Starke Schule beider Basel

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Leserbrief

Jedes Kind soll sich bestmöglich entwickeln

Es ist richtig: Man kann nicht voraussagen, ob und wie viele Eltern aus finanziellen Gründen ihre Kinder aus der Privatschule nehmen müssen,wenn die 2'500 Franken an Unterstützung jährlich fehlen! Dabei muss man aber auch zu bedenken geben, dass alle Eltern, die ihre Kinder an einer Privatschule haben, doppeltes Schutzgeld zahlen: Einmal das der Privatschule, zusätzlich das der Staatsschule über die Steuern! Die gezahlen Priatschulgelder können nicht von den Steuern abgezogen werden! Daher sind die 2'500 Franken ein kleiner Ausgleich dazu! Kritiker mögen sagen, jeder könne sein Kind "unentgeltlich" and die staatliche Schule schicken, aber jedes Kind ist ein individuelles Wesen, das nicht unbedingt immer gleich gut gedeiht; ihnen muss auch die Möglichkeit gegeben werden, sich bestmöglich zu entwickeln auf ihre Weise ohne "Abstrafung" durch grosse finanzielle Hürden!

Eva-Maria Schulz, Muttenz
 

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Volk lehnt Privatschulbeiträge ab

Bei den Abstimmungen am 24. September hat sich das Stimmvolk mit 58.69% für die Streichung der Privatschulbeiträge ausgesprochen. Bisher wurden jedem Kind, welches eine Privatschule besucht, ein Unterstützungsbeitrag von 2'500 Franken vom Kanton bezahlt. Künftig wird es nur noch für Schüler/-innen aus Familien mit kleinem Einkommen eine Unterstützung geben und diese wird sich mit Abstufungen auf maximal 2'500 Franken belaufen.

Auch wenn das Abstimmungsergebnis selbstverständlich zu akzeptieren ist, bedauert die Starke Schule beider Basel die Annahme dieser Gesetzesvorlage. Wir fordern, dass die Härtefallregelung fair ausgearbeitet und die Abstufungen der Beiträge für Familien mit niedrigen Einkommen gerecht vorgenommen wird, damit auch Schüler/-innen aus ärmeren Verhältnissen weiterhin die Möglichkeit haben, eine Privatschule zu besuchen.
 

Die Kritik an den Leistungs-Checks ist flächendeckend

Es überrascht mich nicht, dass Conradin Cramer an den ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Checks festhalten will. Erwartungsgemäss weicht der Bildungsdirektor einer inhaltlichen Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn dieser umstrittenen Form der Leistungsmessung aus, indem er seinen Entscheid aus rein formalistischer Sicht begründet (BaZ vom 20. September). Der interkantonale Vertrag mit den drei Nordwestschweizer Kantonen Aargau, Baselland und Solothurn verpflichtet ihn, die Checks auch in Basel-Stadt beizubehalten. Ausserdem sei die standardisierte Leistungserhebung eben erst eingeführt worden, man könne deren Wirksamkeit deshalb noch gar nicht infrage stellen.

Angesichts der Verunsicherung der Elternschaft, der flächendeckenden Kritik aus der Lehrerschaft und der politischen Vorstösse in den beiden Basel ist eine inhaltliche Diskussion jedoch dringend angezeigt. Das sind wir unseren Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und deren Eltern wie auch den Steuerzahlenden schuldig. Es ist nicht zielführend, weiter in ein teures System ohne Mehrwert zu investieren.Die Fakten zeigen ein deutliches Bild: Es war beabsichtigtes Ziel, mit den Checks die Leistungen der Schülerinnen und Schüler und somit auch die Unterrichtsqualität der Lehrpersonen flächendeckend zu messen und miteinander zu vergleichen. Mithilfe der so gewonnenen Erkenntnisse sollte dann die Qualität des Unterrichts verbessert werden.

