Starke Schule beider Basel

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News

  • Dienstag, Februar 28, 2017

    Stellungnahme zur Vernehmlassung des Bildungsrates

    Die Starke Schule hat sich in einer Stellungnahme zur Vernehmlassung betreffend Stundentafel und Lehrplan geäussert.

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  • Mittwoch, Februar 15, 2017

    Zusammenarbeit beendet

    Der Vorstand der Starken Schule beider Basel und Herr René Roca haben gestern Abend entschieden, ihre Zusammenarbeit per sofort zu beenden. René Roca war seit Ende Januar 2017 für die Starke Schule in Basel-Stadt aktiv.

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  • Mittwoch, Februar 15, 2017

    "Mille feuilles"-Schulkinder versagen in der Grammatik

    Im Fach Französisch musste der Grammatikteil der Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium gestrichen werden, weil die Schüler/-innen in dem Alter noch kaum Verben konjugieren können.

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  • Mittwoch, Januar 04, 2017

    Meldepflicht bei Integrationsproblemen

    Die Starke Schule Baselland hat sich in ihrer jüngsten Vernehmlassungsantwort zur Änderung der Kantonsverfassung betreffend Vorbehalt der bürgerlichen Pflichten und Änderung des Bildungsgesetzes betreffend Aufnahme einer Meldepflicht bei Integrationsproblemen geäussert.

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  • Donnerstag, Dezember 29, 2016

    Abstimmung im Kanton Solothurn

    Am 21. Mai 2017 wird in Solothurn über eine Initiative gegen den Lehrplan 21 abgestimmt.

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  • Dienstag, Dezember 27, 2016

    Leserbriefe

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  • Samstag, Dezember 03, 2016

    Initiative zustande gekommen

    Die Landeskanzlei gab soeben bekannt, dass die formulierte Gesetzesinitiative "JA zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" mit 2'413 gültigen Unterschriften definitiv zustande gekommen ist.

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Starke Schule
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Starke Schule für das Fach Politik

Vor gut einem Jahr haben die Jungfreisinnigen Basel-Stadt die kantonale Volksinitiative zur Stärkung der politischen Bildung "Ja zu einem Fach Politik" lanciert. Die Starke Schule unterstützt das Begehren, in der obligatorischen Schulzeit während mindestens eines Schuljahres das Fach Politik anzubieten.

Heutige Schulkinder sind die Wähler/-innen von morgen. Oft fehlt den jungen Erwachsenen das notwendige Werkzeug, um am demokratischen Prozess teilnehmen zu können. Damit unser demokratisches System genutzt werden kann und künftige Wähler/-innen lernen, politische Positionen zu hinterfragen, braucht es an den Schulen mindestens eine minimale Ausbildung im Fach Politik, welche heute nur in seltenen Fällen durch besonders engagierte Lehrpersonen zulasten von anderen Fächern durchgeführt wird. Mit der Einführung eines Faches Politik kann neben der Vermittlung von politischen Grundlagen auch die Motivation, sich aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen, gefördert werden.

Unterschreiben Sie den Initiativbogen hier und senden ihn den Jungfreisinnigen Basel-Stadt zu.

 
 
Gastbeitrag von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel), erschienen am 14.02.2017  in der BaZ unter der Rubrik "Einspruch"

Basel-Stadt in der Isolation

Eine echte Harmonisierung der Schulsysteme in den beiden Basler Halbkantonen entspricht dem Willen des Stimmvolkes sowohl in der Stadt wie auch im Baselbiet.  Weg vom Kantönligeist, hin zum Abbau von Mobilitätsschranken, so das Fazit nach der Harmos-Abstimmung  im Jahr 2010. Folgerichtig und konsequenterweise engagiert sich die Starke Schule beider Basel nun aktiv in beiden Kantonen und strebt ein kompatibles Bildungssystem auf hohem Niveau an. Unnötige Unterschiede in den beiden Kantonen betreffend Stundentafeln und Lehrplänen sollen eliminiert werden, ohne dass dabei die Bildungsqualität sinkt.

Ein für schweizerische Verhältnisse exotisches Bildungssystem, so wie dies Basel-Stadt mit der Orientierungsschule (OS) und der Weiterbildungsschule (WBS) rund zwanzig Jahre lang führte, hat definitiv keinen Platz mehr. Dass die Rheinstadt im Rahmen der Reform das gescheiterte OS-System beerdigt hat, war längst überfällig, zumal dieses System einer Gesamtschule ähnelte, in welcher die Schulkinder nur vereinzelt in unterschiedliche Anforderungsniveaus unterteilt waren. Das einst hochgelobte OS-System entpuppte sich als ein Desaster: Die Schulabgänger aus Basel-Stadt hatten über Jahre weitaus grössere Schwierigkeiten, anspruchsvolle Lehrstellen zu finden als ihre Kollegen aus der Landschaft oder den Kantonen Aargau und Solothurn.

