruppe, inhaltlich völlig anders zitiert: «Wir haben dieses Lehrmittel seriös geprüft». Und weiter: «Grundsätzlich sei es für jüngere Kinder gemacht». Dieser Aussage widerspricht der Ingold-Verlag deutlich: Das Lehrmittel «Léo et Théo» sei bis zur vierten Primarklasse konzipiert. Auch die Primarlehrpersonen, welche dieses Schulbuch seit längerer Zeit einsetzen und es fundiert beurteilen können, stufen dieses es als sehr geeignet ein.

Zu den Gründen der Nicht-Berücksichtigung schreibt die Arbeitsgruppe in einem Mail: «Neue Fremdsprachendidaktik nicht genügend berücksichtigt». Dieser Satz legt die wahren Gründe offen: Die Mehrheit der Arbeitsgruppe will an der Passepartout-Ideologie festhalten und evaluierte gar keine echten Alternativen zu «Mille feuilles». Dies führt nun zum unbefriedigenden Entscheid des Bildungsrates, keine Alternativen zu «Mille feuilles» für die 3. und 4. Klasse auf die Lehrmittelliste zu setzen.

Lehrpersonen sind aufgefordert, für alle Fächer weitere Lehrmittel zu testen

Lehrpersonen, welche mit einem Lehrmittel arbeiten wollen, das nicht auf den vom Bildungsrat verabschiedeten Lehrmittellisten aufgeführt ist, können folgendermassen vorgehen:

Jeweils mindestens zwei Lehrpersonen stellen beim Amt für Volksschulen, z.Hd. der Lehrmittelkommission ein Gesuch für ein Pilotprojekt. Sie geben das gewünschte Lehrmittel, den Schulort und die Klassen an, in welchen Sie mit dem Lehrmittel arbeiten wollen. Die Lehrmittelkommission prüft das Gesuch summarisch. Wird das Pilotprojekt bewilligt, werden die Lehrpersonen mit der notwendigen Anzahl Schulbücher inkl. Lehrerband ausgerüstet. Die Lehrpersonen verpflichten sich, am Ende des Projektes einen Evaluationsbericht mit einer Empfehlung zu schreiben. Für den Mehraufwand, der durch die zusätzliche Arbeit entsteht, werden die Lehrpersonen finanziell entschädigt. Fällt ihr Bericht positiv aus, entscheidet der Bildungsrat anschliessend, ob dieses Lehrmittel neu auf die Lehrmittelliste gesetzt wird. Die Lehrmittelfreiheit gilt für alle Fächer.

Verlage stellen die neuen Fremdsprachenlehrmittel vor

Das Amt für Volksschule führt in der Aula der Sekundarschule Pratteln (Schulhaus Fröschmatt) ab dem 9. Januar eine Mini-Didacta für die Englisch- und Französischlehrpersonen durch, an welcher die neuen Fremdsprachenlehrmittel von der Verlagen vorgestellt werden. Ziel ist es, dass die Lehrpersonen "einen ersten Einblick in die neuen Lehrmittel erhalten" sollen. Auf der Webseite des Kantons Basel-Landschaft finden Sie seit anfangs Dezember den Flyer mit allen notwendigen Angaben sowie die neuen, vorgeschlagenen Fremdsprachenlehrmittel (siehe hier).

 

Passepartout-BefürworterInnen gegen Volksentscheid?

Die Arbeitsgruppe (AG) Französisch Primar scheint ihren Auftrag falsch verstanden zu haben, obwohl die Aufgabe eigentlich klar war: Evaluierung und anschliessende Empfehlung von Französischlehrbüchern als Alternativen zu Mille Feuilles. Die Thematisierung der Romandie war keine Bedingung für solche Ersatzlehrmittel - letztere kann die Lehrkraft mit eigenen Materialien im Unterricht einbauen. Schon gar nicht ging es darum, alternative Lehrwerke müssten die Passepartout-Ideologie berücksichtigen. Im Gegenteil: Deren Untauglichkeit bedingt ja überhaupt erst Alternativlehrmittel. Folglich die Suche nach solchen. Kann dies tatsächlich falsch verstanden werden?

Sich widersprechende Interessen

Wahrscheinlicher war der Widerwille unter den tonangebenden Mitgliedern der AG, den Auftrag unvoreingenommen auszuführen, da jene offenbar ausschliesslich die Passepartout-Ideologie befürworten. Doch was hätten solche Passepartout-BefürworterInnen in einer AG verloren, die sich um Alternativen für die Passepartout-Lehrwerke bemühen muss. Man stelle sich vor, überzeugte Lobbyisten würden für eine AG rekrutiert zur Abschaffung des Lobbyismus.

Lukas Flüeler, Co-Präsident der Konferenz der Primarlehrpersonen (PLK), beispielsweise stemmt sich seit Beginn der Debatte insbesondere auf Twitter gegen die notwendige Erneuerung des Fremdsprachenunterrichts. Gleichzeitig war er Mitglied der AG Englisch Primar. Was trieb er dort, die Erneuerung des Fremdsprachenunterrichts? Dank der grossen weltweiten Nachfrage stehen insbesondere für Englisch auf der Primarstufe einige gute Lehrbücher unterschiedlichster Verlage zur Verfügung. Doch von der Arbeitsgruppe als Alternative zu New World vorgeschlagen wurde lediglich ein einziges alternativobligatorisches Lehrmittel, wobei dieses nicht einmal zu den besten gehört.