Gemäss Statistik im neusten Bildungsbericht hat der Kanton Basel-Stadt von den beteiligten Kantonen am schlechtesten abgeschnitten. Die Meinungen über die möglichen Gründe für diesen Misserfolg gehen weit auseinander, was die fehlende Aussagekraft der Testresultate geradezu unterstreicht. Wir wissen demnach nicht, ob die Resultate auf ungenügendes «teaching to the test», auf die mangelhafte Qualität des Unterrichts, auf die soziale Herkunft oder – wie im Bericht betont – auf die Heterogenität der Schulklassen oder andere Gründe zurückzuführen sind. Die Heterogenität soll nach neusten Erkenntnissen nicht leistungsfördernd wirken, was vor dem Hintergrund der ebenfalls vor Kurzem eingeführten integrativen Schulung viele Fragen aufwirft.

Glaubt man zudem dem Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich, hängt das schlechte Abschneiden des Kantons Basel-Stadt mit dem sozialen Setting der Schülerschaft zusammen. Die Heterogenität in Bezug auf Migrationshintergrund, soziale Herkunft und Leistungen der Schülerinnen und Schüler sei im Kanton Basel-Stadt am stärksten.

Der Leiter des Instituts, Urs Moser, möchte deshalb einen Schritt weiter gehen. Neu soll nicht nur die Leistung der Lernenden erfasst werden, sondern auch das Bildungsniveau ihrer Eltern, um herausfinden zu können, ob und wie sich das Elternhaus auf die schulische Leistungsfähigkeit der Kinder auswirkt. Damit jedoch nicht genug: Auch die finanziellen Verhältnisse der Eltern sollen in der nächsten Evaluation berücksichtigt werden.

Eine derartige Ausweitung der Datenerhebung wäre höchst problematisch. George Orwells Roman «1984» lässt grüssen. Abgesehen von der Tatsache, dass der zusätzliche Verwaltungsaufwand weitere Kosten generieren würde, bezweifle ich, dass ein derartig grenzüberschreitendes Vorgehen zu neuen, gewinnbringenden Erkenntnissen führen würde.

Auch allfällige Optimierungen bezüglich Durchführung der Checks würden abermals Folgekosten verursachen. An der fehlenden Aussagekraft der Resultate würde sich jedoch genauso wenig ändern wie an der Tatsache, dass die Checks weiterhin enorme zeitliche und finanzielle Ressourcen verschlingen. Ein Verzicht auf Leistungstests, eine Reduktion derselben oder ein Ausweichen auf kostengünstigere Alternativen würde jährlich mehrere Hunderttausend Franken einsparen, die wesentlich sinnvoller für das schulische Kerngeschäft eingesetzt werden könnten, was sich mit Sicherheit positiv auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler auswirken würde.

Katja Christ, Parteipräsidentin und Grossrätin Grünliberale BS
 
 

Schulreformen als Mittel zum Zweck

Schule war schon immer Abbild der jeweiligen Gesellschaft. Humboldt verlieh ihr eine humanistische Prägung, im Totalitarismus des letzten Jahrhunderts war sie autoritär, die 68er machten sie antiautoritär, mit dem Eintritt der Frau in den Arbeitsmarkt wurde sie femininer und durch den aktuellen Neoliberalismus wandelt sie sich zum Marktplatz für privatwirtschaftliche Geschäftsmodelle. Den Startschuss dafür gibt die Weltbank. Sie fordert eine Erziehung nach ökonomischer Vorgabe mittels im Sinne von Industrienormen vereinheitlichter Prüfungsstandards und der regelmässigen Messung der Prüfungsresultate zur Sicherung der Standards. Der PISA-Test als hierfür wichtigstes Werkzeug ist folglich kein Produkt demokratisch legitimierter Erziehungsdirektionen, sondern eines der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Im Sinne betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, wie Umsatz und Gewinn, muss auch das in der Schule zu Messende zählbar sein. In der Folge werden Wissen und humanistische Werte wie etwa eigenständiges Denken oder Solidarität durch zählbare Kompetenzen ersetzt.

