Starke Schule beider Basel

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Abstimmungskampagne lanciert

Heute haben wir die Abstimmungskampagne "Nein zum Millionen-Betrug an den Volksschulen" lanciert. Am 24. September stimmen wir an der Urne ab, ob die Kantonsbeiträge von Fr. 2'500.- zum Besuch von Privatschulen gestrichen wird. Diese Sparmassnahme hat negative Auswirkungen auf unsere staatlichen Primar- und Sekundarschulen. Lesen Sie hier weiter.
 

News

Leserbrief

Wunschdenken vor Rationalität

Sollen Eltern die Lehrmethode der Sekundarschule wünschen können, wie Katja Christ vorschlägt? Wahrscheinlich wären viele Eltern skeptischer gegenüber dem "selbst organisierten Lernen", das als Unterrichtsform so ganz nebenbei mit dem Lehrplan 21 eingeführt werden soll, wenn sie wüssten, dass sich die Methode in internationalen Studien mit kontrollierten Klassenvergleichen von Kirschner/Sweller/Clark bereits 2006 dem professionell angeleiteten Lernen als klar unterlegen zeigte.

Im Artikel "Why Minimal Guidance During Instruktion Does Not Work" zeigen die Forscher auf, dass junge Menschen nicht Lernbegleiter, digitale Apps und Videos, Arbeitsblätter oder Roboter brauchen, sondern die Interaktion mit lebendigen Lehrpersonen, um Dinge in ihren Zusammenhängen begreifen und im Gedächtnis speichern zu können.Warum die Schweizer Fachleute diese Forschung nicht zur Kenntnis nehmen, bleibt ein Rätsel. Wunschdenken geht wohl vor Rationalität in der Pädagogik.

Felix Schmutz, Allschwil
 
 

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Zeitungsartikel & Leserbriefe

Auf dieser Seite werden Zeitungsartikel und Leserbriefe hochgeladen, die Themen des Komitees behandeln und aufgreifen.
 

Leserbrief von Jürg Wiedemann (Landrat Grüne-Unabhängige, Vorstandsmitglied Starke Schule), erschienen am 17.5.2017 in der bz

Abstimmungsbüchlein gaukelt Einstimmigkeit vor
Der Fehler ist - wenn auch unabsichtlich - unschön und verfälscht das Abstimmungsergebnis: Im Abstimmungsbüchlein schreibt die Bildungsdirektion fälschlicherweise: "Der Landrat hat (...) die Initiative "Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen" (...) mit 75 : 0 Stimmen, bei 4 Enthaltungen, abgelehnt." Das Ergebnis war jedoch nicht einstimmig: Die Fraktion der GLP/Grüne-Unabhängige sowie je ein Landrat der CVP und der Grünen stimmten für die Annahme der Initiative, nachlesbar im Landratsprotokoll.
Ohne Gegenstimme bei 4 Enthaltungen befürwortete das Parlament hingegen die Landratsvorlage zur Initiative gemäss Antrag der Bildungskommission: Die Regierung erhielt den Auftrag "die Ungleichbehandlung beim Lohn zwischen konsekutiv und integrativ ausgebildeten Lehrpsersonen der Sekundarstufe I baldmöglichst aufzuheben." Stossend ist heute, dass Lehrpersonen mit einer universitären Fachausbildung in einer schlechteren Lohnklasse eingeteilt sind, als Lehrpersonen, die nur eine Mini-Fachausbildung an der Pädagogischen Hochschule absolvieren und im leistungstarken Niveau fachlich immer wieder an ihre Grenzen stossen. Mit dem Landratsbeschluss wird eine Kernforderung der Starken Schule erfüllt: ein wichtiger Teilerfolg der Initiative. Ich stimme am Wochenende Ja zur Bildungsinitiative, denn die Schüler haben gute Lehrpersonen verdient.
 

Leserbrief von Saskia Olsson (Geschäftsleiterin Starke Schule beider Basel), erschienen in der bz vom 11.05.2017

Die Ausbildung der Lehrpersonen stärken
Wenn es so weit gekommen ist, dass Auszubildende der Pädagogischen Hochschule (PH) weniger wissen als die besten Schüler einer Sekundarschulklasse - insbesondere im leistungsstarken Niveau P -, dann ist es höchste Zeit, etwas an der Fachausbildung der Lehrpersonen zu ändern. Lehrpersonen müssen ihren Stoff verstehen, um ihn vermitteln zu können. Nur so werden sie von den Schulkindern ernst genommen, respektiert und als Vorbilder angesehen. Mit der Fachausbildung an der PH, die im Ausmass je nach Fach zwischen 10 und 50 Prozent der vergleichbaren Ausbildung an der Universität entspricht, können Lehrpersonen nicht mehr fachlich kompetent ausgebildet werden. Durch die Initiative kann diese unbefriedigende Situation verbessert werden.
 

Leserbrief von André Fritz, erschienen in der BaZ vom 08.05.2017

Berechtigter Frontalangriff
Man darf gespannt sein, wie die Vertreter der Pädagogischen Hochschule (PH) rhetorisch auf die Initiative "Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen" reagieren werden, stellt diese für sie doch einen Frontalangriff dar. Kommt sie durch, bedeutet dies für die PH nämlich Stellenabbau. Doch genau hier liegt die Lösung des Problems der zurückliegenden Jahrzehnte, die von den Dauerreformen im öffentlichen Bildungsbereich geprägt wurden.
Mit dem Aufbau von Pädagogischen Hochschulen nach europäischem Vorbild wurden künstlich Anreize und Stellen geschaffen, deren es nie bedurfte, und die sich nur noch über Sparmassnahmen an den Volksschulen finanzieren lassen. Das Stimmvolk wird sich entscheiden müssen zwischen einer sich selbst dienenden Fachhochschule oder aber der Bildung unserer Jugend, die unserer Zukunft dient. Deshalb ein unbedingtes Ja für die Initiative.
 

Leserbrief von Regina Werthmüller (Landrätin parteiunabhängig), erschienen in der bz am 04.05.2017

Bessere Schulbildung
Geld regiert die Welt! Ohne Geld kann sich Baselland kein gutes Schulsystem leisten. Im Gegensatz zu Steuererhöhungen braucht gerade die Wirtschaft unseres Kantons gute Schulabgängerinnen und Schulabgänger. Die Initiative der Starken Schule, welche die Lehrerausbildung verbessert, trifft drei Fliegen mit einer Klappe: eine bessere Schulbildung mit qualitativ kompetenten Lehrpersonen, eine Entspannung des kantonalen Budgets und damit einen Beitrag zur Vermeidung von Steuererhöhungen. Deshalb befürworte ich die Initiative "Ja zu kompetent ausgebildeten Lehrpersonen".
 

Leserbrief von Kathrin Schaltenbrand-Kovacs (Einwohnerrätin FDP, Allschwil), erschienen in der bz am 02.05.2017

Synergien senken Kosten
Warum muss die Pädagogische Hochschule (PH) unbedingt auch noch einen fachlichen Ausbildungslehrgang für Sekundarlehrpersonen anbieten? An der Universität wird das seit Jahren mit ungleich höherer fachlicher Qualität geführt. Diese Doppelspurigkeit an der PH, die sich nach universitärer Anerkennung streckt, kostet den Staat Millionenbeträge. Während es in den Volksschulen durh das Dach regnet und dringend benötigte Sanierungsbeträge zurückbehalten werden, plustert sich die PH Jahr für Jahr immer mehr auf. Die Fachausbildung der Lehrpersonen gehört zurück an die Universität; deshalb sage ich am 21. Mai Ja zur Bildungsinitiative.
 

Leserbrief von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule), erschienen im Allschwiler Wochenblatt am 28.04.2017

Ja zu fachlich guten Lehrpersonen
Angehende Lehrpersonen, die ihre Ausbildung heute an der Pädagogischen Hochschule absolvieren, erhalten im Gegensatz zum universitären Lehrgang nur noch einen Bruchteil des nötigen Fachwissens. Geködert werden sie mit einer um ein Jahr verkürzten minimalen Wischiwaschi-Ausbildung und sogar noch einem höheren Lohn. Kompetente Lehrpersonen mit einem grossen fachlichen Background sind aber das Fundament einer guten Schule. Deshalb ein Ja zur Lehrpersoneninitiative, welche die Ausbildung der Lehrpersonen verbessert. Unsere Kinder haben gute Lehrpersonen verdient.
 

Leserbrief von Marie-Louise Rentsch, erschienen in der bz vom 26.04.2017

Ausbildung verbessern
Die Fachausbildung der angehenden Sekundarlehrperson ist an der Universität deutlich höher. Das führt auch zu einer wünschenswerten Selektion der Studierenden. Immerhin geht es um die Qualität des Schulunterrichts und damit um die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler. Ein gutes Bildungssystem mit fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen ist aus nachvollziehbaren Gründen wichtig. Diesem haben wir unseren Wohlstand der letzten Jahrzehnte zu verdanken. Ein Ja zur Bildungsinitiative wird die Ausbildung der Lehrpersonen wieder verbessern, zum Vorteil der gesamten Gesellschaft.
 

Leserbrief von Christoph Studer, erschienen in der bz vom 10.03.2017 als Reaktion auf den Leserbrief "Lehrerverein floppt mit Französischumfrage"


Jetzt die Lehrbuch- und Strukturdebatte führen

Es war zu befürchten: Kaum belegen seriöse Umfragen - und zwar nicht nur aus Baselland, sondern auch aus Solothurn und Graubünden - die Unzufriedenheit mit dem neuen Fremdsprachenkonzept und den dazugehörigen Lehrmitteln, werden die Überbringer der schlechten Nachricht, in diesem Fall der Lehrerverein Baselland, zu den Buhmännern gemacht. Wenn Herr Tester die Berichte in der "Schweiz am Wochenende" und in der bz sorgfältiger lesen würde, hätte er feststellen müssen, dass der Lehrerverein BL die französisch unterrichtenden Lehrpersonen der Primarschule in keiner Weise angreift. Auch kann nicht die Rede davon sein, dass mit dieser Umfrage Schülerinnen und Schüler entmutigt werden sollen. Dass schlechte Unterrichtsergebnisse sehr wohl etwas mit unbrauchbaren oder zumindest schlechten Lehrmitteln und einem unausgegorenen Fremdsprachenkonzept zu tun haben, ist leider nicht von der Hand zu weisen. Primarlehrerinnen und -lehrer können unter diesen Voraussetzungen mit noch so guter Arbeit keine Wunder bewirken. Weshalb soll es da nicht erlaubt sein, eine Lehrbuch- und Strukturdebatte zu führen, Herr Tester? Oder wollen Sie weiterhin eine Vogel-Strauss-Bildungspolitik betreiben, um in ein paar Jahren für teures Geld die begangenen Fehler korrigieren zu müssen? 
 

Leserbrief von Felix Schmutz, erschienen in der bz vom 10.03.2017 als Reaktion auf den Leserbrief  "Lehrerverein floppt mit Französischumfrage"

Untaugliche Lehrmittel und Unterrichtskonzepte

Urs Tester spricht den Sekundarlehrpersonen in seinem Leserbrief die Fähigkeit und die Berechtigung ab, die Französischkentnisse der Primarschulkinder nach vier Jahren Unterricht zu beurteilen. Dabei verkennt er die Tatasche, dass es die Lehrkräfte der Sekundarschule sind, welche die Verantwortung dafür tragen, dass die Jugendlichen in nur drei Jahren fit werden für Berufslehren, Diplomschulen und Gymnasien. Dort ist aber die Spiel- und Bastelzeit endgütlig vorbei: Nix verstehen, nix sagen und nix schreiben können, das geht nicht mehr. Nicht Scheinlernziele, sondern tatsächliches Wissen und Können werden dort vorausgesetzt. Falsch ist auch Testers Ansatz zu glauben, die Sekundarlehrpersonen würden den Kolleginnen und Kollegen der Primarschule Vorwürfe machen. Vielmehr haben die ausgebildeten Fachlehrkräfte der Sekundarschule längst erkannt, dass die Schuld an der Misere bei den untauglichen Lehrmitteln und Unterrichtskonzepten zu suchen ist und nicht bei den Personen, welche diese in besten Treuen umzusetzen versuchen. Oder anders gesagt: Mit einer Papierschere kann auch der eifrigste Handwerker keine Eisenstange durchschneiden.


Weitere Leserbriefe und Zeitungsartikel finden Sie hier.
 
 

Leserbrief von Felix Schmutz, erschienen am 25.11.2016 in der Basler Zeitung

Der Bildungsrat als Expertengremium?
Zweifel sind angesagt, wenn der Bildungsrat Basel-Land als Experten­gremium bezeichnet wird. Von 14 Mitgliedern vertreten neun die Interessen von Verbänden und politischen Parteien. Nur eine Minderheit von vier Lehrpersonen vertritt direkt die Bedürfnisse der schulischen Bildung. Die Mehrheit der Mitglieder wird deshalb einerseits ihre Spezialinteressen einbringen und andererseits den Vorgaben der Behörden widerstandslos folgen, wenn ihre Interessen nicht tangiert sind. Nur der Mangel an Sachverstand kann denn auch erklären, warum in den letzten Jahren so manches beschlossen wurde, was später korrigiert werden musste oder hoffentlich noch korrigiert werden wird: Sammelfächer, Aufhebung der kaufmännischen Vorbereitungsklasse, ungeeignete Fremdsprachenlehrmittel, ein unausgegorener Lehrplan 21, eine fragwürdige Stundentafel. Gegen ein beratendes Gremium mit Vorschlagsrecht wäre nichts einzuwenden, hingegen die Entscheidungsgewalt über Lehrpläne, Stundentafeln und Lehrmittel sollte nicht mehrheitlich bei ausser­schulischen Interessenvertretern liegen.  
 

Gastbeitrag von André Vanoncini und Daniel Goepfert, erschienen am 26.11.2016 in der BaZ

Solche Lehrer braucht das Land
Der gesamte Schul- und Studienbereich wird seit einiger Zeit von einer zunehmenden Anzahl Experten bearbeitet. Eine sich immer schneller drehende Reform-Maschine hat ihn erfasst und nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Viele Dringlichkeiten traten an die Stelle klarer Zielsetzungen.