Und wieder läuft Basel-Stadt Gefahr, sich bildungspolitisch in die Isolation zu begeben: Im Rahmen des Umbauprozesses wurden zahlreiche Schulhäuser auf ein Konzept mit Lernlandschaften eingerichtet. Es entstanden Grossraumklassenzimmer, in denen bis zu vielen Dutzend Kinder „selbstorganisiert“, d.h. praktisch sich selbst überlassen, lernen sollen. Die Lehrpersonen sind dabei zu „Lerncoaches“ degradiert, die ihre Schützlinge weitgehend nur noch beraten. Im Baselbiet wurden diese Lernlandschaft-Fantasien gestoppt, einzig in Pratteln und Frenkendorf existieren diese. Mehrere geplante Lernlandschaften wurden durch Regierungsrätin Monica Gschwind erfreulicherweise beerdigt. Für die schwächeren Schulkinder, die viel Hilfe und Anleitung benötigen, sind solche Grossraumzimmer eine unhaltbare Situation. Basel-Stadt hat denn auch den Lehrplan 21 mit seiner ganzen Ideologie unverändert übernommen. Kein Wunder, schliesslich war alt Regierungsrat Eymann auch einer der geistigen Ziehväter und Förderer. Die Mehrheit der Kantone jedoch verändert den Lehrplan 21 deutlich und lenkt ihn in vernünftige Bahnen.

Während das Baselbieter Stimmvolk die  Weiterführung der klassischen und traditionellen Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie an der Urne mit 61%-Ja-Stimmen überraschend deutlich befürwortet hat, gingen diese im Stadtkanton in diffusen Kombifächern auf; so wie dies der Lehrplan 21 propagiert: Von allem ein bisschen, aber nichts fachlich fundiert. Auch in Basel-Stadt müssen die Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler verbessert werden. Dass sie gegen die Schulkinder in Baselland, Solothurn und Aargau bei Aufnahmeprüfungen und bei der Lehrstellensuche oft das Nachsehen haben, ist unhaltbar. Das muss sich ändern. Ein Verzicht auf Kombifächer und Lernlandschaften wäre ein erster wichtiger Schritt.
 

Aus Starke Schule Baselland wird

Starke Schule beider Basel

In den meisten Kantonen, so auch in Baselland, Solothurn und Aargau existieren Komitees, welche die Schulreformen kritisch begleiten und mittels kantonalen Initiativen – dort wo sinnvoll und notwendig – korrigierend eingreifen. In Basel-Stadt fehlte bislang ein entsprechendes Komitee. Zwar gab es einige Lehrpersonen und bildungspolitisch Interessierte, die sich hin und wieder öffentlich – z.B. in Leserbriefen und auf Podien – kritisch zu den Bildungsreformen im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21, den Sammelfächern, der neuen Unterrichtsideologie mit dem selbstorganisierten Lernen in Lernlandschaften oder dem neuen Fremdsprachenkonzept mit der Mehrsprachigkeitsdidaktik geäussert haben. Ein koordiniertes und zielführendes Vorgehen existierte am Rheinknie hingegen nicht.

Das Fehlen eines Vereins in Basel-Stadt, welches den Lehrpersonen eine Plattform bietet, liegt unter anderem an einer Angstkultur, die in Basel-Stadt unter den Lehrpersonen existiert. Ein Beispiel, welches diese Problematik verdeutlicht: Als die Starke Schule Baselland vor einigen Monaten eine Umfrage an Basler Lehrpersonen versandte, reagierte Regierungsrat Christoph Eymann sogleich per Mail an alle Lehrpersonen mit der dringenden Empfehlung, sich von unserem Newsletter abzumelden. Erfreulicherweise machten davon weniger als 200 Lehrpersonen Gebrauch.

Der Wunsch der Lehrpersonen, sich zu organisieren, dieser Angstkultur entgegenzutreten und die Kräfte zu bündeln, ist offenkundig, zumal die Schulsynode als Handlangerin der reformfreudigen Regierung dies nicht tut. Das zeigen die vielen Anfragen aus Basel-Stadt in den vergangenen zwei Jahren. Mit einer neuen Starken Schule beider Basel, welche sich vermehrt auch um das Bildungssystem in Basel-Stadt kümmert, soll diesem unbefriedigenden Zustand entgegengewirkt werden.