Konstruktionsfehler in der Zusammensetzung der AGs

Die hier angesprochene Problematik wurde bei der Zusammenstellung der Arbeitsgruppen offensichtlich nicht beachtet. Die Berücksichtigung möglichst vieler Ansprechgruppen (LVB, Starke Schule, AKK, VPOD) ist durchaus sinnvoll. Da es beim Auftrag der AGs aber nicht um die Verhinderung von Alternativen zu den Passepartout-Lehrwerken ging, sondern ums Gegenteil, hätte sichergestellt werden müssen, dass keine Passepartout-BefürworterInnen in den AGs Einsitz nehmen. Denn an der Passepartout-Ideologie haftet seit deren Einführung der Mief einer allein seligmachenden Heilslehre, die nichts neben sich duldet. Folglich wurden damals alle anderen Fremdsprachenlehrmittel verboten. Ausgerechnet Passepartout-BefürworterInnen hätten nun andere Fremdsprachenlehrmittel empfehlen sollen?

Alternativen zu "Mille feuilles" sind ein unbedingtes Muss

In Anbetracht der Abstimmung vom 24. November, bei der die Lehrmittelfreiheit mit 85% angenommen und somit die Passepartout-Ideologie deutlich verworfen wurde, entsteht folglich der Eindruck, dass seitens der Passepartout-BefürworterInnen der Volksentscheid untergraben wird. Dass für den Französischunterricht der beiden ersten Jahre auf der Primarstufe keine Alternativlehrwerke zur Verfügung stehen sollen, obwohl es solche gibt - abgesehen von Léo und Théo u.a. auch La petite Pierre -, ist für das Stimmvolk absolut inakzeptabel. Die Leidtragenden wären einmal mehr die SchülerInnen. Und zwei weitere Jahre des Fremdsprachenunterrichts wären verloren.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

Gutes Franzi-Lehrmittel steht auch für die 3. & 4. Primar zur Verfügung

Die Arbeitsgruppe Französisch Primar empfiehlt nur für die 5. und 6. Primarklasse alternative Lehrmittel zum heftig kritisierten Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles». Dabei steht auch für die 3. und 4. Primarklasse mit «Léo et Théo» vom Verlag Eli ein sehr gutes Französisch-Lehrmittel zur Verfügung. Dabei handelt es sich um drei Bände, die sich für den Spracherwerb bewährt haben, gut strukturiert und aufbauend sind. Bereits heute arbeiten Primarlehrpersonen vorwiegend oder ergänzend mit diesen Büchern erfolgreich. Eine Mail der Arbeitsgruppe Französisch Primar, welches der Starken Schule vorliegt, legt nun die fragwürdigen und brisanten Gründe für die Nichtberücksichtigung dieses Lehrmittels offen.

Französisch-Lehrmittel «Léo et Théo»

Das Lehrmittel «Léo et Théo» des Verlages Eli umfasst drei Bände, die jeweils ein «Cahier de méthode», ein «Cahier d’activités» und einen Lehrerband mit CD beinhalten. Durch den spiralförmigen Aufbau, welcher diverse Themen ab dem Heft 2 vertieft wiederholt, können die drei Bände gut innerhalb von zwei Schuljahren behandelt werden und reichen bis Niveau A2.1. So kann «Léo et Théo» ideal für die 3. und 4. Primarklasse eingesetzt werden und damit das untaugliche «Mille feuilles» ersetzen. Auch die Anschlusslösung ist mit den neu empfohlenen Lehrmitteln «Dis donc» oder «Ça bouge» gegeben.

Motivierender und alltagstauglicher Französischunterricht

Das Lehrmittel ist optisch sehr ansprechend gestaltet. Es beginnt jeweils mit einem Input-Lesetext in Form einer Bildergeschichte, deren Texte das eigentliche Thema der «unité» aufgreifen. Die grammatikalischen Inhalte werden in Kästchen erfasst und mit anschliessenden Übungen vertieft. Die Grammatik baut sehr logisch auf, was dazu führt, dass die Schüler/-innen schon bald einfache Sätze korrekt bilden können. Zudem ist der in den Büchern verwendete Wortschatz absolut alltagstauglich. Die zu lernenden Wörter, die auf einer Liste hinten im Buch zu finden sind, umfassen Themenbereiche wie Hobbies, Familie, Nahrungsmittel, Körperteile, Uhrzeit etc. Dies sind wichtige Aspekte, um die Schüler/-innen motivieren und für die französische Sprache gewinnen zu können. Bereits heute arbeiten mehrere Primarlehrpersonen vorwiegend oder ergänzend mit diesem Lehrmittel.

Arbeitsgruppe Französisch Primar verwirft «Léo et Théo» aus fragwürdigen Gründen

Dessen ungeachtet hat die Arbeitsgruppe Französisch Primar das Lehrmittel «Léo et Théo» schon sehr früh aus fragwürdigen Gründen verworfen und gar keine detaillierte Analyse dazu erarbeitet. Die offizielle Begründung hierzu war, dass die Romandie im Buch nicht behandelt werde. Dies ist deshalb der Fall, weil das Lehrmittel nicht von einem Schweizer Verlag erarbeitet und auch nicht spezifisch für die Schweiz entwickelt wurde. Gleichwohl wird es aber auch bei uns erfolgreich in der Praxis eingesetzt.