Als mächtigstes Antriebsrad in diesem Mechanismus haben sich die Pädagogischen Hochschulen etabliert. Sie verstehen sich als Steuerungsorgan des gesamten Erziehungsbereichs. Sie liefern die Konzepte für Schulaktivitäten auf allen Stufen. Lehrpersonen sind aus dieser Perspektive Ausführende von vorgegebenen Techniken. Erziehungsdirektionen und ihre Verwaltungen übernehmen die Konzepte gerne, weil sie ihnen den besten Zugriff auf die Angestellten im Erziehungsbereich in die Hand geben. Als Relais werden dabei oft die Schulleitungen genutzt.

Jährliche Unterrichtsbesuche
Besonders beliebt bei den Bildungsmanagern ist zurzeit das sogenannte «Classroom walkthrough». Hinter dem verharmlosenden Begriff versteckt sich ein neues Führungsinstrument zur nachhaltigen Unterrichtsentwicklung, das jährlich zehn bis 15 Unterrichts­besuche durch den Schulleiter à sieben bis zehn Minuten vorsieht.

Weder die Schulen noch die Hochschulen sollten aber einem Wirtschaftsbetrieb gleichgestellt werden. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich nach wie vor, dass am Ende einer Schulkarriere demokratie- und gesellschaftsfähige Menschen in die Arbeitswelt treten. Um diesem Ziel nahezukommen, braucht es Lehrpersonen, die ihre Fächer beherrschen und ihre Rolle als Kulturvermittler und Demokratievorbilder wahrnehmen.

Souverän will Mitspracherecht
In jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung nicht mehr bereit ist, den Wahrheitsanspruch von Experten zur Legitimierung von Reformen vor­behaltlos zu akzeptieren. Immer stärker wird das Recht auf Information, Konsultation und Mitsprache eingefordert. Im Kanton Baselland hat der Souverän die Einführung sogenannter Sammelfächer verworfen. Er wünscht sich Lehrpersonen mit solidem Einzelfachwissen und nicht polyvalent einsetzbare Schultechniker. Auch beabsichtigen Landrat und Regierung, den neuen Lehrplan mit verbindlichen Inhaltszielen für jede Stufe und jeden Jahrgang zu versehen. Initiativen mit ähnlichen Forderungen werden bald in anderen Kantonen zur Abstimmung kommen.

In eine vergleichbare Richtung zielen die Bemühungen der «Gruppe für eine bessere Sekundarlehramtsausbildung» (GBS). Sie fordert seit Jahren, den fachwissenschaftlichen Anteil am Sek-I-Studium auszubauen und aufzuwerten. Sie hat für dieses Anliegen die Unterstützung von Lehrerverbänden und Gewerkschaften der Kantone Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn erhalten.

Grundsätzlich verlangt sie, dass zukünftige Sekundarlehrpersonen ein Studium mit mindestens 50 Prozent Fachwissenschaft in maximal drei Fächern ablegen sollen (statt wie bisher 20 Prozent Fachwissenschaft in drei oder mehr Fächern). Der fachwissenschaftliche Teil soll durch die Univer­sität unterrichtet werden; Erziehungswissenschaft, Didaktik und Berufspraxis sollen von der Pädagogischen Hochschule verantwortet werden.

Die Universität besitzt die notwendigen Kapazitäten, um diese Aufgabe zu übernehmen. Den künftigen Sek-I- Studierenden böte sie die Möglichkeit, mit einem Fachbachelor abzuschlies­sen, um dann bei Bedarf auf Masterstufe weitermachen zu können.

Praxistaugliche Lehrer gefragt
Obschon auch bei der Universität mit dem Bologna-System ein ökonomisches Zweckdenken Einzug gehalten hat, hat sie den Reformweg mit Vorsicht beschritten und ist – gerade in Basel – ihrem Selbstverständnis als Volluniversität weitgehend treu geblieben.

Die Pädagogische Hochschule hingegen versucht, den fachwissenschaft­lichen Bereich möglichst klein zu halten. Sie betrachtet ihn als sekundär gegenüber ihren anderen Unterrichtsgebieten. Das ist ihr grundsätzlich nicht zu verübeln, besteht ihre Hauptaufgabe doch darin, zukünftige Lehrpersonen praxistauglich zu machen.

Die Region Basel hat hervorragende Voraussetzungen, um die Aufgabenteilung zu realisieren. Das Zusammen­spannen von Universität und Pädagogischer Hochschule mit dem Einbringen der jeweiligen Stärken ist an diesem Standort ein Gebot der Stunde. Es bietet die Chance, die kostentreibenden Doppelspurigkeiten zu beseitigen.

Mit einer solchen Lösung würde das Zusammenspiel von Ausbildung und Bildung als identitätsstiftende Grundlage für Lehrpersonen und Schülerschaft gewährleistet. Es darf nicht sein, dass unsere Jugend als messbares Humankapital für gewinnbringende Investitionen in die Zukunft behandelt wird. Unser Land ist mit Recht stolz darauf, eine der ältesten Demokratien zu sein. Damit dies so bleibt, sind alle aufgerufen, sich als verantwortungsvolle Bürger den laufenden Entmün­digungsversuchen entgegenzustellen.
 

Ausstiegs-Initiative hat ihr Ziel erreicht

Leserbrief von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen in der BaZ vom 01. November 2016

Die 2014 eingereichte Harmos-Ausstiegs-Initiative der Starken Schule war ein voller Erfolg und hat ihr Ziel vollständig erreicht, obwohl sie nun wahrscheinlich gar nie zur Abstimmung kommt. Damit konnte das Mitte-links-Komitee eine breite bildungspolitische Diskussion weit über die Kantonsgrenzen initiieren, die schliesslich in einer schweizweiten Bewegung gegen diese Bildungsreformflut mündete. Ohne die Harmos-Ausstiegs-Initiative hätte das Baselbiet heute diffuse Sammelfächer und einen linientreuen Lehrplan 21, den die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) an den Schulen und dem Souverän vorbeischmuggeln wollte. Stattdessen hat das Stimmvolk an der Urne die Sammelfächer versenkt, und auch der neue Lehrplan "Volksschule Baselland" weicht nun vernünftigerweise stark von der EDK-Ideologie ab.
 

Leserbrief von Marie-Louise Rentsch, erschienen in der BaZ am 01. November 2016

Trotz Harmos eine gute Bildungspolitik
Das Komitee Starke Schule Baselland hat die Harmos-Ausstiegs-Initiative zurückgezogen, weil Baselland neu auch als Harmos-Kanton künftig seinen Schulunterricht und die Regeln selber bestimmen und den Lehrplan 21 nach Belieben abändern kann. Das überparteiliche Komitee setzt sich dafür ein, dass Schüler wie eh und je einen fundierten Fachunterricht erhalten und nach Sachkenntnissen in Einzelfächern beurteilt werden. Nur das ist objektiv, fair und lässt eine transparente Benotung zu. Die Chancen stehen dank der Starken Schule gut, dass der Kanton Baselland die Quadratur des Kreises schafft und eine vernünftige Bildungspolitik innerhalb des Harmos-Konkordats schafft.
 

Leserbrief von David Golay, erschienen am 01.06.2016 in der bz

Sammelfächer bringen eine deutliche Fachkürzung
Die Befürworter von Sammelfächern solten auch das Kleingedruckte lesen. Nebst dem Verbund von Einzel- zu Sammelfächern ist nämlich auch die Stundentafel, also die dafür wöchentlich vorgesehene Lektionenzahl ausschlaggebend. So sind Geografie und Geschichte, heute zusammen vier Wochenlektionen, neu im vorgesehenen Sammelfach "Räume, Zeiten, Gesellschaften" (kurz RZG) mit noch drei Wochenstunden dotiert. Das ist eine deutliche Fachkürzung; künftig werden auch Inhalte weggelassen. Es ist aber gerade das Fach Geografie, das den Grünen und der SP besonders am Herzen liegen sollte. Denn ein moderner Geografieunterricht umfasst mehr als nur Stadt, Land, Fluss. Die grossen Herausforderungen der Menschheit wie Energiefragen und Klimawandel, aber auch soziale Themen wie Migration, Armut und Hunger bilden heute Kernpunkte des Geografieunterrichts. Gerade diese Themen, in denen Fragen der Umweltbildung und Nachhaltigkeit diskutiert werden, stehen im Interesse linker Parteien. Folglich dürfen Fächer wie Geografie (und im Übrigen auch die Biologie) keine Stundenkürzungen in Kauf nehmen. Daher sage ich deutlich Ja zur Initiative "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer".
 

Leserbrief von Marc Schinzel (FDP-Landrat), erschienen in der bz vom 31.05.2016

Mit Schnellbleiche ein Sammelfach unterrichten?
Sammelfächer förderten vernetztes Denken, heisst es. Vernetzen kann man aber nur solid Erlerntes. Das schönste Haus taugt nichts, wenn das Fundament nicht trägt. Schülerinnen und Schüler, die Geografie und Geschichte halbbatzig lernen, werden falsche Verknüpfungen machen. Heute gibt es kaum Sekundarlehrpersonen, die befähigt sind, Geschichte und Geografie zu unterrichten. Nun soll plötzlich eine Geografielehrerin etwas Geschichte geben und ein Geschichtslehrer etwas Geografie, weil der Bildungsrat beides in das Sammelfach "Räume, Zeiten, Gesellschaft" packen will. Dieses fiele mit drei Wochenlektionen erst noch um eine Lektion kürzer als die zwei Einzelfächer. Wären die Lehrkräfte wenigstens auf den Sammelfach-Unterricht vorbereitet? Keineswegs! Eine Geschichtslehrperson, die "vernetzt" Geografie geben soll, durchliefe eine zehntägige (!) "Ausbildung". Das ist ein Fünfzigstel der Einzelfachausbildung an der Universität. Gleiches gilt für das Sammelfach "Natur und Technik", das Biologie, Chemie und Physik schlucken soll. Wie sich mit solchen Schnellbleichen die Unterrichtsqualität halten liesse, ist schleierhaft. 70 Prozent der Sekundarlehrpersonen lehnen die Sammelfächer ab. CVP, FDP, SVP, EVP, GLP und die Grünen-Unabhängigen wollen sie auch nicht. Im Komitee "Ja zu Einzelfächer" machen - bis auf die SP - Vertreter aller Parteien mit. Um die Bildungsqualität zu erhalten braucht es ein Ja zur Initiative "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer".
 

Gastbeitrag von Michael Weiss (Geschäftsführer des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland LVB, Mathematik-, Physik- und Informatiklehrer), erschienen am 27.05.2016 in der BaZ

Die Weiterbildungen sind ein Witz
Die Argumente der Befürworter von Sammelfächern – sie selbst finden schon allein das Wort despektierlich und reden lieber von Fächerverbünden – haben eines gemeinsam: Sie lassen sich leicht entkräften.
So sollen Sammelfächer das interdisziplinäre, vernetzte Denken fördern. Das tönt unwiderstehlich gut, doch wie will man verschiedene Fächer vernetzen, wenn man über diese selbst noch gar nichts weiss? Erst wenn ein Grundstock an Wissen in den Einzelfächern vorhanden ist, können diese miteinander vernetzt werden. Die Sekundarstufe muss genau diesen Grundstock zunächst legen. Selbst an den Gymnasien unterrichtet man Biologie, Chemie, Physik, Geschichte und Geografie zunächst als Einzelfächer, und bietet dann im letzten Schuljahr fächerübergreifende Kurse an. Dieses Vorgehen hat sich sehr bewährt. Das Wahlpflichtfach MINT würde im Bereich der Naturwissenschaften ein ähnliches Vorgehen auch auf der Sek I ermöglichen. Und MINT wird unabhängig vom Ausgang der Abstimmungen ohnehin eingeführt werden.
Übrigens soll ausgerechnet dasjenige Schulfach, das von sich aus am meisten Ansatzpunkte zu interdisziplinärem und vernetztem Denken liefern würde, durch die Einführung von Sammelfächern geschwächt werden, nämlich Geografie: Statt wie bisher je zwei Lektionen Geschichte und zwei Lektionen Geografie sieht die neue Stundentafel nur drei Lektionen für das entsprechende Sammelfach „Räume, Zeiten, Gesellschaften” vor. Sammelfächer begünstigen den Bildungsabbau: Die Entscheidungsträger haben viel weniger Skrupel, bei einem Vier-Lektionen-Sammelfach eine Lektion zu streichen als bei einem Zwei-Lektionen-Einzelfach. Das ruft nach der Frage: Geht es überhaupt um die Vernetzung oder doch eher um das Streichen von Lektionen?
Die vielbeschworene Interdisziplinarität findet sich auch im Lehrplan 21 nicht. Die Inhalte des Fächerverbunds "Räume, Zeiten, Gesellschaften" sind dort zu 100% entweder der Geografie oder der Geschichte zugeordnet. Bei "Natur und Technik" sieht es kaum anders aus. Ob die Fächer einzeln geführt oder zusammengefasst werden: unterrichtet wird dasselbe. Daher ist auch ein Schulwechsel von einem Kanton in den anderen nicht schwieriger, wenn in einem davon Sammelfächer unterrichtet werden und im anderen nicht. Die nicht vorhandene Interdisziplinarität im Lehrplan 21 hat zur Folge, dass Lehrmittel, die für Sammelfächer konzipiert wurden, genauso gut auch im Einzelfachunterricht verwendet werden können. Man spart sogar Geld dabei, wenn man ein Lehrmittel für mehrere Fächer hat. Und aus demselben Grund können Lehrkräfte, die für Sammelfächer ausgebildet wurden, diese gleich gut auch als Einzelfächer unterrichten.
Eine ausgebildete Geschichtslehrerin kann aber in der Regel nicht auch Geografieunterricht erteilen. Die Versicherung, der Unterricht der Sammelfächer könnte wenn nötig auf mehrere Lehrpersonen aufgeteilt werden, ist wenig glaubwürdig. Die Aufteilung wäre organisatorisch höchst kompliziert. Damit würde der Druck auf die Lehrkräfte gross, auch Fächer zu unterrichten, für die sie nicht ausgebildet wurden – mit den entsprechenden Folgen für die Unterrichtsqualität. Und die Weiterbildungen, welche den betroffenen Lehrpersonen für eine Fächererweiterung angeboten werden, sind gelinde gesagt ein Witz. An sieben Samstagnachmittagen wird aus keinem Physiklehrer ein fähiger Biolehrer.
Bemerkenswerterweise hat nie jemand darüber nachgedacht, Französisch und Englisch zu einem Fach zusammenzufassen, obwohl die Didaktik der Mehrsprachigkeit ja immer noch in ist. Die Folge ist, dass die Bedeutung der Sprachnoten im Zeugnis weiter zunimmt. Sammelfächer torpedieren so die MINT-Förderung.
Zur Meinung der Baselbieter Lehrerinnen und Lehrer in dieser Frage kursieren verschiedene Aussagen. Die Delegierten der AKK befürworten die Sammelfächer. Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland hat jedoch als einziger die gesamte im Verein organisierte Lehrerschaft befragt - und nicht nur eine vergleichsweise kleine Anzahl auserwählter Delegierter. Diese Befragung hat ergeben, dass auf allen Schulstufen die Lehrpersonen mehrheitlich Ja zum Verzicht auf die Sammelfächer sagen.
 