Ziele in Basel-Stadt

Mit den zahlreich neu gebauten Lernlandschaften und dem damit verbundenen selbstorganisierten Lernen, in welchen die Lehrpersonen zu Lerncoaches degradiert werden, läuft Basel-Stadt erneut Gefahr, zur Bildungsinsel zu werden, so wie das mit ihrer dreijährigen Orientierungsschule in den vergangenen Jahrzehnten bereits der Fall war. Wir möchten mit einer bildungspolitischen Koordination und einer sinnvollen Anpassung verhindern, dass Basel-Stadt erneut ins bildungspolitische Abseits fährt.

Der Vorstand der Starken Schule Baselland hat auf Anregung von Basler Lehrpersonen an seiner Sitzung vom 29. Dezember 2016 einstimmig die Gründung einer Starken Schule beider Basel mit Sitz in Birsfelden beschlossen. Das heute vorhandene Sekretariat in Birsfelden mit der gut funktionierenden Infrastruktur, wird neu für die bildungspolitische Arbeit in beiden Halbkantonen genutzt. Dadurch können sinnvolle Synergien gewonnen werden.

Aufbau und Organigramm

Die Starke Schule beider Basel ist ein Verein mit einem gemeinsamen Vorstand und Geschäftsleitung. Ein Teil der Mitglieder kümmert sich hauptsächlich um Basel-Stadt, ein anderer Teil insbesondere um Baselland (siehe Organigramm Starken Schule beider Basel auf der Seite who is who).

Die Starke Schule beider Basel besitzt insgesamt knapp über  4‘100 Mitglieder und Sympathisant/-innen, welche den regelmässigen Newsletter erhalten. Davon wohnen rund 200 Personen in Basel-Stadt. In den kommenden Monaten beabsichtigt die Starke Schule beider Basel, sich in Basel-Stadt zu positionieren und die notwendige Stärke zu erzielen, um initiativfähig zu werden.

Prüfung von Initiativen in Basel-Stadt

Die Starke Schule beider Basel beabsichtigt in Basel-Stadt verschiedene, kürzlich umgesetzte bildungspolitische Reformen zu hinterfragen. Dazu prüft die Starke Schule in den kommenden Wochen die Möglichkeit einer Lancierung von drei kantonalen Initiativen. Das erste Initiativprojekt betrifft die Sammelfächer auf der Sekundarstufe 1, das zweite Initiativprojekt die Fremdsprachen an den Primarschulen, das dritte die Mehrsprachigkeitsdidaktik. Mit diesen Initiativen soll auch eine Angleichung der beiden Schulsysteme in den beiden Basel erzielt werden. Die Stossrichtung ist klar: Einerseits sollen die Fächer Geschichte, Geografie, Physik, Chemie und Biologie auf der Sekundarstufe 1 als Einzelfächer unterrichtet und benotet werden. Andererseits soll auf der Primarstufe nur eine Fremdsprache unterrichtet werden.

Weitere Informationen zur Starken Schule beider Basel sowie zu den Fakten und Zielen finden Sie hier.
 

Eindrückliches Referat von Alain Pichard


Alain Pichard ist Lehrperson und Stadtrat (glp) in Biel. Zusammen mit 20 weiteren Autoren hat er 2015 die Streitschrift "Einspruch" veröffentlicht, in welcher erstmals auch von linker Seite Kritik am Lehrplan 21 und den Schulreformen geäussert wurde.
 

Reine kompetenzorientierte Unterrichtsmethodik versagt

Das schlechte Abschneiden der Schüler/-innen von Baden-Württemberg (siehe weiter unten) in Rechtschreibung hat nun Konsequenzen. Die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport hat Ihre Schulleitungen und Lehrerkollegien informiert, dass „Handlungsbedarf“ besteht und an den Schulen wieder vermehrt geübt werden soll. Bemerkenswert ist, dass die Ministerin die Ursache in der Methodik des Unterrichtes sieht: „Auch eine Unterrichtsmethodik und -didaktik, die der Rechtschreibung nicht den zentralen Stellenwert gibt oder diese zu spät berücksichtigt, ist wenig hilfreich, um korrektes Schreiben zu verankern. Hier müssen wir gegensteuern und Rechtschreibung von Anfang an gezielt üben. (…) Systematisches (Ein-)Üben ist ebenso wichtig wie Kontinuität.“ (Quelle: http://schuleschweiz.blogspot.ch/2016/12/kurswechsel-in-der-rechtschreibung.html)

Bemerkenswert ist diese Korrektur vor allem deswegen, weil dies auch ein Eingeständnis ist, dass ein auf rein Kompetenzen aufgebauter Unterricht ohne vertieftes und regelmässiges Üben bezüglich Rechtschreibung versagt hat. Baden-Württemberg war eines der ersten Bundesländer, welches auf den kompetenzorientierten Unterricht umgestellt hat.
 