Die Argumentation der Arbeitsgruppe Französisch Primar wirft nun die Frage auf, weshalb ein durchaus praxistaugliches Lehrmittel aufgrund eines solch trivialen Grundes gar nicht detailliert geprüft wurde. Bekannt ist, dass eine Mehrheit der Arbeitsgruppe Französisch Primar Verfechter der Passepartout-Ideologie ist und Mille feuilles weiterhin einsetzen will. Eine Mail der Arbeitsgruppe Französisch Primar legt die tatsächlichen Gründe nun offen: «Léo et Théo» wurde verworfen, weil in diesem Schulbuch die «neue Fremdsprachendidaktik nicht genügend berücksichtigt» werde.

Die Arbeitsgruppe will an der Passepartout-Ideologie festhalten und hat offensichtlich nur mit Widerwillen nach bewährten Lehrmitteln mit einer aufbauenden Struktur gesucht, was aber ein klarer Auftrag der Task Force Fremdsprachen und der Bildungsdirektorin Monica Gschwind gewesen war.

Hätte die Arbeitsgruppe «Léo et Théo» fundiert geprüft, so hätte sie dieses Lehrmittel zweifelsfrei empfehlen müssen. Dies hätte aber zur Folge, dass viele Lehrpersonen künftig auf dieses wesentlich strukturiertere Lehrmittel umsteigen und damit in ihren Klassen die Lernziele besser erreichen würden. Lehrpersonen, welche weiterhin «Mille feuilles» einsetzen, kämen dadurch noch stärker unter Druck.

«Léo et Théo» gehört auf die Lehrmittelliste

Die Stimmbevölkerung hat am 24. November 2019 mit fast 85% zur Umsetzung der Initiative «Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt» der Starken Schule beider Basel deutlich zugestimmt. Hiermit wurde ein klares Votum abgegeben, dass eine Lehrmittelfreiheit eingeführt werden soll, um die gescheiterten Passepartout-Lehrmittel ersetzen zu können. Die Haltung, es gäbe in Französisch für die 3. und 4. Klasse der Primarstufe kein Lehrwerk, hat von Beginn weg nicht überzeugt. Nun hat sich herausgestellt, dass «Léo et Théo» bereits heute von mehreren Primarlehrpersonen erfolgreich verwendet wird. Aufgrund dieser offensichtlichen Praxistauglichkeit laden wir den Bildungsrat ein, das Lehrmittel «Léo et Théo» ebenfalls auf die Lehrmittelliste des Kantons zu nehmen und damit den Primarlehrpersonen zu ermöglichen, auch in der 3. und 4. Klasse «Mille feuilles» zu ersetzen.

 

Einfach sehenswert

Die europaweiten Bildungsreformen werden von Dieter Nuhr in 45 Minuten eindrücklich zerpflückt. Warnung: Die Lachmuskeln werden bis aufs Äusserste strapaziert.


 

 
 

Passepartout im Lichte des Qualitätsmanagements

Der PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) ist das wichtigste Werkzeug im Bereich der Qualitätssicherung. Es wird u.a. angewendet bei Fertigungsprozessen, im Management, in der Verwaltung und der Pflege. Im Folgenden soll das gescheiterte Passepartout-Projekt zur Illustration seiner Mängel dem PDCA-Zyklus unterzogen werden.

Phase 1: Plan = Planen

Problembeschreibung, Ursachenanalyse, Zielvorgabe

Passepartout ist eine Nachwehe des inszenierten PISA-Schocks im Jahr 2000. Auf der Kompetenz-Ideologie basierend testete PISA, was nicht Bestandteil kantonaler Lehrpläne sein konnte, da jene damals nicht Kompetenz-ideologisch waren. Die Folge war eine verhängnisvolle Fehlinterpretation der PISA-Ergebnisse: Die Schweizer Schulbildung ist unzulänglich, sie muss verbessert werden. Bei der Fremdsprachenvermittlung bestand der Plan folglich darin, die fälschlicherweise behauptete Unzulänglichkeit durch einen Paradigmenwechsel, dem sog. Sprachbad, zu beheben: Verbringt man genug Zeit im Fremdsprachengebiet, lernt sich die Sprache auch ohne Wortschatzaufbau und Grammatik. Es braucht nur eine permanente Berieselung mit der zu lernenden Fremdsprache. Der Umkehrschluss: Werden Wortschatz und Grammatik ignoriert, lernt sich die Fremdsprache mittels Sprachbad von selbst. Der Irrtum: Mit 3 Lektionen pro Woche lässt sich kein Sprachbad realisieren. Folge: Passepartout bietet weder Wortschatz und Grammatik noch Sprachbad, weshalb die Lernenden nach Jahren des Fremdsprachenunterrichts kaum etwas auf die Reihe bekommen.

Phase 2: Do = Umsetzen

Festlegung der Massnahmen zur Erreichung der Zielvorgabe

Da der Plan auf einer Fehlinterpretation basiert, griffen die Passepartout-Ideologen als Massnahme zu einer List, indem sie den zuvor bewährten Fremdsprachenunterricht als rückständig diffamierten. Es wurde behauptet, die Lehrkräfte legten keinen Wert auf mündliche Kommunikation oder Handlungsorientierung, ihr Fokus liege einzig auf Grammatik und "Wörter büffeln". Die Passepartout-Ideologen konstruierten also einen in Wirklichkeit inexistenten Missstand zur Rechtfertigung ihres angestrebten Paradigmenwechsels. Da es sich um einen von langer Hand geplanten Coup seitens der damaligen kantonalen Bildungsdirektoren handelt, waren die weiteren Massnahmen bereits zuvor festgelegt: die Kompetenz-ideologischen Lehrwerke, Mille Feuilles, Clin d'oeil und New World sowie die als Weiterbildung getarnte obligatorische Hirnwäsche für die Lehrkräfte. Hinzukam die schönfärberische Bezeichnung „Passepartout“ zur medialen Propagierung des Produkts.