Leserbrief von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 25.5.2016 in der bz

Mit Hurra in den Ideologiewahn
Selten waren derart einschneidende Veränderungen im Bildungswesen geplant wie heute. Das Verhalten mancher Reformbefürworter erinnert an Lemminge - einer gutmenschlichen Massenhysterie gleich -, die auf einmal alles Bewährte und Erfolgreiche abtut, als hätte es die Krätze. Unerreicht ist die ideologische Verbohrtheit, mit der plötzlich der Reformbegriff unkritisch und blauäugig als Inbegriff des modernen Fortschritts gilt. Völlig ausgeblendet werden dabei die von oben mantrahaft eingeflössten Worthülsen und Heilsversprechen. Worin liegt der Gewinn, wenn substanzielle Einzelfächer eliminiert und zu unüberblickbaren Sammelfächern vermengt werden? Wie ist es vertretbar, wenn ein Bildungsrat kaum Fragen von Journalisten fundiert zu beantworten weiss, aber für sich in Anspruch nimmt, alleine einen hochkomplexen, ideologisierten Lehrplan 21 abschliessend absegnen zu wollen? Deshalb zweimal Ja zu den beiden Vorlagen "Einführung Lehrplan 21" und "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer".
 

Leserbrief von Guido Keel (Fachhochschul-Dozent), erschienen am 25.5.2016 in der bz

Lehrplan 21: "Bildung" oder "Ablöscher und Burnout"?
"Weisse Blutkörperchen fressen Krebszellen" hörte meine Tochter in der Sekundarschule. Dies wäre ja schön, ist aber leider falsch. "Schüler kennen Beispiele von Regelkreisen, zum Beispiel Feuermelder": Dies ist ein Lernziel aus dem neuen Lehrplan 21. Fachlich leider auch falsch, denn die Feuerwehr soll ja einen Brand löschen und nicht das Feuer auf ein "gewünschtes Mass" regeln. Auch diejenigen, die einen neuen Lehrplan erfinden, sollten dies wissen. Wenn nicht, sollten sie Fachleute zuziehen. Dies haben die Lehrplan-Erfinder leider "vergessen". Dies sind ja nur einfache Beispiele, aber: Wer als Lehrperson Unsinn erzählt, hat schnell ein Problem mit seiner Glaubwürdigkeit. Fachlich schlecht ausgebildete, wenig kompetente Lehrpersonen sind erstens Burnoutgefährdet und halten zweitens die Schüler davon ab, sich für das entsprechende Fachgebiet zu motivieren. MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) sollten gefördert werden, aber der Lehrplan 21 macht das Gegenteil: Die Naturwissenschaften werden so zusammengefasst, dass es kaum mehr kompetente Lehrpersonen gibt. Zudem erscheint die Technik gar nicht im Lehrplan. Andererseits ist das Fach Deutsch stundenmässig so hoch dotiert, dass es in der progymnasialen Stufe der Sekundarstufe sogar eine Lesestunde gibt: Die Schüler dürfen ein beliebiges Buch lesen, "um ihren Wortschaft zu vergrössern". Diese Stunde könnte man ersatzlos streichen und dafür die MINT-Fächer fördern, statt sie mit Sammelfächern weiter zu marginalisieren. Deshalb sage ich Nein zu diesem Lehrplan 21 und Ja zu den drei  Bildungsvorlagen.
 

Leserbrief von Beat Studer, erschienen am 21. Mai in der BaZ

Qualitätsabbau durch Sammelfächer
Eine Lehrperson muss über viele Fähigkeiten verfügen. Die Fachkompetenz ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreichen Unterricht. Diese Fachkompetenz hatte sich ein Mittellehrer ursprünglich mit dem Fachstudium von drei Fächern an der Universität erworben. Werden zu diesen Fächern andere dazugemischt, die der Betroffene nie studiert hat, findet ein Qualitätsabbau statt. Natürlich könnte ein gut vorbereiteter Geografielehrer auch eine Geschichtsstunde abhalten (oder umgekehrt). Das würde genau zehn Minuten funktionieren. Dann kämen die ersten intelligenten Fragen der Schüler. Und genau auf diese hätte sich der Lehrer nicht vorbereiten können. Spätestens nach der dritten ausweichenden oder inkompetenten Antwort würden die Schüler das Interesse am Fach und den Respekt vor der Lehrperson verlieren. Die Schüler merken sofort, ob der Lehrer etwas kann oder nicht.
Bei den Sammelfächern geht es vielen Politikern darum, Geld zu sparen. Neben dem Qualitätsabbau wird damit das Gegenteil erreicht. Die Weiterbildung von Lehrern sowie die Neuanschaffung von Lehrmitteln kosten mehr ...
 

Leserbrief von Thomas Martin, erschienen am 21. Mai 2016 in der BaZ

Sammelfächer? Nein danke!
Die laufend aufgezwängten und unausgegorenen Reformen, die unser bewährtes Bildungssystem seit Jahren grossflächig strapazieren, verursachen Unruhe und Chaos an unseren Schulen. Die Einführung von Sammelfächern ist auch eine solche sogenannte Reform. Sammelfächer führen dazu, dass die Schülerinnen und Schüler in einzelnen Fachrichtungen wie Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Geografie ... unmöglich ein notwendiges und ausreichendes Basiswissen erhalten.
Das Resultat: Die Schülerinnen und Schüler wissen von vielem wenig und von nichts genug. Schon heute wird mit den Einzelfächern auch ein vernetztes und fächerübergreifendes Arbeiten praktiziert in den Schulen. Qualitative Arbeit in den Schulzimmern erfordert fachlich sattelfeste Lehrpersonen, die wissen beibringen können. Fachwissen, welches die Schüler in ihrer weiteren Entwicklung dringend benötigen. "Sammelfachlehrer", die in einer Schnellbleiche auf ihre Aufgabe vorbereitet werden sollen, werden den Schülern anschliessend in Sammelfächern Allgemeinplätze vermitteln. Das bringt gar nichts. Sammelfächer sind nicht nur unnötig und kostspielig, sie sind vor allem auch schädlich für die Bildungsqualität an unseren Schulen. Deshalb stimme ich Ja zum "Verzicht der kostspieligen Sammelfächer".
 

Leserbrief von Felix Schmutz, erschienen am 21. Mai 2016 als Reaktion auf den Artikel "Die Wirtschaft befürwortet den Lehrplan 21"

Saladins Abstimmungsparole
Franz Saladin verteidigt den Lehrplan 21, der Tausende von Kompetenzen aufführt. Pate gestanden dafür hat der Psychologe Franz Weinert mit seinem viel zitierten Kompetenzbegriff, den er allerdings nicht für Lehrpläne, sondern für die Leistungsmessungen empfahl. Saladin müsste eigentlich auch interessieren, was Weinert zu den Sammelfächern gesagt hat: "Fachlich definierte Disziplinen sind notwendig als Lerndomänen. Fächer sind als Wissenssysteme unerlässlich für kognitives Lernen. Es gibt überhaupt keinen Grund für einen heterogenen Fächer-Mischmasch. Aber wir sollen uns darum kümmern, dass wir verschiedene schulische Wissensdomänen noch besser miteinander verknüpfen." Davon abgesehen sind Sammelfächer nicht nur problematisch wegen der ungenügenden Ausbildung der Lehrpersonen, sondern auch weil die Stundendotation gegenüber den früheren Einzelfächern gekürzt wurde. Saladin müsste einfach einmal erklären, wie aus weniger Grundlagen wegen der verkürzten Unterrichtszeit mehr "Vernetzung" entstehen kann, aber Logik und Abstimmungskampf gehen wohl nicht zusammen.
 

Sammelfächer sind zum Scheitern verurteilt

Die Einführung von Sammelfächern führt zu einem Bildungsabbau. Denn ein Einzelfach wie Geografie deckt ein riesiges Spektrum an Themen ab, die an den Sekundarschulen meist nur gestreift werden. Mit zwei Stunden pro Woche bieten die Geografie-Lehrer einen wichtigen Einblick in einige Teilgebiete ihres Fachs. Auch im Fach Geschichte stehen im heutigen Stundenplan zwei Wochenlektionen zur Verfügung, damit historische Ereignisse fundiert behandelt werden können. Für das Sammelfach „Räume, Zeiten, Gesellschaften“, das künftig Geografie und Geschichte abdecken soll, sind wöchentlich insgesamt nur noch drei Lektionen vorgesehen. Damit ist die Vermittlung eines gleichwertigen Anteils an Wissen nicht mehr möglich. Die Folge ist ein ungewünschter Bildungsabbau.

Wer davon ausgeht, dass vernetztes Denken nur mit Hilfe von vorgeschriebenen Fächerkombinationen zustande kommt, kennt die heutigen Normen im Schulunterricht nicht. Die allermeisten Lehrpersonen unterrichten heute bereits vernetzt. Fächerübergreifende Blockwochen und Projektarbeiten sind Standard. Beteiligt sind dabei in der Regel mehrere Lehrpersonen, die alle in ihren Fächern über fundierte Kenntnisse verfügen und eine hohe Unterrichtsqualität sicherstellen. Sammelfächer sind weder sinnvoll, noch bringen sie einen Bildungsmehrwert. Sie führen einzig dazu, dass die Qualität des Unterrichts sinkt, wie das folgende Beispiel plausibel macht.

An der Pädagogischen Hochschule (PH) sollen Sekundarlehrpersonen weiterhin in drei Unterrichtsfächern ausgebildet werden. Lässt sich eine Lehrperson in den Schulfächern Deutsch, Englisch und "Natur und Technik" ausbilden, so sind das im Vergleich zu heute fünf Einzelfächer: Deutsch, Englisch, Biologie, Chemie und Physik. Der quantitative Anteil pro Fach wird im Vergleich zur Fachausbildung an der Universität markant reduziert: Statt nur in drei Fächern müssen sich die angehenden Lehrpersonen in fünf Fächern ausbilden lassen - und das in weniger Ausbildungszeit.

Die Einführung der Sammelfächer ist auch teuer. Der Einkauf von neuen Lehrmitteln und die kostspieligen Weiterbildungen der Lehrpersonen verschlingen finanzielle Ressourcen, die der Steuerzahler berappen muss. Dabei gibt es auf dem Markt bereits zahlreiche ausgezeichnete Lehrmittel, die in den Einzelfächern eingesetzt werden können. Mit der Universität und der PH leisten wir uns zudem zwei Bildungsinstitute, welche die Sekundarlehrpersonen fachlich ausbilden. Bleiben wir bei Einzelfächern, könnte durch einen Verzicht auf die zusätzliche Fachausbildung an der PH ein Millionenbetrag eingespart werden. Der Universität, die bereits heute alle Einzelfächer anbietet, entstehen dadurch keine relevanten Mehrkosten.

Sammelfächer sind bereits heute zum Scheitern verurteilt. Diese trotz des grossen Widerstands zahlreicher Lehrpersonen einführen zu wollen, wäre fatal, zumal auch der Kanton Aargau an den Sekundar- und Bezirksschueln bei Einzelfächern bleibt.

Gastbeitrag von Saskia Olsson (Geschäftsleiterin Starke Schule Baselland) erschienen in der Tageswoche vom 20.05.2016
 

Leserbrief von Marie-Louise Rentsch, erschienen am 19. Mai 2016 in der bz

Eine Furzidee mit Kostenexplosion
Wie sich doch Dinge ähneln. Kennen Sie die Geschichte? Neue Modelle wurden entwickelt, aussen  mit einer glänzenden Hülle, geworben wurde unentwegt für ein neues Erlebnis, technisch besser als alles bisher Dagewesene. Dann kamen den Kunden Zweifel auf, etwas stimmte beim "Output" nicht. Kritik an der Qualität wurde hörbar. Versprochene Angaben und Werte stimmten einfach nicht mit der Realität überein. Stimmen wurden laut, dass womöglich grosser Schaden verursacht werden könnte. Es stellte sich heraus, dass die Kunden mit falschen Argumenten geködert und über den Tisch gezogen wurden. Wieso denken Sie unentwegt an Autos? Ich schreibe von den Sammelfächern, über die am 5. Juni abgestimmt wird. Mit einem Ja zur Abstimmungsvorlage "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer" erreichen wir die dringend nötige Rückrufaktion.
 

Gastbeitrag von Jürg Wiedemann (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen in der BaZ vom 18.05.2016

Lehrplan unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelt

Für die Gesellschaft und die Wirtschaft haben die an Volksschulen verwendeten Lehrpläne beachtliche Auswirkungen. Deshalb sind sie von legitimem öffentlichem Interesse. Der Lehrplan 21 wurde unter Ausschluss des Meinungsbildungsprozesses der Schulen im stillen Kämmerlein ausgearbeitet. Federführend war ein Kabinett, sprich die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), welche ohne Auftrag und ohne Legitimation einen Lehrplan mit einer völlig neuen Ideologie erarbeitet hat und jetzt den Schulen aufzuzwängen plant. Interne kritische Stimmen wurden übergangen. Diese Heimlichtuerei ist nicht im Sinne unserer Rechtsstaatlichkeit und ein Hintergehen des Stimmvolkes. Die Art und Weise wie die EDK den Lehrplan 21 mit derart gravierenden Veränderungen an der öffentlichen Meinung wie auch an kritischen Fachleuten hat vorbeischmuggeln wollen, ist mit unseren Grundwerten nicht zu vereinbaren. In unserem System der direkten Demokratie ist es opportun, sich einer sachlichen Auseinandersetzung zu stellen.