 

Bildungsräte schweizweit

Das Thema Bildungsrat ist in aller Munde. Auch die Starke Schule Baselland hat sich dazu bereits geäussert (siehe Gastkommentar von Regina Werthmüller und Gastbeitrag von Michael Pedrazzi weiter unten). Uns hat interessiert, wie die Situation in anderen Schweizer Kantonen aussieht:

  • 13 Kantone haben entweder einen Bildungs- oder einen Erziehungsrat, der jedoch nicht überall dieselben Aufgaben hat. Während es sich beim Basel-Städtischen Erziehungsrat um das wichtigste Beratungs- und Entscheidungsgremium des Erziehungsdepartements handelt, gibt es im Jura und Wallis den Erziehungsrat nur noch auf dem Papier. Im Kanton Zürich beschäftigt sich der Bildungsrat vor allem mit pädagogischen Fragen und sorgt für die Koordination zwischen den Bildungsstufen. In den Kantonen Aargau, Baselland, Schaffhausen, St. Gallen und Zug sind Vorstösse im Parlament hängig, die für eine Umstrukturierung des Bildungs- bzw. Erziehungsrates sind. Der Kanton Uri hat sich im Jahr 2014 für die Beibehaltung des Erziehungsrates ausgesprochen. Der Kanton Neuchâtel hat - wie momentan in Baselland - ein breit abgestütztes Gremium, das jedoch über keine Rechtsgrundlage verfügt und über keine eigentlichen Kompetenzen. Auch die Kantone Schwyz und Appenzell Innerrhoden haben einen Erziehungsrat.
  • In den Kantonen Aargau, Bern, Fribourg, Genf, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Solothurn, Thurgau, Tessin und Waadt gibt es keinen Erziehungsrat. Bildungspolitische Themen werden vielfach - zum Beispiel in Nidwalden, Thurgau, Aargau, Glarus und Graubünden - in vorberatenden Kommissionen behandelt. In den Kantonen Fribourg, Luzern, Obwalden und Solothurn wurden die Erziehungsräte in den letzten 10 Jahren abgeschafft.

 

Bildungsrat professionalisieren – ein Schritt in die richtige Richtung

Gastkommentar von Regina Werthmüller (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 20.12.2016 in der bz

Lehrpläne und Stundentafeln sind für die Schulen die wohl wichtigsten Instrumente, die mitunter auch für eine erfolgreiche, interkantonale Harmonisierung wesentlich sind. So ist es unbestritten ein entscheidender Unterschied, ob Primarschülerinnen und -schüler bereits im Alter von neun Jahren ein oder zwei Fremdsprachen lernen müssen, der Deutschunterricht auf der Sekundarstufe 1 wöchentlich fünf- oder nur vierstündig erfolgt  oder Geschichte und Biologie anhand einiger ausgewählter Themen in Sammelfächern oder als eigenständige und anspruchsvolle Fächer gelehrt werden.

Lehrpläne und Stundentafeln müssen miteinander korrelieren und aufeinander abgestimmt sein. Die Frage, ob diese Korrelation stimmt und ob die zur Verfügung stehenden Lektionen genügen, um die vom Lehrplan vorgegebenen Lernziele zu erfüllen, ist ohne fundierte Fachkenntnisse kaum zu beantworten. Die Lehrmittel hingegen spielen eine untergeordnete Rolle. Sie sind nicht massgebend und auch nicht so entscheidend, mal abgesehen von den Fremdsprachenlehrmitteln. In Mathematik lernen die Schülerinnen und Schüler in der ersten Sekundarklasse das Bruchrechnen mit den  entsprechenden Anwendungen dazu. Mit welchem Lehrmittel sie dies tun, ist nicht relevant. Schulbücher sind praktisch beliebig austauschbar, wenn die im Lehrmittel propagierte Pädagogik und Didaktik den Lehrpersonen einen ausreichend grossen Spielraum lässt. Entscheidend ist aber, dass der Lehrplan die zu behandelnden Stoffinhalte vorgibt und die dafür notwendigen Lektionen zur Verfügung stehen.