Phase 3: Check = Überprüfen

Sammlung von Erfahrungen beim Umsetzen der Massnahmen, Reflexion der Ergebnisse

Eine Reflexion fand kaum statt und Erfahrungen wurden abgewehrt. So ignorierte man grösstenteils die vielen, fast ausschliesslich negativen Bottom-up Rückmeldungen aus der Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft. Die für das Qualitätsmanagement typischen Audits, -Anhörungen von Direktbeteiligten-, fehlten gänzlich. Aber auch wissenschaftliche Befunde wurden verdrängt, teilweise gar diskreditiert. So verunglimpfte Christoph Eymann, damaliger Basler Erziehungsdirektor, die Studie zum Nutzen von Frühenglisch von Simone Pfenninger als „qualitativ ungenügend“. (BAZ, 8.1.18) Aber auch Susanne Zbindens Untersuchung, welche die Unterlegenheit der Passepartout-Französischlehrmittel gegenüber „Bonne Chance“ nachwies, sowie die Evaluation des Instituts für Mehrsprachigkeit in Fribourg (IfM) wurden ignoriert.

Phase 4: Act = Handeln

Evaluation der in Phase 3 gesammelten Erfahrungen und Ableitung des künftigen Vorgehens

Dem zunehmenden Druck nachgebend unternahmen die Verantwortlichen in dieser Phase einen zögerlichen Schritt, aber den falschen und zu spät. So wurden die Lehrmittel zwar ergänzt mit Wortschatzlisten, Grammatikübersichten und Übungsmaterial, doch wurden diese nicht in die Kursbücher integriert, da dies die "reine Lehre" verfälscht hätte. In der Folge werden vielerorts wenn überhaupt lediglich die Zusatzmaterialien verwendet, während die Kursbücher in die Schulschränke und von dort unbenutzt in die Tonne wandern. Die Frustration unter den Lernenden ist zu diesem Zeitpunkt bereits unverantwortlich gross.

Fazit

Passepartout als offenbar nicht zu hinterfragendes Diktat der damaligen Erziehungsdirektoren hat sich als Lähmung der schulischen Fremdsprachenvermittlung herausgestellt. Anstelle von Pilotprojekten erfolgte die flächendeckende Einführung. Eine kritische Hinterfragung seitens der Verantwortlichen fand nie statt. Die Akzeptanz gegenüber vorliegenden negativen Befunden war kaum je vorhanden, da nicht sein kann, was nicht sein darf. 120´000 Lernende wurden bisher als Versuchsobjekte missbraucht. Die Angst vor Gesichtsverlust seitens der heutigen Bildungsdirektionen wiegt schwerer als die Bildungschancen der Schülerschaft. Mit Passepartout steht ebenso die zugrundeliegende Kompetenz-Ideologie und somit der Lehrplan 21 zur Debatte.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

Neu evaluierte Fremdsprachen-
lehrmittel sind bekannt

In den vergangenen Monaten evaluierten vier Arbeitsgruppen für die beiden Fremdsprachenfächer Englisch und Französisch und für beide Schulstufen (Primar und Sek. 1) neue unterrichtsleitende (alternativobligatorische) Lehrmittel. Die evaluierten Schulbücher zeichnen sich durch eine klare Struktur, aufbauenden Wortschatz und Grammatikteile aus. Es handelt sich um bewährte Lehrmittel.

Folgende Lehrmittel wurden von den Arbeitsgruppen evaluiert und als "unterrichtsleitende" Lehrmittel beurteilt (siehe folgende Tabelle). Am 18. Dezember beschliesst der Bildungsrat abschliessend, welche Lehrmittel auf die Lehrmittelliste aufgenommen werden.

 Stufe + Fach
 Buch
 Verlag
 Sek 1 Englisch
 Solutions  Oxford
   Think  Cambridge
   English Plus
 Oxford
   English in Mind     
 Cambridge
   Beyond  Macmillan
 Primar Englisch
 More  Cambridge
 Sek 1 Französisch
 Tous ensemble
 Klett
   A toi
 Cornelsen
   Dis donc
 Lehrmittelverlag Zürich 
 Primar Französisch (5. + 6. Kl.) 
 Dis donc
 Lehrmittelverlag Zürich
   Ça bouge  Klett und Balmer

Neben den unterrichtsleitenden (alternativobligatorischen) Lehrmitteln, soll für Englisch auf der Primarstufe zusätzlich das Buch «English Plus» als empfohlenes Lehrmittel auf die Liste aufgenommen werden.

Die Starke Schule beider Basel erachtet die vorliegende Auswahl betreffend Qualität und Vielfalt für die Sekundarstufe 1 als sehr gut. Unbefriedigend ist, dass auf der Primarstufe das Buch «English plus» nicht als unterrichtsleitendes Lehrmittel, sondern nur als empfohlenes Lehrmittel auf der Liste aufgeführt werden soll. Zudem wird die Lehrmittelfreiheit für Französisch auf der Primarstufe (3. und 4. Klasse) erst mit Verspätung umgesetzt. Neben «Mille feuilles» steht zurzeit noch kein anderes Lehrmittel zur Auswahl, obwohl mehrere Rückmeldungen von Primarlehrpersonen bestätigen, dass es sehr gute Alternativen auch für die 3. und 4. Klasse gäbe.