Gemäss Umfrage der Bildungsdirektion lehnen 60% der Lehrpersonen den kompetenzorientierten Lehrplan 21 ab. Sie erachten ihn als erhebliches Risiko für die Schüler/-innen bei der schulischen Entwicklung. Die Politik muss diese grossen Bedenken der Fachexperten, der Lehrpersonen ernst nehmen. Deshalb ist es richtig, mit der landrätlichen Bildungskommission (BKSK) ein zusätzliches Gremium zur Absicherung einzubauen. Die BKSK besteht ebenfalls aus Fachexperten in Bildungsfragen und hat die notwendige Kompetenz den Lehrplan 21 zu überprüfen und dem Landrat Antrag zu stellen. Dieser kann dann den Lehrplan absegnen oder  an den Bildungsrat zurückweisen. Die Kompetenz den Lehrplan zu verändern erhält der Landrat mit der Bildungsvorlage "Lehrplan 21", über die wir am 5. Juni abstimmen, nicht.

Faktisch ändert sich damit an der heutigen Situation nur wenig. Ein Ja am 5. Juni hat jedoch eine gewichtige Konsequenz, die nur für diesen einen Fall „Lehrplan 21“ gilt. Bis anhin konnte der Bildungsrat autonom und abschliessend einen neuen Lehrplan beschliessen. Er musste keine anderen Meinungen von Fachleuten einholen. Stimmt das Volk am 5. Juni zur Bildungsvorlage aber zu, so wird der Bildungsrat sich mit den Schulen und der landrätlichen Bildungskommission absprechen und einen ausgewogenen, gesellschaftlich und schulpolitisch mehrheitsfähigen Lehrplan präsentieren müssen.

Dass ehemalige Mitglieder des Bildungsrates das eigene Gremium trocken als Abnickgremium bezeichnen, führt zwangsläufig bei dessen Mitgliedern zu emotionalen Ausbrüchen. Nüchtern betrachtet muss jedoch klar festgehalten werden, dass die Bildungsräte zwar hoch engagiert, aber weder zeitlich noch fachlich in der Lage sind, eine derart komplexe Materie wie die Erarbeitung von Lehrplänen adäquat zu überblicken. Mit einer oder zwei Sitzungen pro Monat verfügt der Bildungsrat auch nicht über hinreichende Ressourcen für eine derart umfangreiche Arbeit. Die Realität sieht deshalb – wie Kenner bestätigen –  wie folgt aus: Die Bildungsdirektion resp. Verwaltungsleute arbeiten eine Vorlage fixfertig aus und präsentieren diese dem Bildungsrat. Dieser stellt Fragen und diskutiert die zum Teil sehr umfangreichen und komplexen Vorlagen. Dass gegen die Fachexperten der Verwaltung, die täglich nichts anderes machen, bei der Beratung nur schwer Paroli zu bieten ist, liegt auf der Hand. Deshalb verwundert es auch nicht, dass der Bildungsrat mangels zeitlicher Ressourcen und Fachkompetenz die Vorlagen in den meisten Fällen ohne relevante Änderungen absegnen muss. Für ein normales Miliz-Bildungsratsmitglied, das nicht hauptberuflich mit Bildung zu tun hat, ist es verständlicherweise praktisch unmöglich zu entscheiden, was pädagogisch sinnvoll und umsetzbar ist.
 

Leserbrief von Urs B. Maeglin (Schulpfleger a. D.), erschienen am 18.05.2016 in der bz

Gegen Sammelfächer per Bildungsgesetz!
Das Übel in unserem Bildungswesen sind weder Lernende noch Lehrende, sondern die ständig anwachsende Anzahl praxisferner und offensichtlich unterbeschäftigter Bildungstheoretiker, die - zur Rechtfertigung ihres beruflichen Daseins und in sicherem Abstand vom schulischen Alltag tagein tagaus nichts Gescheiteres zu tun haben, als Bewährtes über den Haufen zu schmeissen und Unausgegorenes auszuprobieren. Fortschritt in Ehren, aber wenn für fragwürdige pädagogische Kapriolen Generationen von Schülern als Versuchskaninchen ihre Köpfe hinhalten müssen und Hundertschaften von Lehrern vor lauter Schnellbleiche Aus-, Fort- und Weiterbildungsfrust beginnen, im Viereck zu rennen, dann hört der Spass auf. Vergessen wir die Übung mit den Sammelfächern und lassen wir die Lehrer im Fachunterricht ihre Arbeit tun, so, wie sie es gelernt haben und beherrschen. Vernetztes Denken und Handeln lernt man auch ohne Fächerverbünde. Mit einem klaren Bekenntnis zur Beibehaltung von Einzelfächern verhindern wir ausserdem teure und dennoch halbpatzige Weiterbildungsübungen der Lehrer, die erst lernen müssten, diesen diffusen Mix von Wissensinhalten überhaupt zu verstehen, um ihn einigermassen überzeugend vermitteln zu können. Ein Ja zur jetzigen Regelung erhält die hervorragende Qualität unserer Schulen und verhindert unnötige Experimente auf dem Buckel der Betroffenen.

 

Leserbrief von Samuel Bänziger, erschienen in der bz vom 18.05.2016

Pädagogische Argumente sprechen für die Vorlage "Lehrplan 21 überarbeiten"
Der Bildungsrat ist ein 14-köpfiges Gremium. Lediglich vier von ihnen haben beruflich direkt mit Schulbildung zu tun und verfügen über eine umfassende pädagogisch-methodische Ausbildung, die es zulässt, den komplexen und schwer verständlichen Lehrplan 21 fundiert beurteilen zu können. Für die grössere Mehrheit des Bildungsrates, darunter mehrere Juristen, eine Hausfrau, eine kaufmännische Angestellte, eine Sozialarbeiterin und ein Kirchenratspräsident, ist es verständlicherweise schwierig, den Lehrplan 21 ganzheitlich zu verstehen. Schon alleine aus diesem Grund befürworte ich die Bildungsvorlage "Einführung Lehrplan 21". Ein Ja bewirkt, dass mit der landrätlichen Bildungskommission ein zweites Gremium, das auf Bildungsfragen spezialisiert ist, den Lehrplan 21 überprüft. 

Leserbrief von Alina Isler (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 18.05.2016 in der bz als Reaktion auf den Artikel "Abstimmungen - Premiere beim Bildungsrat nach über 180 Jahren

Für ein Milizgremium ist der Lehrplan 21 zu komplex
Der Bildungsrat hatte an seiner Pressekonferenz vom vergangenen Freitag grösste Mühe, die inhaltlichen Fragen der Journalisten zum Lehrplan 21 zu beantworten, was irgendwie auch erklärbar ist. Das Gremium arbeitet zweifelsohne engagiert und motiviert. Die Mehrheit der Mitglieder hat beruflich jedoch nichts oder nur wenig mit Schulbildung zu tun. Wie sollen sie so die komplexen pädagogischen Zusammenhänge des Lehrplans 21 verstehen und abschätzen können, ob die rund 3500 abstrakten Kompetenzbeschreibungen umsetzbar sind? Für ein Milizgremium ist das praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb darf dem Bildungsrat die fehlende Kompetenz auch nicht angelastet werden. An den lediglich ein- bis zweimal monatlich stattfindenden Bildungsratssitzungen präsentiert die Verwaltung fixfertig vorbereitete Geschäfte und beantwortet Fragen. In der Regel nicken die Bildungsräte den Geschäften unverändert zu. Relevante Änderungen werden selten beschlossen; den Profis aus der Verwaltung ist verständlicherweise auch nur zu schwer Paroli zu bieten. Genau deshalb ist es sinnvoll, dass der Bildungsrat nicht alleine im stillen Kämmerlein abschliessend über den Lehrplan 21 entscheidet, sondern weitere Fachkreise in die Diskussion mit einbezogen werden. Ein Ja zur Bildungsvorlage "Lehrplan 21" erhöht markant die Chance, dass der Lehrplan 21 sinnvoll überarbeitet wird.

Leserbrief von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen in der BaZ vom 14.05.2016

Nicht kritikfähig und herablassend
Offensichtlich ist Kritik an der eigenen Unfehlbarkeit bei der elitären und egozentrischen EDK-Gesinnung nicht nur unerwünscht, sondern es werden auch die Kritiker lächerlich gemacht oder diffamiert. Wer es wagt, Aussagen und Entscheide des erhabenen Erziehungsdirektoren-Elfenbeinturms infrage zu stellen, muss damit rechnen, desavouiert zu werden.
So geschehen der Zürcher Linguistin Dr. Simone Pfenninger, deren wissenschaftliche Forschungsresultate von Regierungsrat Eymann wider besseren Wissens kurzum als ungenügend abgetan und ignoriert werden, weil ihm ihre Ergebnisse nicht in den Kram passen. Brisant ist nämlich, dass genau solche Studien seine realitätsferne "Passepartout"-Seifenblase zum Platzen bringen könnten, zeigen sie doch auf, welche Diskrepanz besteht zwischen der Forschung und dem, was die EDK, Eymann und Konsorten das Volk glauben machen wollen.

Leserbrief von Regina Werthmüller (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 14.05.2016 in der bz als Reaktion auf den Artikel "Baselland muss ein eigenes Lehrmittel entwickeln"

Sammelfächer sind Kostentreiber

Die Grüne Parteipräsidentin Florence Brenzikofer müsste es als Sekundarlehrerin eigentlich besser wissen: Baselland wird auch bei einer Beibehaltung der bewährten Einzelfächer nicht zu einer Bildungsinsel. Auch der Kanton Aargau und andere bleiben bei den Einzelfächern. Sammelfächer existieren heute an der Pädagogischen Hochschule nur auf dem Papier und in den Köpfen einiger Bildungsfantasten, denn eine Ausbilung in Sammelfächern existiert heute noch gar nicht. Baselland muss auch keine neuen Lehrmittel erarbeiten, die aktuellen sind nicht nur gut, sondern auch viel günstiger. Zudem sind auf dem Markt viele qualitativ hervorragende Lehrmittel erhältlich, die für Einzelfächer konzipiert wurden. Selbst die neu konzipierten Lehrmittel wie das Lehrmittel Urknall für das Sammelfach "Natur und Technik" wären für die Einzelfächer verwendbar, weil in diesem Buch Biologie, Physik und Chemie nicht vernetzt sind, sondern kapitelweise getrennt behandelt werden. Sammelfächer werden unseren Kanton wegen der notwendigen Weiterbildung der Lehrpersonen und der neuen Lehrmittel Millionen kosten - ohne Bildungsmehrwert.

Leserbrief von Daniel Vuilliomenet (Sekundarlehrperson), erschienen in der BaZ vom 14.05.2016 als Reaktion auf den Artikel "Forscherin wehrt sich gegen Eymann"

Attribut für Politik: "Ungenügend"
Wie eyn Mann steht er unbeirrt zu seiner Behauptung, der Basler Bildungsreform-Turbo Eymann, geehrt mit den höchsten Weihen einer bildungspolitischen Bilderbuchkarriere. Mit dem wissenschaftlichen Grundsatz des kritischen Hinterfragens nimmt es der Präsident der Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) offensichtlich nicht so genau. Weshalb auch? Es gilt das bildungsbiblische Wort "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Licht"...
Schon das Vorgehen der EDK ist abstrus genug: Diese bestellt eine Übersichtsstudie zum Prozess des Erlernens einer Dritt- oder gar Viertsprache. Der dabei herausgekommene Coreched-Bericht befasst sich jedoch überhaupt nicht mit dem zurzeit heiss diskutierten Zeitpunkt des Erlernens der Fremdsprachen. Genau diese Thematik hinegen untersucht die Frühenglisch-Studie von Simone Pfenninger der Uni Zürich. Kein Wunder, wird ihre Studie im Coreched-Bericht nicht erwähnt.
Doch Eymann nimmt das zum Anlass, die (preisgekrönte) Arbeit als nicht genügend abzuqualifizieren, sekundiert von den windigen Ausführungen des Coreched-Direktors Stefan Wolters. Die Herren haben gesprochen - es schweige die Frau! So funktioniert machoide Politik. Attribut: Ungenügend!

Leserbrief von André Fritz (EVP-Vizepräsident Sektion Muttenz-Birsfelden), erschienen am 13.05.2016 im Birsfelder Anzeiger

Für den Verzicht auf Sammelfächer
Die EVP ist gegen Sammelfächer, weil bereits heute fächerübergreifend und vernetzt unterrichtet wird. Sammelfächer sind deshalb gar nicht notwendig.
Heute gibt es praktisch keine Lehrpersonen, die alle Einzelfächer eines Sammelfachs studiert haben. Die notwendige Weiterbildung auf das entsprechende Niveau würde Millionen kosten, welche die Steuerpflichtigen bezahlen müssten. Diese Weiterbildungen sind "zehn-Tage-Schnellbleichen". Dadurch ist im praktischen Unterricht (zum Beispiel Chemie, Physik) die Sicherheit nicht gewährleistet. Die Unterrichtsqualität sinkt somit erheblich. Die Lehrpersonen werden so zu Allroundern, die von vielem etwas und von nichts eine fundierte Ahnung haben.
Viele betroffene Lehrkräfte lehnen deshalb die Sammelfächer ab.

Leserbrief von Markus Wieser (Sekundarlehrer), erschienen am 12.05.2016 in der BaZ als Reaktion auf den Gastbeitrag "Schneewittchen und die sieben Einzelfächer"

Sammelfächer führen zu Qualitätsabbau
Die Zusammenlegung von Biologie, Chemie und Physik macht nur Sinn, wenn interdisziplinär gearbeitet wird. Doch an der Sekundarschule haben die Schüler und Schülerinnen zum ersten Mal Chemie und Physik und müssen sich erst die fachlichen Grundlagen erarbeiten. Diese Fächerkombination wurde in der Vergangenheit bereits am Gymnasium ausprobiert und wieder abgeschafft!
Geschichte und Geografie werden zusammengelegt, obwohl diese Fächer nur wenig Berührungspunkte bieten. Der eigentliche Sinn dieser Massnahme ist wohl einzig der Bildungsabbau von vier auf drei Lektionen. Zudem werden die neuen Sammelfächer zukünftig von mit Schnellbleichen ausgebildeten Lehrpersonen unterrichtet. Wo bleibt da der Qualitätsgewinn? Was die Erziehungsdirektoren im stillen Kämmerlein mit ein paar sogenannten Bildungsexperten ausgebrütet haben, ist weder praxistauglich noch zukunftsorientiert. Ähnlich ideologisch motivierte Kreise hielten vor 20 Jahren auch die Basler Orientierungsschule für einen ganz grossen Wurf. Das Resultat ist wohl hinlänglich bekannt!