Völlig nachvollziehbar ist, dass diejenigen Stellen, die über Lehrpläne und Stundentafeln entscheiden, über die entsprechenden Fachkompetenzen verfügen müssen, insbesondere dann, wenn ihre Entscheide abschliessend sind. Erarbeitet werden die Lehrpläne in unserem Kanton zwar von einer engagierten Verwaltung, so auch der künftige Lehrplan Volksschule Baselland, der im Jahre 2020 an den Sekundarschulen eingeführt werden soll. Gleichwohl können sich aber Fehler, Unsinniges und nicht Umsetzbares einschleichen. Eine fachlich hoch dotierte Stelle, welche die von der Verwaltung produzierten Vorlagen kritisch überprüfen kann, ist unabdingbar.

Regierungsrätin Monica Gschwind hat erkannt, dass beispielsweise Juristen, Sozialarbeiter und Richter nicht über die nötige methodische und pädagogische Fachkompetenz verfügen, um hochkomplexe Materie wie Lehrpläne und Stundentafeln, deren Zusammenhänge und Folgen zu beurteilen. Ihren Entscheid, den Bildungsrat zu professionalisieren und zu einem echten Expertengremium umzuwandeln, welches fähig ist, Schwachstellen in den bildungspolitischen Vorlagen eruieren zu können, ist begrüssenswert. Folgerichtig sollen die politischen Parteien nicht mehr vertreten sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter im bisherigen Bildungsrat vertraten bislang insbesondere ihre Partei- und Partikularinteressen. Es waren zwar engagierte und motivierte Personen, die jedoch meist nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügten.

Regierungsrätin Monica Gschwind schlägt vor, dass dieses künftige Expertengremium nur eine beratende Funktion einnimmt und nicht mehr abschliessend entscheidet. Trifft künftig der Regierungsrat nach der Begutachtung der Empfehlungen des Expertengremiums den Entscheid, so hat dies auch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Der Regierungsrat muss sich  gegenüber Öffentlichkeit und Parlament weitaus stärker für sein Handeln und seine Entscheide rechtfertigen als dies bislang der Bildungsrat tun musste. Dieser konnte sich gegenüber dem Volk im stillen Kämmerlein verstecken. Damit steht der Regierungsrat unter einem erheblichen Druck, fundiert geprüfte Entscheide zu fällen. Dieser Druck ist zweifelsohne der bestmögliche Garant, dass die Bildungsdirektorin mehrheitsfähige und wohl durchdachte Entscheide fällt und nicht leichtfertig die Empfehlungen des Expertengremiums missachtet, um damit auch keine unangenehmen politischen Vorstösse und Volksinitiativen zu provozieren.
 

Baden-Württemberg statuiert ein Exempel

Während die Schulkinder in Deutschen Schulen im Fach Englisch in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht haben, sieht es im Fach Deutsch - gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund - trüb aus: In der Studie Bildungstrend 2015 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), zeigt sich, dass sich gerade die Stadtstaaten, wo teils bis zu 50% der Kinder einen Migrationshintergrund haben, weiter hinten auf den Plätzen befinden. Obwohl die Zusammensetzung ein entscheidender Faktor bei solchen Vergleichen ist - und Bundesländer wie Bayern und Sachsen mit Sicherheit auch deshalb relativ gut im Ranking liegen, weil ihr Ausländeranteil an der Schülerschaft nur 9% beträgt - entlässt dies die Stadtstaaten nicht aus ihrer Verantwortung.

Auffallend ist das schlechte Ergebnis des Bundeslandes Baden-Württemberg. Während die Leistungen im Fach Deutsch in den meisten Bundesländern relativ unverändert blieben, schnitten die Schulkinder aus Baden-Württemberg schlechter ab als davor. Auch bei den Englisch-Kenntnissen stagnieren die Schüler/-innen aus dem Süden. Beim Lesen trennen die Schulkinder aus Baden-Württemberg 30 Punkte von denen aus dem führenden Sachsen. Dies entspricht dem Leistungsstand eines ganzen Schuljahres.

Noch im Jahr 2009 war Baden-Württemberg sehr weit oben im Ranking. Das schlechte Abschneiden stellt den Schulreformen der vergangenen Jahre ein schlechtes Zeugnis aus. Auffallend ist, dass die Bundesländer in der Studie weit oben liegen, die am wenigsten Schulreformen mitgemacht haben.
 

