Starke Schule beider Basel (SSbB)

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Mitgliederversammlung

Gerne laden wir die Mitglieder zur diesjährigen Mitgliederversammlung der Starken Schule beider Basel einladen. Aufgrund des Corona-Virus wird diese am 11. März 2021, um 18.30 Uhr, via Videokonferenz «Zoom» stattfinden. Um die Versammlung planen zu können, bitten wir um eine Anmeldung via Mail bis am 26. Februar, wenn Sie an der Sitzung teilnehmen können. Die Zoom-Zugangsdaten sowie die Traktandenliste werden wir den angemeldeten Personen einige Tage vor der Sitzung per Mail zukommen lassen.

 

News

  • Samstag, Februar 20, 2021

    Alternative zu „Mille feuilles“

    Der Bildungsrat hat beschlossen, mit dem Lehrmittel «ça roule» vom Klett und Balmer Verlag ab dem Schuljahr 21/22 auch für die 3./4. Primarklassen eine Alternative zum stark kritisierten "Mille feuilles" auf die Lehrmittelliste zu setzen.

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  • Mittwoch, Februar 17, 2021

    Spielt hier Frust eine Rolle?

    Lukas Flüeler (alt Co-Präsident Stufenkonferenz Primarschule) enerviert sich über die Starke Schule beider Basel (SSbB) auf Twitter am 14.2.2021: "Die Manipulation der Bevölkerung mit aufgeheizten Diskussionen um Lehrmittel und Lehrpläne war eine erfolgreiche Strategie weniger Lehrpersonen im Gefolge der Starken Schule, damals unterstützt auch von Monica Gschwind. (...)".

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  • Samstag, Februar 06, 2021

    Massentests in Baselland

    Damit Pflegeinstitutionen sowie diverse weitere Betriebe nicht schliessen müssen und insbesondere die Schulen den Präsenzunterricht weiterhin aufrechterhalten können, setzt der Kanton Basel-Landschaft als einer der ersten Kantone auf Massentests. Wöchentlich sollen bis im Juli rund 50'000 Personen getestet werden.

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Leserbriefe

Zur Kantonalen Abstimmungsvorlage vom 7. März 2021  „Ja, zu guten Lehrplänen an den Volksschulen"

Lehrpersonen sind auf gute Lehrpläne angewiesen

Im 2018 hat sich das Stimmvolk mit 84.2% deutlich für einen Lehrplan mit  „Stoffinhalten, Themen und Kompetenzbeschreibungen“ ausgesprochen. Realisiert wurden dann auch für alle Fächer zwei getrennte Lehrplanteile mit den beiden Titeln „Stoffinhalte und Themen“ sowie „Kompetenzbeschreibungen“. Wer nun glaubt, dass der eine Teil auch aus klar definierten Stoffinhalten und Themen bestehen würde, irrt sich gewaltig. Beide Teile enthalten (ausser im Fach Englisch) vorwiegend Kompetenzbeschreibungen. Der Volksentscheid vom Jahr 2018 wurde leider bis heute nicht umgesetzt.

Die Lehrpersonen sind auf gute Lehrpläne angewiesen, die ihnen als Arbeitsinstrument dienen. Deshalb müssen die im Unterricht zu behandelnden Stoffinhalte klar, übersichtlich und überprüfbar formuliert sein. Ohne Überprüfbarkeit gibt’s kaum Verbindlichkeit und auch keine einheitliche Stoffvermittlung, zum Leidwesen der Schulkinder und ihrer Eltern! Die Initiative der Starken Schule beider Basel strebt eine Reduktion der rund 3‘500 Kompetenzbeschreibungen auf eine praxistaugliche Menge an. Deshalb am 7. März Ja zur Bildungsinitiative.

André Fritz, Birsfelden

 

Was Lehrpläne können und was nicht 

Vor einiger Zeit wurde an der Urne in den Deutschschweizer Kantonen einer Schulreform zugestimmt, die auch den heute gültigen Lehrplan 21 miteinschloss. Allerdings erfuhr aus den Abstimmungsunterlagen niemand etwas über dessen Inhalte, Wirkungen oder längerfristige Konsequenzen. Ziel war: Lernen sollte in allen Fächern und auf allen Stufen zu einheitlichen und kontrollierbaren Ergebnissen führen und damit auch zu mehr Chancengleichheit. Schaffen Lehrpläne das? Sie können in der Tat Planung, Durchführung und Evaluation von Unterricht unterstützen; sie können die Lehrenden aber auch einengen und bevormunden. Das ist beim LP21 der Fall: Er kreiert (1) mit seiner riesigen Zahl von detaillierten, verbindlichen Lernzielen geradezu entmündigende Rahmenbedingungen für die Unterrichtsgestaltung vieler, vor allem auch erfahrener Lehrender. (2) zielt er auf eine Vereinheitlichung der Ausbildung und fördert so eine «pädagogische Monokultur». Wie jede Monokultur zerstört er die Diversität, im Falle der Bildung die «pädagogische Diversität», d.h. die Lehrerinnen und Lehrer können bzw. dürfen ihre vielfältigen individuellen Begabungen und kreativen Fähigkeiten gar nicht mehr einbringen, weil sie im Würgegriff enger Zielsetzungen gehalten werden. So gehen (3) unserem Bildungssystem unter diesem völlig unnötigen institutionellen Druck des LP21 wertvollste Ressourcen verloren. Über diese (und weitere) Konsequenzen des LP21 scheinen Bildungspolitiker (auch der EDK) und Bildungsfunktionäre bisher kaum nachgedacht zu haben. Mit der Abstimmung vom 7. März 2021 besteht die Chance für eine Korrektur: den Lehrerinnen und Lehrern mit einem schlankeren und überschaubaren Lehrplan die Autonomie zurückzugeben, die sie für die Gestaltung eines erfolgreichen Unterrichts brauchen. Es würde wohl mancherorts ein Aufatmen stattfinden.

Gerhard Steiner (em. Professor für Psychologie an der Uni Basel im Fachbereich Entwicklung, Lernen und Gedächtnis), selber 12 Jahre lang Lehrer

 

Leerläufe im Schulbetrieb

Es ist ein starker Widerspruch, wenn Miriam Locher dazu aufruft, auf Experimente und Leerläufe bei den Lehrplänen zu verzichten. Der einseitig auf Kompetenzen basierende Lehrplan 21 ist nichts anderes als ein flächendeckendes Experiment ohne jeglichen Wirksamkeitsnachweis. Dazu Ernst Schürch, Präsident der AKK: „Es ist richtig, dass bei der Erarbeitung des Lehrplans 21 einiges falsch lief.“ Dessen Autoren „…verfügten zum grössten Teil über keinerlei Unterrichtserfahrung.“ Die radikale Kompetenzorientierung ist ergo ein Leerlauf, der in Form der Passepartout-Lehrmittel weitere Leerläufe produzierte. Nun gilt es, sinnvolle Kompetenzbeschreibungen zu retten und Stoffinhalte klar zu definieren. Auf letztere bauen nämlich die neuen Lehrmittel auf. Deshalb am 7. März JA.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

Lehrpläne wirken über Generationen

Im Juni 2018 hat der Souverän im Kanton Baselland mit 84,2% zu „Stoffinhalten“ ja gesagt. Man kann auch mit bestem Willen im „Lehrplan Baselland“ -im Internet des BKSD nachzulesen- nur feststellen, dass Kompetenz an Kompetenz gereiht werden.

Gegner der Initiative schreiben: “Es kommt hinzu, dass eine erneute Überarbeitung des Lehrplans rund CHF2,3mio kosten würde.“ Da frage ich mich: was sind einmalige Ausgaben von CHF2,3mio bei einem Jahresbudget des Kantons von fast CHF3Mrd? Wegen 0,08% eine ganze Generation an Schüler*Innen nicht genügend gut ausbilden, so dass sie im Berufsleben während der ganzen aktiven Arbeitszeit von um 40 Jahre das „handwerkliche“ in der Ausbildung nicht erhalten haben? Und weiter schreiben die Gegner: „Die Initiative ist unnütz und schädlich“. Es sind sehr geringe Kosten und die wohl nützlichste Nacharbeit, die der Kanton seit langem gemacht hat.

Deshalb, die Initiative mit gutem Gewissen um die Zukunft unserer nächsten Generation unterstützen. Die Glaubensfrage „Stoffinhalte“ gegen „Kompetenzen“ darf nicht im Wege stehen.

Paul Hofer, alt Landrat FDP

 

"Mehr" ist nicht immer besser

Der Lehrplan Volksschule Baselland mit seinen unzähligen Kompetenzbeschreibungen erinnert an die Proportion „je mehr desto besser“. In diesem Fall stimmt diese direkt proportionale Zuordnung überhaupt nicht. Ein Lehrplan, dessen Inhalt nahezu ausschliesslich aus über 3‘500 Kompetenzbeschreibungen besteht, viele davon erst noch wirr und nicht umsetzbar, ist für die Gestaltung des Unterrichtes wenig hilfreich. Selbst die Lehrpersonen interpretieren zahlreiche Kompetenzbeschreibungen unterschiedlich.  Eine Straffung und Kürzung der „gigantischen“ Anzahl Kompetenzbeschreibungen auf ein sinnvolles Mass ist dringender denn je. Dafür braucht es klar Stoffinhalte auf ein bis zwei Seiten pro Fach und Schuljahr. Am 7. März können die Stimmberechtigten mit einem Ja zur Bildungsinitiative der Starken Schule beider Basel korrigierend eingreifen.

Michael Miedaner, Lehrperson  
 
 

Bildungsinitiative in Basel

Unterschreiben Sie die formulierte Initiative der Starken Schule beider Basel, mit welcher wir der gescheiterten Passepartout-Ideologie ein Ende setzen möchten. Die Initiative verlangt eine echte Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Basel-Stadt. Die Lehrpersonen sollen die Lehrmittel "Mille feuilles", "Clind d'oeil" und "New World" durch bewährte Lehrmittel ersetzen können.

Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen.

Die Starke Schule empfiehlt bei Sammelständen Schutzmasken zu tragen oder beim Ansprechen auf der Strasse einen Abstand von 2 Metern einzuhalten.

 

Spenden

Wir freuen uns über Ihre Spende.