Schneewittchen und die sieben Einzelfächer

Vom Märchen über die Sammelfächer

Gastbeitrag von Pascal Ryf (Schulleiter Primarschule Allschwil und CVP-Landrat), erschienen am 10.5.2016 in der BaZ

Die Zahl sieben war bereits in der babylonischen Kultur Zeichen für Wissbegierde und Vollkommenheit. Die Zahl Sieben trägt, was vollendet ist. Nicht von ungefähr begegnet uns diese Zahl auf vielfältige Weise: sieben Wochentage, sieben Weltwunder, sieben Tugenden oder in Märchen wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. So manches Märchen lesen wir auch über die Sammelfächer. Wer dagegen ist, fördere zu wenig das vernetzte Denken, schaffe eine Bildungsinsel oder sei einfach ein müder Lehrer, der sich gegen Reformen stellt. Ich frage mich: „Spieglein, Spieglein an der Wand“ – was ist das Beste für die Bildung in unserem Land?

Heute haben Sekundarschüler je 2 Lektionen Geschichte und Geografie pro Woche. Das neue Sammelfach „Räume, Zeiten, Gesellschaft“ (RZG) käme insgesamt auf lediglich 3 Wochenlektionen zu stehen. Ebenso sollen die Fächer Biologie, Chemie und Physik zum Fächerverbund „Natur und Technik“ zusammengeführt werden. Praktizierende Lehrpersonen sind oft nicht in allen Fächern eines Fächerverbundes ausgebildet. Abhilfe schafft die Pädagogische Hochschule FHNW mit einem Zertifikatslehrgang: Wer in einem der Fächer Biologie, Chemie oder Physik ausgebildet ist, belegt den CAS (Certificate of Advanced Studies) „Fachdidaktik Natur und Technik“. Sieben Samstage genügen und die Ausbildung zum Chemielehrer ist vollendet dies wohl nicht ganz im Sinne des babylonischen Zeichenverständnisses. Dazu kommen noch 3 Tage Schulpraktikum und eine Abschlussarbeit. Zum Schnäppchen von CHF 11'130.00, der finanzstarke Kanton Basel-Landschaft übernimmt die Kosten, können auch noch die Module Physik oder Biologie besucht werden. Ein Schelm, wer hier an eine Schnellbleiche denkt. Der ganze Kurs wird mit 15 Kreditpunkten (ECTS) ausgewiesen. Für ein Bachelorstudium in Chemie als Nebenfach werden an der Universität 60 Kreditpunkte verlangt!

Ein guter Schulunterricht erfordert fachlich sattelfeste Lehrpersonen und nicht Generalisten, die von allem ein wenig, aber von nichts viel wissen. Lehrpersonen mit unzureichender fachlicher und fachdidaktischer Kompetenz sind nicht nur eine Gefährdung für die Unterrichtsqualität und das Ansehen des Berufsstandes, sondern insbesondere im Fach Chemie ein veritables Sicherheitsrisiko. Auch kommen Disziplinarprobleme häufiger vor, wenn ein Lehrer seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. So erstaunt es auch nicht, dass in einer Umfrage des Lehrervereins Basel-Landschaft 73% aller Sekundarlehrpersonen sich gegen die Sammelfächer ausgesprochen haben. Nicht weil sie Angst vor weiteren Reformen haben, sondern weil sie das Risiko des Bildungsabbaus höher einschätzen als ein möglicher Gewinn.

Trotz anderslautender Behauptungen sind die Einzelfächer mit dem Lernplan21 kompatibel. Dieser verlangt nämlich nicht, dass in Integrationsfächer unterrichtet werden muss. Auch das Schreckensgespenst der „Bildungsinsel“ greift zu kurz: Während im Kanton Aargau zwar in der Realschule (Niveau A) naturwissenschaftliche Fächer im Integrationsfach „Realien“ unterrichtet werden, findet in der Sekundar- und Bezirksschule (Niveau E/P) Unterricht in Einzelfächern statt. Vernetztes Denken ist nicht an Sammelfächer gebunden. Sehr wohl vorausgesetzt ist dafür aber das ganzheitliche Beherrschen seiner Bausteine und Werkzeuge. Auch heute entwickeln engagierte Lehrpersonen Unterrichtseinheiten, in welchen sie zwei oder drei Fächer verbinden. Statt Geografie und Geschichte in das enge RZG-Korsett zu zwingen, können im Geschichtsunterricht auch Bezüge zu Musik, Politik, Kunst oder Literatur geschaffen werden. Diese Interdisziplinarität ist höchst spannend, deswegen verlangt aber niemand, Geschichte und Deutsch in einem Sammelfach zu integrieren.

Befürworter von Sammelfächer führen gerne wissenschaftliche Studien ins Feld, um ihre Argumente zu unterlegen. Doch ebendiese Publikation in „Science Education between science and the teaching“ kommt zum Schluss, dass „fächerübergreifender naturwissenschaftlicher Unterricht im PISA-Test zu den gleichen Resultaten führt wie gefächerter Unterricht“ und „es politischer einfacher ist bei einem Integrationsfach zu sparen als beim Zweistundenfach Physik“.

Wenn also die Lehrpersonen schlechter ausgebildet, Geografie und Geschichte um eine Wochenlektion abgebaut, Sammelfächer als Sparmassnahme durchgesetzt werden, der Kanton Millionen für Schnellbleichen ausgeben soll und für die Jugendlichen kein Mehrwert entsteht, fällt es leichter ans Schneewittchen zu glauben als an einen Bildungszuwachs. „Spieglein, Spieglein an der Wand“ – die Wähler im Kanton Baselland haben es in der Hand.

Leserbrief von Stephan Wottreng, erschienen in der BaZ vom 10.05.2016

Vernetztes Denken ist keine Neuheit
Vernetztes Denken sei erst mit neuen Sammelfächern möglich? Irrtum. Vernetzt wird im Geografie-Unterricht seit Jahrzenten. Schon seit jeher weden in "Geo" Gegenwartsfragen im Spannungsfeld von Landschaftsformen, Geologie, Klima, Wirtschaft, Geschichte, Kultur, Umwelt und Gesellschaft bearbeitet. Eine weitere Vernetzung macht nicht nur keinen Sinn, sondern öffnet der Beliebigkeit Tür und Tor. Unterricht mal ein bisschen in Sachen Umwelt, mal ein bisschen zu Gender-Fragen, mal ein bisschen zu Europa - das führt weder zu Bildung noch zu Handlungskompetenz. Die Lehrpersonen sind für die neuen Kraut-und-Rüben-Fächer ohnehin nicht ausgebildet, das wäre viel zu teuer. Ja zu den bisherigen Einzelfächern, Ja auch zu Biologie und Geschichte - schon die Grundlagen sind komplex genug.

Leserbrief von Marc Schinzel (Landrat FDP), erschienen am 5.6.2016 in der bz als Reaktion auf den Leserbrief "Baselland muss ein eigenes Lehermittel entwickeln"

Bildungsqualität nicht aufs Spiel setzen
Meine Landratskollegin Florence Brenzikofer befürchtet, ohne die Einführung von Sammelfächern müsse Baselland für eigene Lehrmittel viel Geld in die Hand nehmen. Als Freisinniger finde ich es richtig, knappe staatliche Mittel effizient einzusetzen. Leider ginge die Einführung der Sammelfächer in die gegenteilige Richtung. Die Geschichte Roms oder der Französischen Revolution wird in anderen Kantonen, ja im ganzen deutschsprachigen Raum, nicht anders verstanden als bei uns. Auch wird sie nicht alle Jahre neu geschrieben. Ähnlich verhält es sich mit Geografie, Biologie, Chemie oder Physik. Gute Lehrmittel für diese Einzelfächer wird es auch künftig reichlich geben. Teuer für den Kanton und die hier lebenden Eltern wird es aber, wenn wir unsere Lehrkräfte nicht mehr einwandfrei ausbilden. Wenn sich Lehrpersonen, um Sammelfächer unterrichten zu können, in doppelt so vielen Fächern ausbilden sollen, die Gewichtung der Fachausbildung aber auf weniger als die Hälfte schrumpft, kann das nicht gut gehen. Wenn wir die qualitativ gute Fachausbildung der Lehrkräfte durch die Schnellbleichen ersetzen, würden wir Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern, den Lehrpersonen und der Wirtschaft einen Bärendienst erweisen. Deshalb: Ja zu den Einzelfächern, Ja zur Initiative "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer".

Leserbrief von Yael Girard (11-jährig), Regula Girard-Bitterlin, Rünenberg

Neues Fransösisch-Lehrmittel ist mein Albtraum
Mit der Einführung von Harmos wurde ein neues Lehrmittel in Französisch ("Mille Feuilles") eingeführt und hat das praxisnahe "Envol" leider abgelöst. Hier die Stellungnahme unserer elfjährigen Tochter, die diese didaktische Lehrmethode sehr infrage stellt. Sie war es, die selbstständig ihre Meinung verfasst hat und diese auch veröffentlichen wollte. Hier die Meinung:
Man kommt bei "Mille Feuilles" nicht draus. Es ist chaotisch aufgebaut und bringt Unruhe in die Klasse. Es raschelt die ganze Zeit, weil wir ständig von einem Heft zum anderen hüpfen, das heisst, wir sind die ganze Zeit am Blättern. Die Auflagen der Revues sind erst noch falsch gedruckt. Wir lernen Wörter, die wir nie brauchen. Ich habe schon zwei Jahre Französisch-Unterricht und kann mit meinen drei Cousins aus dem Welschland kein Wort französisch sprechen. Diese sprechen einfacher und verständlicher untereinander. Die Sätze im "Mille Feuilles" haben mit unserem Alltag nichts zu tun. Französisch ist eine wunderschöne Sprache, aber mit dem "Mille Feuilles" geht das Lernen überhaupt nicht.
Ich hoffe, dass mein Brief nicht nur ein Denkanstoss ist, sondern, dass baldmöglichst eine bessere Lösung gefunden wird. Diese Meinung teilt auch meine Mutter sowie Frau Wirth-Cavalli, Lerntherapeutin aus Buckten, welche diesbezüglich viele negative Rückmeldungen von Kindern und Eltern erhält, welche auch dieser Ansicht sind, dass dieses Lehrmittel für uns Kinster nicht das Richtige ist.

Leserbrief von Felix Schmutz, erschienen am 03.05. als Reaktion auf den Artikel "Es geht um die Jugend, nicht um die Lehrer"

Mogelpackung Sammelfächer
Franz Saladin verteidigt im Interview die Einrichtung von Sammelfächern im Lehrplan 21. Unzulässig ist sicher, dass er Sammelfächer als unverzichtbaren Bestandteil des Lehrplans 21 bezeichnet. Man könnte problemlos die fachspezifischen Bestandteile auf Einzelfächer verteilen, ohne dass der Lehrplan dadurch nicht mehr kompatibel wäre. Zu bedenken ist ferner:

  • Das Argument der besseren "Vernetzung des Wissens" sticht nicht, da man immer nur Elemente vernetzten kann, die schon vorhanden sind. Wo noch nichts ist, kann man auch nichts vernetzten. Zuerst müssen Grundlagen in den einzelnen Disziplinen erarbeitet werden, erst dann kann und soll man sie vernetzten.
  • Der Sinn der Einzelfächer liegt in den spezifischen Fragestellungen und Erkenntnissen eines Fachgebietes. Der ganze wissenschaftliche und technische Fortschritt der letzten 200 Jahre beruht auf dem tieferen Verständnis einzelner Aspekte unserer Umwelt.
  • Die Unterrichtszeit für die früheren Einzelfächer wird bei der Zusammenlegung geklappt. So werden Geschichte und Geografie im neuen Sammelfach RZG von 4 Lektionen auf 3 verkürzt, ein Substanzverlust, der bei der vorgesehenen Dotierung auch für WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) gelten würde.
  • Sammelfächer nähren den modisch-antiakademischen Trend in der Pädagogik: Statt einer seriösen wissenschaftlichen Ausbildung in den Einzeldisziplinen werden Lehrpersonen in Schnellbleichen halbbatzig auf Sammelfächer vorbereitet. Das ist zumindest auf der Sekundarstufe ein riesiger Qualitätsverlust.

Leserbrief von Michael Weiss (Geschäftsleiter lvb), erschienen am 03.05. als Reaktion auf den Artikel "Es geht um die Jugend, nicht um die Lehrer"

Sammelfächer vereinfachen den Bildungsabbau
Herrn Saladins Aussage, wonach im Baselbiet bereits heute das Fach Biochemie auf der Sekundarstufe unterrichtet würde, ist grob irreführend und als Argument für Sammelfächer untauglich. Es gibt lediglich im 8. und 9. Schuljahr ein gemeinsames Zeitgefäss für die Fächer Biologie und Chemie, welches "Biologie mit Chemie" genannt wird. In diesem werden abwechselnd Inhalte der Biologie und der Chemie unterrichtet, und zwar genau dieselben, die früher auch in den Einzelfächern Biologie und Chemie unterrichtet wurden. Biochemie war und bleibt ein Teilaspekt davon. Sammelfächer vereinfachen den Schulleitungen die Pensenlegung und der Politik den Bildungsabbau, weil es einfacher ist, in einem Fach mit vier oder mehr Wochenlektionen eine Lektion zu streichen als in zwei oder drei Fächern mit je zwei Wochenlektionen. Vernetztes Denken ist hingegen nicht eine Frage der Fächerstruktur, sondern der inhaltlichen Abstimmung der Fächer aufeinander.

Leserbrief von Markus Clauwaert, erschienen in der bz vom 29.4.2016 (Reaktion auf den Artikel "Abstimmung - neues Komitee fordert "Ja zu Einzelfächer"

Ein gutes Fundament für die Arbeit mit den Jugendlichen
Nach 25 Berufsjahren als Sekundarlehrer schaue ich immer noch gerne auf die Zeit als Student an der Uni Basel zurück. Wir zukünftigen Mittelschullehrer sassen zusammen mit Studenten anderer Bereiche (zum Beispiel Medizin, Physik, Geografie...) im gleichen Vorlesungssaal. Die sorgfältige Ausbildung durch unsere Professoren, der Autausch mit Kommilitoninen anderer Fachbereiche und die Nutzung bester Infrastruktur für unsere Experimente bildeten ein gutes Fundament für die anspruchsvolle Arbeit mit den Jugendlichen. Mit der Zusammenführung mehrerer Fächer zu einem künstlichen Fach, das an der Uni nicht gelehrt wird, könnten diese Synergien nicht mehr genutzt werden. Mit einem Ja kann eine qualitativ fundierte Ausbildung an der Universität in den Fächern Geschichte, Geografie, Chemie, Physik und Biologie erhalten bleiben.