Bildungsrat ist ein Laiengremium  

Gastbeitrag von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 13.12.2016 in der bz

Auch wenn die SP krampfhaft aufzuzeigen versucht, dass der Bildungsrat ein Expertengremium in Sachen Bildung sei, hat die Vergangenheit deutlich das Gegenteil gezeigt: So konnten zum Beispiel die teilnehmenden Mitglieder des Bildungsrates an ihrer eigenen Pressekonferenz zum Lehrplan 21 die Fragen der Journalisten kaum fundiert beantworten. Es stellte sich heraus, dass sie weder die Philosophie des Lehrplans 21 verstanden haben noch deren Umsetzbarkeit beurteilen konnten –  peinlich, aber doch irgendwie verständlich: Denn von den 14 Mitgliedern des Bildungsrates haben nur gerade vier tagtäglich mit Bildung zu tun; die anderen vertreten vor allem die Partikularinteressen ihrer Parteien oder Wirtschaftsverbände.

Dennoch ist der Bildungsrat befugt, ohne Rücksicht auf finanzielle Mittel des Kantons abschliessend über Lehrpläne, Lehrmittel und Stundentafeln zu befinden. Und es ist ein völliger Irrglaube zu meinen, der Bildungsrat würde die Lehrpläne erarbeiten. Vielmehr erhält er von der Bildungsdirektion fixfertige Vorlagen, die er mangels Knowhow und Fachwissen nur abnicken kann. Das Laiengremium entscheidet in der Regel, ohne die Meinung der Lehrpersonen und Fachexperten zu beachten.  

Die Mehrheit der Lehrpersonen sieht im vom Bildungsrat angestrebten kompetenzorientierten Lehrplan ein erhebliches Risiko für die Schülerinnen und Schüler. Kein Wunder, im Bundesland Baden-Württemberg hat die Anzahl Schulabgänger, die nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können,  zehn Jahre nach der Umstellung auf den kompetenzorientierten Unterricht erschreckend zugenommen. Das selbstorganisierte Lernen, das bei uns neu eingeführt werden soll, scheiterte in Deutschland kläglich.

Der Bildungsrat verkennt die Schwächen des Lehrplans 21 mit seiner angestrebten Unterrichtsphilosophie und politisiert mit aufgesetzter Reform-Brille klar am Volk vorbei. Die von ihm propagierten Sammelfächer wurden denn am 5. Juni an der Urne mit 61% auch wuchtig verworfen.

Die SP merkt, dass ihre Bildungspolitik scheitert und die von alt Regierungsrat Urs Wüthrich vorangetriebenen Reformen von Regierungsrätin Monica Gschwind hinterfragt und erfolgreich gestoppt werden. So bedienen sich die beiden SP-Landräte Mirjam Locher und Roman Brunner wiederholt markiger Worte, um Gschwind und die Starke Schule Baselland zu diffamieren. Sie werfen der Bildungsdirektorin vor, die Bildungsmacht auf ihre Direktion konzentrieren zu wollen, um niemanden mehr fragen zu müssen, wenn es um Lehrpläne und Stundentafeln geht. Dabei verkennt die SP: Es war die neue Regierungsrätin Monica Gschwind, welche eine breit angelegte Umfrage bei den Lehrpersonen durchführte, ihre Position ernst nahm und diese berücksichtigte. Die neue Bildungsdirektorin  strebt in Bildungsfragen Konsenslösungen an, die von einer Mehrheit mitgetragen werden kann.

Es kommt auch nicht zu einer „Verpolitisierung der Bildung“, wie die beiden SP-Landräte immer wieder behaupten. In zahlreichen Kantonen entscheidet schon der Regierungsrat unter Berücksichtigung der Position der abnehmenden Schulen über Bildungsgeschäfte und das funktioniert gut. Zudem soll in Baselland der Bildungsrat gar nicht ersatzlos abgeschafft, sondern professionalisiert werden, indem statt Laien mit Parteien- und Wirtschaftsinteressen echte Bildungsleute aus der Praxis Einsitz nehmen sollen.

Der Entscheid, die Fähigkeiten, Kompetenzen und Aufgaben des Bildungsrates zu hinterfragen, ist aufgrund seiner zahlreichen Fehlentscheide in den vergangenen Jahren nachvollziehbar und legitim. Zu wichtig ist unser Bildungssystem, um es ideologischen Wunschvorstellungen zu opfern.