Aufgrund des von der Schuladministration umgesetzten Paradigmenwechsels entsteht die Testindustrie, die regelmässig Prüfverfahren absetzt; entwickelt die Bildungswissenschaft neue Lehrmethoden; veräussert die Verlagsindustrie darauf basierend alljährlich neue, ökologisch bedenkliche, aber Umsatz steigernde Einweglehrmittel; verkauft die Weiterbildungsindustrie ihre überlangen Fortbildungskurse. Die öffentliche Schule als Abnehmerin der privatwirtschaftlichen Produkte bildet dabei die Grundlage eines äusserst lukrativen Handels. Dieser wird über wiederkehrende Sparübungen und Steuergelder finanziert, die dann den Lernenden aber auch anderswo fehlen. Der Wandel der Schule geschieht grösstenteils von der Öffentlichkeit unbemerkt. Die Politik hat wenig Interesse, über die Zusammenhänge und Folgen des Paradigmenwechsels aufzuklären. Sie zieht es vor, die Notwendigkeit von Reformen zu betonen, um sich über solche zu profilieren zwecks Sicherung der Wiederwahl. Wie haarsträubend Reformen sein können, wird insbesondere von der linken Führungsspitze beharrlich negiert.

Das Fremdsprachenkonzept PassePartout beispielsweise täuscht vor, den als Sprachbad bezeichneten Aufenthalt in einem Fremdsprachengebiet auf wöchentlich zwei Lektionen übertragen zu können. Die Beschäftigung mit Grammatik und systematischer Wortschatzaufbau sind dabei verpönt. Ausgerechnet die Linke, die sich ansonsten konsequent und glaubwürdig für die Schwachen unserer Gesellschaft einsetzt, lässt die Schülerschaft gegenüber den Kapitalinteressen der Reformindustrie im Regen stehen. Schlimmer noch, sie bekämpft Reform kritische Organisationen, und dies ohne substanzielle Argumente.

Es ist zu hoffen, dass sie ihre traditionellen Werte im Schulbereich wiederentdeckt und den Lehrer- und Lehrerinnenverein Baselland bzw. die Starke Schule beider Basel zugunsten unseres Nachwuchses künftig unterstützt. Mit vereinten Kräften liessen sich die privatwirtschaftlichen Vampire zugunsten der öffentlichen Schule wieder bändigen. Das Stimmvolk würde es der Linken bestimmt danken.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer Baselland


Initiative für eine pädagogisch sinnvolle Stundentafel eingereicht

An der Pressekonferenz vom 08.08.2017 haben wir die Initiative "Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel" mit 2'834 Unterschriften eingereicht. Seit ihrer Lancierung sind nur knapp zwei Monate vergangen. Bereits nach weniger als drei Wochen waren die notwendigen 1'500 Unterschriften beisammen.

Offensichtlich breite Unterstützung in der Bevölkerung, insbesondere bei den Lehrpersonen der Sekundarschulen und der Gymnasien

Das Sammeln der Unterschriften lief ausgesprochen gut. Auffallend war, wie viele Unterschriften auf dem Postweg bei uns eintrafen, deutlich mehr als das bei den letzten Initiativen der Fall war. Unzählige Personen machten sich die Mühe, den Unterschriftenbogen von unserer Homepage herunterzuladen, ihn auszufüllen, in ein Kuvert zu stecken und an uns zurück zu senden.

Auch das Sammeln auf der Strasse verlief überdurchschnittlich gut. 4 von 5 stimmberechtigten und interessierten Personen haben unterschrieben, so dass pro Stunde durchschnittlich rund 40 Unterschriften gesammelt werden konnte. Auch dieser Wert liegt markant höher als bei den vergangenen Initiativen. Dies zeigt auch, dass ein beanchtlicher Teil der Bevölkerung die Initiative als wichtig erachtet. Von einem "Verdruss" über zu viele Bildungsinitiativen, wie es die Reformbefürworter weissmachen möchten, war jedenfalls nichts zu spüren.