Schulen sind keine Wirtschaftstrainingscamps

(Leserbrief von Michael Pedrazzi als Reaktion auf den Artikel "Es geht um die Jugend, nicht um die Lehrer" erschienen am 30.4.2016 in der bz)

Handelskammerdirektor Franz Saladin glaubt, die Annahme der Initiative "Lehrplan 21" führe zu einem Scherbenhaufen. Offenbar will er die Vorlage nicht verstehen. Mit einem Ja zur Vorlage würde der Landrat ein einziges Mal als zweitinstanzliches Gremium einen Beschluss des Bildungsrates abzusegnen haben - bei einer derart komplexen und hoch umstrittenen Materie wie dem Lehrplan 21 durchaus verständlich. Die inhaltliche Arbeit bliebe weiterhin beim Bildungsrat. Saladins Angst vor einem "Bildungsabseits" ist längst überholt - kaum ein Kanton folgt mittlerweile linientreu dem von der EDK von oben verordneten Versuch einer ideologischen Gleichschaltung. Kein Wunder, versucht er die Schule mit Checks, Controlling und ähnlichem Vergleichswahn "wirtschaftstauglich" zu machen. Gerade solche Leute sind es, die in der Bevölkerung mit ihrer Angstmacherei Unsicherheit verursachen.

"Die Lerninhalte kommen zu kurz"

Interview mit Saskia Olsson, erschienen am 23.04.2016 in der Basler Zeitung.

BaZ: Statt die Experten im Bildungsrat sollen die Volksvertreter im Landrat über die Einführung des Lehrplans 21 bestimmen. Weshalb?

Saskia Olsson: Durch diese Vorlage wird der Bildungsrat nicht entmachtet. Bei der Einführung des Lehrplans 21 handelt es sich um einen Entscheid von grosser Bedeutung. Deshalb soll der Landrat, der vom Volk gewählt wurde, als zweite Instanz das vom Bildungsrat erarbeitete Resultat begutachten und absegnen. So hat der Landrat die Möglichkeit, wenn das nötig sein sollte, den Lehrplan nochmals an den Bildungsrat zur Überarbeitung zurückzugeben.

Wir stimmen über diese Verlagerung der Entscheidungskompetenz ab. Wäre es nicht sinnvoller, an der Urne gleich über den Lehrplan 21 als solchen abzustimmen? 

Damit wäre zwar der Lehrplan 21 infrage gestellt, nicht aber das Konzept dahinter. Unser Ziel ist es, die Philosophie, die dem Lehrplan 21 zugrunde liegt und die zu einem Bildungsabbau führt, zu verhindern. Wenn das Volk bloss nein zum Lehrplan 21 sagen würde, wäre das Risiko gross, dass der Bildungsrat künftig wieder einen Lehrplan Volksschule vorlegen würde, der genau auf der gleichen Philosophie basiert.

Eine Schwierigkeit ist, dass der Lehrplan 21 auf der Primarschulstufe bereits eingeführt wurde, obwohl ein Volksentscheid noch bevorsteht. Ist es zu verantworten, auf diesen Entscheid allenfalls nochmals zurückzukommen? 

Diese Vorlage trifft ausschliesslich den Lehrplan 21 auf der Sekundarstufe 1. Die Primarstufe ist durch diese Gesetzesänderung explizit nicht betroffen.

Die Vorlage sieht auch vor, dass der bereits eingeführte Lehrplan 21 vom Landrat nachträglich genehmigt werden müsste. 

Der Lehrplan 21 ist auf der Sekundarstufe, auf die sich dieses Gesetz beschränkt, noch nicht eingeführt. Diese Klausel garantiert nun, dass der Lehrplan auf der Sekundarschule nicht eingeführt werden kann bis dieses Gesetz in Kraft tritt. Und sollte der Bildungsrat trotz sämtlicher Kritik der Fachexperten und Pädagogen den Lehrplan dennoch einführen, so könnte dies durch den Landrat wieder rückgängig gemacht werden.

Die Starke Schule kritisiert den Lehrplan 21 schon sehr lange. Immerhin wurde auch eine erste Fassung dieses Lehrplans nochmals überarbeitet. Weshalb reichen Ihnen diese Korrekturen nicht? 

Der Lehrplan 21 enthält weiterhin rund 3500 zum Teil abstrakte und nicht umsetzbare Kompetenzbeschreibungen. Die Lerninhalte und die zu behandelnden Themen kommen deutlich zu kurz. Deshalb halten wir an unserer Kritik fest. Uns stören die Indoktrination und der Zwang zur ständigen Selbstreflexion.

Haben Sie etwas dagegen, dass Betriebe, die Lehrlinge suchen, sich auf messbare Resultate abstützen können? 

Die Kompetenzen im Lehrplan 21 sind viel zu theoretisch und können gar nicht gemessen werden. Wer will schon wissen, ob Schülerinnen und Schüler beispielsweise "fremde Kultur reflektieren" können? Wie sollen die Lehrpersonen die Erreichung dieser Kompetenz beurteilen? Entscheidender ist doch, welches Wissen und welche Fähigkeiten sich die Schüler aneignen. Eine Schulharmonisierung kann nicht erreicht werden, solange die Lerninhalte und der Schulstoffe nicht pro Fach und für jedes Jahr klar definiert sind. Das geht einfach nicht mit diesen Wischi-waschi-Kompetenzbeschreibungen, die jeder anders interpretiert.

Die Welt hat sich verändert. Inhalte sind heute einfacher abrufbar, wenn man sie wirklich braucht.

Auch heute sollte man über ein gutes Allgemeinwissen verfügen. Nur so ist zum Beispiel ein vernetztes Denken möglich. Es ist erschreckend, wie wenig wir uns auf unser Wissen verlassen und  jede Kleinigkeit googeln.

Sie kritisieren auch, dass der Lehrplan 21 ein Einheitslehrplan ist und nicht nach verschiedenen Niveaus differenziert. Richtig?

In den Klassenzimmern wächst die Heterogenität zunehmend. Deshalb halten wir die drei Leistungsprofile A, E und P für wichtig, damit die Lehrpersonen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingehen können. Es ist wenig sinnvoll, von Schülern, die später eine akademische Laufbahn ergreifen möchten, dieselben Lernziele zu verlangen, wie von solchen, die sich auf eine Berufslehre vorbereiten. Wir streben Lehrpläne an, die auf jedes einzelne Profil ausgerichtet sind. Nur so kann die Schule allen Jugendlichen gerecht werden.

Weshalb setzt das Komitee Starke Schule Baselland auf Volksentscheide? Sie könnte Ihre Energie auch darauf konzentrieren, auf das Parlament oder den Bildungsrat einzuwirken?

Bei zwei der jetzt anstehenden drei Bildungsvorlagen handelt es sich um Parlamentarische Initiativen von Landrat Jürg Wiedemann. Wir haben diese beiden Vorstösse ausgearbeitet und durch ihn einreichen können. Das Parlament hat die beiden vorgeschlagenen Gesetzesrevisionen befürwortet.  Deshalb kann das Stimmvolk am 5. Juni darüber entscheiden. Auf diesen Weg setzen wir weiterhin. Eben erst war Regina Werthmüller, die ebenfalls dem Vorstand der Starken Schule angehört, mit der Motion "Stufenlehrpläne mit transparentem Inhalt" erfolgreich. Ihr Vorstoss verlangt  Lehrpläne,  in welchem die  Inhalte massgebend sind und nicht abstrakte  Kompetenzbeschreibungen.

Bei den kantonalen Wahlen hat die Starke Schule die heutige Bildungsdirektorin Monica Gschwind unterstützt. Noch hat Frau Gschwind keine wirkliche Richtungsänderung vorgenommen. Stellt sich die Starke Schule hinter die Politik der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion?

Dank Monica Gschwind  erhalten die Sekundarschulen einen Übergangslehrplan und eine Übergangsstundentafel, welche keine Sammelfächer vorsieht. Wir gehen davon aus, dass die Bildungsdirektorin nach dem Ja zur erwähnten Motion von Regina Werthmüller auch den Lehrplan Volksschule entsprechend gestaltet und die Kompetenzen in den Hintergrund rücken werden. Wir sind mit der Politik der Bildungsdirektorin in vielen Punkten einverstanden. Differenzen erkennen wir in gewerkschaftlichen Punkten und bei einzelnen Sparmassnahmen. Vieles, was uns stört,  hat ihr Vorgänger eingeleitet und sie muss es jetzt ausbaden. Diese Situation ist nicht ganz einfach.

Sie stellen sich auch gegen die Sammelfächer des Lehrplans 21. Weil sie kostentreibend sind, wie es im Titel der Vorlage heisst?

Die Einführung von Sammelfächern ist extrem teuer. Die Weiterbildungen der Lehrpersonen und die Neuanschaffung der Lehrmittel kosten viel. Dazu kommt, dass die künftige Ausbildung für die Sammelfächer nur noch an der Pädagogischen Hochschule der FHNW möglich wäre und nicht mehr an der Universität, die nur  Einzelfächer anbietet. Sammelfächer können zudem nur noch von Allroundern unterrichtet werden, die in jedem einzelnen Fach ein signifikant tieferes Fachwissen verfügen. Der Verzicht auf Lehrer mit fundiertem Wissen bedeutet ein Qualitätsabbau des Fachunterrichtes und damit Bildungsabbau.

Geht es Ihnen um die Lehrer oder um die Schüler? Sind Sie generell gegen einen fächerübergreifenden Schulunterricht für die Sekundarschüler?

Ich befürchte, dass Sammelfächer von Lehrpersonen mit geringerem Fachwissen unterrichte werden und so die Unterrichtsqualität abnimmt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten so das Wissen nicht mehr in der nötigen Tiefe vermittelt.

Nochmals, wie stehen Sie zum fächerübergreifenden Unterricht?

Heute werden ja schon längst Themen fächerübergreifend und vernetzt behandelt, zum Beispiel auch in vielen Projektarbeiten. In solchen Projekten sind aber mehrere Lehrpersonen beteiligt, die in ihrem Fach jeweils grosse Kenntnisse haben. Dies garantiert ein Unterricht in der notwendigen Tiefe. Unterrichten Allrounder ein Sammelfach, so nimmt die fachliche Qualität unweigerlich ab.  Sammelfächer braucht es gar nicht. Strikte Vorgaben wie vorgeschriebenen Fächer sind eher hinderlich. Bereits heute wird etwa die Geografie auch mit Englisch oder Physik verknüpft.

Basel-Stadt hat den Lehrplan 21 und die Sammelfächer bereits eingeführt. Wie wichtig wäre es, dass die Kantone der Nordwestschweiz ihr Schulsystem vereinheitlichen?

Das wäre durchaus wünschenswert. Die Starke Schule ist für eine echte Schulharmonisierung. Ziel der Harmonisierung war ursprünglich, den Familien einen Wohnungswechsel über die Kantonsgrenze zu erleichtern. Mit dem Lehrplan 21 wird das in keiner Weise erreicht. Es braucht eine echte Harmonisierung ohne dass die Bildungshoheit der Kantone überstrapaziert wird.

Reden Sie und die Starke Schule Baselland auch mit Bildungsfachleuten und -politikern aus anderen Kantonen?

Es finden lose Gespräche statt und wir informieren uns gegenseitig. Auch in anderen Kantonen wurden Initiativen zum Lehrplan 21 lanciert. Wir stellen fest, dass unsere Harmos-Ausstiegsinitiative auch  Gruppierungen in anderen Kantonen dazu motiviert hat, aktiv zu werden.

Gastbeitrag von Alina Isler (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 05.04.2016 in der BaZ als Reaktion auf den Artikel "Gespräche statt Studien"

Eymann negiert die Realität

Regierungsrat Eymanns Replik auf den Artikel "Ein Flop, den niemand sofort stoppen will" von BaZ-Journalist Thomas Dähler besteht darin, ihm vorzuwerfen, er würde nicht sachlich berichten. Diese Igeltaktik passt haargenau zum gängigen Abwehrmechanismus der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), deren Präsident Eymann ist: Kritiker werden reflexartig als unwissend oder schlecht informiert hingestellt und so diffamiert. Ähnlich ergeht es auch den zahlreichen, sachlich Kritik übenden Eltern und Basler Lehrperson, denen vorgehalten wird, sie verstünden halt eben das System (noch) nicht. Der EDK ist Kritik, so fundiert und belegt sie auch immer ist, ein Dorn im Auge - diese könnte ja den Elfenbeinturm zum Einsturz bringen.

Bildungsdirektor Eymann ist der Ansicht, im Moment scheine "ein Streit der Studien zu herrschen". Da verwechselt er offensichtlich etwas ganz gehörig. Sämtliche wissenschaftlichen Studien weisen klipp und klar nur in eine einzige Richtung: Die von der EDK ausgetüftelte neue Bildungsideologie wird in einem Fiasko enden. Dählers Formulierung, "eine halbe Generation wird damit leben müssen, dass sie in der Schule als Versuchskaninchen für ein unausgereiftes Sprachenkonzept herhalten musste", könnte nicht treffender sein. Die Wirksamkeit der neuen und bei den Fachpersonen heftig kritisierten Passepartout-Fremdsprachendidaktik hingegen konnte noch mit keiner einzigen Studie auch nur ansatzweise belegt werden.

Die wissenschaftliche Studie von Simone Pfenninger von der Universität Zürich als qualitativ ungenügend zu bezeichnen und ihr die Aussagekraft abzusprechen, ist ein starkes Stück vom Basler Bildungsdirektor und zeigt vielmehr, in welchem Argumente-Notstand er sich befindet. Gleichermassen bemerkenswert wie widersprüchlich ist auch seine Forderung, dass man von den Schüler/-innen etwas fordern darf, damit sie sich gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen können, gleichzeitig aber eingesteht, dass niemand erwartet, dass die Abgänger/-innen der obligatorischen Schule eine Fremdsprache "können" müssen. Wozu dient dann der Unterricht? Ich frag mal meine Lehrerinnen und Lehrer am Gymnasium.
Ich befürworte einen stufengerechten und klassischen Sprachunterricht mit einem erheblichen spielerischen Anteil an den Primarschulen, der die Kinder motiviert und begeistert. Gleichwohl sollen die Lernenden in kleinen Schritten einen grammatikalischen Aufbau als Fundament der Sprache gelehrt bekommen, sich einen alltagstauglichen Wortschatz aneignen und so die Sprache kontinuierlich verstehen und anwenden lernen. Dies mit einem Lehrmittel, das einen verständlichen roten Faden hat und nicht einem teuren Comicheft ähnelt, das als Einweg-Lerhmittel nach kurzer Zeit im Altpapier landet. Die neuen Lehrmittel "Mille feuilles" und "New World" verfehlen diese Anforderungen deutlich.
Die wenig staatsmännische Replik von Regierungsrat Christoph Eymann hat micht nicht überzeugt.

Leserbrief von Elisabeth Deppeler-Schlegel, erschienen in der BaZ vom 04.04.2016 als Reaktion auf den Artikel "Ein Flop, den niemand sofort stoppen will"

Sprachpfützchen statt Sprachbad
Ich habe mich während der letzten zwei Jahre intensiv mit dem Fremdsprachenerwerb in der Primarschule und dem Französisch-Lehrmittel "Mille feuilles" (M.F.) befasst. M.F. wirkt äusserlich ansprechend und die Kinder haben zunächst ihren Spass. Leider verfliegt die anfängliche Freude bei vielen Kindern rasch und weicht einer Enttäuschung. Die Kinder geben an, "nichts mehr zu verstehen". Die erste Fremdsprache mutiert zu einem unbeliebten Fach. Das war zum Teil auch früher so, nur hatte man damals wenigstens einen Grundwortschatz, einige Grammatikregeln und Kenntnisse über die Konjugation von Verben im Gepäck - heute ist das Gepäck sehr leicht, weil kaum etwas im Gedächtnis haften kann. Man wird mir entgegenhalten, dass die Lehrpersonen noch nicht die adäquate Ausbildung zum Unterrichten haben. Für mich liegt der Hase an einem anderen Ort begraben. Während meiner 34-jährigen Tätigkeit im schulischen Bereich erlebte ich viele Reformen im Schulwesen. Und immer wieder konnte ich den gleichen Mechanismus beobachten: Ein in Studien belegtes Faktum wurde ohne Beachtung des Kontextes und der Rahmenbedingungen implementiert. Im Falle der neuen Sprachdidaktik heisst das zugrunde gelegte Axiom, dass junge Kinder problemlos mehrere Sprache erwerben können. Voraussetzung dazu ist, dass das Kind intensiv mit dieser Sprache konfrontiert ist.
Interessanterweise sind zwei Fehlannahmen getroffen worden. Erstens geht es in diesen Studien vor allem um Klein- und Vorschulkinder und nicht um Primarschüler, die ein anderes Lernverhalten zeigen, und zweitens ist aus dem sogenannten "Sprachbad" ein "Sprachpfützchen" geworden. Das kann nicht gutgehen - und leider sind wie bei vielen Reformen die am meisten Benachteiligten die schulleistungsschwachen Kinder. Ein weiterer unschöner Nebeneffekt ist, dass die Lektionen in den Fremdsprachen zulasten von anderen Fächern gehen.
Etwas ist überall die Jahre gleich geblieben: Die wichtigste Motivation zum Lernen ist eine gute Beziehung zur Lehrperson. Weshalb wird das Geld nicht für Weiterbildungen in Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit von Lehrern verwendet? Es wäre gut angelegtes Geld im Gegensatz zum Geld, das für ein Experiment, das aller Voraussicht nach zum Scheitern verurteilt ist, ausgegeben wird.

Leserbrief von Susanne Stettler, erschienen am 02.04.2016 in der BaZ als Reaktion auf den Artikel "Erziehungsdirektoren rennen ins Fiasko"

Sprachendidaktik taugt nichts
Endlich bestätigen Studien, was viele Eltern schon seit Jahren predigen: Die neue Sprachendidaktik, welche ab der 3. Klasse angewendet wird, taugt nichts. Das Problem ist nicht das Frühfranzösisch an sich und auch nicht die zweite Fremdsprache ab der 5. Klasse. Das Problem ist die Lernmethode. Besonders untauglich ist das System "Mille feuilles". "C'est traumatiser les enfants", meinte eine französischsprachige Bekannte, als sie einen Blick in dieses Lehrmittel warf. Keine klare Struktur, kein klarer Sprachaufbau, wenig Grammatik, weltfremder Wortschatz, viel zu komplizierte Texte, teilweise "bireweiche" Projekte und Aufgaben. Mir tun aber nicht nur die Kinder leid, sondern auch die Lehrkräfte, die mit "Mille feuilles" arbeiten müssen. Sie haben einen gigantischen Aufwand, damit sie überhaupt Französisch unterrichten dürfen und bekommen dann die ganze Kritik und den ganzen Frust ab, die sich eigentlich an die Adresse der "Mille feuilles"-Erfinder und -Abnicker richtet.
Als Eltern hat man keine Ahnung, was die Kinder können müssen, auch wenn man sich noch so bemüht, es herauszufinden. Dabei müsste ein Sprachlehrmittel eigentlich selbsterklärend sein. Ist es das nicht, ist dies eine Bankrotterklärung. Wer sachlich und argumentativ Kritikpunkte und Schwächen von "Mille feuilles" zusammenträgt und diese bei den verantwortlichen Stellen - und damit sind weder Lehrer/-innen noch Schulleiter/-innen gemeint - anbringt, wird mit der Begründung abgespeist, er habe das System nicht verstanden. Doch auch Lehrern ergeht es nicht besser: Im Kanton Solothurn haben Sekundarlehrer bei der kantonalen Erziehungsdirektion ihr Befremden über die kläglichen Französischkenntnisse der Primarschulabgänger deponiert. Und was passierte? Man wertete dies nicht als Alarmzeichen und ging der Ursache dieses Phänomens nach. Nein, man rüffelte die Sekundarlehrer und verbot ihnen weitere Proteste.
In der neuen Fremdsprachendidaktik läuft also ziemlich alles falsch. Doch leider scheint niemand den Mut zu haben, diesen Wahnsinn zu stoppen. Denn dann müsste man erstens zugeben, Fehler gemacht, und zweitens eingestehen, einen riesigen Millionenbetrag in den Sand gesetzt zu haben. Davon, was "Mille feuilles" bei den Schulkindern anrichtet, sprechen wir danoch nicht einmal.

Leserbrief von Kathrin Schaltenbrand-Kovacs, erschienen in der BaZ vom 02.04.2016 als Reaktion auf den Artikel "Ein Flop, den niemand sofort stoppen will"

Realitätsfremd und verheerend
Haben Sie das gewusst? Nach der sogenannten Mehrsprachigkeitsdidaktik gemäss Passepartout-Konzept dürfen die Primarschüler/-innen in Französisch statt "je" auch "schö" schreiben. Und die Primarlehrperson darf die Kinder nicht korrigieren. Selbst die Eltern werden angehalten, bei den Hausaufgaben nicht korrigierend einzuwirken. Halten sich die Primarlehrpersonen an diese realitätsfremden Didaktikvorgbaen, so eignen sich die Lernenden während Jahren Fehler über Fehler und eine völlig falsch geschriebene Fremdsprache an, was an den Sekundarschulen mühsam korrigiert werden muss. Die Folgen sind verheerend, wie sich jetzt in Bern und Solothurn zeigt (dort sind die ersten Passepartout-Schüler/-innen bereits an der Sek): demotivierte Kinder, weil sie merken, dass sie jahrelang falsches Zeug gelernt haben, niemand sie korrigiert hat und sie jetzt fachlich abfallen. Und so etwas nennt sich dann "moderne Didaktik". Dabei wollen Kinder nichts lieber als etwas richtig machen. Diese Schreibtischtäter, die so eine Didaktik ausgeheckt haben und selbstherrlich als verbindlich erklären, gehören weg.

Leserbrief von Marie-Louise Rentsch, erschienen am 01.04.2016 in der BaZ als Reaktion auf den Artikel "Ein Flop, den niemand sofort stoppt"

Kostenintensive Staatsverträge
Im Baselbiet existieren im Bildungsbereich drei wesentliche Staatsverträche: der bikantonale Uni-Vertrag mit Basel-Stadt, der vierkantonale FHNW-Vertrag (mit BS, SO und AG) sowie der sechskantonale Passepartout-Vertrag (mit BS, SO, BE, Fr, VS). Solche von den Verwaltungen ausgearbeiteten Konkordate haben zwar den Vorteil, dass mehrere Kantone ein gemeinsames Projekt schneller realisieren können. Wie sich jetzt aber am Beispiel von Passepartout schmerzhaft zeigt, können solche meist mehrere Jahre dauernden Verträge auch verheerende Nachteile haben: Bei nachträglichen Anpassungen, zum Beispiel um Schwachstellen auszumerzen, müssen stets alle beteiligten Kantone einverstanden sein. Unser Kantonsparlament als Legislative und absegnendes Organ verliert danach massiv seinen Handlungsspielraum.
Alle drei Staatsverträge der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass eines ihrer wesentlichen Merkmale eine explodierende Kostenentwicklung ist. Die Universität und die FHNW verschlingen astronomische Summen. Auch das Passepartout-Konkordat läuft aus dem Ruder: eine untaugliche Didaktik gepaart mit einem neuen Lehrmittel "Mille feuilles", das elfmal mehr kostet als das voherige. "Mille feuilles" ist ein Einweglehrbuch, während das frühere - günstigere - "Envol" von mindestens sechs Klassenlehrjahrgängen benutzt wurde. Wollen wir unseren Kindern tatsächlich eine Wegwerfgesellschaft vorleben? Gesellschaftlich wie finanziell wäre das hoch problematisch.

Leserbrief von Samuel Bänziger, erschienen in der BaZ vom 31.03.2016

Unsere Kinder werden verheizt
Der Kanton Baselland befindet sich in einer fragwürdigen Lage. Schulkinder werden für ein unausgegorenes und höchst  umstrittenes Fremdsprachenkonzept als Versuchskaninchen missbraucht. Die überwiegende Mehrheit der Rückmeldungen von Lehrpersonen und Eltern spricht eine überdeutliche Sprache: Der Französisch- und Englischunterricht nach der neuen Mehrsprachendidaktik mit den tendenziösen Lehrmitteln "Mille feuilles" und "New World" funktioniert nicht und führt zu einem Fiasko. Studien zeigen in dieselbe Richtung. Es ist bedenklich, dass die Politik im Kanton entweder nicht willens oder nicht fähig ist, solch ein kläglich scheiterndes Modell sofort zu stoppen.
Selbst ein neues Biskuit wird zuerst durch Testpersonen auf seine Chancen im freien Markt geprüft. Aber wenn es um unsere Kinder geht, zählen offenbar diese Werte nicht: Sie werden gnadenlos verheizt. Ich erwarte vom Landrat und der Baselbieter Bildungsdirektorin, dass solche Flops gestoppt werden.

Leserbrief von Regina Werthmüller (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland, Landrätin parteilos) erschienen in der BaZ vom 31.03.2016

Ein Rad kann man immer zurückdrehen
Bildungsdirektorin Monica Gschwind könne "das Rad nicht zurückdrehen". Gemeint ist wohl der Knebelstaatsvertrag, in den sich Baselland mit den anderen fünf Passepartout-Kantonen auf Gedeih und Verderb bis 2018 eingelassen hat. Und nun muss an unseren Volksschulen Französisch mit einer Didaktik unterrichtet werden, die offensichtlich scheitert.
Frau Regierungsrätin, weshalb haben Sie nicht einfach den Mumm und steigen aus diesem Flop aus? Weshalb lassen Sie es zu, dass hoch qualifizierte Französischlehrpersonen drangsaliert werden, nur weil sie nicht bereit sind, 84 Stunden WEiterbildung in eine Didaktikform zu investieren, die für "d Füchs" ist? Sie wurden von Stimmbürgern gewählt, die von Ihnen den notwendigen Kurswechsel - auch gegen Ihre eigene Verwaltung - erwarten.

Gastbeitrag von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule) am 30.03.2016 in der Basler Zeitung

Erziehungsdirektoren rennen ins Fiasko

Die kürzlich erschienene wissenschaftliche Studie des Instituts für Mehrsprachigkeit (IfM) der Universität Freiburg sowie der Pädagogischen Hochschule Freiburg (http://bildung-z.ch/volksschule/fremdsprachenevaluation-2016) ist brisant. Sie unterlegt die flächendeckende Kritik in der Deutschschweiz an der neuen Bildungsideologie nun auch statistisch. Die Lernziele der Zürcher Primarschüler/-innen in den beiden Fremdsprachen werden von den meisten Lernenden deutlich verfehlt. Lediglich 3.4% der Kinder erreichen in Französisch die Lernziele in der Fertigkeit Sprechen und 8.7% beim Hören. Beim Schreiben und Lesen resultieren 37% und 30.7%.   

Diese Resultate sind ernüchternd und müssen als schlecht bezeichnet werden. Dass die Lernzielerreichung in Englisch lediglich knapp über 60% liegt, ist zwar besser, aber noch immer deutlich unbefriedigend und müsste auch den Bildungsphantasten dieser neuen Mehrsprachenideologie zu denken geben.  

Französisch ist den Schüler/-innen als romanische Sprache naturgemäss fremder als eine germanische wie Englisch. So wird deutlich, dass Französisch umso dringender einen strukturierten Aufbau mit einer klaren Grammatik als Fundament bedingt. Den Spracherwerb mittels zwei oder drei Wochenlektionen einem Sprachbad gleichsetzen zu wollen, grenzt an Realitätsverlust oder Überheblichkeit. Mit einer solchen Beliebigkeitspädagogik auf der Primarstufe gleich zwei Fremdsprachen realisieren zu wollen, kann nicht zielführend sein und muss zwangsläufig in einem Fiasko enden. Der Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sowie der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) müssten bei derart flächendeckendem Widerstand aus Fachkreisen und seitens vieler besorgter Eltern längst die Alarmglocken gebimmelt haben. Aber anstelle sich und ihren Reform-Irrsinn zu hinterfragen, werden selbst linke Kritiker mantrahaft in eine rechts-konservative Ecke gedrängt. Kritik ist unerwünscht. Weder die verheerenden Rückmeldungen der Oberstufen aus den Kantonen Bern und Solothurn noch die soeben bekannt gewordene Studie der IfM vermag offenbar die Reformpolitiker vom Wunschgedanken abbringen, den alleinigen Stein der Weisen entdeckt zu haben. Auch andere wissenschaftlich fundierte Studien, wie z.B. diejenige von Simone Pfenninger von der Universität Zürich, werden konsequent ausgeblendet und ignoriert, ganz nach dem Motto: Es darf nicht wahr sein, was wahr ist. Was braucht es noch mehr, um aufzuzeigen, dass in diesem Land ideologisch geprägte Phantasten an den Schalthebeln der Bildung resp. den Schreibtischen der kantonalen Verwaltungen sitzen und im Begriff sind, ebendiese Bildung in Grund und Boden zu fahren? Wie viele Generationen an Schulkindern werden den Preis zahlen müssen für ihre ideologischen Experimente, die nicht ein einziges Mal wissenschaftlich erhärtet  worden sind? Professionalität würde die Fähigkeit bedeuten, Fehler einzugestehen und sie korrigieren zu können. Anstelle dessen wird aus den Bildungsdirektionen lakonisch und gleichermassen hilflos verkündet, die Umwälzung einer Rückkehr zu Bewährtem wäre zu gross und es sei schon zu viel Geld reingebuttert worden. Diese Ausrede ist jämmerlich. Man bereitet auch nicht krampfhaft ein vergammeltes Rindsfilet zu – nur weil es teuer war.
 

Leserbrief von Helena Beusch, erschienen in der Volksstimme am 30.03.2016 als Reaktion auf den Artikel "Starke Schule Baselland reicht zwei weitere Initiaitven ein"

Bei uns ist Deutsch erste Fremdsprache
Unsere Primarschüler lernen ab der 3. Klasse die vermeintlich erste Fremdsprache Französisch, ab der 5. Klasse zusätzlich Englisch. Eine Zweitklässlerin erzählt "wir hatteten.., dann singteten wird...". Ein Viertklässler weigert sich, überhaupt (Hoch-)Deutsch zu sprechen, weil er es nicht kann. Solange ich solches berufshalber wie auch privaterweise miterlebe, verstehe ich in unseren Breiten Deutsch als erste Fremdsprache. Wenn zu lesen ist: "Die Forschung zeigt, dass eine fremde Sprache zuerst übers Ohr aufgenommen wird. Ein Kind lernt die Muttersprache indem es in den ersten beiden Lebensjahren fast nur zuhört. Erst dann fängt es an zu sprechen.", dann wird deutlich, dass dem Konzept des Fremdsprachenunterrichts im Primarschulalter Nichtwissen und veraltete Vorstellungen/Forschungsergebnisse zugrunde liegen. Im Gegensatz zur Muttersprache, die mittels völlig anderer (Erwerbs-)Prozesse erworben wird (die aktuelle neurowissenschatliche Forschung erklärt sie und belegt, dass die bereits vorgeburtlich beginnen), muss eine Fremdsprache ebenso wie Lesen und Schreiben im engsten Sinn des Begriffs gelernt werden (Lernprozess).
Mit dem heute praktizierten, oberflächlichen Fremdsprachenunterricht an der Primarschule werden jene Schulstunden verbraten, während welcher Primarschüler Deutsch als erste Fremdsprache mit den Fertigkeiten Erzählen, Lesen und Schreiben wirklich lernen und übern dürfen sollten - bis zu einem minimal elaborierten Gütegrad, der ihnen erfolgreiches Nutzen ihrer Sprachkenntnisse ermöglicht - dann erst hat das Lernen einer weiteren Fremdsprache Sinn. Ich bin froh über die beiden Initiativen der "Starken Schule Baselland" und unterstütze sie.

Beitrag von Daniel Vuilliomenet (Sekundarlehrer) in der BaZ (Rubrik Einspruch), erschienen am 29.03.2016

Leerplan 21

Zum Glück kommt wieder etwas Wind in die Gegenbewegung bezüglich der Einführung des umstrittenen Lehrplans 21. Nachdem inzwischen auch von linker Seite in einer Broschüre mit dem Titel „Einspruch – Kritische Gedanken zu Bologna, HarmoS und Lehrplan 21“ massive Kritik laut wurde zu den anstehenden und zum Teil bereits umgesetzten Schulreformen, erhöht sich die Diskussionsfrequenz zu diesem Thema auch in der Tagespresse. Ich bin ein klarer Gegner des „Leerplans 21“, der zwar einige hundert Seiten umfasst, inhaltlich aber mehr als dürftig bleibt. Ausser einer schier endlosen Wiederholung von Zielformulierungen mit Satzanfängen, wie: „Die Schülerin, der Schüler kann…“, „Die Schülerin, der Schüler soll…“, „Die Schülerin, der Schüler verfügt….“, ist wenig Konkretes zu finden in diesem postmodernen Machwerk sogenannter Bildungsexperten. Postmodern? Die eben genannten Zielformulierungen in dieser Form waren schon Bestandteil meines letzten Studienjahres am Lehrerseminar Basel im Rahmen meiner Mittellehrer-Ausbildung vor 35 Jahren – genervt hat das alles bereits damals.

Die hehren Ziele und verlangten Kompetenzen im Lehrplan 21 schwanken in allen Fachbereichen zwischen Banalität und systemimmanent angelegter Überforderung. Und ständig mit dabei ist die Selbstreflexion der Schülerinnen und Schüler. Alles wird permanent beobachtet, vermessen und reflektiert – dass diese Kultur der unablässig eigenen Aussenbetrachtung auch beträchtliche psychologische Risiken in sich birgt, ist den Verfassern des pädagogischen Jahrtausendwerkes offenbar schlicht egal.

Wes Geistes Kind die Lehrplanmacher und deren Hintermänner und -frauen aber sind, zeigen zwei Umstände: Erstens versuchte und versucht die EDK offenbar, Volksabstimmungen zur Causa Lehrplan 21 zu verhindern und zweitens soll sich der umstrittene Lehrplan 21 vorerst im Thurgau und später (so weit als möglich) schweizweit richtiggehend durchsetzen, indem renitente und lehrplankritische Lehrpersonen, deren „Spider-Diagramm“ (!) nicht dem gewünschten Bezug zum Lehrplan 21 entspricht, zur Weiterbildung ermuntert bzw. verdonnert werden. Die Spiderdiagramme, die wir ja aus der Politikanalyse kennen, stammen in ihrer Lehrperson-spezifischen Form scheinbar aus einer sog. Toolbox der Fachhochschule Nordwestschweiz. Kurz gefasst: Schulleitungen entscheiden, Pädagogen werden abkommandiert – mittelfristig wohl auch lohnwirksam…. Eine regelrechte Kulturrevolution "Schule 3.0" ist hier im Gange. Man spricht auch von pädagogischer Gehirnwäsche und Umerziehung… 

Christian Amsler, der Schaffhauser Bildungsdirektor, der hinter der Idee der Spider-Diagramme steht, spricht von einer Überwindung des pestalozzianischen Geistes – Kopf, Herz und Hand seien im 21. Jahrhundert in dieser paritätischen Dreiteilung definitiv veraltet. Mit Verlaub: Ich bezeichne eine solche Haltung als "pädagogischen Landesverrat" und die wissenschaftliche Andienung mit implizierter Auftragsaquisition seitens der Fachhochschule als eigentliche "pädagogische Prostitution".

Der Lehrplan 21 ist mehr als ein Lehrplan und gleichzeitig überhaupt kein Lehrplan, sondern ein Curriculum zur ideologischen Umgestaltung der Volksschule. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger – so sie denn gefragt sind – tun gut daran, Chancen und Risiken eines solchen Umbaus gegeneinander abzuwägen.
 

  • 29.03.2016, BaZ
    "Ein Flop, den niemand sofort stoppen will" von Thomas Dähler

  • 22.03.2016, BaZ
    "Austreibung des Kompetenz-Geistes per Gesetz" von Daniel Wahl
  • 21.03.2016, BaZ
    "Düstere Aussichten für den Lehrplan 21" von Thomas Dähler
  • 17.03.2016, BaZ
    "Kaum Verständnis für richtiges Französisch" von Daniel Wahl

Leserbrief von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland)

Massgebend sind die Noten
Der Leserbrief von Frau Dill in der letzten AWB-Ausgabe zeugt offensichtlich von Unkenntnis über die gesetzlichen Richtlinien. Gemäss der Laufbahnordnung (640.21 §35 Abs. 1) muss ein Kind dem A-, E- oder P-Niveau zugeordnet werden "aufgrund des Zwischenstandes in der Leistungsbeurteilung in allen Fächern und der Gesamtbeurteilung." Das heisst: In der Regel zählen die Noten, wobei die Lehrpersonen in begründeten Fällen davon abweichen können. Ein solcher Fall wäre z.B. wenn ein Kind lange krank war und die Noten deshalb zwischenzeitlich absackten. Bei der Formulierung der Verordnung war es weder die Idee noch der politische Wille, dass die Sozial- und Selbstkompetenz für die Einteilung massgeblich seien. Hier missachtet der Einschätzungsfragebogen der Primarschulen von Bottmingen und Binningen die Verordnung. Solch diffuse Einschätzungsfragebogen sind auch moralisch fragwürdig. Sie schwächen die Zeugnisnoten als massgebliches Selektionskriterium, womit "weniger normierte" Kinder tendenziell eher in ein tieferes Niveau eingeteilt werden, selbst wenn die fachliche Leistung noch für ein höheres Niveau reichen würde. Das führt zu einer verwerflichen Ghettoisierung des Niveaus A, indem zwischen ihm und den Niveaus E und P ein "sozialer" Keil getrieben wird. Es ist unverständlich, dass die Primarschulleitungen von Binningen und Bottmingen dies bewusst oder unbewusst in Kauf nehmen.

Leserbrief von Regina Werthmüller (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland) als Reaktion auf den Gastbeitrag "Es wird zum Wohl des Kindes gehandelt" von Alexandra Dill, Allschwil (vom 5.1.2016)

Hätte Frau Dill den Text verstanden, dann wüsste sie, dass Landrat Jürg Wiedemann den Primarlehrpersonen keine Inkompetenz anlastet. Inhaltlich geht es in diesem Artikel nicht darum, ob Lehrpersonen kompetent sind oder nicht, sondern darum, dass an den Primarschulen von Binningen und Bottmingen ein diffuser "Einschätgzungsfragebogen" als Mess- und Steuerungsinstrument für die Einteilung der Schüler/-innen in die drei Leistungsniveaus A, E und P der Sekundarschulen verwendet wird. Neu zählen nicht mehr prkatisch alleine die Noten (Deutsch, Mathematik, Französisch), sondern vermehrt auch die Sozialkompetenz und Selbstkompetenz. Deshalb führt dieser Beurteilungsbogen zu einer verwerflichen Einteilung der Kinder in gesellschaftlich wohlgeformte, die ins Leistungsniveau p dürfen, und in eigenwillige und sozial schwächere, die eher für das Profil A vorgesehen sind. Dieser neue auf dem Lehrplan 21 basierende Fragebogen zeigt einmal mehr auch die verheerenden Schwächen des kompetenzorientierten Lehrplans 21 auf.
 

Leserbrief von Michael Pedrazzi (Vorstand Starke Schule Baselland), erschienen am 9.1. in der BaZ

Diffuse Einschätzung von der Leistung

Bedauerlicherweise hat der Leistungszug A der Sekundarschulen seit Jahren ein frappantes Imageproblem. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass viele Erziehungsberechtigte unter allen Umständen versuchen, ihr Kind beim Übertritt von der Primar- in die Sekundarstufe mindestens in das Anforderungsprofil E zu kriegen, auch wenn das Niveau A das richtige und vernünftige Profil wäre.

Der von Landrat Jürg Wiedemann treffend als sektiererisch bezeichnete Fragebogen der Primarschulleitungen von Binningen und Bottmingen akzentuiert und verschärft nun genau diese Problematik, indem er die Kinder stark nach diffusen sozialen Gesichtspunkten auf die Niveaus verteilt: Die sozial genormten, angepassten Kinder werden ins Niveau P zugelassen, die "inkompetenten", weil wilderen und verspielteren, werden tendenziell eher ins Niveau A verbannt. Dieser Fragebogen missbraucht die Leistungszüge A, E und P, um Kinder in "brauchbar"  und "unbrauchbar" zu unterteilen. Die Lernenden werden nicht mehr alleine aufgrund ihrer Noten und dem Leistungsstandard eingeteilt.

Die Primarschulleitungen von Binningen und Bottmingen erweisen ihren Schülerinnen und Schülern einen Bärendienst. Solche "Einschätzungsfragebogen" sind verwerflich und gehören in den Schredder. Kompetenzorientierte und anderweitig undurchsichtige und intransparente Leistungsbeurteilungen müssen zwingend politisch hinterfragt und gestoppt werden.
 

Leserbrief von Samuel Bänziger, Student

Bogen überspannt

Die Idee der Dreigliederung der Sekundarschulen in den A, E und P-Zug basiert darauf, allen Schülerinnen und Schülern einen ihrem Leistungspotential angemessenen Unterricht zu ermöglichen. Die dadurch erzielte verbesserte Homogenität innerhalb einer Schulklasse verhindert in der Regel eine unerwünschte Über- oder Unterforderung eines einzelnen Kindes. Optimale Förderung und hohe Chancengleichheit sind die gewünschten positiven Folgen und verantwortlich für den hohen Bildungsstand unserer Gesellschaft und unseren Wohlstand.

Dieses Prinzip unterwandern nun die Primarschulen von Bottmingen und Biningen auf fragwürdige Art: Nicht mehr alleine die Leistung der Lernenden in den einzelnen Fächern soll künftig massgebend sein für die Frage, in welches Leistungsniveau ein Kind an der Sekundarschule eingeteilt wird, sondern schwammige, nicht eindeutig messbare Eigenschaften wie Selbstkompetenz und Sozialkompetenz. Mit 25 Fragen wie z.B. "nimmt Rücksicht und hilft anderen" wird der Charakter eines Kindes richtiggehend vermessen. Kinder, die zwar leistungsmässig in einem höheren Niveau folgen könnten, jedoch soziale Mängel aufweisen, werden mit einem tieferen Zuweisungsentscheid abgestraft. Ich denke, diese Schulleitungen haben den Bogen überspannt.