Auch wenn die drei Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» bis auf Weiteres weiterhin eingesetzt werden dürfen, werden auf beiden Schulstufen diese Lehrmittel innert weniger Jahre weitgehend aus den Schulzimmern verschwinden.  

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

Das Schulfranzösisch ist beliebig geworden

Die Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» sind untauglich und müssen rasch ersetzt werden.

Ich unterrichte seit 33 Jahren Franzö­sisch, die meiste Zeit auf der Oberstu­fe. Nach fünf Jahren Praxis mit «Clin d’oeil» muss ich eine enttäuschende Bilanz ziehen. Die 5 Prozent der Hoch­begabten, die vom klassischen Lehr­mittel unterfordert sind, lernen besser Französisch als je zuvor. Die 20 Pro­zent der Sprachfreaks und die 30 Pro­zent der Immerfleissigen kommen knapp über die Runden. Alle anderen hängen früher oder später ab, weil «Clin d’oeil» keinen Halt in Form von Sprachaufbau und Strukturen bietet.

So versuchen Sprachlehrkräfte wie ich verzweifelt, mit Material aus dem persönlichen Notfallkasten die Löcher zu stopfen. Mit einem «Vocabulaire extra». Mit einem Sprachaustausch in der 9. Klasse. Mit Brücken zum realen Leben, zur Berufswelt, zur Landeskul­tur. Dort ist Französisch nämlich noch immer ein Thema und kann sogar Spass bereiten. Aber für den Spass musst du zuerst ein paar Wörter auf der Festplatte haben. Google Transla­tor ist dazu keine Alternative. Doch die Funktion «Speichern» gibt es bei «Clin d’oeil» leider nicht. Eine nach­haltige Unterrichtseinheit übers Einkaufen, übers Essen, über die Mode, übers Flirten? Fehlanzeige.

Schauplatz Genf: Meine Siebtkläss­lerinnen und Siebtklässler sind unter­wegs in der Stadt. Sie haben den Auf­trag, das Ziel im Parc des Bastions selbstständig zu finden und unterwegs eine Umfrage durchzuführen. Zielpub­likum: junge Leute wie sie. Und weil sie die Umfrage mit Handy dokumentie­ren, kann ich mir zuhause die Resultate anhören. Die sind brisant: Die Hälfte der Kurzinterviews beginnt auf Fran­zösisch und endet auf Englisch.

Französisch hatte es zwar schon immer schwer. Mit der zunehmenden Anglifi­zierung unseres Lebens droht der Franzunterricht aber zum Kampf gegen Windmühlen zu mutieren. Zwei Dinge bräuchten die Schulen, um in diesem Umfeld Erfolge zu erzielen: Gute Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer, die Französisch lieben und beherrschen – und ein starkes Lehrmittel. Beide Bedingungen sind im Kanton Bern nicht erfüllt, und die Hauptschuld trägt das Konzept Passepartout.

Der eine Pfeiler waren die Lehrmittel «Mille feuilles» (Primarstufe) und «Clin d’Oeil» (Sek 1). Aber das pädago­gische Konzept des «Sprachbads», das diesen Lehrmitteln zugrunde liegt, zielt an der Stundentafel der Volks­schule vorbei (2–3 Wochenlektionen Französisch) – und am jungen Men­schen. Die Autoren gingen nämlich davon aus, dass die Drittklässlerin und der Neuntklässler immer und automatisch Appetit auf Französisch hätten, solange man ihnen nur die dicke Menükarte zureiche, aus der sie ihre Leckerbissen auswählen könnten. Indem sie den jungen Menschen idealisierten (und Entwicklungsphasen wie die Pubertät ignorierten), schufen sie eine Ideologie. Mit ihrer Beliebtheitspädagogik erreichen sie Beliebigkeit.

Der andere Pfeiler war die Einführung von Frühfranzösisch. Diese geht auf einen Entscheid des Grossen Rates zurück, der für einen zweisprachigen Kanton nachvollziehbar erschien. Pädagogisch steht er aber auf schwa­chen Füssen, denn es gab und gibt zu wenig Franzlehrkräfte. Also engagie­ren die Primarschulen jetzt Erwachse­nenbildnerinnen, pensionierte Lehr­kräfte oder Romands, die in ihrer Gemeinde wohnen. Die erweisen sich häufig als taugliche Notlösung, aber den Personalbedarf decken sie nicht. Darum werden zum Französisch auch Lehrpersonen verknurrt, die weder Flair noch Kompetenz aufweisen. Im schlimmsten Fall sprechen sie im Unterricht konsequent Deutsch.

Die ersten Evaluationen der Wissen­schaft zum neuen Französischunter­richt sind schonungslos: Passepar­tout-Absolventinnen und -Absolven­ten haben zwei Jahre länger Französisch und können weniger als ihre Vorgänger. Passepartout, mit seinen aufwendigen Lehrmittelkursen und seinen Einweg-Lehrmitteln, ist eines der teuersten Projekte der Ber­ner Schulgeschichte. Für den Schul­verlag und den Kanton ist es zu einem finanziellen Klumpenrisiko geworden. So nimmt unser Franz seinen teuren Lauf. Mutige Schulen schaffen heim­lich das Ostschweizer Lehrmittel «Dis donc!» an, ängstliche fahren die Lernziele zurück. Und ein renommier­ter Verlag lanciert sein neues Lehr­werk mit der Frage: «Suchen Sie eine Alternative zu Ihrem Französisch-Lehrmittel?» Die Gymnasien und Berufsschulen lassen derweil den gan­zen Grundwortschatz und die Verbfor­men nachbüffeln. Im zweiten Ausbil­dungsjahr beginnt die Aufholjagd zur Matur oder zum Sprachdiplom.