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22.02.2021

LVB-Umfrage: Deutliche Mehrheit spricht sich für die Initiative aus

Überraschend ist das erfreulich klare Resultat der Umfrage des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (LVB) bei seinen Mitgliedern nicht: 60.0% der Lehrpersonen aller Stufen befürworten die Initiative "Reduktion der gigantischen und unerfüllbaren Anzahl Kompetenzbeschreibungen auf eine sinnvolle Menge". Lediglich 29.2% sprechen sich dagegen aus, 11.8% enthalten sich. An der Umfrage beteiligten sich 768 Lehrpersonen - sie ist damit sehr aussagekräftig.

Bemerkenswert ist, dass sich alle drei Schulstufen (Primarstufe, Sek. 1, Sek. 2) deutlich für die Initiative aussprechen. Die Sekundarstufe 1, welche durch die Initiative am stärksten betroffen ist, spricht sich mit 65.6% für die Initiative aus. Der hohe Anteil von 20.3% Enthaltungen der Sekundarstufe 2 lässt sich dadurch erklären, dass diese Stufe durch die Initiative nicht betroffen ist. Ebenso beurteilt eine klare Mehrheit der Primarlehrpersonen den rein kompetenzorientierten Lehrplan mit seinen 3'536 Kompetenzbeschreibungen als weder zielführend noch umsetzbar.

  JA
NEIN
 ENTHALTUNG
Primarstufe
57.6% 31.3%
11.1%
Sekundarstufe 1
65.6% 31.3% 3.1%
Sekundartstufe 2
57.3%
22.4%
20.3%
Übrige 51.9%
18.5%
29.6%

 [Quelle: LVB]

Mit dem überdeutlichen Ergebnis wird zum wiederholten Mal bestätigt: Der Vorstand der Amtlichen Kantonalkonferenz (AKK), die von der Bildungsdirektion mit einem jährlichen Unterstützungsbeitrag von Fr. 250'000.- finanziert wird, politisiert mit seinem Nein zur Initiative an den Lehrpersonen vorbei.

Lesen Sie hier das Interview von Alina Isler zum Lehrplan.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

20.02.2021

Punktuelle politische Korrekturen in der Bildung sind nötig

Die Volksabstimmung vom Juni 2018 forderte mit 84.2% klare Stoffinhalte und Themen im Lehrplan. Der politische Wille war klar: Es soll zwei Lehrplanteile geben - einen Teil A ausschliesslich mit reinen «Stoffinhalten und Themen» und einen Teil B mit «Kompetenzbeschreibungen».

Umsetzung ist ein Etikettenschwindel

Bis heute hat das Amt für Volksschulen (AVS) diesen Volksentscheid nicht umgesetzt, sondern die Kompetenzbeschreibungen einfach aus dem Teil B in den Teil A kopiert und als Lehrplanteil mit Stoffinhalten und Themen vorgetäuscht. Damit bestehen beide Teile aus Kompetenzbeschreibungen - eine intransparente Mogelpackung also, basierend auf einem fragwürdigen Demokratieverständnis. Philipp Loretz vom Lehrerinnen- und Lehrerverband (LVB) bringt es auf den Punkt: «Wenn man im Restaurant eine Cola und ein Fanta bestellt, erhält man in aller Regel eine Cola und ein Fanta. Nicht so im Kanton BL. Hier bringt der Kellner zwei Flaschen Cola, die eine mit einer Fanta-Etikette versehen.» [Quelle]

Wirre Kompetenzbeschreibungen

Die Lehrpläne der Volksschule bestehen heute aus 3'536 einzelnen Kompetenzbeschreibungen. Diese unüberschaubare und praxisferne Menge ist im Unterricht nicht umsetzbar. Zudem sind die Beschreibungen oft schwammig und hochtheoretisch formuliert und damit für die Arbeit im Schulzimmer nicht hilfreich.
Ein Beispiel: «Die Schülerinnen und Schüler können allein oder im Gespräch die kommunikative und ästhetische Wirkung und Qualitäten ihrer Texte mithilfe von Kriterien differenziert einschätzen.» 

Zudem werden derart diffuse Beschreibungen von den Lehrpersonen unterschiedlich interpretiert, was eine Harmonisierung der Schulen verunmöglicht. Solche Lehrpläne führen die Schulen nicht enger zueinander, sondern treiben sie weiter voneinander weg. Die allermeisten Lehrpersonen erachten die pro Fach teilweise 30-seitigen, mit Kompetenzbeschreibungen gespickten Lehrpläne denn auch als untauglich und ignorieren sie in der Folge.

Evaluationsprozess – grundsätzliche Kritik nicht erwünscht

In der Zwischenzeit hat die BKSD kalte Füsse bekommen und gaukelt Parlament und Öffentlichkeit vor, in Rückmeldeprozessen alle Lehrpersonen stärker einzubinden. Eine weitere Pro-Forma-Mogelpackung, denn grundsätzliche Kritik ist nicht erwünscht. So wird nicht zur Diskussion gestellt, ob man 30-seitige Lehrplanteile auf 1-2 A4-Seiten pro Fach und Jahr reduzieren oder die Kompetenzbeschreibungen aus den Stofflehrplänen verbannen will. Nebenkriegsschauplätze in den Fragebögen verhindern, dass sich die Lehrpersonen mit den essenziellen Fragen auseinandersetzen, respektive solche stellen. Kompetenzbasierte Lehrpläne, getarnt mit der Überschrift «Stoffinhalte und Themen» führen zu einer Interpretationsfrage, wenn Lehrpersonen diese Lehrpläne als untauglich erklären und klar den kompetenzorientierten Inhalt meinen. Die Deutungshoheit liegt jedoch beim AVS. So ist es möglich, dass seitens Behörden die Ablehnung der Lehrpersonen mit der Überschrift «Stoffinhalte und Themen» statt mit dem Inhalt in Verbindung gebracht werden kann. Lippenbekenntnisse der Behörden für bessere Lehrpläne reichen nicht, Initiativen zur Durchsetzung sind nötig.

Korrektur von Fehlkonzepten

Punktuelle politische Eingriffe sind wichtig, um Fehlkonzepte im Bildungssystem und unsinnige Bildungsreformen zu korrigieren. Ohne Volksinitiativen wären beispielsweise die beliebten Fächer Biologie und Geschichte auf der Sekundarstufe 1 abgeschafft worden und es gäbe heute keine Lehrmittelfreiheit. Die Lehrpersonen müssten weiterhin mit den untauglichen Lehrmitteln «Mille feuilles» oder «Clin d’oeil» unter dem Diktat der Passepartout-Ideologie unterrichten.

Umfragen unter Lehrpersonen zeigen: Qualitativ und quantitativ gute Lehrpläne der Volksschulen bestehen sowohl aus je einem Stofflehrplan im Umfang von maximal 1 - 2 Seiten pro Fach und Schuljahr, sowie einem deutlich abgespeckten und inhaltlich brauchbaren Lehrplanteil mit zielführenden Kompetenzbeschreibungen.

Redimensionierte Lehrpläne könnten innert kürzester Zeit erarbeitet werden

Eine Erarbeitung sinnvoller Lehrpläne ist innert kürzester Zeit und ohne grosse Kostenfolge umsetzbar, um sie dem Bildungsrat zur Prüfung zu unterbreiten. Die Starke Schule beider Basel (SSbB) und der Lehrerinnen- und Lehrerverband (LVB) hätten sowohl das Knowhow als auch die Kapazität dazu. Behauptungen des AVS, diese Arbeiten würden enorme Geldmittel verschlingen, entsprechen nicht den Fakten.   

Aus diesen Gründen am 7. März JA zur Bildungsinitiative «Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren».

Michael Pedrazzi
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

18.2.2021

JA am 7. März 2021

Stimmen auch Sie am 7. März JA zur Gesetzesinitiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl
von 3500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrhplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren"!

 
 
17.2.2021

Nachgelesen

Lukas Flüeler (Primarlehrer, alt Co-Präsident Stufenkonferenz Primarschule) auf Twitter am 14.2.2021: "Die Manipulation der Bevölkerung mit aufgeheizten Diskussionen um Lehrmittel und Lehrpläne war eine erfolgreiche Strategie weniger Lehrpersonen im Gefolge der Starken Schule, damals unterstützt auch von Monica Gschwind. (...)".

Condorcet entgegnet: "Kleine Erinnerung: Diesen 'wenigen Lehrpersonen' sind 84% der Stimmenden gefolgt! Soeben haben auch die Kantone Bern und Solothurn eine Lehrmittelfreiheit beschlossen."

Felix Schmutz: "Jawoll, ein paar wenige Terroristen haben im Kanton BL das Amt für Volksschule gestürmt, die heilige Passepartout-Fahne heruntergerissen und die Lehrmittelfreiheit ausgerufen. Die Behördenmitglieder konnten sich im letzten Moment in den Bunker retten. 84.2% des gesamten Stimmvolkes schwenkten zur Unterstützung Transparente. Polizei und Armee wagten es angesichts der Übermacht nicht, sich ihnen entgegenzustellen. Tränengas und Gummigeschosse wären wirkungslos an der Wand des Unverstandes abgeprallt."

 

13.02.2021

Am 7. März JA zu guten Lehrplänen

Auf Abstimmungsplakaten kritisieren die Gegnerinnen den «politischen Eingriff» der Bildungsinitiative «Ja zur Reduktion der gigantischen Anzahl Kompetenzbeschreibungen», welche die heutigen unbrauchbaren Lehrpläne verbessern möchte. Sie verkennen damit, dass die gescheiterten millionenteuren Bildungsreformen der letzten Jahre für die Bildungsmisere der Schüler/-innen verantwortlich sind. Die Leidtragenden sind die Lernenden, welche nicht mehr über das nötige Schulwissen verfügen.

Ohne «politischen Eingriff» gäbe es heute keine Lehrmittelfreiheit. Das unbrauchbare «Mille feuilles» wäre weiterhin das einzige Französischlehrmittel auf der Primarstufe und die Fächer Biologie, Geschichte und Geografie wären auf der Sekundarstufe 1 abgeschafft. Im Kanton würde es von Grossraumklassenzimmern, die beschönigend als Lernlandschaften bezeichnet werden, wimmeln. Politisch aktiv auf gescheiterte Bildungsreform und Fehlkonzepte hinweisen und korrigierend einzugreifen, ist die Aufgabe der Starken Schule beider Basel (SSbB) und des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB).