Erfreulich ist, dass die Starke Schule offensichtlich in immer kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen eine Volksinitiative erfolgreich einreichen kann.

Bildungsrat akzeptiert Volksentscheid nicht

Im Juni letzten Jahres hat sich das Volk mit 61% für die Beibehaltung der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie und Physik ausgesprochen. Damit wurde deutlich zum Ausdruck gebracht, dass diese Fächer wichtig sind und nicht marginalisiert werden dürfen. Der Bildungsrat, der über Stundentafeln und Lehrpläne entscheidet, hat diesen Volksentscheid nicht wirklich akzeptiert. Zwar lässt er die Einzelfächer in seiner kürzlich verabschiedeten Stundentafel bestehen, marginalisiert sie jedoch.

So sollen ab dem Schuljahr 2018/19 die Fächer Geografie und Geschichte nur noch mit je 1.5 Lektionen pro Woche unterrichtet werden; die Fächer Biologie, Chemie und Physik zwar in jedem Jahr, jedoch nur noch mit je einer Wochenlektion. Pädagogisch gesehen sind 1- und 1.5-stündige Fächer unsinnig und mit einem hohen schuladministrativen Aufwand verbunden, der keinen Bildungsmehrwert gibt.

Ein effizienter Unterricht ist nur mit einer ausreichenden Lektionendichte möglich

Ziel unserer Initiative ist es, dass die Fächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie und Physik in denjenigen Schuljahren, in welchen sie unterrichtet werden, mit mindestens zwei Lektionen pro Woche dotiert sind. Eine Dotierung mit 1 oder 1.5 Lektionen wäre dann nicht mehr möglich. Um einen effizienten Unterricht möglich zu machen, muss die Lektionendichte ausreichend sein. Eine Dotierung mit wöchentlich zwei Lektionen erachten wir als Minimum. Die Initiative soll spätestens 18 Monate nach Annahme durch das Volk in Kraft treten.

Der Bildungsrat will seine Stundentafel bereits im nächsten Sommer einführen. Wenn der politische Wille vorhanden ist, könnte die Volksabstimmung bereits im März 2018 erfolgen und damit die Einführung der pädagogisch unsinnigen Stundentafel des Bildungsrates verhindert werden. 

 

Nachteil für unseren Wirtschafts-Standort

Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 (LP 21) die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden. Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP-21-Versuchschulen, die mit der "Kompetenzorientierung" und ihrem "selbstgesteuerten" oder "selbstorganisierten Lernen SOL" den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizerte Lehrer zu "Lernbegleiter" degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, indem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen.

Auswirkungen der Schulreformen

Basel-Stadt hat mit dem Schulgesetz von 1988 eine Reihe von sogenannt fortschrittlichen Schulreformen eingeführt und damit in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits fünf Jahre später (BaZ vom 12.10.1993) zeigten sich jedoch die ersten negativen Resultate: Ein Ausbildungsleiter einer grossen Basler Chemiefabrik meldete, dass von 45 Lehrverträgen für Chemie-Laboranten nur noch einer mit einem Stadt-Basler Schulabgänger abgeschlossen werden konnte. 1995 berichtete der Generaldirektor des Schweizerischen Bankvereins in einer Sondersitzung des Basler Grossen Rats zum Problem der nachlassenden Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Basel (NZZ vom 3.4.1995) über die gravierenden Auswirkungen der Basler Schulreformen. Der Bankverin könne nur noch 20 Prozent seiner Lehrlinge aus dem Kanton Basel-Stadt rekrutieren. Wie die Ergebnisse der Eignungstest für das Medizinstudium zeigten, waren mittlerweile auch die Maturanden Opfer für Schulreformen geworden. Seit der Einführung 1998 haben die Stadt-Basler Bewerber beim Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) gesamtschweizerisch am schlechtesten oder unterdurchschnittlich abgeschnitten.

Obwohl der Zusammenhang mit den umstrittenen Schulreformen offensichtlich war, konnte der Kanton Basel-Stadt unbehindert seinen Reformkurs weiterführen. Die eins als "fortschrittlich" hochgelobte Orientierungsschule war 2015 kaum ganz abgeschafft, als Basel-Stadt als Pionierkanton direkt auf den "Lehrplan 21"-Zug aufsprang.

Das veranlasste beteiligte Lehrer zu folgenden Bemerkungen: "Einmal mehr dienen wir und die Schulkinder dem Erziehnugsdepartement als Versuchskaninchen. Bereits die Einführung der Orientierungsschule als Basler Unikum sei ein einziges Experiment und ein riesiger Fehler gewesen. Und jetzt passen wir unser System dem Rest der Schweiz an, noch bevor die anderen Kantone die Neuerung selber umsetzen." (BaZ vom 27.10.2015) Noch können Gewerbe und Wirtschaft mithelfen, die richtigen Weichen zu stellen.

Peter Aebersold
 

Das Stimmvolk muss die Reformindustrie stoppen

Als Ernst Buschor in den Neunzigern anfing, die Zürcher Volksschule zu reformieren, öffnete er eine Büchse der Pandora, die seitens der Politik nicht mehr zu schliessen ist. Seither jagt auch Baselland eine Reform die andere: Teilautonomie der Schulen, neue Zeitaufteilung zwischen Primar- und Sekundarschule, selbstorganisiertes Lernen, Lernlandschaften, Integration lernschwacher Schüler, Kompetenzorientierung, neue Lehrpläne, neue Stundentafeln, Fächerzusammenlegungen, Niveau-übergreifender Unterricht, neues Fremdsprachenkonzept, Frühfremdsprachen, Projektarbeit, Digitalisierung des Unterrichts usw.

Zur Umsetzung all dieser von der Politik beschlossenen Neuerungen bedarf es seitens der Schuladministration ständig neuer Stellen, während die Privatwirtschaft gegen Steuergelder Equipment, fortlaufend neue Unterrichtsmaterialien und Weiterbildungen liefert. Das hierdurch entstandene Dreigestirn von Politik, Administration und Privatwirtschaft hat eine Eigendynamik entwickelt, die zum Wohle der Volksschule und unserer Kinder nur noch vom Stimmvolk gestoppt werden kann. Dazu braucht es sinnvolle Initiativen, wie sie von der Starken Schule beider Basel und vom Lehrerverein Baselland erwirkt werden.

Es mutet auf diesem Hintergrund eigenartig an, wenn Franz A. Saladin als Direktor der Handelskammer beider Basel fast verzweifelt nach "Ruhe für die Schulen" ruft und sich gleichzeitig starkmacht für die Dauerreformen im Schulbereich. Ein Hintergedanke an lukrative Aufträge für die Privatwirtschaft soll ihm nicht unterstellt werden. Wahrscheinlich fehlt ihm für eine seriöse Beschäftigung mit der von ihm thematisierten Materie aus verständlichen Gründen schlicht die Zeit. Die Schule darf kein Markt sein zur Realisierung privatwirtschaftlicher Geschäftsmodelle, kein Experimentierfeld zur Profilierung von Politikern und kein Stellengarant für die Schuladministration. Ruhe in der Volksschule kehrt ein, wenn wir uns rückbesinnen auf das, was sie ist: eine Institution zur Bildung und Förderung unserer Nachwuchses. Bei den anstehenden Initiativen muss sich das Stimmvolk entscheiden zwischen einer guten Volksschule und der von Franz A. Saladin vertretenen Reformindustrie.

Felix Hoffmann
 
 

Bildungsdirektion lanciert Gegenvorschlag

Die Starke Schule beider Basel begrüsst den von der Bildungsdirektion ausgearbeiteten Gegenvorschlag zur formulierten Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen". Mit dem Gegenvorschlag werden zentrale Anliegen der Starken Schule sowie der Initiative weitgehend erfüllt. Der Gegenvorschlag sieht folgende Ergänzung im Bildungsgesetz vor:

§7b Stufenlehrpläne Volksschule (neu)
1 Die Stufenlehrpläne der Primarstufe und der Sekundarstufe I enthalten Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen.
2 Für die Sekundarstufe I sind sie nach Jahreszielen und Anforderungsniveaus differenziert und abgestimmt auf die Inhalte und Anforderungen der beruflichen Grundbildung mit oder ohne Berufsmaturität, der Fachmittelschulen und des Gymnasiums.

Der Gegenvorschlag enthält zusätzlich wichtige Elemente, welche die Initiative nicht berücksichtigt und die nun erfreulicherweise ebenfalls im Bildungsgesetz verankert werden sollen.

  1. Die Lehrpläne der Primar- und Sekundarstufe I enthalten mit dem Gegenvorschlag klar definierte Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen. Dass die rund 3'500 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 ebenfalls Bestandteil des neuen Lehrplans Volksschule Baselland sind, ist nicht entscheidend, zumal an den Baselbieter Schulen seit 2004 verstärkt ein kompetenzorientierter Unterricht stattfindet. Die Lehrpersonen werden sich nach den Lerninhalten und Themen orientieren, die Kompetenzbeschreibung rücken zwangsläufig in den Hintergrund. Mit der Festschreibung der Lerninhalte ist auch weiterhin eine echte Harmonisierung der Baselbieter Schulen gewährleistet.
  2. Die Starke Schule begrüsst auch den Umfang der Stoffverteilungspläne, welche in der Regel pro Fach und Schuljahr eine A4-Seite umfasst. Den Lehrpersonen wird dadurch ein ausreichend grosser Freiraum in der inhaltlichen Gestaltung ihres Unterrichtes gewährt.
  3. Der Lehrplan Volksschule Baselland der Sekundarstufe I erhält klar definierte Jahresziele, welche auf die drei Anforderungsprofile A (allegemeines Niveau), E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) differenziert ausgerichtet sind, was der Lehrplan 21 nicht berücksichtigt hätte. Damit wird der dritte Zyklus, ein weiterer wesentlicher und heftig kritisierter Bestandteil des Lehrplans 21, aufgebrochen. Bereits die vom Stimmvolk am 5. Juni 2016 mit 61% Ja-Stimmen beschlossene Weiterführung der Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaftskunde bedeutet eine starke Abweichung von der Ideologie und dem Inhalt des Lehrplans 21.
  4. Relevant ist ebenfalls, dass der neue Lehrplan Volksschule Baselland auf die weiterführenden Schulen (z.B. Gymnasium) abgestimmt sein muss. Damit können die abnehmenden Schulen reell mitentscheiden, welche Lernziele die Volksschule erreichen muss. Massgebend dafür sind die behandelten Lerninhalte.

Regierungsrätin Monica Gschwind hat mit der Ausarbeitung des Gegenvorschlages in Zusammenarbeit mit verschiedenen bildungspolitisch aktiven Playern eine fundierte und ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Starke Schule beurteilt den Gegenvorschlag als sehr gute Lösung.

Ob die Starke Schule ihre Initiative "Ja zu klar definierten Stoffinhalten und Themen" zurückziehen kann, wird der Vorstand nach der landrätlichen Behandlung dieser Gesetzesvorlage prüfen. Massgebend wird dabei sein, ob der Gegenvorschlag eine bessere Erfolgschance bekommt, wenn an der Initiative festgehalten wird oder nicht.