Passepartout – ça ne passe pas. Wir müssen das Tor zur Romandie öffnen, nicht schliessen. An die Arbeit oder au boulot, wie die Romands sagen!

Andreas Aebi
Schulleiter und Sprachlehrer an der Sekundarschule Langnau

[Quelle: Erschienen in «Der Bund», am 6.12.2019]

 

Medienmitteilung

Das Aus von «Mille feuilles»,
«Clin d’oeil» und «New World»

Die Umsetzungsvorlage der Initiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt» wurde vom Stimmvolk mit 84.8% Ja-Stimmen wuchtig angenommen. Die Starke Schule beider Basel freut sich über dieses beeindruckend klare Ergebnis, welches in dieser Deutlichkeit nicht erwartet wurde.

Der Bildungsrat ist in der Pflicht

Das bemerkenswert klare Ergebnis lässt keinen Deutungsspielraum zu: Die Bevölkerung will eine Lehrmittelfreiheit, welche es den Lehrpersonen ermöglicht, die untauglichen Passepartout-Lehrmittel samt der ihnen zugrundeliegenden «Didaktik der Mehrsprachigkeit» zu ersetzen. Gefordert sind strukturierte und bewährte Lehrmittel mit einem alltagsgebräuchlichen Wortschatz, die den Schulkindern statt Frust und Demotivation endlich wieder einen nachhaltigen und motivierenden Fremdsprachenunterricht bringen. Der Bildungsrat ist nun in der Pflicht, den Willen der Stimmbürger/-innen schnell umzusetzen und noch vor Jahresende die von Fachexperten/-innen bereits evaluierten und empfohlenen neuen Lehrmittel zu beschliessen, so dass diese wie geplant ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 auf beiden Schulstufen (Primar und Sek. 1) eingesetzt werden können und damit den Lehrpersonen eine echte Auswahl und Vielfalt zur Verfügung stehen.

Lernziele konnten mit den Passepartout-Lehrmitteln nicht erreicht werden

Das überaus klare und richtige Verdikt ist eine logische Folge der fundierten Analyse des Institutes für Mehrsprachigkeit (IfM) der Universität Fribourg, welches die Lernerfolge von 4'400 Schüler/-innen aus allen sechs Passepartout-Kantonen am Ende der Primarschulzeit untersucht hat und zum unmissverständlichen Ergebnis kam: Mit «Mille feuilles» erreicht eine Mehrheit der Schüler/-innen die Lernziele nicht. Und noch bedenklicher: Mit «Mille feuilles» kann der Lehrplan gar nicht erfüllt werden.

Das Ende der Ära „Mille feuilles“, «Clin d’oeil» und «New World»

Das heutige Abstimmungsresultat läutet das Ende einer langen Durststrecke im Fremdsprachenunterricht ein. Mit einem Schlag werden sehr viele Lehrpersonen auf andere, zielführende Lehrmittel wechseln. Diejenigen Lehrpersonen, welche weiterhin die Passepartout-Lehrmittel einsetzen, werden zunehmend unter Druck geraten, wenn viele ihrer Schützlinge die Lernziele nicht erreichen. Wir gehen davon aus, dass innert kurzer Zeit selbst die meisten der heutigen Passepartout-Verfechter/-innen freiwillig auf bewährte Lehrmittel wechseln werden, damit ihre Abgänger/-innen in den Anschlussschulen bestehen können. Damit werden „Mille feuilles“, «Clin d’oeil» und «New World» in wenigen Jahren aus den Schulzimmern weitgehend verschwunden sein.

Die Starke Schule begrüsst diese Gesetzesänderung gerade deshalb, weil damit im Bildungsgesetz auf ein explizites Verbot von Passepartout-Lehrmitteln verzichtet werden kann, und das Ziel dennoch erreicht wird, dass die untauglichen Passepartout-Lehrmittel von der Bildfläche verschwinden.

Zwei Fliegen auf einen Schlag

Die heute vom Volk beschlossene Änderung des Bildungsgesetzes gibt den Lehrpersonen nicht nur eine geleitete Lehrmittelfreiheit in den beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch, sondern in allen Fächern. Damit geht die Umsetzungsvorlage erfreulicherweise sogar deutlich weiter als dies die Starke Schule mit ihrer unformulierten Initiative ursprünglich anstrebte. In den vergangenen Jahren sind in zahlreichen Fächern teure Einweglehrmittel eingeführt worden, an denen die Lehrmittelverlage viel Geld verdienen und die überwiegend auf den rund 3'500 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 aufgebaut sind. So etwa das Mathematik-Lehrmittel «mathbu» oder das Italienischbuch «parla con me». Das Abstimmungsergebnis ermöglicht nun den Lehrpersonen, auch in diesen Fächern andere Lehrmittel zu evaluieren und einzusetzen. Damit rücken die exzessiven und gigantisch vielen Kompetenzbeschreibungen noch stärker in den Hintergrund.

Die Starke Schule beider Basel dankt Regierungsrätin Monica Gschwind für die ausgezeichnete Zusammenarbeit betreffend der Umsetzung unserer Initiative.