Der neue Lehrplan Volksschule Baselland besteht heute aus 3’536 Kompetenzbeschreibungen. Viele davon sind unklar formuliert und nicht umsetzbar. Die meisten Lehrpersonen beurteilen diesen über 500 Seiten langen Monster-Lehrplan als unbrauchbar. Ein Lehrplan muss den Lehrpersonen wegweisend aufzeigen, welche Stoffinhalte und Themen in welchem Schuljahr zu behandeln sind. Nur so kann eine Harmonisierung der Schulen realisiert und damit den Kindern einen Schulwechsel erleichtert werden. Dazu braucht es aber klar und differenziert nach Schuljahr und Anforderungsniveau formulierte Lehrpläne. Der aktuelle Lehrplan erfüllt diese Anforderung nicht.

Dass die Schüler/-innen einen gewinnbringenden kompetenzorientierten Unterricht erhalten und damit den gesellschaftlichen Änderungen Rechnung trägt, ist richtig. Dazu braucht es aber klare und umsetzbare Kompetenzbeschreibungen in einer sinnvollen Menge. Die Initiative der SSbB will mit einer massvollen Reduktion der Anzahl Kompetenzbeschreibungen genau das erreichen.  

Mehrere Umfragen zeigen auf, dass rund 80% der Lehrpersonen eine Reduktion der Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan klar befürworten. Eine solche Überarbeitung des Lehrplans könnte durch kompetente Fachlehrpersonen auch innert kürzester Zeit praktisch zum Nulltarif erarbeitet und dem Bildungsrat vorgeschlagen werden. Sowohl der LVB als auch die SSbB hätten für diese Arbeit das Know-how.

Am 7. März kommt die Volksinitiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" zur Abstimmung. Ich empfehle Ihnen mit einem JA mitzuhelfen, dass unsere Schulen gute Lehrpläne erhalten. 

Regina Werthmüller
Vorstand Starke Schule beider Basel, Landrätin parteilos

 

12.02.2021: Condorcet interviewt Alina Isler

Lehrpersonen ignorieren die unbrauchbaren Lehrpläne

Condorcet: 2017 stimmte der Baselbieter Landrat der Entwicklung von Stofflehrplänen einstimmig zu und 2018 bestätigte das Stimmvolk diesen Entscheid mit einem Ja-Anteil von 84%. Weshalb lancierte nun die «Starke Schule beider Basel» erneut eine Initiative? Rennen Sie da nicht offene Türen ein?

Alina Isler (Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel): Bis heute hat die Bildungsdirektion keine Anstalten unternommen, den Volksentscheid zu akzeptieren, geschweige denn, ihn umzusetzen. Nach wie vor bestehen die Lehrpläne in allen Fächern ausser in Englisch weitgehend aus Kompetenzbeschreibungen, ergänzt mit einzelnen Stoffinhalten ...

Weshalb ist das in Englisch anders?

Die Englisch-Expertengruppe lehnte es ab, den vom Amt für Volksschulen (AVS) vorgefertigten und ausschliesslich kompetenzbasierten Lehrplan zu übernehmen, um ihn lediglich kosmetisch zu überarbeiten. Vielmehr erstellte die Gruppe in Übereinstimmung mit dem Volksentscheid selbständig einen stoff- bzw. themenorientierten Lehrplan bestehend aus je zwei Seiten pro Schuljahr. Ihr Konzept stiess dank der hervorragenden Praxistauglichkeit bei sämtlichen bildungspolitischen Akteuren im Kanton auf grosse Zustimmung und viele Lehrpersonen wünschten auch für ihre Fächer einen Lehrplan in Anlehnung an den der Englischlehrpersonen. Der Unterschied zwischen der ursprünglichen AVS-Version und dem Konzept der Fachgruppe ist riesig. [Anmerkung der Redaktion: abgelehnte Version des AVS (Link); vom Bildungsrat beschlossene Version der Englisch-Arbeitsgruppe (Link).]

AlinaIsler02 

Bild: Alina Isler, Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel
 

Was haben Sie gegen Kompetenzen?

Ich wehre mich nicht grundsätzlich gegen Kompetenzbeschreibungen, sie müssen aber in Anzahl und Qualität umsetzbar bzw. sinnvoll sein. Die weit über 3'500 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 überschreiten die Umsetzbarkeit jedoch bei weitem. Viele der Beschreibungen sind zudem unklar formuliert und damit nicht überprüfbar. In der Folge ignoriert die Mehrzahl der Lehrpersonen in unserem Kanton die nahezu rein kompetenzorientierten Lehrpläne, da sie für deren Unterricht weder hilfreich noch zielführend sind.

Was konkret stört Sie an den aktuellen Stofflehrplänen, welche unter Einbezug der Sekundarlehrpersonen in einem aufwändigen Prozess evaluiert und entsprechend überarbeitet werden?

Bei den aktuellen Lehrplänen wird der Politik und der Öffentlichkeit vorgegaukelt, es handle sich um Lehrpläne mit Stoffinhalten und Themen. Letztere kommen im Wesentlichen aber nur im Titel vor. Inhaltlich bestehen die Lehrpläne weitgehend aus kopierten Kompetenzbeschreibungen des Lehrplan 21. Ebenfalls vorgegaukelt wird, dass die Lehrpersonen sich im zurzeit stattfindenden Evaluationsverfahren einbringen könnten. Die verantwortliche AVS-Mitarbeiterin lässt grundsätzliche Änderungen jedoch gar nicht zu. Forderungen beispielsweise, die Lehrpläne praxisorientiert auf 1 – 2 Seiten Stoffinhalte pro Fach und Schuljahr zu reduzieren, werden ignoriert. Die Fragestellungen im Rückmeldeprozess sind so formuliert, dass Grundsatzkritik von vornherein verhindert wird.

Inhaltlich wird Ihnen vor allem Beliebigkeit vorgeworfen. Es wird moniert, die Begrenzung auf 1’000 Kompetenzen sei vollkommen willkürlich und habe nichts mit einer ernstgemeinten Verbesserung zu tun.

Bei der Initiative «Ja zur Reduktion der gigantischen Anzahl Kompetenzbeschreibungen» handelt es sich um eine Durchsetzungsinitiative. Sie wurde notwendig aufgrund der Weigerung, den Volksentscheid zugunsten von Stofflehrplänen umzusetzen. Die Durchsicht der 3'500 Kompetenzbeschreibungen hat ergeben, dass lediglich ein Viertel davon praxisorientiert und somit umsetzbar ist. Der «Willkür»-Vorwurf ist eine haltlose Killerphrase und legt offen, dass den Gegner/-innen der Initiative die Argumente fehlen. Sie wissen, dass sie einem Volksentscheid und einem Landratsbeschluss zuwiderhandeln. Verständlich ist hingegen, dass sie frustriert sind, weil das Scheitern vieler ihrer Bildungsreformen mittlerweile offensichtlich ist. Daran gleichwohl festzuhalten, verhindert ein gutes Bildungssystem. Die Leidtragenden dieser Bildungsmisere sind die Lernenden.

Und was sagen Sie zum Vorwurf der Zwängerei?

Eine Volksinitiative ist ein legitimes politisches Instrument, keine Zwängerei. Im Hinblick auf die Bildungschancen der Schüler/-innen ist unser Vorgehen eine notwendige Reaktion auf die Zwängerei der Reformbefürworter/-innen. Ohne die Volksinitiativen der Starken Schule beider  Basel (SSbB), ohne Widerstand sowohl des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) als auch dem vieler Eltern und einem Grossteil der Lehrpersonen wären in unserem Kanton auf der Sekundarstufe 1 Sammelfächer eingeführt und folglich die beliebten Fächer Geschichte, Geografie und Biologie abgeschafft worden. Weiterhin gäbe es keine Lehrmittelfreiheit. Die Lehrpersonen müssten noch immer mit den unbrauchbaren Passepartout-Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» arbeiten auf Grundlage einer missratenen Fremdsprachenideologie. Und es gäbe im ganzen Kanton Baselland mit Schüler-/innen vollgestopfte Grossraum-Klassenzimmer, beschönigend bezeichnet als «Lernlandschaften».

Eigentlich schauen die Lehrplankritiker in der Schweiz etwas neidisch auf den Kanton Baselland. Dieser hat in vielen Bereichen die Reformvorgaben der EDK und der Allianz aus selbst proklamierter Wissenschaft, Verwaltung und Politik wieder rückgängig gemacht und fährt fort damit. Besteht nicht die Gefahr, dass Sie mit dieser Initiative die Erfolge der Vergangenheit gefährden?

Wer die politische Auseinandersetzung scheut, Missstände im Bildungsbereich nicht aufzeigt, sondern obrigkeitsgläubig alles hinnimmt oder nur die Faust im Sack macht, der verliert. Wer jedoch Fehlkonzepte an die Öffentlichkeit bringt und sich beharrlich für deren Korrektur einsetzt und Unterschriften auf der Strasse sammelt, der verliert vielleicht einmal eine Abstimmung, zwingt aber die Bildungspolitik aufgrund des ständigen politischen Drucks zu Kompromissen und zum Überdenken von Reformvorhaben.

Die langfristige und konstruktive Arbeit der SSbB zeigt auch beim aktuellen Thema allmählich Wirkung: Der Bildungsrat hat das AVS beauftragt, die Lehrpläne zu straffen, stärker zu strukturieren, pointierter zu formulieren und Doppelspurigkeiten zu beseitigen. Im Sinne des zurückliegenden Volksentscheids werden die Stoffinhalte ein grösseres Gewicht erhalten. Oft konnte die SSbB durch den erzeugten politischen Druck bereits im Vorfeld so viel erreichen, dass Initiativen als weitgehend erfüllt zurückgezogen werden konnten.

Im politischen Wettkampf der Ideen und Argumente geht es selten um alles oder nichts. Oft dreht es sich um zuweilen hart erkämpfte Kompromisse. Problematisch wird es dann, wenn sich Verantwortungsträger der Bildungspolitik nicht an demokratische Entscheide oder Versprechungen halten. In solchen Situationen kommen Durchsetzungsinitiativen zum Zug.

Sie sind mit Ihren Initiativen erfolgreich. 50% davon sind durchgekommen. Sie sind die einflussreichste reformkritische Bildungsbewegung der Schweiz. Worauf führen Sie die Tatsache zurück, dass der Kanton Baselland sich derart rebellisch und erfolgreich zugleich gegen den bildungsbürokratischen Mainstream der letzten 15 Jahre behaupten kann? Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich nehme das als Kompliment...

Es ist eine nüchterne Feststellung

Rebellisch war das jedoch nicht. Dahinter steckt viel Herzblut, Einsatz, Beharrlichkeit, Überzeugungsarbeit mit entsprechenden Argumenten und Hunderte von Eltern und Lehrpersonen, die uns aktiv und finanziell unterstützen. Ohne diese vielen Helfer/-innen hätten wir die Erfolge der vergangenen 10 Jahre nicht erzielen können. Im Juni wird die SSbB übrigens 10 Jahre alt. Wir freuen uns auf diesen Geburtstag.

 

10.02.2021

350 Plakate für gute Lehrpläne



Die Abstimmungskampagne der Starken Schule beider Basel zur Initiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" ist lanciert. Im ganzen Kanton hängen 350 Plakate und zurzeit werden 20'000 Flyer verteilt.
Unterstützen Sie die Abstimmungskampagne mit dem Verteilen von Flyern und Schreiben von Leserbriefen. Herzlichen Dank!

Lena Heitz
Sekretariat Starke Schule beider Basel
 
 
06.02.2021

Gegnern gehen die Argumente aus

Am 7. März stimmt das Baselbieter Stimmvolk über die formulierte Gesetzesinitiative für eine Reduzierung der gigantischen Anzahl an Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan ab. Seit wenigen Tagen hängen einzelne gegnerische Plakate mit dem Slogan „Nein zum erneuten politischen Eingriff in den Lehrplan“. Offensichtlich ignorieren die Gegner/-innen, dass nur dank des sogenannten „politischen“ Eingreifens verschiedene gescheiterte Reformen in den vergangenen Jahren gestoppt werden konnten.

Ohne die Initiative der Starken Schule beider Basel (SSbB), dem Widerstand des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) und einem Grossteil der Lehrpersonen hätten wir die Einführung von Sammelfächern und damit die Abschaffung der Einzelfächer Geografie, Biologie, Geschichte, Physik usw. auf der Sekundarstufe 1 nicht verhindern können. Weiterhin müssten die Lehrpersonen ohne den politischen Eingriff noch immer mit den unbrauchbaren Passepartout-Lehrmitteln „Mille feuilles“, „Clin d’oeil“ und „New World“ arbeiten und die dahinterstehende Ideologie anwenden. Auch die Verhinderung von Grossraum-Klassenzimmern für 75 Schüler/-innen, die beschönigend als Lernlandschaften bezeichnet werden, war ein Ergebnis des politischen Widerstandes.

Diese Beispiele zeigen eindrücklich, wie wichtig punktuelle Eingriffe sind. Nur so können notwendige Korrekturen im Bildungssystem durchgeführt und unsinnige Bildungsreformen angepasst werden.

Der Lehrplan mit seinen rund 3‘500 Kompetenzbeschreibungen ist in seiner jetzigen Version nicht praxistauglich. Eine Anpassung auf eine sinnvolle Anzahl von Kompetenzbeschreibungen und ein Fokus auf klar definierte Inhalte und Themen ermöglichen es, den Unterricht besser zu strukturieren und die Lernziele einfacher zu erreichen.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

25.01.2021

Umstrukturierung der Mittelschulzuteilung 

Die Nordwestschweizer Kantone Aargau, Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt haben verschiedene Massnahmen beschlossen, um ab dem Schuljahr 2022/23 den kantonalen Austausch von Schüler/-innen der weiterführenden Schulen schrittweise neu zu strukturieren. Besonders einschneidend für die grenznahe Gemeinde Allschwil wird sein, dass die Jugendlichen zukünftig nicht mehr die städtischen Gymnasien besuchen können, sondern auf den Baselbieter Standort Oberwil zurückgreifen müssen.

Schon seit vielen Jahren ist es im Bildungsraum Nordwestschweiz üblich, dass Schüler/-innen der Mittelschulen, falls notwendig, Standorte der benachbarten Kantone besuchen. Dies, weil teilweise eine Schule in der Region fehlt oder weil die Schulen des benachbarten Kantons schlicht näher sind. Um den demografischen Entwicklungen jedoch weiterhin gerecht werden zu können, beschlossen die Erziehungsdepartemente der vier Kantone Aargau, Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt diverse Entlastungsmassnahmen. Dabei sollen die FMS und Mittelschulen von den Schüler/-innen der benachbarten Kantone entlastet werden. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass ab dem Schuljahr 2028/29 Schüler/-innen aus dem Kanton Basel-Landschaft die Mittelschulen des Stadtkantons nicht mehr besuchen können.

Entscheid hat Auswirkungen auf Allschwiler Schüler/-innen

Auch wenn dieser Entscheid in Hinblick auf die steigende Raumknappheit in Basel-Stadt absolut nachvollziehbar ist, bedeutet dies für zukünftige Schüler/-innen eine eingeschränkte Möglichkeit in der Wahl der weiterführenden Schulen. Die gymnasialen Standorte der Stadt und derjenige von Oberwil unterscheiden sich bekanntlich stark. Als Allschwiler/-in ist der Weg in die Stadt, insbesondere mit dem Fahrrad, eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Um mit dem Fahrrad hingegen nach Oberwil zu gelangen, sind rund 30 Minuten einzuplanen, um das Gymnasium in erhöhter Lage zu erreichen. Des Weiteren bieten die Möglichkeiten der Stadt den Jugendlichen einen Schritt in die Selbstständigkeit und die gewünschte Freiheit auf dem Weg des Erwachsenwerdens. Natürlich wächst die Selbständigkeit bei einer Schulzeit in eher ländlichen Schulstandorten genauso, jedoch ist Attraktivität der Stadt in den Augen der Jugendlichen nicht zu unterschätzen.

Persönlichkeitsentwicklung hat hohen Stellenwert

Obschon die schulische Ausbildung bei den weiterführenden Schulen im Vordergrund steht, gehören die persönliche Entwicklung und die Selbstständigkeit zum Erwachsenwerden dazu. Die Starke Schule beider Basel fordert deshalb, dass der Beschluss der Erziehungsdepartemente für die Gemeinde Allschwil nochmals überdacht und nach einer Lösung gesucht wird, damit deren Schüler/-innen auch zukünftig die Gymnasien von Basel-Stadt besuchen können.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

22.01.2021

FFP-2-Masken für Lehrpersonen

Seit Beginn dieser Woche empfiehlt der Bund, wo immer möglich, im Homeoffice zu arbeiten, um Arbeitgeber und -nehmer zusätzlich zu schützen. Damit auch Lehrpersonen der Volksschulen, welche täglich mit zahlreichen Mitarbeiter/-innen und insbesondere Schüler/-innen in Kontakt sind, besser geschützt werden können, forderte die Starke Schule beider Basel schon vor einem Monat deren Ausrüstung mit FFP-2-Masken. Diese schützen die Träger/-innen nicht nur vor Tröpfchenübertragungen, sondern auch vor Atemwegsinfektionen, welche durch Aerosole übertragen werden. Letzteres erfüllen Hygienemasken nicht, da sie nicht dicht auf der Haut aufliegen.

Lehrpersonen haben jeden Tag Kontakt mit mehreren dutzend Haushalten und sind somit einer erheblichen Gefahrenquelle ausgesetzt, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Insbesondere in den Primarschulen können die Abstandsregelungen zu den Schüler/-innen verständlicherweise nur sehr schwer eingehalten werden. Auch kurze individuelle Erklärungen, die einen festen Bestandteil des Unterrichts ausmachen, erschweren das Einhalten dieser Regelungen. Wie in den letzten Wochen berichtet wurde, belegen die Fallzahlen, dass Primarlehrpersonen deutlich stärker gefährdet sind, positiv auf das Coronavirus getestet zu werden.

Der Krisenstab des Kantons Basel-Landschaft beschloss deshalb am Mittwoch, 20.01.21, den Lehrpersonen künftig die deutlich wirksameren FFP-2-Masken kostenlos zur Verfügung zu stellen. Da die Primarlehrpersonen deutlich stärker gefährdet sind, haben sie bei der Belieferung Vorrang. Anschliessend werden die restlichen Lehrpersonen nach und nach ebenfalls mit solchen ausgerüstet. Des Weiteren gilt neu auch eine Maskenpflicht für die 5. und 6. Primarschulklassen. Bislang mussten nur die Schüler/-innen ab der Sekundarstufe 1 eine Maske tragen. Die allgemeine Maskenpflicht gilt also neu ab dem 10. Lebensjahr (bisher 12. Lebensjahr) und auch die Schüler/-innen erhalten die Hygienemasken gratis. Mit diesen Verschärfungen sollen die Lehrpersonen besser geschützt werden und insbesondere eine Schliessung der Volksschulen verhindert werden.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

21.01.2021

Verkappte Niveaudurchmischung in Basel-Stadt

Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft stehen regelmässig vor dem Problem von überfüllten Sekundarschulklassen. Jeweils am Ende eines Schuljahres müssen einzelne Schüler/-innen neuen Klassen zugeteilt werden: Entweder, weil sie in ein höheres Leistungsniveau wechseln dürfen oder weil sie removiert und einem niedrigeren zugeteilt werden. Durch diese Wechsel werden die gesetzlich festgelegten Obergrenzen regelmässig gesprengt. Dies ist frustrierend, weil diese Situation einfach vermieden werden könnte, indem bei der Neubildung von Sekundarschulklassen zwei bis drei Reserveplätze freigehalten würden. Das Auffüllen der Klassen dient einzig dem Zweck, Klassen und damit Finanzen einzusparen. Eine zusätzliche Klasse kostet jährlich rund 250'000 Franken. Auf der Strecke bleiben die pädagogischen Vorteile der drei leistungsniveaus A, E und P.

Unterschiedliche Lösungsansätze der beiden Basler Halbkantone

Die ansteigende Heterogenität in den Schulklassen haben wir in den letzten Jahren öfters thematisiert, unter anderem auch mit der im Jahr 2011 lancierten Initiative „überfüllte Klassen reduzieren“. Durch die grossen Leistungsunterschiede innerhalb einer Klasse waren leistungsstarke Schulkinder oft unter- und leistungsschwache überfordert. Auch die Lehrpersonen müssen täglich den Spagat zwischen den unterschiedlich fortgeschrittenen Schulkindern meistern und haben für eine individuelle Betreuung vielfach keine Zeit.

Die beiden Basler Halbkantone lösen das Problem mit den überfüllten Klassen unterschiedlich:

  • In Baselland werden Schüler/-innen, die in eine andere Klasse wechseln müssen, in Nachbarsgemeinden verschoben, wenn in der eigenen Schule die Klassen bereits voll sind. Ist dies nicht möglich, so wird die gesetzlich festgelegte Obergrenze ignoriert. Als Kompensation erhalten überfüllte Klassen Zusatzstunden in den Fächer Deutsch und Mathematik in Form von Halbklassenunterricht während jeweils zwei Lektionen pro Fach.
  • In Basel-Stadt strebt das Erziehungsdepartement seit diesem Schuljahr eine weitere Möglichkeit an: Physisch bleiben die Schüler/-innen trotz Remotion in ein tieferes Leistungsniveau in der Klasse. Die Lehrpersonen unterrichten dann in derselben Klasse gleichzeitig Schüler/-innen von zwei unterschiedlichen Leistungsniveaus. Ende Dezember wurde diese Massnahme kurzfristig beschlossen und zurzeit in drei Schulklassen im Stadtkanton durchgeführt.

In beiden Fällen handelt es sich um Sparmassnahmen zulasten der Bildungsqualität. Dass bereits volle Klassen in Baselland überfüllt werden und man wenige Zusatzstunden abgefedert wird, kommt den Kanton billiger als die Bildung einer neuen Klasse. Auch die Zwangsverschiebung in eine andere Gemeinde, ist ein trauriges Zeugnis einer Sparmassnahme. Schüler/-innen werden so aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen.

Niveaudurchmischung führt zu Bildungsabbau

Die schleichende Einführung der Niveaudurchmischung ist offensichtlich. Sie führt zu einem Unterricht, bei dem die Lehrperson nicht mehr allen Schulkindern innerhalb einer Klasse gerecht werden kann. Sie muss in Niveau durchmischten Klassen verschiedene Prüfungen vorbereiten, unterschiedliche Notensysteme erarbeiten und angepasste Aufgabenblätter schreiben. Ein Lehrer zentrierter Unterricht, in welchem die Lehrperson aktiv in ein Thema einführt, ist kaum mehr möglich. Sie müsste ein Thema einmal etwas schneller und einmal etwas ausführlicher behandeln. Ein effizientes Lernumfeld, von welchem alle Schüler/-innen gleichermassen profitieren, ist kaum mehr möglich.

SSbB fordert Einhaltung der maximalen Obergrenze

Bei den zu vollen Klassen handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern kommt mittlerweile häufig vor und damit auch das Problem mit überfüllten Klassen. Die Starke Schule beider Basel fordert einerseits die strikte Einhaltung der gesetzlich festgelegten Obergrenze sowie keine Niveau durchmischten Klassen. Gegebenenfalls müssen zusätzliche Klassen gebildet werden, was zu einer Reduktion der Klassengrössen führt.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

 
Medienmitteilung vom 18.01.2021 der SSbB

Bildungsrat erteilt Auftrag zur Lehrplanüberarbeitung

Die Starke Schule beider Basel nimmt die Medienmitteilung «Lehrplan Volksschule wird strukturierter und kompakter» von heute Montag, 18. Januar, der BKSD zur Kenntnis. Die zurzeit gültigen Lehrpläne, welche über 3'500 Kompetenzbeschreibungen enthalten, werden von den Lehrpersonen faktisch nicht beachtet. Deshalb sind die Aufträge des Bildungsrates an das Amt für Volksschulen, die unbrauchbaren Lehrpläne der Volksschulen zu überarbeiten, die logische Folge der heftigen Kritik der Lehrpersonen. Die Lehrpläne sollen gemäss dem Auftrag des Bildungsrates besser strukturiert, verdichtet, Wiederholungen eliminiert sowie Themen und Inhalte präzisiert werden.

Die Starke Schule beider Basel fordert seit längerer Zeit Lehrpläne mit klar definierten Stoffinhalten und Themen im Umfang von 1 – 2 A4-Seiten pro Fach und Schuljahr. In einem Anhang, der als Bestandteil des Lehrplans gilt, sollen die wichtigsten umsetzbaren und überprüfbaren Kompetenzbeschreibungen aufgenommen werden.

Der Handlungsdruck ist erheblich. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Starken Schule beider Basel beurteilten 506 Lehrpersonen das heutige Bildungsniveau der Schüler/-innen im Vergleich zu früher: 63.6% geben an, dass das Leistungsniveau heute im Vergleich zu früher tiefer ist. Nur 7.9% beurteilen das Niveau als besser und 28.5% sehen keinen relevanten Unterschied. Diese Umfrageergebnisse sind deprimierend und eine Folge der gescheiterten Bildungsreformen und Fehlkonzepte der letzten Jahre.

 

 

18.01.2021

AKK-Führung erhält durch Neuorganisation mehr Macht

Die Amtliche Kantonalkonferenz (AKK) des Kanton Basel-Landschaft, welche die rund 5500 Lehrpersonen vertreten sollte, wird neu organisiert. Eines bleibt jedoch gleich: Nach wie vor lässt sich die AKK von der Bildungs-, Kultur und Sportdirektion (BKSD) mit einem jährlichen Beitrag von 230'000 Franken finanzieren, was ihre Unabhängigkeit faktisch verunmöglicht. Ganz nach dem Motto: «Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing».

Gemäss §75 des Bildungsgesetzes soll die AKK als Bindeglied zwischen den Lehrpersonen und der BKSD wirken und pädagogische Anliegen einbringen. Wie einige Beispiele zeigen, gelang ihr das nicht immer: Jahrelang befürwortete die Chefetage der AKK die von der Basis heftig kritisierten Passepartout-Lehrmittel. Der Lehrplan 21 mit seinen 3'536 Kompetenzbeschreibungen wurde lange in den höchsten Tönen gelobt. Auch die vom Amt für Volksschulen (AVS) beabsichtigte Abschaffung der Einzelfächer Biologie, Chemie, Geografie, Geschichte, Physik an den Sekundarschulen wurde nur wenig bekämpft obwohl die Basis eine Beibehaltung der Fächer befürwortet. Allzu oft wirkte die AKK-Geschäftsleitung als Sprachrohr der BKSD. Unabhängigkeit sieht anders aus.

Deshalb darf es nicht verwundern, dass viele Lehrpersonen geringes Interesse zeigen, sich in der AKK aktiv einzubringen, sondern sich vermehrt dem Lehrerinnen- und Lehrerverband (LVB) oder der Starken Schule beider Basel (SSbB) anschliessen.

Mit der Neuorganisation wird auch ein Teil der Geschäftsleitung und des Vorstandes neu besetzt. Es ist zu hoffen, dass die redimensionierte Organisation unabhängiger und damit schlagkräftiger wird.

Regina Werthmüller
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

12.01.2021

Schulschliessungen – ja oder nein?

Eine Studie der ETH Zürich konnte mittels Auswertung von Mikrobewegungen der Bevölkerung zwischen dem 10. Februar bis 26. April 2020 die besten Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Ansteckungen eruieren. Die Ergebnisse zeigen Erstaunliches.

Die Frage wird mittlerweile wöchentlich diskutiert: Sollen die Schulen noch einmal komplett geschlossen werden, damit sich die Ausbreitung des Coronavirus' verringert? Die Antworten fallen unterschiedlich aus. Politiker und Fachexpertinnen und -experten vertreten unterschiedliche Meinungen. Während in einigen Ländern bereits seit Wochen alle Schulen wieder dicht sind, bleiben unsere Volksschulen sowie die weiterführenden Schulen offen.

Bundesrat befürwortet Schliessung der Volksschulen nur im Notfall

Der Bundesrat will die Primar- und Sekundarschulen nur im allergrössten Notfall schliessen, was auch die Starke Schule beider Basel befürwortet. Vor einer allfälligen Schliessung sollen zuerst andere Massnahmen umgesetzt werden wie beispielsweise die Schliessung der nicht lebensnotwendigen Geschäfte oder die Einführung der Homeoffice-Pflicht. Gemäss einer aussagekräftigen Studie aus den Niederlanden können die Schüler/-innen im Fernunterricht die Lernziele in der Regel bei weitem nicht erreichen.

Studie der ETH Zürich mit erstaunlichen Resultaten

Die nun veröffentlichte Studie der ETH Zürich hat im Frühjahr letzten Jahres die Mikrobewegungen der Schweizer Wohnbevölkerung aufgrund anonymisierter Daten aller Mobilfunkanbieter ausgewertet. Unter "Mikrobewegung" wurden Bewegungen von Personen bezeichnet, die sich von einem Postleitzahl-Gebiet in ein anderes bewegt haben. Es konnte damit gezeigt werden, wie sich die Mobilität ganz allgemein durch die unterschiedlichen Massnahmen verändert hat und durch welche Massnahmen die Mobilität am meisten reduziert wurden.

Die Mobilität ist ein wichtiger Faktor während einer Pandemie, da die Ansteckungen abnehmen, wenn die Leute weniger unterwegs sind. Es kam heraus, dass durch die Schulschliessungen ab Mitte März die Mobilität um 21.6% sank. Nur zwei Massnahmen hatten einen noch grösseren Einfluss: Das Versammlungsverbot von mehr als fünf Personen hat zu eine Reduktion der Mobilität um 24.9% geführt und durch die Schliessung von Geschäften, Bars und Restaurants gab es eine Verminderung von 22.3%. Interessanterweise sank die Mobilität durch das Versammlungsverbot von mehr als 100 Personen lediglich um 9.5% und hatte damit einen weniger starken Einfluss.

Auch die nationale Covid-Taskforce rät zum jetzigen Zeitpunkt davon ab, die Volksschulen zu schliessen. Sie ist überzeugt, dass "das Grundrecht auf Bildung so weit wie möglich gewahrt bleiben" muss.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

[Quelle: Sonntagszeitung, 10. Januar 2021]
 
 
02.01.2021

Selbst PH-Dozenten kritisieren kompetenzorientierten Lehrplan

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht heute in allen Fächern (ausser in Englisch und Französisch) nahezu gänzlich aus über 3'500 Kompetenzbeschreibungen. Exemplarisch folgendes Beispiel: «Die Schülerinnen und Schüler können allein oder im Gespräch die kommunikative und ästhetische Wirkung und Qualitäten ihrer Texte mithilfe von Kriterien differenziert einschätzen.» Sehr viele Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan Volksschule Baselland sind nicht wirklich greifbar, sehr schwierig umzusetzen und kaum überprüfbar. Alleine schon die schiere Menge dieser Beschreibungen zeigt die praxisferne Abgehobenheit.

Die Volksabstimmung vom Juni 2018 forderte mit 84.2% Zustimmung neben einem kompetenzorientierten Lehrplanteil vor allem klar definierte Stoffinhalte und Themen. Der Versuch, die Lehrpläne so zu überarbeiten, dass diese für die Schulen brauchbar sind, scheiterte mit Ausnahme des Englischlehrplans jedoch kläglich. Folgend ein Auszug eines Mails eines Sekundarlehrers für Geografie, der notabene ebenfalls Dozent an einer pädagogischen Hochschule ist, an die verantwortliche Mitarbeiterin des Amtes für Volksschulen (AVS) anlässlich einer Rating-Konferenz von Geografiefachvorständen: Der aktuelle Lehrplan in Geografie sei «ein Witz: Überladen, redundant, unverständlich und häufig doppeldeutig (…). Würde mir ein Student ein solches Produkt abliefern, wäre mein kurzer Vermerk: "Zurück an den Absender, lesen Sie bitte nochmals die Aufgabenstellung!" Das Produkt müsste nochmals komplett neu konzipiert, durchdacht und geschrieben werden, die vorliegende Version ist nicht einmal eines Entwurfes würdig!»

So ist es ein offenes Geheimnis, dass die allermeisten Lehrpersonen den kompetenzorientierten Lehrplanteil für ihre tägliche Arbeit als untauglich erachten. Kompetenzbeschreibungen sind an sich als Hilfsinstrument in einer überschaubaren Menge durchaus angebracht, wenn sie aussagekräftig und in der schulischen Praxis auch umsetzbar und überprüfbar sind. Diese Situation ist heute jedoch nicht gegeben.

Am 7. März 2021 kommt deshalb die Volksinitiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" zur Abstimmung, die eine Abspeckung des kompetenzorientierten Lehrplanteils auf eine überschaubare und einsatzfähige Grössenordnung sowie eine umsetzbare Qualität zum Ziel hat, mit der Lehrpersonen auch arbeiten können.

Michael Pedrazzi
Vorstand Starke Schule beider Basel

 
 

29.12.2020

LVB Mitglieder befürworten weniger Kompetenzbeschreibungen

In der jüngsten Zeitschrift des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland hat der LVB die Ergebnisse einer bei seinen Mitgliedern durchgeführten Umfrage zum Thema Lehrplan veröffentlicht. Mit differenzierten Fragen an die Lehrpersonen aller Schulstufen wurde nachgefragt, wie ein hilfreicher Lehrplan beschaffen sein muss. Die Antworten der 655 LVB-Mitglieder, die an der Umfrage teilgenommen haben, zeigen einmal mehr ein deutliches Bild.

Grund für die Umfrage war insbesondere die Schwierigkeit, in Sachen Lehrpläne den Überblick zu behalten. Dies, weil in den letzten Jahren immer wieder Kontroversen um die Baselbieter Lehrpläne entfacht sind und nach und nach zu Anpassungen in Teilbereichen kam. Da die Thematik des Lehrplans jedoch wichtig ist, sollten mittels gezielten Fragen, die Wünsche und Forderungen der Lehrpersonen zusammengefasst werden.

Es nahmen insgesamt 655 lvb-Mitlieder teil; 302 davon unterrichten an der Primarstufe, 219 an der Sek. 1, 116 an der Sek. 2 und 18 an anderen Schulen. Es wurde deutlich, dass den Lehrpersonen insbesondere die Umsetzbarkeit der inhaltlichen Stoffziele, die Übersichtlichkeit und der Lehrplan als hilfreiches Arbeits- und Planungsinstrument wichtig sind (siehe dazu die folgenden Diagramme).

 

 

 

Eine weitere Frage war, ob in den Stofflehrplänen der einzelnen Fächer auf konkrete Inhalte fokussiert und weitgehend auf Kompetenzbeschreibungen verzichtet werden soll. Mit der deutlichen Annahme der Vorlage "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" an der Urne durch das Volk mit über 84% am 10.6.2018 war der Auftrag klar: Der Lehrplan Volksschule Baselland soll aus zwei Teilen bestehen, die gleichwertig den Lehrplan bilden: Ein Teil soll lediglich aus Stoffinhalten und Lernzielen bestehen, der andere Teil aus Kompetenzbeschreibungen. 

Unten sehen Sie die Auswertung der Frage, ob im Lehrplanteil "Stoffinhalte und Themen" auf Kompetenzbeschreibungen verzichtet werden soll. 



69.2% der Lehrpersonenn stimmten dieser Aussage zu oder eher zu. Im Vergleich zu den vorhergehenden Fragen stimmten mit 30.8% aber auch etwas mehr mit "trifft nicht zu" oder "trifft weniger zu". Der LVB interpretierte diesen Unterschied in seiner Analyse aufgrund der erhaltenen Kommentare, dass möglicherweise einige der Teilnehmer/-innen die Frage so verstanden hätten, ob komplett auf Kompetenzbeschreibungen verzichtet werden solle. Die Frage des LVB war jedoch nur auf den Teil des Lehrplans ausgerichtet, der aus "Stoffinhalten und Themen" bestehen soll und nicht auf den zweiten Teil, der sowieso aus Kompetenzbeschreibungen besteht. 

In einem zweiten Teil der Umfrage wurde konkret nach der Meinung der aktuellen Initiative der Starken Schule beider Basel gefragt. Die Initiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" besteht aus zwei Anliegen:
 

  1. Die Reduktion auf maximal 1'000 Kompetenzbeschreibungen sowie dem Primat der Stoffinhalte und Themen für die schulische Promotion.
  2. Die Differenzierung der Stoffinhalte und Themen nach Jahreszielen und Anforderungsniveaus sowie der Abstimmung der Lernziele auf die Anforderungen der Sek. 2.

 
Interessant ist, dass sehr viel mehr Personen zu den beiden letzten Fragen keine Meinung äussern  konnten oder wollten. Dies liegt möglicherweiste daran, dass die Fragen sehr spezifisch sind und sie nicht die Lehrpersonen aller Stufen betreffen. Wenn die Stimmen der Lehrpersonen, die zustimmen oder eher zustimmen mit denjenigen verglichen, die nicht zustimmen oder eher nicht zustimmen, zeigt sich auch hier, dass eine deutliche Mehrheit die Anliegen der Initiative der Starken Schule beider Basel befürworten. Es sind 55.2% bei der ersten und 60.9% bei der zweiten Teilfrage.

Die Umfrage zeigt deutlich auf, wie wichtig die Lehrpersonen die Ausgestaltung eines sinnvollen Stofflehrplans erachten. Es bleibt zu hoffen, dass auch von Seiten der Bildungsdirektion die Stimmen der Lehrpersonen wahrgenommen werden und entsprechend gehandelt wird.
 
Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel
 
 
28.12.2020

Autsch!

Die Basler Zeitung titelte «Bildungsreformen liessen Schulen abstürzen». Gemeint ist nicht eine einzelne, besonders reformfreudige Schule, sondern die Schule per se. Die Schule der beiden Halbkantone BS und BL, um genauer zu sein.

Sowohl in BS wie BL beklagen mehr als die Hälfte aller seitens der Starken Schule beider Basel befragten gut 500 Lehrpersonen den «grossmehrheitlichen Leistungsabsturz des Schulsystems».

Natürlich liess der entsprechende Online-Kommentar, der diese Umfrage kritisiert, nicht lange auf sich warten. Allzu relevant und aussagekräftig sei diese Umfrage ja nicht, denn sie habe nur ganz wenige Lehrpersonen erreicht. Sie liefere sehr schwammige Aussagen und stamme im Übrigen von den Reformbremsern schlechthin, der Starken Schule eben.

Doch diese Wortmeldung steht so ziemlich einsam da nebst all den «sehr gut formulierten und stringenten Kommentaren», wie es ein anderer BaZ-Leser sieht. Stringent sind eben nicht nur die Umfrageergebnisse und das Echo darauf - klar und deutlich zeigt auch die nationale Überprüfung der Grundkompetenzen aus dem Jahr 2019, was Sache ist: BS und BL bilden das nationale Schlusslicht.

Waseliwas aber ist die Antwort der BL-Bildungsdirektion angesichts dieser Misere? 62 Millionen, verteilt auf 10 Jahre. Der Titel der Massnahmen: Zukunft Volksschule. Schon wieder? Soeben wurde doch die Blingbling-Fiction der Schule der Zukunft aufgezogen am Firmament des Kompetenzhimmels. Und nun soll ein neu zu schaffendes Fach «Medien und Informatik» die zentrale Rolle einnehmen. Will heissen: Der Computer soll es (erneut) richten…

Der selbstentdeckende Unterricht als das Non plus Ultra, der 4000 Jahre Menschheits- und Wissenschaftsgeschichte in Form einer Entdeckungsreise auf eigene Faust in neun Schuljahre zu pressen hatte, gepowert durch Google und einem Hardware-Update galaktischer Grössenordnung (jede Schülerin, jeder Schüler verfügt über ein Tablet), wird nun erweitert durch Massnahmen in dieselbe Richtung, obwohl klar und deutlich erkennbar wird, dass dieser Weg grundsätzlich in die falsche Richtung führt. Mit Verlaub – eine solche Reaktion bezeichne ich als bedenklich. Wir haben keine Fehler gemacht und werden auch keine machen! So tönt es aus dem Elfenbeinturm zu Lieschtel. Dem Ganzen das Krönchen aufsetzen tut der AVS-Chef, indem er zugibt, von den Resultaten der Überprüfung der nationalen Grundkompetenzen überrascht worden zu sein, um im gleichen Atemzug aber festzustellen: «Die Feedbacks der Lehrer, soweit ich das Fazit sehen konnte, decken sich weitgehend mit den Erkenntnissen unserer Analyse, bevor wir das 62-Millionenpaket aufgegleist haben.» Und weiter: Man müsse die Lehrer ernst nehmen. Doch: «Das Letzte, was wir brauchen, sind neue Reformen. Vielmehr bedarf es einer Beruhigung und stetigen Verbesserung im derzeitigen System». So geht Widersprüchlichkeit auf der Basis von «Ich bin, der ich bin».

Ohne Eingeständnis grundlegender Fehleinschätzungen seitens der Bildungsverantwortlichen sind wohl auch die anderen 62 Millionen, die ins Fremdsprachenkonzept Passepartout investiert worden sind, dem Himmel sei Dank, nicht verloren. Alles war richtig! Weiter geht’s auf dem falschen Weg! Die Erde ist rund und irgendwann kommen wir an den Anfangspunkt zurück. Über die gefürchtete Kante fällt niemand.

Und für die aufmüpfigen Pädagoginnen und Pädagogen gibt es mit der Corona-Impfung gleich noch eine Jahresdosis «Kompetenzin», ein Beruhigungsmittel, das auch die Weitsicht des Empfängers erweitern soll. Schöne Weihnachten!

Daniel Vuilliomenet, Lehrperson Sek. 1

 

23.12.2020

Massnahmenpaket als Schadens- begrenzung

Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) reagiert mit einem Massnahmenpaket und 62 Millionen Franken auf den Bildungsabsturz an den Volksschulen aufgrund der zahlreichen gescheiterten Reformen in den letzten Jahren. Das Programm «Zukunft Volksschule» soll die Kernfächer Deutsch, Mathematik und insbesondere Medien und Informatik stärker fördern.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) hat im Dezember 2020 eine breit angelegte Umfrage durchgeführt, an welcher 506 Lehrer/-innen der Volksschulen und der weiterführenden Schulen teilgenommen haben. Sie mussten mindestens 5 Jahre Unterrichtserfahrung haben, damit sie die Situation heute mit derjenigen von früher vergleichen können. Die Pädagoginnen und Pädagogen gaben Auskunft darüber, wie sie die Entwicklung der Leistung der Schüler/-innen in den verschiedenen Fächern sehen. Die Ergebnisse sind ernüchternd: 63.6% der befragten Lehrpersonen stufen die Leistungen der Schüler/-innen heute schlechter oder deutlicher schlechter ein als früher. Lediglich 7.9% sehen eine Verbesserung des Leistungsniveaus.

In den differenzierten schriftlichen Stellungnahmen der Lehrpersonen ist herauszulesen, dass unter anderem die Bildungsreformen für das Scheitern der Schüler/-innen verantwortlich gemacht werden. Auch Beat Lüthy, Leiter des Amts für Volksschulen, bestätigt die Umfrageergebnisse, wie die Basler Zeitung berichtet (BaZ, 17.12.2020). «Die Feedbacks der Lehrer, soweit ich das Fazit sehen konnte, decken sich weitgehend mit den Erkenntnissen unserer Analyse, bevor wir das 62-Millionen-Franken-Massnahmenpaket aufgegleist haben.»

So soll im Zeitraum von 2022 bis 2028 das Programm «Zukunft Volkschulen» durchgeführt werden. Dabei werden insbesondere die Kernfächer Deutsch und Mathematik gestärkt und der Bereich «Medien und Informatik» soll an den Primar- und Sekundarschulen als eigenes Stundengefäss unterrichtet werden. Auf Primarstufe wird hierfür eine Lektion in «Natur, Mensch und Gesellschaft» reduziert. Auf der Sekundarstufe wird in den ersten beiden Jahren eine Lektion aufgestockt, damit die Fächer Deutsch und Mathematik, in welche die Informatik zurzeit eingegliedert ist, entlastet und gestärkt werden können.

Die SSbB begrüsst die Bestrebungen der BKSD, mit dem Massnahmenpaket die Volksschulen nachhaltig zu unterstützen. Jedoch muss man sich darüber bewusst sein, dass dieser grosse Betrag nur eingesetzt werden muss, um Schadensbegrenzung für die gescheiterten Bildungsreformen der letzten Jahre zu machen. Wären neue Lehrmittel, Lehrpläne und Unterrichtsphilosophien besser durchdacht worden, müsste dieses finanzielle Desaster nun nicht mühselig und kostspielig wieder ausgebügelt werden.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

21.12.2020

Führung ist gefragt

Eben ist die Vernehmlassung zu den neunen Führungsstrukturen zu Ende gegangen. Kurz zusammengefasst sollen auf Sek 1 und Sek. 2 (Kanton) sowie in den Primar- und Musikschulen (Gemeinden) die Verantwortungsbereiche neu geregelt werden. Ich bin dezidiert gegen die vorgeschlagenen Änderungen:

  • Einmal mehr wurde bei einer derart wichtigen Frage keine externen Fachpersonen (FHNW, Universität) beigezogen. 
  • Auf den beiden Sekundarstufen 1 und 2 würde der Schulrat durch die vorgeschlagenen Änderungen zu einem “Zwitter-Gremium”; weder abgeschafft, noch gestärkt. Beide Varianten wären sinnvoller.
  • Auf Gemeindeebene stehen drei Führungs-Modelle zur Auswahl, was dazu führen wird, dass wir in den 86 Gemeinden im Kanton Basel-Landschaft ein Wirrwarr an Führungsstrukturen erleben werden. Keiner wird genau wissen, was in welcher Gemeinde gilt.

Die eben veröffentlichte Umfrage der Starken Schule beider Basel dokumentiert das Wirrwarr. Bitte nicht die Botschaft attackieren, sondern die Resultate zur Kenntnis nehmen, und sich das “warum” stellen. Meine Interpretation: Die Führungsschwächen wirken sich auf die Lehrpersonen, auf die Ausbildung und auf die bekannt schlechten Testresultate der Schüler/-innen aus. Die Umfrage dokumentiert auch, dass einseitig kompetenzorientiertes Lernen nicht zielführend ist. Es braucht zusätzlich klar gesteckte Jahresziele und einen Lehrplan mit pointiert formulierten Stoffinhalten und Themen. 

Im Gespräch sind nun zusätzliche 62 Millionen Franken für “Sofortmassnahmen”, weil das Malaise erkannt und behoben werden soll. Dennoch, es fühlt sich ein bisschen so an: Ein offensichtliches Problem soll mit zusätzlichen Mitteln gelöst werden, wobei die zentrale Frage jedoch bei den bestehenden Führungsstrukturen zu orten ist.

Paul Hofer, a. Landrat FdP
 
 

16.12.2020

Umfrage: Schüler/-innen zeigen immer schlechtere Leistungen

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) führte in den vergangenen zwei Wochen eine breit angelegte Umfrage zum Thema «Leistungsniveau der Schüler/-innen heute im Vergleich zu vor 5 Jahren» bei den Lehrpersonen der Schulstufen Primar, Sek 1 und Sek 2 durch. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Eine deutliche Mehrheit der Lehrpersonen stuft die Leistungen der Schüler/-innen heute schlechter oder deutlich schlechter ein als früher.

An der Umfrage beteiligten sich 506 Lehrpersonen der Volksschulen sowie der weiterführenden Schulen aus den beiden Basler Halbkantonen. Damit ist sie aussagekräftig. Teilnehmen durften ausschliesslich Lehrpersonen, die über mindestens 5 Jahre Unterrichtserfahrung verfügen und damit die Situation heute mit der von früher vergleichen können. Die Pädagoginnen und Pädagogen gaben Auskunft darüber, wie sie die Entwicklung der Leistung der Schüler/-innen in den verschiedenen Fächern sehen. Dabei konnten sie folgende fünf Abstufungen verwenden: «deutlich schlechter», «schlechter», «ungefähr gleich», «besser» und «deutlich besser». Die Lehrpersonen konnten ihre Einschätzung und die Ursachen differenziert begründen.

Die Ergebnisse sind deprimierend: Das Leistungsniveau der Schüler/-innen wird von den Lehrpersonen im Vergleich zu vor 5 Jahren oder früher mit 63.6% als schlechter oder deutlich schlechter eingestuft. Lediglich 7.9% stufen die Leistung der heutigen Schüler/-innen als besser oder deutlich besser ein. 28.5% sehen keinen relevanten Leistungsunterschied (siehe Grafik 1).

Signifikanter Unterschied in den beiden Basler Halbkantonen

Von den 506 Lehrpersonen unterrichten 264 in Baselland, 242 in Baselstadt. In beiden Halbkantonen sind sich die Befragten einig: In Baselland geben 70.8% an, dass das heutige Niveau entweder schlechter oder deutlich schlechter sei. Der Stadtkanton macht dieselbe Aussage mit 55.8%. Lediglich 7.6% in BL resp. 8.2% in BS gaben an, dass sich das Leistungsniveau der Schüler/-innen in den letzten Jahren im Vergleich zu früher verbessert habe (siehe Grafik 2).

Dass die Baselbieter Lehrpersonen eine grössere Verschlechterung des Leistungsniveaus sehen als ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen im Stadtkanton, hat möglicherweise auch mit dem etwas exotischen Schulmodell (Orientierungs- und Weiterbildungsschule) der vergangenen Jahrzehnte zu tun, welches erst vor Kurzem ersetzt wurde. Viele Fachleute machen dieses Basler Schulmodell für die Bildungsmisere in den letzten 15 Jahren verantwortlich.

 

Vergleich zwischen den einzelnen Schulstufen

Werden die drei Schulstufen Primar, Sek 1 und Sek 2 beider Halbkantone miteinander verglichen, schliesst die Sekundarstufe 1, also die Klassen des 7. – 9. Schuljahres, am schlechtesten ab: 75.6% der Befragten gaben an, dass sich das Niveau verschlechtert oder sogar deutlich verschlechtert habe. Nur 24.4% schätzen die Lage so ein, dass entweder eine Verbesserung (6.0%) oder eine Stagnation (18.4%) des Leistungsniveaus stattgefunden habe.

Insgesamt sieht das Bild auf allen drei Schulstufen ähnlich aus: Jeweils über die Hälfte der Befragten sehen eine Verschlechterung und die Anzahl Stimmen, die eine Verbesserung feststellen können, ist erschreckend tief. (siehe Grafik 3)

 

Lehrpersonen sehen klare Gründe für den Bildungsabbau

307 Lehrpersonen haben ihre Einschätzung der Entwicklung des Leistungsniveaus differenziert in einer Stellungnahme erläutert. Die Auswertung der Rückmeldungen zeigt vor allem sechs hauptsächliche Gründe für die Verschlechterung des Bildungsniveaus auf:

  • Die Schüler/-innen seien heute im Vergleich zu früher deutlich weniger belastbar. Auch die Konzentrationsfähigkeit habe stetig abgenommen.
  • Mehr Schüler/-innen erhalten heute weniger Halt und Unterstützung von zuhause, was in der Schule aufgefangen werden müsse. Dies beanspruche erhebliche zeitliche Ressourcen zulasten der Unterrichtszeit.
  • Der Wechsel von 5 auf 6 Primarschuljahre sowie die Verkürzung der Sekundarschule von 4 auf 3 Schuljahre führe zu einer deutlich grösseren Heterogenität im sechsten Primarschuljahr. Insbesondere die leistungsstarken Schüler/-innen würden im letzten Primarschuljahr nicht optimal gefördert werden können. Im heutigen sechsten Primarschuljahr könne quantitativ und qualitativ nicht derselbe Unterrichtsinhalt vermittelt werden wie im damaligen 1. Sekundarschuljahr.
  • An immer weniger Tagen könne aufgrund von zahlreichen Projekten und Projektwochen, Lagern, Sporttagen, Schulreisen, Zukunftstag, schulinternen Weiterbildungen usw. nach Stundenplan Fachunterricht erteilt werden. Die effektive Unterrichtszeit sei deutlich geringer als noch vor wenigen Jahren.
  • In den Fremdsprachen (Französisch, Englisch) wird die Mehrsprachigkeit mit den dazugehörigen Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’oeil», «New World» als Hauptgrund angegeben. Zahlreiche Fremdsprachenlehrpersonen machen diese Lehrmittel und die darunter liegende Ideologie für den Bildungsabbau verantwortlich. Erwähnt wurde mehrfach die fehlende Grammatik und der wenig strukturierte Aufbau in diesen Lehrmitteln.
  • Der neue Lehrplan mit seinen Kompetenzbeschreibungen sei unbrauchbar oder wenig hilfreich. Viele Lehrpersonen machen die zahlreichen Reformen der vergangenen Jahre für den Bildungsabbau verantwortlich.

Exemplarisch einige Beispiele von Rückmeldungen

«Mit vielen Reformen, beginnend mit der Entrümpelung der Lehrpläne, v.a. aber durch die Individualisierung des Unterrichts und die Aufweichung der Lernziele schon in der Primarschule (frühere Lernziele für die 1. Klasse sind heute erst nach der 3. Klasse verbindlich zu erreichen) wurde die Lehrerschaft dazu gebracht, die Verantwortung für den Lernfortschritt an die Schüler zu übertragen.»

«Maturanden und Studenten (ich unterrichte auch ein Modul an der Hochschule) haben z.T. grosse Probleme mit der Rechtschreibung, im Strukturieren von Gedankengängen, können nicht sorgfältig recherchieren (…)»

«Das sprachliche Niveau in der Muttersprache ist sehr stark zurückgegangen»

«Wir kopieren seit Jahren immer mehr das angelsächsische Schulsystem mit dem Verschieben der Schwerpunkte auf Testen, Controlling (Output) anstelle der Fokussierung auf die besondere Kompetenz von Lehrkräften.»

«Kombifach Geschichte und Geografie [in Basel-Stadt] führt dazu, dass die Kinder keinerlei Grundlagen mehr besitzen. Stoff, der eigentlich vorausgesetzt war, wird gar nicht oder nur wenig behandelt.»

«Digitalisierung ist ein weiterer Rückschritt, da die kognitive Komponente durch die Tastatur unzureichend gefördert wird. (…) Mobiltelefone (WhatsApp) und Laptops lenken stark ab und die Konzentration sinkt rasch.»

«Sprachliche Grundkompetenzen (Satzbau, Rechtschreibung, Fragen so beantworten, dass auch jemand die Antwort versteht, der die Frage nicht gelesen hat) sind nicht mehr vorhanden, wenn die Schüler an die Sekundarschulen kommen. Harmosreform hat eine massive Verschlechterung gebracht: Viel zu viel Ungenaues und Ungefähres wird auf der Primarstufe akzeptiert. Die heutigen 7. Klässler/-innen haben in etwa das Niveau früherer 6. Klässler/-innen. Fragwürdiger Ansatz, auf Korrektheit nicht zu bestehen und dafür ausgiebig neuronale Autobahnen für Falsches entstehen zu lassen.»

«Repetitionen sind bildungspolitisch nicht erwünscht, da sie teuer sind. Die zahlreichen daraus resultierenden Folgen führen dazu, dass Lehrpersonen ihre Ansprüche kontinuierlich runterschrauben.»

«Der Wechsel von 5/4 auf 6/3 kommt aus folgenden Gründen einem Bildungsabbau gleich: 1. Die Primarlehrkräfte sind für das sechste Schuljahr nicht ausgebildet, d.h. es fehlt ihnen der Lehrstoff für dieses Jahr und das dazugehörende Fachwissen. 2. Die Leistungsschere der SuS ist bereits im vierten und fünften Jahr auf der Primarstufe gross. Im 6. Jahr kann diese Heterogenität auch mittels der effizientesten Binnendifferenzierung nicht mehr aufgefangen werden.»

Obwohl eine deutliche Mehrheit der schriftlichen Rückmeldungen auf Verschlechterungen eingehen, gab es auch einzelne positive Kommentare:

«Ich unterrichte seit 30 Jahren. Das Niveau im Fach Englisch hat sich ganz im Gegensatz zu Französisch enorm verbessert. Dafür gibt es viele Gründe. Der wichtigste ist vielleicht die Eigenmotivation der SuS: Englisch ist cool, Englisch ist „einfach“, Englisch muss man können. Die Welt eines Teenagers ist Englisch, die Musik, die Filme und Serien auf Netflix, die Online-Videospiele. Bei letzterem wird auch international gespielt, geschrieben und gesprochen, englisch. Ein weiterer Grund, die zwei Jahre an der Primarschule bringen etwas, die SuS kommen mit einem sehr guten Hörverständnis und können sich mündlich ausdrücken. Nächster Grund: Die Englischlehrmittel sind besser als alle anderen. „Ready for English“ war top, „New World“ ist ok.»

«Breiteres Wissen punkto ICT durch gute ICT-Infrastruktur für jeden SuS. Geübter in Kopfrechnen durch effizientere Übungsprogramme. Qualitativ hochwertigere Lehrmittel als früher.»

«Die englische Sprache ist sehr präsent. Viele SchülerInnen kommen täglich mit dieser Sprache in Berührung. Sie schauen auch vermehrt Serien auf Netflix (oder 'streamen' sie sonst wo) auf Englisch, was auch dazu führt, dass sich ihr Niveau im Englisch verbessert. Dennoch gibt es jedoch einzelne SchülerInnen, die ein sehr schlechtes Niveau haben. Ich würde ergänzend sagen, dass auch die Niveauunterschiede im Englisch grösser werden.»

«Die SuS bringen mehr Grundwissen zu den einzelnen Themen mit. Früher waren das meist nur einzelne SuS, die im Voraus bereits etwas wussten und beitragen konnten, heute sind das mehrere SuS und vertieftere Informationen.»

Fazit

Auffallend und bemerkenswert ist, dass einer der genannten Hauptgründe für die vermutete Leistungsreduktion die verminderte Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit sowie die nicht vorhandene Fähigkeit ist, Gedankengänge zu verknüpfen und vernetzt zu denken. Ein vernichtendes Urteil der Lehrpersonen also für den eingeführten kompetenzorientierten Lehrplan, der genau diese Fähigkeiten hätte besonders fördern sollen. Es ist offensichtlich, dass mit 3'536 Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan die tatsächlichen Stoffinhalte im Unterricht reduziert wurden und so auch diverse überfachliche Fähigkeiten darunter leiden. Die Schüler/-innen haben heute mehr Mühe, einfachen Gedankengängen strukturiert zu folgen, als dies früher der Fall war.

Die SSbB erkennt als ein eklatanter Grund für die Verschlechterung insbesondere das schleichend eingeführte Change-Management punkto Methodik und Didaktik des Unterrichts. Ohne Not wurde ein ruhiger, konzentrierter Unterricht, bei dem die Schüler/-innen das fachliche Basisverständnis erlangen, diskreditiert sowie als verpönt und ewiggestrig dargestellt. Gruppenarbeit sowie das selbstorganisierte Lernen werden hingegen zum Mass aller Dinge erklärt. Von Leitung und Führung losgelöste Lektionen, in denen die Schüler/-innen auf Kosten immenser Unterrichtszeit selbst zu entdecken versuchen, sich aufgrund von Lärm kaum konzentrieren können, zur Hauptsache beschäftigt sind und oft falsche Resultate erzielen, haben für den Lernerfolg fatale Folgen.

Insbesondere auf der Sekundarstufe 1 müssen die Lehrpersonen zudem immer mehr Fächer unterrichten. Die Problematik besteht, seit die Pädagogische Hochschule (PH) die fachliche Ausbildung der angehenden Sek. 1-Lehrpersonen von der Universität weitgehend übernommen hat. Wertvolle Studienzeit wird für praxisferne Inhalte verschleudert und fehlt letztendlich in der Fachausbildung der Studierenden.

Es ist wichtig, dass Wissensinhalte und deren Zusammenhänge in den einzelnen Fächern stärker gefördert werden, damit eine weitere Verschlechterung des Leistungs- und Bildungsniveaus der Schüler/-innen aufgefangen werden kann. Die Schüler/-innen haben es verdient, eine qualitativ gute Schulausbildung zu erhalten und damit auf die weiterführenden Ausbildungsangebote optimal vorbereitet zu werden.

Michael Pedrazzi
Vorstand Starke Schule beider Basel