 

Paradoxien im Umfeld einer Schulreform

Der Irrsinn dauert bereits weit über ein Jahrzehnt, in dem Passepartout die Steuerzahler von sechs Kantonen gegen eine Viertelmilliarde gekostet hat. Diese ist nicht nur ohne Gegenwert unwiederbringlich verlocht, vielmehr geht sie zulasten von bisher etwa 120'000 Lernenden. Und obwohl Baselland als erster Dominostein das auf Sand gebaute Kartenhaus zum Einstürzen bringt, geht das Geldverschleudern vor allem in den andern fünf Kantonen weiter, bis auch sie fallen. Dieser abgesehen von der Kompetenzideologie grösste Irrtum der Schweizer Schulgeschichte geizt nicht mit Widersprüchlichkeiten.

Es waren einige Lehrkräfte, die als erste auf die Unhaltbarkeit dieses Unsinns aufmerksam machten. Es waren allerdings weit mehr Lehrpersonen, die Passepartout ermöglichten, indem sie den Irrtum willfährig versuchten umzusetzen, oder sich gar für die Durchführung der Weiterbildungs-Hirnwäsche zur Verfügung stellten. Letztlich wurde das Debakel vorrangig von Eltern beendet durch ihre Unterstützung der Starken Schule beider Basel. Dieser Organisation nämlich ist der erlösende Urnengang vom 24. November zu verdanken. Deren Mitglieder sind in der Mehrzahl nicht etwa Lehrkräfte, sondern in erster Linie Erziehungsberechtigte. Über ihre Mitgliederbeiträge und zahlreichen Feedbacks aus dem Schulalltag verleihen sie der Starken Schule einen grossen Teil ihrer Stosskraft.

Ausgerechnet in der Lehrerschaft, wo das Ausmass der Zerstörungskraft verfehlter Schulreformen am deutlichsten zutage tritt, begegnen der Starken Schule nicht wenige mit vornehmer Distanz. Dies aus Harmoniebedürftigkeit oder falsch verstandener Sozialkompetenz. Dahinter verbirgt sich jedoch nicht selten Opportunismus bzw. Mangel an Zivilcourage. Doch bei einer aus dem Ruder gelaufenen Bildungspolitik gilt es Klartext zu reden, auch wenn es weh tut.

Eine besonders groteske Paradoxie besteht beim Bildungsrat. Er ist ein Laiengremium mit Mitgliedern aus verschiedenen Branchen. Die Bildungsräte beschliessen in ihrer Funktion u.a. die Lehrmittel der Volksschule. Übertragen auf den Arztberuf würde dies bedeuten, dass beispielsweise Juristen, Kaufleute, Lehrkräfte oder Dirigenten die Instrumente bestimmen, mit denen Chirurgen ihre Operationen ausführen. Niemand käme auf eine solch abstruse Idee. Im Lehrberuf ist diese Absurdität Wirklichkeit mit bekannten Folgen.

Insofern überrascht es nicht, dass der Bildungsrat vor zehn Jahren die in der Schulpraxis unbrauchbaren Passepartout-Lehrmittel durchwinkte. Für Laien bedarf es zu deren Ansicht keine 30 Minuten, um ihre Untauglichkeit festzustellen. Angesichts dessen kommen Zweifel auf, ob die Mehrheit der damaligen Bildungsräte überhaupt wusste, worüber sie entschied. Angeblich gab es damals keine Alternativen zu den Passepartout-Lehrmitteln. Warum pochte der Bildungsrat dann nicht auf solche, anstatt die vorgelegten Untauglichen gutzuheissen? Bei einem solchen Fehlentscheid stellt sich unweigerlich die Frage, wer im Schulbetrieb die Funktion der Qualitätssicherung übernimmt.

Kompetent wäre hier, wer mit entsprechender Erfahrung im Lehrberuf steht und folglich weiss, was im Unterricht funktioniert bzw. den unmittelbaren Folgen von irrigen Reformen in der täglichen Arbeit ausgesetzt ist. Es können folglich keine Beamten des AVS, der BKSD oder Bildungsräte sein. Qualität sichernd im Sinne kritischer und sachkundiger Expertise wirkt der Lehrerinnen und Lehrerverein Baselland. Für Initiativen gegen verfehlte Reformen zuständig ist die Starke Schule beider Basel. Dadurch entsteht eine unhaltbare Situation.

Während die Bildungspolitik kostenintensiv und wie bei Passepartout zum Schaden der Volksschule wahllos Reformen vom Zaun reisst, sind es Lehrkräfte, die in der Praxis über deren Tauglichkeit befinden und anschliessend zusammen mit Eltern nötigenfalls den politischen Widerstand orchestrieren. Aufgrund von bildungspolitischen Fehlentscheidungen finanzieren Eltern und Lehrkräfte ergo wiederholt notwendige kantonale Abstimmungskämpfe aus ihrem eigenen Geldbeutel zur Qualitätssicherung in der Volksschule.

Auf diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass Lehrkräfte insbesondere von rechtsbürgerlicher Seite des Öfteren diskreditiert und gegängelt werden mittels den Lehrberuf schädigenden Massnahmen wie wiederholte Lohnkürzungen, Senkung der Pensionskassenleistungen oder einem auf Willkür basierenden Mitarbeitergesprächs. Umso bemerkenswerter ist diese dadurch zum Ausdruck gebrachte Geringschätzung Lehrpersonen gegenüber, als dass diese neben ihrer Unterrichtstätigkeit zusammen mit Eltern die eigentlich parlamentarische Aufsicht über die Volksschule übernehmen anstelle ihrer Kritiker.

Die Starke Schule fuhr am letzten Wahlsonntag einen weiteren Erfolg zugunsten der Volksschule ein. Beim auf „Kompetenzen“ basierenden Passepartout-Debakel vertrat sie 85% der Stimmberechtigten. Ihre Ablehnung gegenüber der Kompetenzideologie müsste allen Bildungspolitikern zu denken geben.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

Franzi-Lehrplan Flop; Englisch-Lehrplan Top

Die Vernehmlassungen der AKK, des LVB und der Starken Schule zu den Lehrplanentwürfen Französisch und Englisch haben es unmissverständlich aufgezeigt: Lehrpersonen wollen Lehrpläne, die aus Stoffinhalten und Themen bestehen sowie pro Fach und Schuljahr 1-3 Seiten aufweisen. Alle drei Organisationen haben breiten Konsens in ihren Forderungen. Auch die Schulleitungskonferenz der Sekundarschulen (SLK Sek1) kritisiert den Lehrplan Französisch deutlich und befürwortet den Lehrplan Englisch mit kleinen Anpassungen.

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht aus zwei Teilen: Teil A mit Stoffinhalten, Themen und Jahreszielen sowie Teil B mit rund 3‘500 Kompetenzbeschreibungen. In den letzten Monaten wurde in den beiden Fremdsprachenfächern Englisch und Französisch jeweils Teil A neu erarbeitet: Betreffend Struktur, Umfang und Inhalt unterscheiden sich die beiden Lehrpläne jedoch deutlich. Während der Englischlehrplan pro Schuljahr knapp zwei Seiten ausmacht, klar und übersichtlich aufgebaut ist und nahezu ausschliesslich auf Stoffinhalte und Themen fokussiert, verliert sich der Französischlehrplan in 29 unübersichtlichen und kaum umsetzbaren Seiten.

Bildungsverbände lehnen neuen Französischlehrplan unisono ab

Der Lehrerinnen- und Lehrerverein (LVB), die Amtliche Kantonalkonferenz (AKK) und die Starke Schule beider Basel (SSbB) lehnen den Französischlehrplan unisono und dezidiert als unbrauchbar und wenig hilfreich ab und fordern eine grundsätzliche und umfassende Überarbeitung: Strukturell und betreffend Umfang soll er an den Englischlehrplan angepasst werden. Alle drei Organisationen, welche u.a. auch Lehrpersonen vertreten, haben klaren Konsens in der Haltung, dass sie den Lehrplan Französisch in seiner jetzigen Form als ungenügend zurückweisen, während der Lehrplan Englisch auf breite Akzeptanz stösst.

LVB: „Basierend auf den Ergebnissen dieser Befragung hat der LVB in seiner Rückmeldung an das AVS primär eine Überarbeitung des Lehrplanentwurfs Französisch gefordert, die sich am Vorbild des Lehrplanentwurfs Englisch orientiert.“

AKK: Wir halten fest, „dass der Entwurf des Lehrplanes Englisch grosse Akzeptanz findet, der Entwurf des Lehrplanes Französisch aber als stark überladen und unübersichtlich beurteilt wird.“

SSbB: „Der überarbeitete Französischlehrplan missachtet den Volkswillen [Volksabstimmung vom Juni 2018], indem er Stoffinhalte und Themen zu wenig prägnant ausweist und andererseits umfangreiche Formulierungen im Stil des kompetenzorientierten Lehrplanteils B beinhaltet. Zudem verfügt er über knapp 30 Seiten, was die Lesbarkeit und Übersicht erschwert. Solche Lehrpläne finden im Schulalltag keine oder höchstens geringe Beachtung.“ (siehe Vernehmlassung der Starken Schule beider Basel)

Am 10. Juni 2018 befürworteten 84% der Stimmbevölkerung die Abstimmungsvorlage «Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen», welche von der Starken Schule initiiert worden war. Diese wuchtige Zustimmung führte zum politischen Auftrag, neben dem bereits vorhandenen kompetenzorientierten Lehrplanteil B neu einen Lehrplanteil A mit klaren Stoffinhalten, Themen und Jahreszielen zu erarbeiten. Dies bedeutete auch, Kompetenzbeschreibungen weitgehend auf den Lehrplanteil B zu beschränken.

Der krasse Unterschied der beiden Lehrpläne lässt sich erklären

Den beiden Arbeitsgruppen Englisch und Französisch wurde ein vom Amt für Volksschulen (AVS) fixfertig formulierter Lehrplan vorgesetzt, mit der unmissverständlichen Aufforderung diesen abzunicken. Die Arbeitsgruppe Französisch, womöglich aus falsch verstandenem Gehorsam, beschränkte sich daraufhin, den vorgesetzten Lehrplan nur marginal anzupassen: Struktur, Umfang und bestehende Ideologie wurden kaum angetastet. Dass sie nun für ihre Arbeit heftige Kritik einstecken muss, ist bedauerlich. Sie verdankt das einigen Schreibtischtätern im AVS, welche ihre Ideologie der Arbeitsgruppe in Form eines vorgefertigten Lehrplans der Arbeitsgruppe unterjubeln konnten.

Die Arbeitsgruppe Englisch hingegen machte kurzen Prozess mit dem untauglichen Vorschlag des AVS und schredderte das vorgesetzte Lehrplanmonstrum. Sie erarbeitete stattdessen von Grunde auf einen neuen Lehrplanteil A, der nun nicht nur auf breite Akzeptanz stösst, sondern gar als Mustervorlage für andere Fächer gelten soll.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel