Starke Schule beider Basel

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Auf dieser Seite finden Sie interessante Artikel betreffend verschiedenen Bildungsthemen.
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Umfrage bei Aargauer Lehrpersonen

Das Komitee "Ja zu einer guten Bildung - Nein zum Lehrplan 21" hat im Kanton Aargau rund 6'000 Lehrpersonen angeschrieben und ihnen fünf Fragen zu den anstehenden Bildungsreformen gestellt. Dies, weil - wie auch in anderen Kantonen - die Personen an der Basis, also die Lehrerinnen und Lehrer, noch nie wirklich nach ihrer Meinung gefragt worden sind.

Von den rund 6'000 Lehrpersonen, die per Mail angeschrieben wurden, haben über 1'200 an der Umfrage teilgenommen, was einer grossen Rücklaufquote entspricht. Die Fragen lauteten:

  1. Befürworten Sie, dass bereits auf der Primarstufe zwei Fremdsprachen (Französisch und Englisch) unterrichtet werden?
  2. Befürworten Sie an der Oberstufe statt der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie die beiden Sammelfächer "Räume, Zeiten, Gesellschaften" und "Natur und Technik"?
  3. Befürworten Sie den zentralen Punkt des LP 21, das "selbstorganisierte Lernen", welches Stoffauswahl und Lernprozesse (Stichwort Lernlandschaften) weitgehend den Schülern überlässt?
  4. Sind Sie der Meinung, dass die Lehrerpersönlichkeit zentral ist für den Lernerfolg in der Klasse und bei der Stoffvermittlung eine aktive Rolle spielen muss?
  5. Wollen Sie auch in Zukunft mit Jahreszielen arbeiten?

Die Fragen bezogen sich - mit Ausnahme von Frage 1 - auf den Lehrplan 21 und seiner neuen Form des Lernens. Eindrücklich waren die Aussagen der gut 1'200 Lehrpersonen, die an der Online-Umfrage teilgenommen haben.

Nur 12% der Lehrpersonen befürworten zwei Fremdsprachen an den Primarschulen

Das Resultat der beiden ersten Fragen sieht ähnlich aus: Sowohl bei der Frage nach zwei Fremdsprachen als auch bei derjenigen über die Einführung von Sammelfächern, haben sich über die Hälfte der Befragten  gegen zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe (52%) und gegen die Einführung von Sammelfächern (58%) ausgesprochen. Für zwei Fremdsprachen votierten lediglich 36% und gar nur 28% befürworten die beiden Sammelfächer.  

Auch bei entsprechenden Fragen im Kanton Baselland (entweder durch die Starke Schule Baselland oder die Bildungsdirektion) hat das Nein gegenüber dem JA deutlich überwogen, ungefähr im Verhältnis 3 zu 2.

Auch das selbstorganisierte Lernen fällt bei den Lehrpersonen durch

Die Ergebnisse zur dritten und vierten Frage sind noch eindrücklicher: 67% der Lehrpersonen lehnen das selbstorganisierte Lernen ab, welches mit dem Lehrplan 21 immer stärker eingeführt wird. 89% der Befragten sehen die Lehrperson nach wie vor als zentralen Indikator für den Lernerfolg der Kinder (was also zusätzlich gegen das selbstorganisierte Lernen spricht).

Auch die Frage zu den Jahreszielen wurde deutlich mit einem Ja beantwortet. Insgesamt zeigt sich, dass auch im Kanton Aargau die Lehrpersonen sehr kritisch gegenüber dem Lehrplan 21 und weiteren Reformen stehen.

 

Einsparungen beim Zoo sind verkraftbar

Gastkommentar von Saskia Olsson, erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung am 26.11.2016

Der Zoo Basel hat sich in vielerlei Hinsicht verändert. Während man noch bis ins Jahr 1935 Völkerschauen durchführte, bei denen ganze Dörfer errichtet wurden und Nubier, Marokkaner oder Singhalesen dort mehrere Wochen wohnten und ihre Kriegs- und Maskentänze vorführten, kamen später immer öfter exotische Tiere hinzu. Die bis dahin mehrheitlich heimischen Tiere, wie Raubvögel, Wölfe, Luchse oder Steinböcke reichten den Besuchern wohl nicht mehr. Im Laufe der Jahrzehnte wurden neue Anlagen gebaut und andere vergrössert oder modernisiert. Auch aktuelle Projekte, wie die Elefantenanlage Tembea, die im März 2017 eröffnet werden soll, zeigen auf, wie sich der Lebensraum der nicht heimischen Tiere verändert und verbessert. Weitere wichtige Aufgaben des Basler Zoos sind die Unterstützung von Naturschutzprojekten, etwa für den Schutz der Löwen in Kenia.

Verständlicherweise ist der Aufschrei in der Basler und Baselbieter Bevölkerung gross, weil im Rahmen der Sparpakete im Kanton Baselland die bis anhin an den Zoo bezahlten 85 000 Franken eingespart und die Subvention aus Basel-Stadt vermutlich von vormals 1 45 Millionen auf 1 Million zurückgeschraubt werden sollen. Zahlen dafür müssen die Jüngsten unter uns. Wegen der Einsparungen können Schulkinder im Rahmen des Unterrichts künftig wohl nicht mehr umsonst in den Zolli. Gerade im Hinblick auf den Zoo als Bildungszentrum mag dies zunächst als Abbau im Bildungssystem gelten. Doch ist dem wirklich so? Zoologische Gärten und Aquarien sind Orte des Naturschutzes, der Bildung und der Forschung, sind aber auch Besucherattraktion und Geldmaschine. Es ist eine Gratwanderung.

Selbst die vom Welt-Zoo-Verband festgelegten Grundsätze beschreiben, dass Zoos und Aquarien Besucherattraktionen sind, die ihren Gästen Fragen des internationalen Naturschutzes bewusst machen. Dass sich bereits Kinder mit solchen Themen auseinandersetzen, ist allerdings fraglich. Bei einem Zollibesuch in der Grundschule geht es meist viel mehr darum, sich Tierarten in natura anzuschauen – wobei die Natur ja nur imitiert wird. Dass dabei ein falsches Bild projiziert wird, nämlich, dass es «normal» ist, einen Elefanten oder einen Leoparden in Gebieten zu sehen, die völlig untypisch für deren Lebensweise sind, wird meist ausgeblendet. Im Hinblick auf Bildung und Pädagogik stehen neue Dokumentarfilme, welche die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum mit ihrem normalen Verhalten zeigen, dem Zoo in nichts nach. Das Argument, dass die Kinder im Zoo die Tiere in echt sehen, unterstreicht den Zoo als Besucherattraktion, der die Befriedigung des Menschen, wilde Tiere zu sehen, zu erfüllen versucht.

Dass durch die Einsparung der 85 000 Franken Baselbieter Schulkinder im Rahmen des Schulunterrichts nicht mehr umsonst in den Basler Zoo können, ist zwar bedauerlich, führt aber nicht wirklich zu einem Bildungsabbau. Da die Regierung überall Einsparungen treffen muss, ist der Entschluss, im Bereich Bildung die Zoo- Subventionen zu streichen, vertretbar. Lehrpersonen, die den Zoo als Bildungszentrum ansehen, werden auch künftig eine Exkursion dorthin durchführen können. Vielleicht wird durch diese Sparmassnahme auch der Weg für alternative Formen der Beobachtung von heimischen Tieren geebnet.
 

Späterer Schulbeginn und Mittagstisch fallen durch

Seit dem Schuljahr 2016/17 haben zahlreiche Klassen an der Sekundarschule Aesch am Morgen jeweils eine Stunde später Schule, dafür jedoch an keinem der fünf Nachmittage frei. Dies führte bei Schüler/-innen und Eltern zu grosser Verärgerung, zumal die Schulleitung diese Stundenplanänderungen ohne Einbezug der Eltern umsetzte, so wie dies notwendig gewesen wäre. Der öffentliche Druck auf die Schulleitung und die Schulbehörden wuchs derart, dass diese handeln mussten.

Die Schulleitung führte bei den Schüler/-innen, Eltern und den Lehrpersonen eine umfassende Umfrage durch. Mehr als 300 Schüler/-innen nahmen teil. Die Umfrage darf auf Grund des hohen Rücklaufs als aussagekräftig bezeichnet werden. Die Ergebnisse könnten nicht deutlicher sein.

Schüler/-innen lehnen einen späteren Schulbeginn deutlich ab

Eine der Fragen lautete: Was ziehst du vor? Einen freien Nachmittag mit der Konsequenz, dass die Schultage länger werden und am Morgen 5 Lektionen stattfinden? Oder ein späterer Schulbeginn mit nur noch 4 Lektionen am Morgen und der Konsequenz, dass es möglicherweise keinen freien Nachmittag mehr gibt?

229 (= 72%) der Schüler/-innen lehnen den späteren Schulbeginn mit nur noch vier Morgenlektionen ab und wünschen sich stattdessen mindestens einen freien Nachmittag. Für den späteren Schulbeginn votierten lediglich 89 Schüler/-innen (= 28%).

Die Schüler/-innen bevorzugen mit deutlicher Mehrheit einen freien Nachmittag. Dieser garantiert ihnen Freiraum für ihre Hobbies sowie ihre sportlichen oder musikalischen Betätigungen. Optimal gelegen wäre der freie Nachmittag am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Dadurch wird der monotone Tagesablauf von fünf vollen Tagen innerhalb der Woche unterbrochen. Die eingesparte Morgenlektion um 7.30 Uhr bringt nichts – die Schüler/-innen stehen kaum früher auf, sondern schlafen eine Stunde länger, gehen dafür am Vorabend eine Stunde später ins Bett. Erst ein freier Nachmittag ermöglicht hingegen ein echtes alternatives Programm zur Schule.

Mittagstisch ist uncool

Interessant war auch die Frage bezüglich der Länge der Mittagspause. Soll die Mittagspause auf eine Stunde reduziert werden, mit der Möglichkeit einen Mittagstisch zu benutzen, oder soll die Mittagspause 1.5 bis 2 Stunden lang sein, so dass die Schüler/-innen in der Regel über Mittag nach Hause können?

Lediglich 56 Schüler/-innen (17%) stimmten für eine kurze Mittagspause von nur einer Stunde, 261 Schüler/-innen (81%) wünschen sich eine lange Mittagspause zwischen 1.5 und 2 Stunden, so wie dies heute der Fall ist.

Interessant ist auch die Frage, ob die Schüler/-innen den Mittagstisch benutzen würden, wenn die Mittagspause verkürzt wird und sie über Mittag gegebenenfalls nicht mehr nach Hause können. Lediglich 9% der Schüler/-innen würden den Mittagstisch benutzen. 91% würden sich offensichtlich eine andere Lösung suchen: Ein wuchtiges und vernichtendes Urteil für den Mittagstisch.

Sekundarschüler/-innen wollen offensichtlich entweder zuhause essen oder selbständig ihr Mittagessen auswärts organisieren und in ihrer Peer-Group einnehmen. Sie wollen selbst verantwortlich sein und nicht auch noch am Mittag unter der Aufsicht von betreuenden Erwachsenen stehen, wie dies bei einem Mittagstisch der Fall wäre. Dieses deutliche Abstimmungsergebnis ist nachvollziehbar und gehört zum Entwicklungsstand von Schüler/-innen der Sekundarstufe 1. Sie brauchen ihre Freiräume, ihre Selbständigkeit und auch Distanz von der Schule. Ein Mittagstisch mag aus ihrer Sicht vielleicht für die Primarstufe passen – auf der Sekundarstufe 1 ist es nur noch uncool.

Die Starke Schule Baselland fordert die Schulleitung und die Schulbehörde aufgrund des klaren Abstimmungsergebnisses der Direktbetroffenen auf, diesen Schulversuch auf Ende dieses Semesters zu beenden und allen Schüler/-innen mindestens einen freien Nachmittag zu ermöglichen.  

Die vollständige Umfrage der Sekundarschule Aesch können Sie hier einsehen.
 

Für Stoffpläne statt Kompetenzen

Interview mit Jürg Wiedemann, erschienen in der BaZ vom18.11.2016

BaZ: Die letzten Wahlen haben die Prioritäten der Baselbieter Bildungspolitik völlig verändert. Sie haben damals die Wahl der heutigen Bildungsdirektorin Monica Gschwind unterstützt. Sind die von ihr angestrebten Ziele der Bildungspolitik auch Ihre?
Jürg Wiedemann:
Die Bildungsziele, welche Monica Gschwind anstrebt, entsprechen weitgehend meinen. Durch ihre strategisch gute Arbeit hat sie mitgeholfen, die Sammelfächer zu verhindern. Jetzt möchte sie die Einführung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland um zwei Jahre auf 2020/2021 verschieben. Damit kann dieser mit Stoffinhalten ergänzt werden. Die Entwicklung von Stoffverteilungsplänen, wie sie Monica Gschwind nennt, ist eine aufwendige Arbeit – da müssen wir uns nichts vormachen. Das braucht genügend Zeit, insbesondere auch, um den neuen Lehrplan in die Vernehmlassung zu schicken und die Akzeptanz bei den Lehrpersonen zu prüfen. Dieses Vorgehen befürworte ich.

Die vielen Reformen im Baselbiet wurden mit dem sogenannten Marschhalt gebremst. Bildungsdirektorin Gschwind sagt, jetzt sei in den Schulen wieder mehr Ruhe eingekehrt. Glauben auch Sie das?
Am unruhigsten war es im letzten Amtsjahr von Gschwinds Vorgänger Urs Wüthrich. Die Wahl von Monica Gschwind hat wesentlich zur Beruhigung beigetragen, ebenso die Einsetzung der Arbeitsgruppe Marschhalt. Auch die durchgeführte Umfrage bei den Lehrpersonen zu den Bildungs­reformen und die Absicht der Bildungsdirektorin, die anstehenden kantonalen Volksinitiativen der Starken Schule Baselland schnell zur Abstimmung zu bringen und die Ergebnisse in den neuen Lehrplan einfliessen zu lassen, erhöhten das Vertrauen. Leider versucht die SP, eine Unruhe zu konstruieren, die es so nicht gibt, auch wenn die Sparmassnahmen in der Bildung da und dort klar zu weit gehen.

Eines hat sich trotz dem Wechsel an der Spitze der Bildungsdirektion nicht verändert: Es werden laufend neue Volks­initiativen gestartet. Braucht es diese Opposition von der Strasse überhaupt noch?
Keine der Initiativen ist aufgrund der Politik von Monica Gschwind lanciert worden. Das gilt sowohl für die beiden Fremdsprachen-Initiativen als auch für die Lehrplan-Initiative. Alle drei streben Korrekturen von Reformen an, die noch von alt Regierungsrat Urs Wüthrich eingeleitet wurden.

Das mag für die Initiativen des Komitees Starke Schule Baselland zutreffen. Es wurden aber auch zwei Initiativen gegen die Sparpläne der neuen Regierung lanciert. Auch bei diesen Initiativen sind Sie Mitglied des Initiativkomitees.
Sie sprechen die beiden Volksinitiativen des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) an. Die Lancierung muss der LVB begründen. Die Stossrichtung halte ich aber für richtig. Deshalb unterstütze ich beide Anliegen, die das direkte Arbeitsumfeld in den Schulen und damit gewerkschaftliche Themen betreffen – im Unterschied zur Starken Schule, die sich vorwiegend mit dem Bildungssystem befasst.

Weshalb tanzen Sie auf mehreren Hochzeiten? Sie sind Mitglied des Landrats, aber dennoch bei allen Volksinitiativen mit dabei. Jetzt könnte es sich doch lohnen, die Anliegen in der neuen Zusammensetzung im Landrat durchzusetzen?
Im Landrat gibt es nur eine Mehrheit für die Anliegen der Starken Schule, welche die unsäglichen Bildungs­reformen stoppen. Für gewerkschaft­liche Anliegen und wenn es um das Verhindern von Sparmassnahmen geht, finde ich keine Mehrheit.

Wollen Sie in diesem Bereich mit dem nötigen Druck aus dem Volk den Geldhahn wieder öffnen?
Ja, deshalb braucht es einen Volksentscheid. Eine gute Bildung ist der Schlüssel für den Erfolg und den Wohlstand unserer Gesellschaft.

Sprechen wir noch über die Lehrpläne für die Primar- und Sekundarschule. Angekündigt sind Stoffverteilungspläne in Ergänzung zu den Kompetenzen des Lehrplans 21. Weshalb halten Sie und die Starke Schule dennoch an einer Volksinitiative fest, die Stufenlehrpläne fordert. Genügen Ihnen die Ankündigungen von Frau Gschwind nicht?
Zwischen der Variante, wie sie Frau Gschwind möchte und wie sie die Starke Schule vorzieht, gibt es eine wesentliche Differenz. Der kompetenzlastige Lehrplan 21 propagiert das selbst organisierte Lernen in Grossraumschulzimmern, die be­schönigend als Lernlandschaften bezeichnet werden. Die Lehrpersonen werden zu Lerncoaches degradiert und erteilen kaum mehr einen fundierten Unterricht. Das wollen wir nicht. Deshalb möchten wir, dass der neue Lehrplan Stoffinhalte und Themen enthält und die abstrakten Kompetenzbeschreibungen in einem un­verbindlichen Anhang formuliert werden. Dadurch können wir die vom Lehrplan 21 propagierte Unterrichts­ideologie, die alle über einen Kamm schert, verhindern.

Wie wollen Sie solche Nuancen der Bevölkerung vor einer Volksabstimmung erklären? Ist es nicht eher Ihr Ziel, den Lehrplan 21 mitsamt seinen Tests und Schulabschlüssen zu eliminieren?
Die Volksinitiative hat zwei einfach formulierte Paragrafen, die für alle verständlich sind. Und, ja, die neu konzipierten Checks sind in der Tat suboptimal. Die Vorbereitung darauf braucht viel Zeit, die dann im Unterricht fehlt. Sie erzeugen einen unnötigen Druck auf die Lernenden.

Wenn Sie mit der Volksinitiative den auf Kompetenzen basierenden Lehrplan 21 aushebeln, verhindern Sie die Vergleichbarkeit der Leistungen zwischen den Kantonen. Mit Absicht?
Der Lehrplan 21 ist mit seinen 3500 kaum umsetzbaren Kompetenzbeschreibungen, die jede Lehrperson anders interpretieren kann, derart umfangreich, dass die Vergleichbarkeit ohnehin unmöglich ist. Um eine echte Harmonisierung und damit eine Vergleichbarkeit der Leistungen zu erzielen, braucht es für jedes Schuljahr klar definierte Stoffinhalte.

Sie fokussieren auf die Sekundarschule?
Auf der Sekundarstufe richtet der Lehrplan 21 das grössere Unheil an als auf der Primarstufe.

Künftig will die Bildungsdirektion die einzelnen Stufen weniger ins Zentrum rücken. Unterstützen Sie es, dass stärker als bisher die Laufbahnorientierung im Vordergrund steht?
Die Laufbahnorientierung ist wichtig. Es darf nicht das Ziel sein, möglichst viele ins Gymnasium zu bringen. Der duale Bildungsweg mit der Berufsmatur muss gestärkt werden. Ich lehne es im Gegensatz zu einigen bürgerlichen Bildungspolitikern je­­doch ab, dass die Leistungshürden für den Gymnasiumseintritt erhöht werden. Wichtiger fände ich, den dualen Weg attraktiver zu gestalten.

Unter Druck stehen die Brückenangebote, für die Sie sich schon früher engagiert haben. Heute verfolgt Baselland das Ziel, dass die Ausbildung schon in der Sekundarschule zielgerichteter erfolgt, sodass es weniger Zusatzschlaufen braucht.
Brückenangebote bauen Brücken zwischen der obligatorischen Schule und der beruflichen Arbeitstätigkeit. Einige Schülerinnen und Schüler machen erst spät den Knopf auf und erreichen die Lernziele in der Volksschule nicht. Für sie sind diese Brückenangebote sinnvoll. Die Jugend­lichen erhalten Zeit, sich zu festigen. Das heutige Angebot sollten wir deshalb nicht einschränken.

Bildungsdirektorin Gschwind nimmt auch Einfluss auf die Lehrerausbildung der vier Nordwestschweizer Kantone und hat auch dazu beigetragen, dass Verbesserungen möglich wurden. Weshalb kämpfen Sie dennoch mit einer Volksinitiative gegen die Anstellung von Seklehrern, die von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, der PH, ausgebildet werden?
Die Sekundarschulen benötigen für die drei Leistungsprofile Lehrpersonen mit unterschiedlichen Stärken. Für Lehrpersonen, die an den Sekundarschulen das allgemeine Leistungsniveau A unterrichten möchten, ist die integrative Ausbildung an der PH gut. Für Lehrpersonen, welche jedoch die beiden anspruchsvolleren Leistungsniveaus E und P unterrichten wollen, ist die Fachausbildung an der PH quantitativ und qualitativ ungenügend.

Die Initiative verlangt aber nur ein Anstellungsverbot für PH-Abgänger? Es gäbe dann Lehrer, die im Baselbiet angestellt werden könnten, und solche, die nur noch in allen anderen Kantonen angestellt werden könnten.
Nein, das stimmt nicht. Weiterhin könnten alle im Baselbiet unterrichten. Diejenigen mit integrativem Ausbildungsweg an der PH erhielten jedoch nur befristete Arbeitsverträge. Das Ziel dieser Lenkungs-Initiative ist es, dass mehr Studierende die schwierigere Fachausbildung an der Universität absolvieren. Davon würden die Schulen profitieren. Dieser Ausbildungsweg dauert heute aber ein Jahr länger und führt erst noch zu einer schlechteren Entlöhnung, obwohl die Ausbildung fundierter ist als an der PH. Monica Gschwind beabsichtigt, diese Ungleichbehandlung auszumerzen und die tieferen Löhne nach der universitären Ausbildung anzuheben. Ich bin unsicher, ob diese Massnahme genügt. Falls ja, dann könnte die Initiative zurückgezogen werden.

Wann wollen Sie sie zurückziehen? Sie ist bereits abstimmungsreif.
Im Februar wird noch nicht darüber abgestimmt. Es bleibt also noch etwas Zeit. Dieses Thema werden wir sicher mit Monica Gschwind besprechen, auch einen allfälligen Rückzug.

Zum Schluss noch eine Frage zu den Fremdsprachen. Wie stehen Sie zu den Absichten des Bundes, den Kantonen dreinzureden?
Die Kantone sind zerstritten, sie können sich nicht einigen. Deshalb verstehe ich, dass der Bund Leitlinien erstellen will. Mit der Variante, in der Primarschule mit einer Landessprache zu beginnen und diese an der Sekundarschule lückenlos weiterzuführen, kann ich sehr gut leben. Das wäre auch mit unserer Initiative für nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe vereinbar.
 

Rechtsdienst erachtet beide Initiativen als rechtsgültig  

Am 6. Oktober 2015 reichte die Starke Schule Baselland die beiden nichtformulierten Initiativen „Stopp der Überforderung von Schüler/-innen: Eine Fremdsprache auf der Primarstufe genügt“ sowie „Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt“ mit 1969 respektive 2014 gültigen Unterschriften bei der Landeskanzlei ein.  

Die erste Initiative verlangt, dass an der Primarschule nur noch Französisch als erste Fremdsprache gelehrt und der Beginn von Englisch wieder zurück an die Sekundarschule verlegt wird. Mit der zweiten Initiative soll erreicht werden, dass der Kanton Baselland zum nächstmöglichen Termin aus dem Passepartout-Projekt aussteigt und hierfür die entsprechenden Verträge kündigt respektive nicht verlängert. Entsprechend soll der Kanton Baselland künftig auf die Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’oeil und New World, welche die neue Passepartout-Sprachendidaktik umsetzen, verzichten. Wir möchten Lehrmittel, die wieder Grammatik und einen alltagstauglichen Wortschatz als zentrale Elemente des Sprachaufbaus führen.  

Gemäss dem Auftrag der Bildungsdirektion überprüfte der Rechtsdienst des Regierungsrates die Rechtsgültigkeit  der beiden Initiativen u.a. bezüglich Kompatibilität mit höherstufigem Recht und ihrer Umsetzbarkeit. Die Staatsrechtler kommen in ihrem 11-seitigen Gutachten zum Schluss, dass beide Volksinitiativen mit höherrangigem Recht vereinbar sind, die Einheit von Form und Materie erfüllen  und auch umsetzbar sind. Der Rechtsdienst bestätigt des Weiteren, dass eine Kündigung der interkantonalen Vereinbarung insofern möglich ist, als der Harmos-Konkordat selbst ebendiese Kündigungsmöglichkeit explizit vorsieht und auch übergeordnetes Bundesrecht stehe diesem Begehren nicht entgegen. Ebenso kommt der Rechtsdienst zum Entschluss, dass es im Falle einer Annahme der Initiative durchaus möglich wäre, im Bildungsgesetz den Ausstieg aus Passepartout und eine Rückkehr zum vormals praktizierten Fremdsprachenunterricht zu verankern. 

In diversen Kantonen sind ähnliche Begehren von Initiativkomitees von den Kantonsparlamenten unterschiedlich für gültig und auch ungültig erklärt worden. Der Rechtsdienst im Kanton Baselland hat jedoch klar aufgezeigt, dass diese Begehren gültig sind und kein übergeordnetes Recht verletzen.  

Bildung ist die wichtigste Ressource. Es ist deshalb wichtig und demokratisch legitim, dass die Stimmberechtigten mitentscheiden können, was aus unserem ausgezeichneten Bildungssystem gemacht werden soll.

Wir sind gar nie in Harmos eingestiegen

Leserbrief von Daniel Vuilliomenet (Sekundarlehrer), erschienen in der bz vom 01. November 2016

Eine kleine Sensation ist das – das Komitee Starke Schule BL zieht seine Initiative, die den Ausstieg des Kantons BL aus dem HarmoS-Konkordat verlangt, zurück. Die bz kommt zum Schluss, das ganze Theater sei überflüssig gewesen, denn die Initiative hätte es nie gebraucht, da die Vorgaben von HarmoS den Lehrplan 21 betreffend, nie strikt waren. Stimmt so nicht, entgegne ich. Zwar tat die D-EDK in verschiedenen Statement (u. a. auch von NR CHr. Eymann) so, als sei der LP 21 lediglich ein Kompass. Nichtsdestotrotz begann sich aber die ganze Reformmaschinerie (auch in BL) strikt danach auszurichten und sie tut es bis heute noch. So sind die künftigen Checks auf der Sekundarstufe an LP-21-konformen Sammelfächern und an Kompetenzen orientiert, obwohl das Stimmvolk - der Starken Schule sei Dank - die Sammelfächer an der Urne verworfen hat.

Wenn nun RR Monica Gschwind tatsächlich ernst macht mit dem Mustervorlagencharakter des LP 21, so ist HarmoS de facto Makulatur – das hat das Komitee Starke Schule richtig erkannt. „HarmoS ist gescheitert“ – diese Aussage stammt nicht etwa von der Starken Schule, sondern von Anita Fetz (SP BS). Deshalb steigen wir nicht aus HarmoS aus, denn wir sind noch gar nie wirklich eingestiegen: Zugausfall – nehmen wir den Bus…

weitere Leserbriefe finden Sie hier

Initiative erfolgreich eingereicht

Am 27. Oktober reichten wir die Initiative „Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen“ mit 2'602 Unterschriften. Notwendig gewesen wären 1‘500 Unterschriften.

Mit der Initiative möchten wir die von der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) gewünschte neue Unterrichtsphilosophie verhindern, welche der Lehrplan 21 propagiert. Das Kernelement dieser Unterrichtsphilosophie ist das sogenannte „Selbstorganisierte Lernen“ in Grossraum-Zimmern, in welchen bis zu 72 Schüler/-innen sich weitgehend selbst überlassen arbeiten. Wir befürchten darin einen klaren Bildungsabbau, insbesondere bei den Schüler/-innen aus den Leistungsprofilen A und E und denjenigen, die über keine überdurchschnittliche Reife und Organisationsfähigkeit verfügen.

Die Initiative verlangt, dass der neue Lehrplan Volksschule Baselland, der frühestens auf das Schuljahr 2018/19 in Kraft gesetzt wird, ausschliesslich aus Stoffinhalten und Themen besteht. Die 3‘500 teilweise diffusen und abstrakten Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 werden in einem unverbindlichen Anhang formuliert und dienen den Lehrpersonen als Hilfeleistung. Ausführliche Informationen zur Initiative finden Sie hier.

Rückzug der Harmos-Ausstiegsinitiative

Der Vorstand der Starken Schule beabsichtigt die Harmos-Ausstiegsinitiative zurückzuziehen. Während die EDK den Lehrplan 21 noch im Jahr 2014 für alle Harmos-Kantone als verbindlicher Lehrplan erklärt hat, gilt dieser heute nur noch als unverbindliche Mustervorlage, an den sich die Kantone anlehnen können. In der Ausgestaltung der eigenen Lehrpläne sind sie jedoch frei. Die Ausstiegs-Initiative, so wertvoll und wichtig sie damals war, heute ist sie faktisch irrelevant geworden. Mit der Initiative konnten wir erfolgreich unseren bildungspolitischen Handlungsspielraum erwirken. Über den definitiven Rückzug der Initiative entscheiden die Mitglieder des Initiativkomitees.

PK_2016-10-27

PK_2016-10-27_Bild2Foto z.V. gestellt: BaZ

Informationen zur Pressekonferenz vom 27.10.2016 finden Sie hier.
 

Leserbrief von David Golay, erschienen in der BaZ vom 18.10.2016

Sozialromantische Bildungspolitik schadet unseren Schulen

Zu Recht hebt Alina Isler im Artikel die herausragenden Leistungen des Komitees Starke Schule Baselland hervor. Ohne diese kleine politische Gruppierung wäre der Schaden der sozial­romantischen Bildungspolitik der vergangenen acht Jahre noch weitaus grösser. Die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) wie auch die BVS2, zwei hervorragende Bildungsangebote im Kanton, wären abgeschafft. Klassengrössen wären angehoben und der ­Unterricht in Sammelfächern mit nicht ausgebildeten Lehrkräften wäre bereits in vollem Gang. Ich glaube nicht, dass diese ­Änderungen im Sinne unserer Schüler gewesen wären. Zum Glück gibt es die Starke Schule Baselland.

Gastbeitrag von Alina Isler (Vorstandsmitglied Starke Schule) am 15.10.2016 in der Basler Zeitung

Frustrierte SP schwärzt Starke Schule an

Irgendwie ist es nachvollziehbar, dass SP-Fraktionspräsidentin Miriam Locher und Jungpolitiker Jan Kirchmayr frustriert sind. Ihre Bildungspolitik befindet sich in einer Sackgasse und ein Ausweg muss her, notfalls auch mit Anschwärzen und Verunglimpfen. Zu spüren bekommt das auch die Starke Schule Baselland beziehungsweise ihre Vorstandsmitglieder, die hin und wieder auf eine etwas hilflose Art schlecht­­geredet werden.

Der Vorstand der Starken Schule Baselland wird sich in seiner Arbeit dadurch nicht beeinflussen lassen. Zu erfolgreich war das Mitte-links-Komitee mit seinen stetigen Bemühungen in den vergangenen Jahren: Die unsäg­lichen Sammelfächer konnten beerdigt, die von alt Regierungsrat Urs Wüthrich angestrebte Erhöhung der maximalen Klassengrössen auf 26 Schüler/-innen pro Klasse abgewendet sowie die Ab­schaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) und der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule (BVS 2) verhindert werden. Der Lehrplan 21 und das Fremdsprachenprojekt Passepartout werden aufgrund des aufgebauten Drucks von Eltern und Lehrpersonen überarbeitet und an die Verhältnisse in unserem Kanton angepasst.

Der erfolgreiche Reformstopp, den Regierungsrätin Monica Gschwind in den vergangenen eineinhalb Jahren mit ihrer wohlüberlegten Strategie der «Konsenssuche» realisieren konnte, ist bemerkenswert: Statt dem Lehrplan 21 haben die Sekundarschulen einen brauchbaren Übergangslehrplan mit einer neuen, leicht angepassten Stundentafel erhalten, was zu einer starken Beruhigung an den Schulen führte. Zurzeit arbeitet die Bildungsdirektion an der Ausarbeitung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland, der frühestens ab Mitte 2018 in Kraft gesetzt werden soll und klar definierte Stoff­inhalte und Themen enthält.

Lehrplan 21 ein Risiko

Den entsprechenden Auftrag erhielt die Bildungsdirektorin vom Landrat, der die Motion Stufen­lehrpläne mit transparentem Inhalt von Landrätin Regina Werthmüller zur Umsetzung überwies. Die 3500 abstrakten, kaum umsetzbaren Kompetenzbeschreibungen hingegen verlieren an Bedeutung. Im Gegenzug werden Stoffinhalte und Themen im neuen Lehrplan Volksschule Baselland an Wichtigkeit gewinnen.

Dass den beiden SP-Politikern dieser Reformstopp und die kooperative und gute Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Starken Schule sauer aufstösst, liegt auf der Hand: Die immer klarer werdende Erkenntnis, dass ihre SP-Bildungspolitik der letzten zehn Jahre gescheitert ist, schmerzt heftig. Zu gerne würden die beiden an der Bildungsideologie festhalten, die nach der Harmos-Abstimmung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetüftelt wurde und mit dem kompetenzorientierten Lehrplan 21 endete.

Die Mehrheit der Lehrpersonen er­achtet den Lehrplan 21 jedoch als kaum umsetzbar: Er berge für die Schüler/-innen sogar ein erhebliches Risiko und führe zu einem Bildungsabbau – so das Fazit der Pädagoginnen und Pädagogen. Dies muss die SP-Spitze zur Kenntnis nehmen, wenn sie auch in Bildungsfragen wieder ernst genommen werden möchte.

Urs Wüthrich blieb zu lange

Die SP konnte die Bildungslandschaft unter der Führung von alt Regierungsrat Urs Wüthrich während vielen Jahren nach ihrem Gutdünken formen. Mit verhängnisvollen Folgen: Frust und Demotivation breiteten sich bei den Lehrpersonen aus, die Unruhe an den Schulen wuchs und wuchs. Urs Wüthrich geriet beim Lehrpersonal zunehmend ins Abseits.

Das Fass zum Überlaufen brachten dann seine Sparvorschläge kurz vor seinem Abgang, mit denen er den Lehrpersonen scheinbar nochmals so richtig eins auswischen wollte: Mit der vorgeschlagenen Erhöhung der Pflichtstundenzahl für Fachlehrpersonen, der Streichung der Altersentlastung sowie der Reduktion des Freifachangebotes schürte er den Konflikt erneut und legte der neuen Bildungsdirektorin ein richtig dickes Ei ins Nest.

Die Parteileitung der SP Baselland hingegen hatte es verpasst, Regierungsrat Urs Wüthrich frühzeitig zum Einsehen zu bewegen – ein verhängnisvoller Fehler, der letztlich der SP den berechtigten und wichtigen Regierungsratssitz kostete. Die Bevölkerung hatte schlichtweg genug von diesen unsäglichen Bildungsreformen, die ohne Not die Schullandschaft verändern sollten. Immerhin haben wir unseren Wohlstand der guten Schulbildung unserer Gesellschaft zu verdanken. Das Urteil des Stimmvolkes war voraussehbar und klar: Ein Wechsel an der Spitze der ­Bildungsdirektion musste her.

Zunehmend zeigt sich, wie klug und wertvoll die Einsetzung der sogenannten «Marschhaltgruppe» zu Be­ginn der Amtszeit der neuen Bildungsdirektorin war. Praktisch alle wichti­- gen Bildungsgruppen (Amt für Volksschule, Präsidium der Schulleitungen, Bildungsrat, Amtliche Kantonalkonferenz, Starke Schule Baselland, Lehrerverband, VPOD und so weiter) nahmen unter Leitung der Bildungsdirektion an den Sitzungen teil. Die Lehrpersonen wurden erstmalig wirklich umfassend angehört. Sie konnten in einer breit angelegten Umfrage ihre Bedenken zu den Reformen äussern und diese wurden von der Bildungsdirektorin ernst genommen.

Bei den Lehrpersonen kehrte Ruhe ein – wissend, dass die Reformen überprüft und gestoppt werden.

Leserbriefe zu diesem Thema finden Sie hier.
 

Zolli-Eintritt – quo vadis?

Seit Jahren ist es den Baselbieter Schulkindern vergönnt, den Basler Zolli im Rahmen des Unterrichts gratis zu besuchen. Ein schöner Anblick, wenn Dreikäsehochs mit gelben Leuchtdreiecken in Zweierkolonnen mit grossen Augen die Tiere bestaunen. Unser Gerechtigkeitsgefühl reagiert sofort: Diese Freude darf den Kleinen nicht genommen werden, und das Innere gerät in Wallung. Wie immer, wenn Sparvorlagen emotional diskutiert werden, geraten aber die sachlichen Beurteilungen ins Hintertreffen.

Fakt ist, dass die Bildungsdirektion im Auftrag der Gesamtregierung Millionenbeträge einzusparen hat – nicht weil sie will, sondern weil sie muss. Woher nehmen und nicht stehlen, lautet eine bekannte Redensart. Seien wir ehrlich, wo die BKSD ein mögliches Sparpotential auch sieht, sofort stehen Partikularinteressierte bereit, sich als Bestohlene zu empfinden. Ebenfalls durchaus menschlich. Diese 85‘000 Franken werden eingespart werden, wo auch immer. Die Frage lautet nur: Wo schmerzt es die Schüler/-innen in ihrem Klassenzimmer und in ihrer Unterrichtsqualität am wenigsten? Lassen wir also das emotionsgeladene Bild der härzigen Kindergärtler für einen Moment aussen vor, denn sie geniessen sowieso einen Gratiseintritt. Primar- und Sekundarschüler würden einen Betrag von 10 Franken zu bezahlen haben. Für einen mehrstündigen Zoobesuch sicher nicht überrissen; ein Kinobesuch kostet sie mehr. Aus einem jahrelangen Goodwill darf nicht ein Gewohnheitsrecht abgeleitet werden.

Es bieten sich überdies zahlreiche Alternativen. Die Grün80 oder der Tierpark „Lange Erlen“ haben sich in den letzten Jahren zu wahren Schmuckstücke herausgeputzt, in dem es sehr viele heimische Tierarten zu bestaunen gibt. Gratis, notabene. Und wer als Lehrperson seiner Klasse nicht Tiere hinter Gitterstäben präsentieren möchte, die in unseren Breitengraden sowieso nicht vorkommen, organisiert eine Exkursion zu einem Bauern in der Region, wo die Kinder in einen echten Kontakt mit den Tieren treten können. Auch das Untersuchen eines Quadratmeters Waldboden kann einen Einblick in eine reiche Fauna bieten.  

Michael Pedrazzi, Allschwil
 
Gastbeitrag von Alina Isler (Vorstandsmitglied Starke Schule) am 15.10.2016 in der Basler Zeitung

Frustrierte SP schwärzt Starke Schule an

Irgendwie ist es nachvollziehbar, dass SP-Fraktionspräsidentin Miriam Locher und Jungpolitiker Jan Kirchmayr frustriert sind. Ihre Bildungspolitik befindet sich in einer Sackgasse und ein Ausweg muss her, notfalls auch mit Anschwärzen und Verunglimpfen. Zu spüren bekommt das auch die Starke Schule Baselland beziehungsweise ihre Vorstandsmitglieder, die hin und wieder auf eine etwas hilflose Art schlecht­­geredet werden.

Der Vorstand der Starken Schule Baselland wird sich in seiner Arbeit dadurch nicht beeinflussen lassen. Zu erfolgreich war das Mitte-links-Komitee mit seinen stetigen Bemühungen in den vergangenen Jahren: Die unsäg­lichen Sammelfächer konnten beerdigt, die von alt Regierungsrat Urs Wüthrich angestrebte Erhöhung der maximalen Klassengrössen auf 26 Schüler/-innen pro Klasse abgewendet sowie die Ab­schaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) und der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule (BVS 2) verhindert werden. Der Lehrplan 21 und das Fremdsprachenprojekt Passepartout werden aufgrund des aufgebauten Drucks von Eltern und Lehrpersonen überarbeitet und an die Verhältnisse in unserem Kanton angepasst.

Der erfolgreiche Reformstopp, den Regierungsrätin Monica Gschwind in den vergangenen eineinhalb Jahren mit ihrer wohlüberlegten Strategie der «Konsenssuche» realisieren konnte, ist bemerkenswert: Statt dem Lehrplan 21 haben die Sekundarschulen einen brauchbaren Übergangslehrplan mit einer neuen, leicht angepassten Stundentafel erhalten, was zu einer starken Beruhigung an den Schulen führte. Zurzeit arbeitet die Bildungsdirektion an der Ausarbeitung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland, der frühestens ab Mitte 2018 in Kraft gesetzt werden soll und klar definierte Stoff­inhalte und Themen enthält.

Lehrplan 21 ein Risiko

Den entsprechenden Auftrag erhielt die Bildungsdirektorin vom Landrat, der die Motion Stufen­lehrpläne mit transparentem Inhalt von Landrätin Regina Werthmüller zur Umsetzung überwies. Die 3500 abstrakten, kaum umsetzbaren Kompetenzbeschreibungen hingegen verlieren an Bedeutung. Im Gegenzug werden Stoffinhalte und Themen im neuen Lehrplan Volksschule Baselland an Wichtigkeit gewinnen.

Dass den beiden SP-Politikern dieser Reformstopp und die kooperative und gute Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Starken Schule sauer aufstösst, liegt auf der Hand: Die immer klarer werdende Erkenntnis, dass ihre SP-Bildungspolitik der letzten zehn Jahre gescheitert ist, schmerzt heftig. Zu gerne würden die beiden an der Bildungsideologie festhalten, die nach der Harmos-Abstimmung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetüftelt wurde und mit dem kompetenzorientierten Lehrplan 21 endete.

Die Mehrheit der Lehrpersonen er­achtet den Lehrplan 21 jedoch als kaum umsetzbar: Er berge für die Schüler/-innen sogar ein erhebliches Risiko und führe zu einem Bildungsabbau – so das Fazit der Pädagoginnen und Pädagogen. Dies muss die SP-Spitze zur Kenntnis nehmen, wenn sie auch in Bildungsfragen wieder ernst genommen werden möchte.

Urs Wüthrich blieb zu lange

Die SP konnte die Bildungslandschaft unter der Führung von alt Regierungsrat Urs Wüthrich während vielen Jahren nach ihrem Gutdünken formen. Mit verhängnisvollen Folgen: Frust und Demotivation breiteten sich bei den Lehrpersonen aus, die Unruhe an den Schulen wuchs und wuchs. Urs Wüthrich geriet beim Lehrpersonal zunehmend ins Abseits.

Das Fass zum Überlaufen brachten dann seine Sparvorschläge kurz vor seinem Abgang, mit denen er den Lehrpersonen scheinbar nochmals so richtig eins auswischen wollte: Mit der vorgeschlagenen Erhöhung der Pflichtstundenzahl für Fachlehrpersonen, der Streichung der Altersentlastung sowie der Reduktion des Freifachangebotes schürte er den Konflikt erneut und legte der neuen Bildungsdirektorin ein richtig dickes Ei ins Nest.

Die Parteileitung der SP Baselland hingegen hatte es verpasst, Regierungsrat Urs Wüthrich frühzeitig zum Einsehen zu bewegen – ein verhängnisvoller Fehler, der letztlich der SP den berechtigten und wichtigen Regierungsratssitz kostete. Die Bevölkerung hatte schlichtweg genug von diesen unsäglichen Bildungsreformen, die ohne Not die Schullandschaft verändern sollten. Immerhin haben wir unseren Wohlstand der guten Schulbildung unserer Gesellschaft zu verdanken. Das Urteil des Stimmvolkes war voraussehbar und klar: Ein Wechsel an der Spitze der ­Bildungsdirektion musste her.

Zunehmend zeigt sich, wie klug und wertvoll die Einsetzung der sogenannten «Marschhaltgruppe» zu Be­ginn der Amtszeit der neuen Bildungsdirektorin war. Praktisch alle wichti­- gen Bildungsgruppen (Amt für Volksschule, Präsidium der Schulleitungen, Bildungsrat, Amtliche Kantonalkonferenz, Starke Schule Baselland, Lehrerverband, VPOD und so weiter) nahmen unter Leitung der Bildungsdirektion an den Sitzungen teil. Die Lehrpersonen wurden erstmalig wirklich umfassend angehört. Sie konnten in einer breit angelegten Umfrage ihre Bedenken zu den Reformen äussern und diese wurden von der Bildungsdirektorin ernst genommen.

Bei den Lehrpersonen kehrte Ruhe ein – wissend, dass die Reformen überprüft und gestoppt werden.

Leserbriefe zu diesem Thema finden Sie hier.
 

Starke Schule lehnt die Einmischung des Bundes ab

Die Harmonisierung des Sprachenunterschiedes ist bislang gründlich gescheitert: Während die sechs deutschsprachigen Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn, Bern, Wallis und Freiburg bereits in der dritten Primarschule mit Französisch und in der fünften mit Englisch beginnen, tun dies andere Kantone genau umgekehrt. Und in wiederum anderen Kantonen wird ab dem Schuljahr 2017/18 nur eine Fremdsprache in den Primarschulen unterrichtet. Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Interessen der einzelnen Kantone waren ausschlaggebend, dass keine Einigkeit erzielt werden konnte. Während die deutschsprachigen Kantone, die an die welsche Schweiz grenzen, Französisch als erste Fremdsprache bevorzugen, unterstützen die anderen Kantone tendenziell Englisch als erste Fremdsprache.

Der Bundesrat will nun in die kantonale Bildungshoheit eingreifen und schlägt drei Varianten vor, wie auf Bundesebene das Sprachengesetz (SpA) angepasst werden könnte:

1.   Der Unterricht der zweiten Landessprache beginnt bis spätestens ab dem 5. Primarschuljahr (7. Schuljahr gemäss HarmoS-Zählung)

2.   Die erste Fremdsprache beginnt ab dem 3. Schuljahr, die zweite ab dem 5. Schuljahr. Eine der beiden Sprachen ist eine zweite Landessprache.

3.   Der Unterricht in der zweiten Landessprache beginnt auf der Primarstufe und dauert bis zum Ende der Sekundarstufe I.

Die Starke Schule Baselland hat im Frühling 2016 die kantonale Volksinitiative „Eine Fremdsprache auf der Primarstufe genügt“ eingereicht. Das Begehren fordert, dass Französisch in der Primarschule unterrichtet wird, die zweite Fremdsprache Englisch hingegen erst ab der Sekundarstufe 1. Zwei Fremdsprachen überfordern viele Schüler/-innen. Der Fremdsprachenunterricht in Englisch und Französisch ist in der fünften und sechsten Primarschule zusammen mit 4 – 5 Lektionen dotiert und damit zeitaufwändig. Dieser geht zu Lasten der musischen und kreativen Fächer, die bei den Schüler/-innen beliebt sind.

Nur die zweite vom Bund vorgeschlagene Variante würde der Forderung nach nur einer Fremdsprache an den Primarschulen widersprechen und damit ein Kernanliegen der Starken Schule Baselland tangieren. Ein neues Gesetz, welches die Kantone verpflichtet, zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe zu unterrichten, lehnt die Starke Schule aus pädagogischen Gründen dezidiert ab.

Die Varianten 1 und 3 wären mit unserer Initiative kompatibel. Gleichwohl lehnt die Starke Schule Baselland auch diese beiden Varianten ab.

Ausgestaltung und Organisation der Volksschulen obliegt weitgehend im Kompetenzbereich der Kantone. Ein Eingreifen des Bundes in die Bildungshoheit der Kantone im Zusammenhang mit dem Sprachenbeginn erachtet die Starke Schule für nicht gerechtfertigt und entspricht auch nicht der Tradition und der demokratischen Selbstbestimmung der Kantone.

Die drei vom Bund vorgeschlagenen Varianten führen zu keiner Verbesserung der Harmonisierung, weil nach wie vor grosse Differenzen zwischen den Kantonen möglich wären. Vielmehr macht es den Anschein, dass der Bund mit dieser vorgeschlagenen Gesetzesänderung diejenigen Kantone massregeln möchte, welche Englisch dem Französisch vorziehen und nur eine Fremdsprache an den Primarschulen anbieten wollen.
 

L`école c`est moi!

Frau Katja Christ, Basler Grossrätin und Präsidentin der GLP BS fragt „Wo bleibt die Debatte zur Bildungsreform“. Schwer anzunehmen, dass sie diese Frage primär für ihren (Halb-) Kanton Baselstadt stellt. Im benachbarten Baselland laufen die Diskussionen nämlich auf Hochtouren…

Die Antwort auf ihre Frage findet sich auf der neusten Publikation der Homepage der Starken Schule BL. Unter dem Titel: „Eymann sind bikantonale Bildungsdiskussionen ein Dorn im Auge“ schreiben die Verfasser wörtlich: „Regierungsrat Christoph Eymann war als leitendes Mitglied der EDK einer der Hauptverantwortlichen für diese ganzen Umstrukturierungen (gemeint ist im weitesten Sinne „HarmoS“ bzw. dessen Folgen – der Verfasser). Mit Kritik oder abweichenden Meinungen hat er besonders Mühe. In diesem Zusammenhang können bei ihm schon einmal Anstand und Fairness auf der Strecke bleiben. So schreckt er beispielsweise nicht zurück, die Wissenschaftlerin Simone Pfenninger (Universität Zürich), die kürzlich eine fundierte Studie zum Fremdspracherwerb publiziert hatte, öffentlich zu desavouieren, nur weil ihm ihre Resultate nicht ins Konzept passten.“

Eh voilà! Eymann gebärdet sich offenbar immer wieder als sonnenbeschienener Reformturbo, dem verschiedene Mittel recht zu sein scheinen: L`école c`est moi! Auch ich hatte das Vergnügen, in seinem vor längerer Zeit an mich persönlich adressierten Brief das Wort „dumm“ entgegennehmen zu müssen – dies als Reaktion auf meinen Leserbrief, indem ich zu bedenken gegeben hatte, die vier am Bildungsraum Nordwestschweiz beteiligten Kantone hätten das m. E. bewährte System 5/4 nicht so leichtfertig über Bord werfen müssen.

Widerspruch wird nicht toleriert – ein Zeichen starker Führung. Die Frage stellt sich, wie lange sich vor allem Eltern aktuell und künftig betroffener Schülerinnen und Schüler ein solches Gebaren noch gefallen lassen werden.

Daniel Vuilliomenet, Ettingen
 

Medienmitteilung der Starken Schule Baselland vom 4.10.2016

Eymann sind bikantonale Bildungs- diskussionen ein Dorn im Auge

Die Starke Schule Baselland nimmt zu den Vorwürfen von Regierungsrat Christoph Eymann anlässlich der Bildungsumfrage bei Basler Lehrpersonen in der vergangenen Woche wie folgt Stellung:

Die Grundidee der Harmos-Abstimmung war diejenige, die Schulen zu harmonisieren. Ziel war es, Familien künftig einen Wohnortwechsel innerhalb der Schweiz so zu erleichtern, dass sich für die Kinder dadurch keine schulischen Probleme mehr ergeben sollten. Um das und um nichts anderes ging es damals. Hinter diesem ursprünglichen Ziel steht die Starke Schule Baselland nach wie vor.

Die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) hat den klaren Volksentscheid zum Anlass genommen, ein Projekt in die Wege zu leiten, von dem im Rahmen der gesamten Harmos-Debatte nie die Rede war. Unter Umgehung eines öffentlichen Diskurses veranlasste sie eigenmächtig die Entwicklung des sog. Lehrplans 21, welcher mit seiner Kompetenz-Lastigkeit einen eigentlichen Paradigmenwechsel im schweizerischen Schulsystem bedeutet. Die völlig neue Unterrichtsphilosophie formulierte die EDK in ihrem 2010 verabschiedeten „Grundlagenpapier für den Lehrplan 21“ in folgendem Wortlaut: „Mit der Kompetenzorientierung ergibt sich eine veränderte Sichtweise auf den Unterricht. Lernen wird verstärkt als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden.“ (verabschiedet von der Plenarkonferenz der deutschsprachigen EDK-Regionen am 18.3.2010)

Im stillen Kämmerlein also waren die radikalen und folgenschweren Umbaupläne entstanden. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte sich die EDK daran gemacht, einen fundamentalen, wissenschaftlich völlig unbegleiteten Umbau der Schweizer Schulen in die Wege zu leiten. Der Lehrplan 21 als reines Versuchs-Modell vom grünen Tisch ohne jegliche Erfahrungswerte bezüglich Praxistauglichkeit und Bildungsqualität. Für ein solch riskantes Experiment mussten entsprechend linientreue Arbeitsgruppen zusammengesetzt, Kritiker entfernt oder mundtot gemacht werden. Dazu passt auch, dass sie eine Stillhaltevereinbarung unterschreiben mussten. 

Als Folge der neuen Leitideen schiessen in vielen Kantonen, z.B. in Basel-Stadt, Lernlandschaften aus dem Boden. Im Kanton Basel-Landschaft konnte diese, mit teuren Folgekosten verbundene Entwicklung gestoppt werden. Einzig in Pratteln und Frenkendorf arbeiten bis zu 72 Schüler/-innen in solchen Grossraum-Klassenzimmern. Sie beschäftigen sich selbstorientiert an ihren persönlich eingerichteten, teilweise mit Wänden abgeschotteten Arbeitsplätzen. Kontrollen, ob ein Kind konzentriert arbeitet oder nicht, sind kaum mehr möglich. Im Rahmen von Lernlandschaften werden Lehrpersonen zu Lerncoaches degradiert und auch so benannt. Dies ist im Kanton Basel-Stadt bereits der Fall. Einen fundierten Fachunterricht erteilen Lehrpersonen immer weniger. Die Schülerschaft einer ganzen Generation wird auf dem Weg über die neue Unterrichtsideologie zum Versuchsobjekt.

Regierungsrat Christoph Eymann war als leitendes Mitglied der EDK einer der Hauptverantwortlichen für diese ganzen Umstrukturierungen. Mit Kritik oder abweichenden Meinungen hat er besonders Mühe. In diesem Zusammenhang können bei ihm schon einmal Anstand und Fairness auf der Strecke bleiben. So schreckt er beispielsweise nicht zurück, die Wissenschaftlerin Simone Pfenninger (Universität Zürich), die kürzlich eine fundierte Studie zum Fremdspracherwerb publiziert hatte, öffentlich zu desavouieren, nur weil ihm ihre Resultate nicht ins Konzept passten.

Im Zusammenhang mit der Lehrerbefragung macht Eymann der Starken Schule Baselland den Vorwurf, sie würde sich in inakzeptabler Form in die Angelegenheiten des Kantons Basel-Stadt einmischen. Bikantonale Diskussionen und eine verbesserte Zusammenarbeit unter den Lehrpersonen in der Nordwestschweiz scheinen ihm ein Dorn im Auge zu sein. Ausserdem blendet er aus, dass gerade er es ist, der eine Initiative des Lehrerverbandes BL im WOZ-Bildung-Interview vom 15. September 2016 als „idiotisch“ bezeichnete.

Die Starke Schule Baselland nimmt Herrn Eymanns Äusserungen zur Kenntnis und bedauert seinen offensichtlichen Versuch, bikantonale Bildungsdiskussionen unter den Lehrerinnen und Lehrern abwürgen zu wollen.
 

Gegen Sparen in der Bildung

Nicht nur in Baselland wehren wir uns, wenn es um das unnötige und ineffiziente Sparen in der Bildung geht. Die 18-jährige Maturandin Anna Püntener aus Zürich hat für das Journal21 einen offenen Brief an die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner geschrieben, mit der Aufforderung zurückzutreten. Püntener kritisiert vor allem die Sparmassnahmen, die zum Beispiel dazu führen, dass die Aufnahmebedingungen für das Gymnasium verschärft werden. Dies führe dazu, dass die Chancengleichheit vermindert wird, da sich nur noch gut situierte Schüler/-innen teure Prüfungsvorbereitungen leisten könnten.

Hier geht es zum kompletten Artikel.
 

"Mille Feuilles" fällt bei Eltern durch

Die GLP-Baselstadt hat eine öffentliche Umfrage gestartet, bei welcher sich Eltern von schulpflichtigen Kindern in Baselland und Baselstadt zum Fremdsprachenmodell Passepartout äussern konnten. Bei 272 Teilnehmenden waren 2/3 der Betroffenen aus Baselstadt und 1/3 aus Baselland. Die Verteilung war gleichmässig zwischen Schulkindern aus der dritten Primarklasse bis hin zur ersten Sekundarklasse. Ziel der Umfrage war es, die Stimmung bezüglich dem Fremdsprachenprojekt Passepartout herauszufinden. Das Ergebnis ist deutlich und erschreckend zugleich.

Eine der Fragen lautete: "Hat ihr Kind Freude am Französischunterricht?". Das Resultat (siehe folgende Grafik) zeigt, dass die Schulkinder nur in den ersten beiden Jahren mehrheitlich Freude am Lernen der ersten Fremdsprache Französisch haben. In der fünften Primar wendet sich das Blatt und bis zur ersten Sekundarstufe haben die Schulkinder mehrheitlich keine Freude mehr.

Freuden
 

In zwei weiteren Fragen wurde einmal die Zufriedenheit mit dem neuen Lehrmittel "Mille feuilles" und einmal die Zufriedenheit mit der neuen Didaktik (im Vergleich zu traditionellen Lernmethoden) verglichen. Hier zeigt sich, dass das Lehrmittel "Mille feuilles" bei den Eltern mit 63.47% (siehe folgende Grafik) durchfällt. Ähnlich sieht das Verhältnis bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der neuen Didaktik aus. Auch hier sind mehr als die Hälfte der Befragten (59.78%) mit dieser Didaktik nicht zufrieden (siehe folgende Grafik). 29.89% sprechen sich für die neue Didaktik aus und 10.33% antwortete mit "weiss nicht".

Millefeuilles    Didaktik

Die Eltern sind mehrheitlich unzufrieden und kritisch gegenüber der Didaktik, die mit dem Passepartout-Fremdsprachenprojekt eingeführt wurde. Auch die dazugehörenden Lehrmittel (insbesondere das Französischlehrmittel "Mille freuilles") kommen bei der Mehrheit der Eltern nicht gut an.

Bei der Frage, was die Eltern gleich oder anders machen würden, haben sich mit 52.08% eine deutliche Mehrheit für ein anderes Lehrmittel mit aufbauendem Wortschatz und mit Grammatik von Beginn an ausgesprochen. 21.13% würden alles so belassen, wie es ist. 26.79% würden dasselbe Lehrmittel mit der Idee des Sprachbades wählen, jedoch abgespeckt und mit einem alltagsrelevantem Wortschatz und mit Grammatik.
 

Leserbrief von Hansjürg Kipfer, erschienen in der BaZ vom 17.10.2016

Ohne «Starke Schule» wäre Chaos grösser

«Bildung ist und bleibt unsere wichtigste Ressource, denn unsere Kinder und ­Jugendlichen sind es wert!» Wie wahr! Nur: Das Bildungschaos verantwortet nicht die Starke Schule Baselland, sondern die Vorgänger von Regierungsrätin Gschwind. Gäbe es den «grösste(n) Störfaktor in der Bildungspolitik» nicht, stünden wir einem wesentlich grösseren Chaos gegenüber: Der Lehrplan 21 wäre bereits eingeführt, die sogenannten Sammelfächer (anlässlich der ­Abstimmung vom 5. 6. 2016 mit einer Mehrheit von 60,95 Prozent abgelehnt) desgleichen. Ginge es den Verfassern des Beitrags tatsächlich um unsere ­Kinder und Jugendlichen, wären sie kaum bereit, diese den selbst ernannten Bildungsideologen und deren Experimenten zu überlassen.
 

Leserbrief von Kathrin Schaltenbrand-Kovacs (Sekundarlehrerin), erschienen in der BaZ vom 17.10.2016

Froh über Reformstopp

Die beiden SP-Landräte Jan Kirchmayr und Miriam Locher lästern in ihrem Gastbeitrag ganz gehörig über Regierungsrätin Monica Gschwind und die Starke Schule Baselland. Dabei verkennen sie, dass genau dieses Bildungs- chaos durch die ideologisch geprägte Politik von ihrem eigenen alt Regierungsrat Urs Wüthrich angerichtet ­wurde, welcher die Bildungsreformen entgegen den Bedenken der Wissenschaft und des Lehrpersonals vorantrieb. Ohne das überparteiliche Komitee, welches im Lehrpersonal breite ­Unterstützung geniesst, hätten wir heute an den Sekundarschulen Sammel­fächer, grössere Klassen und ­einen Lehrplan 21 mit Tausenden von abstrakten und diffusen Kompetenzbeschreibungen, die nichts zu einer Harmonisierung der Schulen beitragen. So zum Beispiel: «Schülerinnen und Schüler können ­allein oder im Gespräch die kommunikative und ästhetische Wirkung und Qualitäten ihrer Texte mithilfe von Kriterien differenziert einschätzen.» Lerninhalte hingegen sind im Lehrplan 21 nur exemplarisch und ohne roten Faden zu finden. Ich bin froh, dass die Starke Schule ­Baselland mit ihren Initiativen den ­Reformstopp einleiten konnte.
 

Leserbrief von Stephan Wottreng

Erfolgreiche Starke Schule

Nur dumm, wenn man merkt, dass zwei SP-Landräte mit krass falschen Fakten argumentieren. Eine Initiative zur Abschaffung des Schulrates gibt es nicht. Die beiden verwechseln da ganz gehörig etwas. Den Bildungsrat abschaffen will die FDP, dazu hat sie  im Landrat eine Motion eingereicht, keine Initiative. Auch sind im Bildungsbereich nicht neun, sondern acht Volksinitiativen hängig, von denen nur sechs von der Starken Schule kommen. Die anderen beiden hat der Lehrerverband eingereicht. Von Landräten erwarte ich anderes als gedruckte Stammtischbehauptungen.

Skurril auch ihre Wahrnehmung, die Starke Schule sei ein Störfaktor. Ein überparteiliches Komitee kann kein Störfaktor sein, das seit Jahren bei den Lehrpersonen, Eltern und dem Stimmvolk eine beachtliche Unterstützung findet und Volksabstimmungen gewinnt. Zur Erinnerung: In der Abstimmung vom 5. Juni2016 stimmte das Volk mit 61% JA der Weiterführung der Einzelfächer an den Sekundarschulen zu. Gar mit 85% befürwortete es die Volksinitiative „Bildungsqualität für schulisch Schwächere“ der Starken Schule Baselland. Ein Komitee, welches zwei von drei Initiativen an der Urne haushoch gewinnt, leistet eine volksnahe und zielführende Politik. Die SP hat sich in Bildungsfragen ganz weit davon entfernt.
 

Leserbrief von Felix Schmutz

Wahre Ursache des Bildungschaos

Heftig attackieren Kirchmayr und Locher die Starke Schule BL. Dabei unterstellen sie deren kritisierten Bildungsinitiativen ohne inhaltliche Argumente eine destruktive Absicht. Es ist umgekehrt: Die Erziehungsbehörden gefährden die Ressource Bildung in unserem Land und torpedieren die Harmonisierung, indem sie diese mit unsinnigen Vorhaben überfrachten und umfunktionieren: der bildungsfeindliche Kompetenzlehrplan 21, der nicht koordinierte Fremdsprachenbeginn, der Zwang zu ungeeigneten Französisch- und Englischlehrmitteln, die pädagogisch fragwürdigen Unterrichtskonzepte mit Grossraumbüros, die Sammelfächer, die Reduktion der Unterrichtszeit wichtiger Fächer, die mangelnde fachliche Ausbildung der Lehrkräfte, etc. Die Autoren übersehen auch, dass sich der Widerstand gegen den geballten Reformunsinn längst schweizweit formiert hat, dass er jedoch gegen die diktatorisch auftretende EDK, leider unterstützt von den ideologisch Verblendeten unter der Lehrerschaft, einen schweren Stand hat.
 

Leserbrief von Marielouise Rentsch, erschienen in der BaZ vom 13.10.2016

Starke Schule leistet wichtige Arbeit

Eymanns Reaktionen auf die E-Mail- Kampagne der Starken Schule Baselland war gleichermassen gehässig wie unbegründet. Die berechtigten Anliegen der Starken Schule Baselland wurden von ihm unqualifiziert als «dummes Zeug» abgetan. Jetzt fordern auch die beiden SP-Landräte Miriam Locher und Jan Kirchmayer, beides Lehrplan-21-­Befürworter, von Bildungsdirektorin Monica Gschwind ein hartes Durchgreifen gegen dieses umtriebige Komitee. Das kommt mir wie im Kindergarten vor, wenn zwei junge SP-Politiker die Bildungsdirektorin auffordern, das ­Komitee Starke Schule Baselland zu stoppen. Erfolg, und den hat die Starke Schule Baselland, kann nicht einfach so durch ein Machtwort gestoppt werden – das wäre auch rechtsstaatlich völlig fragwürdig. Noch immer befinden wir uns in einer Demokratie, und das soll auch so bleiben. Die Starke Schule leistet eine gute und wichtige Arbeit.
 

Leserbrief von Marianne Wüthrich

Bildungs- und Forschungsniveau am Abgrund

Was sind wir für ein "Forschungsplatz" geworden, wo nur noch eine einzige, von der EDK vorpropagierte Meinung zu Schulfragen zugelassen wird. Wo Lehrer mundtot gemacht werden, wenn sie ihre Schüler nicht als Versuchskaninchen für fragwürdige und nicht evaluierte Lehrplan-Experimente hregeben wollen. Wo Eltern, die für ihre Kinder eine lebenstaugliche Schulbildung fordern, gemäss EDK-Präsident Eymann nichts zum Lehrplan zu sagen haben. Wo üblicherweise nur Mainstream-Pädagogen einen Lehrstuhl kriegen, und wo eine Professorin Simone Pfenninger, die sich traut, den Mund aufzutun und ihre fundierten Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, aus dem Land gegrault wird. Was ist nur aus unserem hohen Bildungs- und Forschungsniveau geworden! Holen wir es zurük und lassen wir uns nicht davon abhalten, auf demokratischem Weg den Lehrplan 21 und die Fremdsprachenfrage zur Diskussion zu stellen!
 

Unterschriften Lehrplan-Initiative

Die Sammlung der Unterschriften für die Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" läuft bisher sehr gut! Damit keine Unterschriften verloren gehen, würden wir uns freuen, wenn Sie uns Ihre Unterschriftenbogen möglichst schnell zurücksenden.
 

24 Schulkinder sind das Maximum

Im Baselbieter Bildungsgesetz steht im §11 festgeschrieben, dass es pro Schulklasse auf der Sekundarstufe 1 in den Niveaus E und P maximal 24 Schulkinder geben darf (im Niveau A maximal 20). Seit dem neuen Schuljahr sind im Kanton jedoch mehrere Klassen bekannt, die sich an diese Maximalzahlen nicht halten. An der letzten Landratssitzung vom 9. September 2016 wurde Regierungsrätin Monica Gschwind diesbezüglich denn auch von links bis rechts kritisiert.

Weil die Bildung von neuen Klassen wenn immer möglich aus Spargründen verhindert werden soll, wurden laut der Bildungsdirektorin in Laufen, Oberwil, Reigoldswil und Oberdorf insgesamt 8 Klassen bewilligt, die 25 oder sogar 26 Schulkinder zählen. Zusätzlich wurde von der basellandschaftlichen Zeitung auch in Allschwil nachgefragt, wo laut Schulleitung fünf Klassen geführt werden, die in einigen Fächern mehr wie 24 Schulkinder zählen. Die Überschreitung der Maximalzahl kommt daher, weil Schüler/-innen aus der Fremdsprachenklasse in einzelnen Fächern in Regelklassen integriert werden. Beispielsweise gibt es Schulkinder, die genügend gut Deutsch sprechen, um den Mathematikunterricht in einer Regelklasse zu besuchen. Wenn diese jedoch bereits 24 Schulkinder umfasst, dann kann durch die Integration von Schulkindern aus der Fremdsprachenklasse im Fach Mathematik die Maximalzahl überschritten werden. Da das Amt frür Volksschule (AVS) die Teilintegration der Schüler/-innen aus den Fremdsprachenklassen in Regelklassen nicht kennt, weil dies innerhalb der Schule geregelt wird, entsprechen die von ihr genannten 8 Klassen, in denen die Maximalzahl überschritten ist, in keinster Weise der Realität.

Als Zückerchen werden den Lehrpersonen, die Schulklassen mit mehr als 24 Schulkindern unterrichten, sogenannte zusätzliche Ressourcen angeboten. Zum Beispiel werden Fächer teilweise in Halbklassen unterrichtet, damit zumindest in einzelnen Stunden nicht derart viele Schulkinder im selben Raum sitzen und eine individuellere Förderung stattfinden kann.

Trotzdem kann es nicht angehen, dass der Paragraph 11 im Bildungsgesetz, der die Höchstzahl der Klassen bei 24 Schulkindern festschreibt, einfach übergangen wird. Monica Gschwind ist aufgefordert, hier schnellstmöglich korrigierend einzugreifen, damit alle Klassen auf maximal 24 Kinder gesenkt werden.
 

Aargau hält an bisherigem Fremdsprachenunterricht fest

Im Kanton Aargau wird es in Sachen Fremdsprachenunterricht bis frühstens 2020/2021 keine Änderungen geben. Obwohl die Sprachenstrategie der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) eine erste Fremdsprache ab der dritten Primarklasse und die zweite ab der fünften Primarklasse vorsieht, soll im Aargau die zweite Fremdsprache (Französisch) weiterhin erst ab der sechsten eingeführt werden. Aargau hält an dem bisherigen Konzept fest, weil auch viele andere Entscheide - zum Beispiel die Einführung des neuen Lehrplans - erst 2020/2021 durchgeführt werden. Auch der Ausgang der Abstimmung im Februar über die Einführung oder Ablehnung des Lehrplans 21 wird den Entscheid beeinflussen, ob der Fremdsprachenunterricht allenfalls auch nach 2020/2021 so fortgeführt wird wie bis anhin. Das Festhalten an der momentanen Fremdsprachensituation im Aargau zeigt, dass auch dort die Meinung zählt, dass der frühe Beginn mit einer Fremdsprache nicht unbedingt von Vorteil ist. 

Die Volksinitiative der Starken Schule Baselland geht noch einen Schritt weiter und will, dass auf der Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden soll. Damit dabei nicht gegen die verlangte Harmonisierung des Sprachenunterrichts verstossen wird, soll hier jedoch weiterhin Französisch als erste Fremdsprache (und gleichzeitg Landessprache) eingeführt werden und Englisch erst auf der Sekundarstufe dazukommen. Dies hätte zur Folge, dass sich die Schulkinder nicht bereits in so jungen Jahren - wenn sie teilweise nur wenig Kenntnisse in der deutschen Sprache haben - mit zwei Fremdsprachen abmühen müssten und sich auf wichtige Kernfächer konzentrieren könnten. Studien zeigen weiterhin, dass es für Schulkinder in fortgeschrittenem Alter nicht schwieriger ist, eine Fremdsprache zu erlernen, da sie dann bereits fortgeschrittenere Kentnisse in der Erstsprache (Deutsch) haben und diese anwenden können.
 

Eindrückliche Umfrageergebnisse

Die Zeitung 20 Minuten hat im Juli auf ihrer online Homepage zwei Umfragen zum Thema Lehrplan 21 gestartet und dabei sind Ergebnisse herausgekommen, die eindrücklich sind. Die erste Umfrage wurde im Rahmen der Lancierung der Initiative "JA zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" gestartet.

Die an die Leser/-innen gerichtete Frage lautete: "Was halten Sie von der neuen Initiative des Komitees Starke Schule Baselland?". Insgesamt haben 398 Personen ihre Stimme abgegeben (Stand: 18.07.2016).
 

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass 59% der Befragten, die Lancierung der Initiative befürworten. 36% der Befragten sind dagegen und 5% haben noch nie vom Lehrplan 21 gehört. (Quelle: 20 Minuten. "Starke Schule Baselland will Lehrplan umbauen.")

Grund für die zweite Umfrage, die am 11. Juli auf der online-Seite von 20 Minuten gestartet wurde, war ein Interview mit Landrat Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige), der darin seine Kritikpunkte am Lehrplan 21 nennt (Interview siehe weiter unten). Da es im Artikel inhaltlich um den Lehrplan 21 ging, lautete die Frage dieses Mal: "Was halten Sie vom Lehrplan 21?". 190 Personen haben ihre Stimme abgegeben. (Stand: 18.07.2016)
 

 

17% der Personen haben sich für den Lehrplan 21 ausgesprochen und sehen ihn als Zukunft der Bildung. 79% sind dafür den Lehrplan sofort abzuschaffen und 4% interessieren sich nicht für Bildung.

Uns ist bewusst, dass beide Umfragen nicht repräsentativ sind, da mit 398 resp. 198 relativ wenige Personen Stellung bezogen haben. Trotzdem zeigen beide ein klares Bild auf: Bei beiden Umfragen gibt die Mehrheit der Personen an, gegen den Lehrplan 21 zu sein.
 

Interview mit Landrat Jürg Wiedemann, erschienen am 11. Juli in 20 Minuten

Herr Wiedemann, das Komitee Starke Schule lancierte vor wenigen Tagen seine zwölfte Initiative. Diese will den Lehrplan 21 umbauen. Was stört sie an diesem?
Der Lehrplan 21 bringt eine völlig neue Ideologie in den Unterricht. Diese geht in die Richtung selbstorganisiertes Lernen. Dabei werden die Schulkinder sich selber überlassen. Die Lehrpersonen werden zu Lerncoaches degradiert und erteilen keinen fundierten Unterricht mehr. Dies führt zu einem Bildungsabbau.

Ihre neue Initiative verlangt «klare Themendefinitionen statt diffuse Kompetenzbeschreibungen». Wie sollen diese ihrer Meinung nach aussehen?
Die Lehrperson muss wissen, was sie in welchem Schuljahr behandeln muss. Deshalb sind die Stoffinhalte entscheidend. Die Kompetenzbeschreibungen des Lehrplan 21 sind sehr diffus, nicht messbar und können unterschiedlich interpretiert und umgesetzt werden. Das trägt wenig zur Harmonisierung unserer Schulen bei.

Dann wird statt nach Lehrplan nach dem Gesetz unterrichtet. Ist das nicht das Gegenteil einer starken Schule?
Im Bildungsgesetz werden zahlreiche Leitplanken vorgegeben. Eine weitere könnte sein, dass die Lehrpläne klar definierte Lerninhalte enthalten. Beim Inhalt darf es keinen Interpretationsspielraum geben. Algebra kann nicht in einer Klasse im zweiten und in einer anderen im dritten Sekundarschuljahr unterrichtet werden. Was Lehrpersonen benötigen, ist jedoch Methodenfreiheit. Genau diese schränkt der Lehrplan 21 massiv ein. Er erzwingt unter anderem das selbstorganisierte Lernen, mit dem viele – vor allem leistungsschwächere Kinder – erhebliche Mühe haben. Wir wollen fachlich und methodisch fundierte Lehrpersonen, die alle Jugendlichen gleichermassen fördern.

Ihr Komitee hat kürzlich schon die Sammelfächer zu Fall gebracht. Wer macht denn nun die Bildungspolitik im Baselland? Sie oder Bildungsdirektorin Monica Gschwind?
Die Eckpfeiler gibt das Volk und die Politik an. Selbstverständlich muss Monica Gschwind die Bildungspolitik umsetzen. Sie macht bislang eine gute Arbeit. Mit ihrer guten Aufklärungspolitik während der Abstimmungskampagne hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass die Sammelfächer verhindert werden konnten.

Monica Gschwind ist eigentlich ihre Chefin, aber Sie bestimmen weitgehend ihre Politik. Warum kandidierten Sie nicht selbst für Gschwinds Regierungsratsamt?
Ich würde die Arbeit bei weitem nicht so professionell machen wie Monica Gschwind. Unsere Politik richtet sich nicht gegen sie sondern gegen Auswüchse der Bildungsreformen. Als Regierungsrätin kann sie sich aber nicht mehr so pointiert dagegen äussern. Wir haben viele Initiativen eingereicht, die sich gegen das Gedankengut richten, das die Verwaltung während der Ära von alt Regierungsrat Urs Wüthrich ausgeheckt hat. Monica Gschwind muss das jetzt ausbaden. Unsere Initiativen stärken auch ihre Position, wenn sie innerhalb der Verwaltung in diese Richtung arbeitet.

Manche Leute werfen Ihnen vor, eigennützig zu handeln. Das Politblog arlesheimreloaded schreibt: «Nichts kümmert diesen Streitbaren mehr als die Frage: Wie kann ich das Baselbieter Schulsystem nach meinem Gusto zurechtbiegen?» Wie legitimieren Sie ihr politisches Handeln?
Das Volk hat am 5. Juni zwei unserer drei Initiativen angenommen. Es unterstützte unsere Kampagnen gegen die Abschaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule sowie der Berufsvorbereitenden Schule. Wir konnten die Verkleinerung der Klassengrössen von 26 Kindern auf 24 erzwingen. Die grosse Unterstützung des Volkes bestätigt, dass wir mit unseren Anliegen nicht ganz falsch liegen.
 

Starke Schule lanciert neue Initiative

Lehrplan mit klaren Inhalten statt diffusen Kompetenzbeschreibungen

Heute, am 7. Juli 2016, lanciert die Starke Schule Baselland die Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen". Bis Ende Oktober möchten wir die notwendigen 1'500 Unterschriften sammeln.

Die formulierte Gesetzesinitiative (siehe Unterschriftenbogen) will mit einem neuen Artikel im Bildungsgesetz verankern, dass die Stufenlehrpläne der Volksschulen ausschliesslich Stoffinhalte und Themen enthalten und dass diese massgebend sind. Kompetenzbeschreibungen sollen in einem separaten Anhang aufgenommen werden und den Lehrpersonen als Hilfeleistung dienen.

Mit dieser Initiative würden als Grundlage für den Unterricht auch künftig Inhalte und Themen dienen und nicht 3'500 teilweise abstrakte oder diffuse Kompetenzbeschreibungen, die kaum messbar sind und die jede Lehrperson anders interpretieren kann. Eine echte Harmonisierung der Schulen kann nur erreicht werden, wenn die Lerninhalte für jedes Fach und jedes Schuljahr klar definiert sind. Wechselt eine Familie ihren Wohnort von A nach B, erhalten die Kinder in der Schule fachliche Schwierigkeiten, wenn der Unterrichtsstoff nicht übereinstimmt. Dies war auch der Grundgedanke bei der Harmos-Abstimmung.

Bereits heute spielen Kompetenzen im Unterricht eine wichtige Rolle, die von Lehrpersonen durch ihren Stoffplan erreicht werden. Massgebend müssen aber auch künftig die Stoffinhalte und Themen bleiben. Nicht umsetzbare Kompetenzbeschreibungen als Mass aller Dinge im Lehrplan festzuschreiben, ist ein Rückschritt in den Bestrebungen die Schulen zu harmonisieren. Deshalb soll ein Katalog mit sinnvollen Kompetenzbeschreibungen in einem Anhang zu den Stufenlehrplänen aufgenommen werden und den Lehrpersonen als Hilfeleistung dienen.

Mit dieser Initiative wird auch die neue Philosophie "selbstorientiertes Lernen" (SOL) eingeschränkt. Diese neue Unterrichtsmethode zeichnet sich dadurch aus, dass die Schüler/-innen einen grossen Teil ihrer Unterrichtszeit z.B. in Grossraumklassenzimmern von bis zu 70 Kindern selber planen und organisieren müssen. Sie werden in dieser Zeit weitgehend sich selbst überlassen. Insbesondere leistungsschwächere Schüler/-innen haben damit erhebliche Schwierigkeiten und verfehlen die Lernziele deutlich. Die Schere zwischen den leistungsstärkeren und den leistungsschwächeren Schüler/-innen würde mit dem rein auf Kompetenzen aufgebauten Lehrplan 21 in der heutigen Version weiter auseinanderdriften.

Der Lehrplan 21 führt mittelfristig dazu, dass die Lehrpersonen die Schüler/-innen nicht mehr als Fachpersonen mit hoher Fachkompetenz unterrichten, sondern als Allrounder, die von vielem ein wenig, aber von nichts mehr ein fundiertes Wissen haben.  

Wir freuen uns, wenn Sie den Unterschriftenbogen ausdrucken und uns bis spätestens am 18. Oktober zurücksenden. Auf Wunsch senden wir Ihnen Unterschriftenbogen auch per Post zu.

Weitere Informationen finden Sie hier. Die Medienmitteilung zum Lancierungsstart der Initiative finden Sie hier.

Politische Fairness

von Alain Pichard, Felix Schmutz, Philipp Loretz, Urs Kalberer, Roland Stark, Hanspeter Amstutz. Erschienen in der BaZ vom 28.06.2016 in der Rubrik "Einspruch"

Einen Satz von Dr. Simone Pfenninger sollten sich alle Bildungspolitiker gut einprägen. Die Zürcher Sprachforscherin, die mit einer Studie belegte, dass Frühlerner gegenüber Spätlernen keinerlei Vorteile aufweisen, sagte: "Die Politik sollte endlich in einen ergebnisoffenen Dialog mit der Wissenschaft eintreten, der auf Fakten beruht!"
Was dann folgte, ist bekannt: Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann liess zunächst verlauten: "Ich vertraue mehr auf Gespräche als auf Studien." Dann qualifizierte er in seiner Antwort auf eine Interpellation der Grossrätin Katja Christ die Pfenninger-Studie kurzerhand als "unwissenschaftlich". Schliesslich musste er zurückkrebsen: "Dazu muss ich ganz klar sagen, dass meine Kritik nicht auf die Studie und schon gar nicht deren Verfasserin zielt." (Basler Schulblatt, 11.06.2016)
Kurz darauf aber behauptete Eymann an einer Info-Veranstaltung des Basler Erziehungsdepartements erneut, dass die besagte Studie nichts über das Passepartout-Projekt aussage und deshalb nicht berücksichtigt werden könne (20..06.2016). Er bezeichnete den Beitrag eines Lehrers, der von den Anwesenden mit viel Applaus bedacht wurde, als unsachlich und polemisch - was von einem anderen Teilnehmer der Veranstaltung umgehend als vollkommen unbegründet zurückgewiesen wurde. In einem Interview mit der BaZ vom 24.06.2016 wiederholte Eymann seinen Vorwurf gegen ein Geschäfsleitungsmitglied des Basellandschaftlichen Lehervereins sogar.

Fazit: Unbequeme Befunde oder nur schon andere Meinungen werden mit aggressiver Polemik überzogen. Herr Eymann wirft allen kritischen Stimmen pauschal Unsachlichkeit und "Stammtischniveau" vor, schreckt selber aber regelmässig nicht vor unhaltbaren Aussagen zurück. Wenn dieser Stil zum Massstab in einer Sache wird, bei der es um einen dreistelligen Millionenbetrag geht, dann ist das ein Armutszeugnis für die politische Kultur im Land. Wer so viel Geld in einen gigantischen Schulversuch investiert, muss sich Kritik stellen, aber mit Argumenten, nicht mit reflexartigen Rundumschlägen. Die kommenden Auseinandersetzungen um schulische Neuerungen werden zeigen, ob die verantwortlichen Bildungspolitiker und die BIldungsbürokratie insgesamt willens sind, zu den Regeln politischer Fairness zurückzukehren. Reformen, die von oben herab dekrediert werden, sind zum Scheitern verurteilt.

61% sagen JA zur Weiterführung der Einzelfächer

Zweimal JA und einmal NEIN, insgesamt ein sehr gutes Ergebnis.

  • Das wuchtige JA von 84.6% zu unserer Initiative „Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere“ bedeutet den klaren Willen der Bevölkerung, dass im Baselbiet weiterhin ein kaufmännisches Brückenangebot bestehen muss. Nach diesem klaren Volksentscheid ist es nicht mehr opportun, die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) in Reinach und Liestal schliessen zu wollen; eine Schule, bei der über 96% der Abgänger/-innen optimale Anschlusslösungen finden. Dieses deutliche JA zeigt, dass die Starke Schule Baselland nicht nur bei den Lehrpersonen, sondern auch bei der breiten Bevölkerung Vertrauen und Unterstützung geniesst.
  • Das klare JA der Stimmbevölkerung zur Bildungsvorlage „Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer“ mit 61.0% zeigt die deutliche Ablehnung der diffusen Sammelfächer und die Beibehaltung der bewährten Einzelfächer, die auch weiterhin einen qualifizierten, fundierten Fachunterricht ermöglichen. Das Stimmvolk hat erkannt, dass Sammelfächer zu einem Bildungsabbau führen würden.
  • Leider ging die Abstimmung zur Vorlage „Einführung Lehrplan 21“ mit 47.3% knapp verloren. Sicherlich war auch der Titel der Initiative missverständlich formuliert. Dennoch akzeptieren wir selbstverständlich auch dieses Abstimmungsresultat.

Offensichtlich hat das Volk Bedenken, Kompetenzen vom Bildungsrat hin zum Landrat zu verschieben. Das Stimmvolk will aber dem Bildungsrat klare Leitplanken setzen, wie das deutliche JA zur Festschreibung der Einzelfächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaft belegt. Die Starke Schule wird in den kommenden Wochen prüfen, ob und welche weiteren gesetzlichen Schranken der Bildungsrat erhalten sollte (z.B. bei der Kompetenzorientierung des Lehrplans 21, der Fremdsprachendidaktik „Passepartout“ oder dem „selbstorientierten Lernen“).

Die Starke Schule hat einen intensiven und erfreulicherweise auch erfolgreichen Abstimmungskampf hinter sich. Dass wir zwei von drei Bildungsvorlagen durchgebracht haben, besonders die richtungsweisende Vorlage „Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer“, bestätigt uns in unserer politischen Arbeit.

Wir danken den Dutzenden von Helfer/-innen für ihre Unterstützung in den vergangenen Wochen.

Hier finden Sie weitere Erfolge der Starken Schule.
 

Selbstorganisiertes Lernen ist nicht zielführend

Mindestens so fragwürdig wie die 3'500 Kompetenzen ist das sogenannte "selbstorganisierte Lernen". Von allen Maturavorbereitenden der via Fernkurs unterrichtenden AKAD absolviert lediglich eine verschwindend kleine Anzahl die eidgenössische Maturität. Eine grosse Mehrheit gelangt gar nicht erst an die Prüfungen. Sie bricht ihre Vorbereitungen ab aus Mangel an Selbstdisziplin, wobei hier die Rede von Erwachsenen ist. Selbstorganisiertes Lernen ist in sozialdarwinistischem Sinne eine nahezu perfekte Methode zur Rekrutierung einer Elite, nicht aber zum Betreiben einer Volksschule.

Felix Hoffmann

Lehrplan 21 als Standortnachteil für die Wirtschaft

Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden. Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren, angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP21-Versuchsschulen, die mit der „Kompetenzorientierung“ und ihrem „selbstgesteuerten“ oder „selbstorganisierten Lernen SOL“ den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizierte Lehrer zu „Lernbegleiter“ degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, in dem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen. Die übereilte Einführung dieser wissenschaftlich nicht abgesicherten „Neuen Lernformen“ könnte für die Pionierkantone und deren Gewerbe zu einem wirtschaftlichen Standort-Nachteil werden, wie das der Reformpionierkanton Basel-Stadt schon einmal schmerzlich erleben musste.
Basel-Stadt hat mit dem Schulgesetz von 1988 eine Reihe von sogenannt fortschrittlichen Schulreformen eingeführt und damit in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits fünf Jahre später (Basler Zeitung vom 12.10.93) zeigten sich jedoch die ersten negativen Resultate: Ein Ausbildungsleiter einer grossen Basler Chemiefabrik meldete, dass von 45 Lehrverträgen für Chemie-Laboranten nur noch einer mit einem Stadt Basler Schulabgänger abgeschlossen werden konnte. 1995 berichtete der Generaldirektor des Schweizerischen Bankvereins in einer Sondersitzung des Basler Grossen Rates zum Problem der nachlassenden Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Basel (NZZ vom 3.4.95) über die gravierenden Auswirkungen der Basler Schulreformen. Der Bankverein könne nur noch 20 Prozent seiner Lehrlinge aus dem Kanton Basel-Stadt rekrutieren. Wie die Ergebnisse der Eignungstests für das Medizinstudium zeigten, waren mittlerweile auch die Maturanden Opfer der Schulreformen geworden. In den 1990er Jahren haben die Stadt-Basler Bewerber beim Eignungstest für das Medizinstudium gesamtschweizerisch am schlechtesten abgeschnitten.

Obwohl der Zusammenhang mit den umstrittenen Schulreformen offensichtlich war, konnte der Kanton Basel-Stadt unbehindert seinen Reformkurs weiterführen. Die einst als „fortschrittlich“ hochgelobte Orientierungsschule war 2015 kaum ganz abgeschafft, als Basel-Stadt als Pionierkanton direkt auf den „Lehrplan 21“-Zug aufsprang. Das veranlasste beteiligte Lehrer zu folgenden Bemerkungen: «Einmal mehr dienen wir und die Schulkinder dem Erziehungsdepartement als Versuchskaninchen. Bereits die Einführung der Orientierungsschule als Basler Unikum sei ein einziges Experiment und ein riesiger Fehler gewesen. Und jetzt passen wir unser System dem Rest der Schweiz an, noch bevor die anderen Kantone die Neuerung selber umsetzen.» („Neuer Lehrplan ohne Bücher“, Basler Zeitung, 27.10.2015)

Peter Aebersold

Schüler/-innen erhalten zwei Wochen Weihnachtsferien

Ab dem Schuljahr 2017/18 erhalten die Schüler/-innen zwei volle Wochen Weihnachtsferien. Als Folge davon gewinnen auch die Lehrpersonen 2.8 zusätzliche freie Tage. Gemäss dem Willen der Bildungsdirektion sollen die Lehrpersonen diese gewonnene Zeit in verschiedene Reformvorhaben (z.B. Lehrplan 21, Passepartout, Fremdsprachendidaktik, Pädagogische Kooperation) investieren, obwohl völlig offen ist, ob diese Reformen auch tatsächlich umgesetzt werden. Zahlreiche Bildungsreformen (z.B Sammelfächer, Basisschule) werden definitiv nicht eingeführt, zu anderen Reformenvorhaben (z.B. kompetenzorientierter Lehrplan, Anzahl Fremdsprachen an den Primarschulen) wird das Volk erst noch an der Urne entscheiden. Zurzeit ist völlig offen, ob diese Reformen auch tatsächlichen realisiert werden.

Bereits heute werden den Lehrpersonen vier Halbtage (sogenannte SCHIWE-Tage) zur Verfügung gestellt, die für die Umsetzung von zahlreichen Reformen genutzt werden sollen. Heute haben Schulkinder an diesen Halbtagen frei.

Die Starke Schule Baselland lehnt es ab, wenn Lehrpersonen unnötig viel Zeit in Reformvorhaben investieren müssen, die möglicherweise gar nie realisiert werden. Das kostet die Steuerzahlenden unnötig viel Geld.  Lehrpersonen sollen die 2.8 zusätzlichen unterrichtsfreien Tag in die Vorbereiteung ihres Unterrichtes investieren, um die Qualität der Schulstunden zu verbessern. Sie sollen sich primär wieder ihrem Kerngeschäft, dem Unterrichten, widmen. Auf unnötige und endlose Sitzungen kann getrost verzichtet werden.
 

Deshalb stimme ich Ja

Keine Sammelfach-Luftschlösser

Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) will gegen den Willen einer überwiegenden Mehrheit der Lehrpersonen von fast 75 Prozent die Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaftskunde abschaffen und den Sekundarschulen nebulöse Sammelfächer aufzwingen, was gemäss breiten Fachkreisen einem einschneidenden Qualitätsabbau gleichkäme. Die von Tehoretikern in Bern forcierten Sammelfächer sind extrem teuer; sie verschlingen Millionen in zweistelliger Höhe ... ohne jeglichen Bildungsmehrwert. Selbstverständlich kommt ein Geschichtslehrer ohne geografische Aspekte nicht aus. Dennoch ist das noch lange kein Grund, die beiden Einzelfächer Geschichte und Geografie abzuschaffen und durch ein wenig aussagekräftiges Sammelfach "Räume, Zeiten, Gesellschaften" zu ersetzen. Innerhalb kurzer Zeit ginge den Schülern und Schülerinnen in diesen Fächern wichtiges Basiswissen verloren. Noch schlimmer verhält es sich bei den Fächern Biologie, Chemie und Physik, die als exakte Wissenschaften fachlich derart heruntergebrochen werden müssten, um sie vereint als "Natur und Technik" zu banalisieren.
Sollen Fächern, die dem Industrie-Standort in unserer Region zur wirtschaftlichen Blüte verholfen haben, auf ein erschreckendes Mass an Belanglosigkeit redimensioniert werden? Wie wenig durchdacht diese geplante Abschaffung der Einzelfächer ist, erkennt man daran, dass die weiterführenden Schulen wie Gymnasien die Notwendigkeit der Einzelfächer erkannt haben und diese beibehalten. Die Sammelfächer würden durch notwendige Weiterbildungen der Lehrpersonen gewaltige Finanzen verschlingen, was der Steuerzahler berappen müsste. Zudem müssten komplett neue Lehrmittel angeschafft werden, während die bewährten im Reisswolf landen.
Auf dem Markt existieren viele gute und kostengünstige Lehrmittel für Einzelfächer. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass neu entwickelte Lehrmittel immer teurer werden. So zum Beispiel das Mathematiklehrmittel "Mathbuch" oder das neue Französisch-Lehrmittel "Mille Feuilles", welches als Einwegbuch elfmal so viel kostet wie das Vorgängerlehrmittel.
Die Universität bietet nur Einzelfächer an. Deshalb müsste die gesamte Ausbildung der zukünftigen Sekundarlehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule (PH) durchgeführt werden. Die hätte zwei fatale Folgen: Erstens liegt die Fachausbildung an der PH quantitativ nur bei maximal einem Drittel von derjenigen an der Universität. Zweitens leisten wir uns mit der Lehrerausbildung an der Universität und der PH eine teure Doppelspurigkeit. Erfolgt an der PH nur noch die methodische, didaktische Ausbildung und die Fachausbildung an der Uni, so könnten an der PH Millionen eingespart werden, ohne relevante Mehrkosten an der Universität. Dem Kanton geht es finanziell nicht gut, Auf solche Zweigleisausbildungswege sollten wir verzichten.
Sammelfächer bringen aus pädagogischer Sicht wenig, da bereits heute fächerübergreifend unterrichtet wird, zum Beispiel während Projektarbeiten, an welchen mehrere Lehrpersonen, alles Experten, beteiligt sind. Dies garantiert schon heute ein vernetztes Lernen, aber auf einem hohen fachlichen Niveau. Das Baselbiet benötigt keine Sammelfach-Luftschlösser.

Regina Werthmüller (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland)

Umfrage-Ergebnisse der BKSD bestätigen:

Sammelfächer, Lehrplan 21, niveaugemischter Unterricht und Passepartout fallen bei den Lehrpersonen durch

Durch die heute veröffentlichten Umfrage-Ergebnisse der BKSD wird die flächendeckende Kritik der Sekundarlehrpersonen an den zahlreichen aktuellen Bildungsreformen bestätigt. Die neuen kostentreibenden Einweglehrmittel „Mille feuilles“ und „New World“ mit der zugrunde liegenden Mehrsprachigkeitsdidaktik „Passepartout“ werden z.B. nur gerade von 7.73% befürwortet. Viermal so viele (30.76%) lehnen die neuen Lehrmittel ab – ein vernichtendes Urteil unter der Berücksichtigung, dass „Mille feuilles“ elfmal so teuer ist wie das Vorgängerbuch.

Die Umfrage-Ergebnisse bedeuten ein verheerendes Ergebnis für die Reformbefürworter und die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Die teilnehmenden Lehrpersonen beurteilten die zur Debatte stehenden Punkte differenziert und professionell und nicht nach Gefühl. So wurden zahlreiche Fragen jeweils von einem beachtlichen Anteil der Lehrpersonen indifferent beantwortet. Die Lehrpersonen waren sich der Ernsthaftigkeit der Umfrage bewusst und nahmen nur zu denjenigen Fragen eine klare Stellung ein, die sie auch als Fachpersonen fundiert beantworten konnten. Dementsprechend sind die eingegangenen klaren Positionen pro oder contra äusserst aussagekräftig und stellen keinen Zufallsentscheid dar, zumal die Beteiligung mit 60% als beachtlich eingestuft werden darf.

Eine grosse Mehrheit der Lehrpersonen, welche für oder gegen die Reformen Position bezogen haben (ohne indifferente Antworten), lehnt sowohl die Sammelfächer "Natur und Technik", "Räume, Zeiten, Gesellschaft" und "Wirtschaft, Arbeit, Haushalt" wie auch das Passepartout-Konzept mit seinen Lehrmitteln „Mille feuilles“ und „New World“ deutlich ab. Auch der Lehrplan 21 wird von einer signifikanten Mehrheit kritisiert. Im Hinblick auf die Abstimmungen am 5. Juni zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Lehrpersonen, die als Fachleute die Bildungsvorlagen „Einzelfächer statt diffuse Sammelfächer“ und „Lehrplan 21 sinnvoll überarbeiten“ fundiert beurteilen können, in der grossen Mehrheit Ja stimmen. Folgend einige Erhebungen im Detail, welche u.a. für die Abstimmung vom 5. Juni massgebend sind. Berücksichtigt sind diejenigen Antworten der Lehrpersonen, die jeweils für oder gegen eine Reform Stellung bezogen haben. Nicht berücksichtigt wurden die indifferenten Positionen.

Eine signifikante Mehrheit der Lehrpersonen sagt Ja zur Weiterführung der Einzelfächer (Physik, Biologie, Chemie, Geschichte, Geografie, Wirtschaft, Hauswirtschaft) und Nein zu den Sammelfächer (NaTech, RZG und AWH) ab.

  • Für die drei Einzelfächer Physik, Biologie, Chemie sind 357 Lehrpersonen (70.6%), dagegen sind149 Lehrpersonen (29.5%)
  • Für die beiden Einzelfächer Geschichte und Geografie sind 374 Lehrpersonen (74.1%), dagegen sind 131 Personen (25.9%).
  • Für die beiden Einzelfächer Wirtschaft und Hauswirtschaft sind 293 Lehrpersonen (65.8%), dagegen sind 152 Lehrpersonen (34.2%)

Eine deutliche Mehrheit lehnt den Lehrplan 21 mit seinen 3‘500 Kompetenzbeschreibungen ab und beurteilt den Lehrplan 21 als Risiko für die Schüler/-innen.263 Lehrpersonen (59.8%) lehnen den kompetenzorientierten Lehrplan 21 ab, 177 Lehrpersonen (40.2%) befürworten ihn. Nicht berücksichtigt sind die indifferenten Antworten.

Auch die Umfrageergebnisse zur Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout und zu den neuen Lehrmitteln „Mille feuilles“ und „New World“ sind eindeutig. Die Fremdsprachenlehrpersonen auf der Sek. I-Stufe goutieren diese von oben diktierte, auf selbstorientiertem Lernen ohne ein grammatikalisches Fundament aufbauende Didaktik offensichtlich nicht; eine Didaktik, welche als Experiment und ohne wissenschaftliche Legitimation neben sich keine andere Didaktik mehr toleriert. Die Starke Schule Baselland fordert aufgrund der signifikanten Resultate die Bildungsdirektion auf, die verheerende Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout zu stoppen, damit nicht noch mehr Schüler/-innen durch einen untauglichen und nicht zielführenden Fremdsprachenunterricht verheizt werden. Die Ergebnisse im Detail:

  • Passepartout und die teuren Lehrmittel „Mille feuilles“ und „New World“: 215 Lehrpersonen (79.9%) lehnen die neuen Lehrmittel Mille feuilles und New World ab. 54 Lehrpersonen (20.1%) befürworten diese neuen Lehrmittel.
  • 224 Lehrpersonen (73.7%) lehnen die neue Mehrsprachendidaktik ab, 80 Lehrpersonen (26.4%) befürworten die neue Mehrsprachendidaktik.

Die Starke Schule Baselland und der Lehrerverein lvb sind nur mit je einer Person in der Marschhaltgruppe vertreten. Zusammen mit dem Vertreter der Bildungskommission war man stets markant in der Unterzahl und hatte keine Möglichkeit, das Gremium auch zum Hinterfragen der Mehrsprachigkeitsdidaktik und der neuen Lehrmittel an der Primarstufe zu bewegen. Aufschlussreich sind auch die isoliert betrachteten Umfrage-Ergebnisse der Schulleitungen, welche – im Gegensatz zu den (Sek-)Lehrpersonen – als „Exekutivorgane“ an den Schulen diese heftig umstrittenen Reformprojekte weitgehend unterstützen. Die Gründe dafür sind naheliegend: Ein Markenzeichen der letzten 20 Jahre SP-Bildungsideologie hat auch darin bestanden, Posten in der Verwaltung und bei den ausführenden Organen mit ebendiesem Gedankengut zu besetzen. Wir sind überzeugt: Die Bevölkerung wird bei den kommenden Abstimmungen am 5. Juni diese klaren Ergebnisse mitberücksichtigen.
 

Gastbeitrag von Michael Pedrazzi (Vorstandsmitglied Starke Schule) am 30.03.2016 in der Basler Zeitung

Erziehungsdirektoren rennen ins Fiasko

Die kürzlich erschienene wissenschaftliche Studie des Instituts für Mehrsprachigkeit (IfM) der Universität Freiburg sowie der Pädagogischen Hochschule Freiburg (http://bildung-z.ch/volksschule/fremdsprachenevaluation-2016) ist brisant. Sie unterlegt die flächendeckende Kritik in der Deutschschweiz an der neuen Bildungsideologie nun auch statistisch. Die Lernziele der Zürcher Primarschüler/-innen in den beiden Fremdsprachen werden von den meisten Lernenden deutlich verfehlt. Lediglich 3.4% der Kinder erreichen in Französisch die Lernziele in der Fertigkeit Sprechen und 8.7% beim Hören. Beim Schreiben und Lesen resultieren 37% und 30.7%.   

Diese Resultate sind ernüchternd und müssen als schlecht bezeichnet werden. Dass die Lernzielerreichung in Englisch lediglich knapp über 60% liegt, ist zwar besser, aber noch immer deutlich unbefriedigend und müsste auch den Bildungsphantasten dieser neuen Mehrsprachenideologie zu denken geben.  

Französisch ist den Schüler/-innen als romanische Sprache naturgemäss fremder als eine germanische wie Englisch. So wird deutlich, dass Französisch umso dringender einen strukturierten Aufbau mit einer klaren Grammatik als Fundament bedingt. Den Spracherwerb mittels zwei oder drei Wochenlektionen einem Sprachbad gleichsetzen zu wollen, grenzt an Realitätsverlust oder Überheblichkeit. Mit einer solchen Beliebigkeitspädagogik auf der Primarstufe gleich zwei Fremdsprachen realisieren zu wollen, kann nicht zielführend sein und muss zwangsläufig in einem Fiasko enden. Der Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sowie der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) müssten bei derart flächendeckendem Widerstand aus Fachkreisen und seitens vieler besorgter Eltern längst die Alarmglocken gebimmelt haben. Aber anstelle sich und ihren Reform-Irrsinn zu hinterfragen, werden selbst linke Kritiker mantrahaft in eine rechts-konservative Ecke gedrängt. Kritik ist unerwünscht. Weder die verheerenden Rückmeldungen der Oberstufen aus den Kantonen Bern und Solothurn noch die soeben bekannt gewordene Studie der IfM vermag offenbar die Reformpolitiker vom Wunschgedanken abbringen, den alleinigen Stein der Weisen entdeckt zu haben. Auch andere wissenschaftlich fundierte Studien, wie z.B. diejenige von Simone Pfenninger von der Universität Zürich, werden konsequent ausgeblendet und ignoriert, ganz nach dem Motto: Es darf nicht wahr sein, was wahr ist. Was braucht es noch mehr, um aufzuzeigen, dass in diesem Land ideologisch geprägte Phantasten an den Schalthebeln der Bildung resp. den Schreibtischen der kantonalen Verwaltungen sitzen und im Begriff sind, ebendiese Bildung in Grund und Boden zu fahren? Wie viele Generationen an Schulkindern werden den Preis zahlen müssen für ihre ideologischen Experimente, die nicht ein einziges Mal wissenschaftlich erhärtet  worden sind? Professionalität würde die Fähigkeit bedeuten, Fehler einzugestehen und sie korrigieren zu können. Anstelle dessen wird aus den Bildungsdirektionen lakonisch und gleichermassen hilflos verkündet, die Umwälzung einer Rückkehr zu Bewährtem wäre zu gross und es sei schon zu viel Geld reingebuttert worden. Diese Ausrede ist jämmerlich. Man bereitet auch nicht krampfhaft ein vergammeltes Rindsfilet zu – nur weil es teuer war.
 

Über den Lehrplan 21 und eine erziehungswissenschaftliche Wende

Zivilcourage vs. Bürokratie

Von Alain Pichard (Sekundarlehrer und GLP-Stadtrat Biel)

Mit dem Lehrplan 21 wird eine erziehungswissenschaftliche Wende vollzogen – weg von klassischen Lernzielen, hin zur Kompetenzorientierung. Dieser Paradigmenwechsel stellt auch die Frage nach der Beurteilung neu. Die Diskussion über das Messen von Leistungen und das Bewerten von fachlichen und insbesondere überfachlichen Kompetenzen ist im Kanton Bern voll entbrannt, dank einem jungen kritischen Lehrer mit Bieler Wurzeln. Lars B. staunte nämlich nicht schlecht, als er mit der Einladung für ein Hearing die Entwürfe für eine neue Beurteilung der Schülerinnen und ­Schüler des Kantons Bern durchlas.

Er sah, dass neu wieder die Kriterien «Pünktlichkeit», «Ordnungssinn» und «Höflichkeit» beurteilt werden sollten, auf einer Skala von 1 bis 10, curricular aufbaubar, was heisst, man kann Höflichkeit quasi in Stufen erlernen. Und das war noch nicht alles: Dazu kamen noch zwölf überfachliche Kompetenzen, wie zum Beispiel «Der Schüler ist in der Lage, Gefühle situationsgemäss auszudrücken», ebenfalls auf einer Skala von 1 bis 10. Der junge Lehrer dachte zuerst an einen Witz. Als er aber merkte, dass das ernst gemeint war, ging er mit vielen Notizen ans Hearing.

250 Lehrkräfte aus dem ganzen Kanton füllten die Aula des Gymnasiums Lebermatt. Vorne ein gut gelaunter Bildungsdirektor, der mit ­lustigen Sprüchen den Saal erheiterte. Viele ­anwesende Lehrkräfte empfanden die Stimmung denn auch als sehr gut. Für das umstrittene ­Formular der überfachlichen Kompetenzen ­standen genau zehn Minuten zur Verfügung. Immer wieder gab es «konsultative Abstimmungen». Am Schluss einen Riesenapplaus und ein tolles Buffet. Lars applaudierte nicht, er liess auch das Buffet aus und schickte die Formulare mit einem Erlebnisbericht an einen Schulblog. Von dort kam die ganze Sache in die Presse.

Und jetzt aufgepasst! Ein etwas zerknirschter Bildungsdirektor gab sich nicht mal eine Woche später selbstkritisch und empfand seine eigenen Papiere als «unausgegoren».

Interessant: Da entwickeln Experten ein Jahr lang ein neues Beurteilungssystem, da diskutieren Leute, die den Herausforderungen des Unterrichts stets fernbleiben, intensiv über die Ergebnisse, da werden 250 Praktiker zu einer Anhörung eingeladen und dann kommt ein kleiner, kritischer ­Zeitungsartikel in der BaZ unter dem Titel «Zensuren für Charaktereigenschaften» und schwupp, der verbale Rückzug, das «Sorry», das «Es war ja nicht so gemeint».

Die Reformruinen

Für Lars war der Fall klar: Was da vorgelegt wurde, ist bürgerliches Tugendgeschwafel, verpackt in pseudowissenschaftlichen, technokratischen Vermessungswahn. Nie, meinte er, werde er so etwas seinen Schülern antun. Da merkt man auch, aus welcher Ecke dieser junge Mann kommt: Er denkt links, arbeitet aber an der Front und nicht in den Büros der Bildungsverwaltung. Er verfügt somit noch über die linken Denkreflexe, die einst eine linke Bildungsdiskussion geprägt haben.

Heute begründet uns ein grüner Bildungs­direktor allen Ernstes: «Diese Beurteilung wird von der Wirtschaft verlangt!» Aufgepasst, nicht ein FDP-Magistrat fordert die Normierung unserer Kinder nach wirtschaftlichen Prinzipien! Es ist ein Vertreter der Linken, unterstützt von linken ­Bildungs­fach­- leuten und begleitet von ­Funktionären des Lehrerverbandes!

Was zeigt uns diese Momentaufnahme einer Bildungsdiskussion, in der bildungsbürokratische Autisten allen Widerständen zum Trotz ihr Projekt vorantreiben, koste es, was es wolle?

1. Der Lehrplan wird entgegen der Beschwichtigungsrhetorik von Herrn Eymann eben doch massive Änderungen des Schulalltags mit sich bringen. Die Halbierung des praxisnahen Hauswirtschaftsunterrichts, die neue Fremdsprachendidaktik, die charakterliche Beurteilung von ­Kindern sind bereits auf dem Tisch.

2. Die Beschwörungsformel des Beat Zemp (Zentralsekretär des Lehrerverbands), wonach das Volk nicht über den Lehrplan abstimmen, sondern dies den Experten überlassen solle, erweist sich als nicht sehr stichhaltig. Die Zahl der Reformruinen, die uns eine ausser Rand und Band geratene Bildungsbürokratie in die Welt gesetzt hat, wächst und verschlingt Unsummen. Aus dem geschilderten Beispiel wird überdeutlich, wie praxisfern unsere sogenannten ­Bildungsexperten agieren.

3. Die Schule hat Kämpfer nötig, heute mehr denn je. Es braucht mehr Lars B., denn Mut ist in dieser Anpassungsgesellschaft eine Tugend von grosser Sprengkraft geworden.
 

"Einspruch" - Eine Würdigung der Kritik an den Schulreformen

Nachdem seit langem vornehmlich Vertreter aus rechtskonservativen Kreisen die grundlegenden Veränderungen im Schweizerischen Schulsystem beklagten, melden sich nun auch vermehrt Stimmen aus dem progressiv-liberalen Lager zu Wort. Die namhaften Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung tun dies u.a. konzertiert in einem als "Einspruch" bezeichneten Manifest. Was dort, im Folgenden in Auszügen teilweise zusammengefasst und ergänzt, verlautbart wird, ist alarmierend.

Vom Zusammenhang zwischen Demokratie und Schule

Der Begriff Republik leitet sich ab vom lateinischen res publica, zu Deutsch öffentliche Sache. Im Gegensatz zur Monarchie ist beim aus der römischen Antike stammenden und zur Zeit der Aufklärung weiterentwickelten Herrschaftsmodell der Republik der Staat bzw. dessen Organisation Angelegenheit der Öffentlichkeit. Das republikanische Bildungsziel ist folglich darauf angelegt, "…jedem Bürger und jeder Bürgerin die Teilnahme zu ermöglichen an der in der Öffentlichkeit geführten Auseinandersetzung über das, worauf es uns - bei der gemeinsamen Regelung unserer gemeinsamen Angelegenheiten - ankommen soll." (Anton Hügli)

Abgesehen von der Aufgabe, junge Menschen zu bilden, dient Schule also auch dem übergeordneten Zweck der Demokratiefähigkeit und dem damit verbundenen Differenzierungsvermögen. Der Aussage „Ausländer sind krimineller als Schweizer“ werden viele beipflichten. Bei differenzierter Betrachtung allerdings zeigt sich, dass der Vergleich so nicht statthaft ist. Der Kriminaltourismus hat beispielsweise nichts mit der ausländischen Wohnbevölkerung zu tun, und die Anzahl möglicher Delikte ist bei Ausländern grösser als bei Einheimischen, weil letztere nicht gegen das die Einreise, die Erwerbstätigkeit und den Aufenthalt regelnde Ausländergesetz verstossen können. Differenziertheit bedarf des Wissens und des Willens die Wahrheit zu ergründen. "Das ist die Aufgabe der Schule, die Urteilsfähigkeit zu vermitteln und an scheinbar demokratiefernen Gegenständen das Differenzieren zu üben." (Roland Reichenbach)

Hier können Sie den gesamten Text von Felix Hoffmann lesen.
 

Charakter wird zum Messinstrument

In einem umstrittenen Gastbeitrag in der BaZ hat Landrat Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) vor einigen Wochen die Bewertung von Schulkindern in den Primarschulen Binningen und Bottmingen stark kritisiert. Dort wird die Zuteilung der Schulkinder in die Leistungsniveaus A, E und P nicht nur anhand der fachlichen Stärken gemessen, sondern zu gleichen Teilen auch anhand der Sozial- und Selbstkompetenzen. Damit werden die Leistungsniveaus vielmehr zu Sozialniveaus, wo die schwierigeren Kinder - unabhängig von ihrer fachlichen Leistung - auf der Strecke bleiben.

In Bern soll dieses neue Beurteilungsraster nun auch angewendet werden. Einmal pro Jahr sollen die Kinder auf einer Skala von 1 bis 10 charakterlich eingestuft werden. Zu den Kompetenzen, die erreicht werden müssen, zählen Selbstreflexion, Selbstständigkeit und Eigenständigkeit sowie die Bewertung von Dialog-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit. Aber auch die Bewertung von Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Höflichkeit und Umgangsformen ist vorgesehen. Neben den bereits angesprochenen Kritiken ist auch die Fähigkeit gewisse Kompetenzen überhaupt bewerten zu können, ein grosses Problem. Gegenüber der Sonntagszeitung (21.2.2016) gibt Alain Pichard, Initiant des lehrplankritischen Memorandums "550 gegen 550", das Beispiel, wie man denn das Verhalten "Die Schüler können Gefühle wahrnehmen und situationsangemessen ausdrücken" bewerten soll. Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl fügte hinzu, dass man vom Verhalten allein nicht auf die Sozialkompetenz und die Persönlichkeit schliessen könne.

Dass durch die Einführung des Lehrplans 21 künftig auch Zensuren für Verhalten und Einstellung vergeben werden können, zeigt einmal mehr die problematische Ideologie, auf welche der Lehrplan 21 abzielt.
 

Lehrplan 21 kann Forderungen der Lehrbetriebe nicht erfüllen

"Das Dogma des „selbstgesteuerten, konstruktivistischen Lernens“ in den „Grundlagen für den Lehrplan 21“ der D-EDK verbietet dem Lehrer, seine Hauptaufgaben wahrzunehmen: Er darf sein Wissen nicht weitergeben, nicht mehr unterrichten, nicht erklären, nicht motivieren und nicht erziehen. Das ist, wie wenn man den Journalisten das Schreiben verbieten würde, weil man sich nur dann eine eigene Meinung „konstruieren“ könne.

Das könnte das Ende des Lehrerberufs bedeuten. Den Job als „Lernbegleiter“, der „Lernumgebungen“ zur Verfügung stellt, in dem er Arbeitsblätter von Bertelsmann & Co. vom Internet herunterlädt und an die Schüler verteilt, können auch gratis arbeitende Senioren oder Zivildienstleistende machen. Verschwinden die qualifizierten Lehrer, sinkt unser Bildungsniveau in den Keller und zieht Wirtschaft und Wohlstand mit hinunter. Der Lehrplan 21 erfüllt die berechtigten Forderungen der Lehrbetriebe nach einer genügenden Grundbildung in keiner Weise. Schon heute stellen viele KMUs fest, dass viele Jugendliche nach der Volksschule nicht ausreichend gerüstet sind, um eine Berufsausbildung oder eine weiterführende Schule absolvieren zu können."

(Quelle: http://schuleschweiz.blogspot.ch/2016/02/lehrplan-21-kann-forderungen-der.html#more )
 

Eindrückliche Grafik

Auf der Seite Bildungs-Kompass können Sie sich umfangreich darüber informieren, was andere Kantone in Sachen Lehrplan 21, Harmos etc. ausrichten. Auf der unten abgebildeten Grafik lässt sich sehr übersichtlich erkennen, in welchen Kantonen Volksinitaitven gegen den Lehrplan 21 lanciert oder bereits eingereicht wurden. Es ist ganz klar, dass sich die Mehrheit der deutschschweizer Kantone gegen die Einführung des Lehrplans 21 wehrt.

Copyright: www.bildungs-kompass.ch

Weitreichender Einfluss autoritärer Traditionen

Seit dem Jahr 2000 werden Pisa-Studien alle drei Jahre in den meisten Mitgliedstaaten der OECD – und immer mehr auch in weiteren Partnerstaaten – durchgeführt. Das Ziel dieser Studien ist die Messung von alltags- und berufsrelevanten Kenntnissen von fünfzehnjährigen Schulkindern. Seit der Einführung wurden bereits fünf Pisa-Studien durchgeführt, in welchen Finnland immer ganz weit oben war. [1] Zunehmend fragte sich ganz Europa, was wohl das Geheimnis des finnländischen Schulsystems sei. In den letzten 15 Jahren sind daher Bildungsexperten aus zahlreichen Ländern immer wieder nach Finnland gereist, um das Geheimnis vor Ort zu erforschen.

Allgemein glaubte man, dass das antiautoritäre System, welches keinen Frontalunterricht und keine Hausaufgaben vorsieht und stattdessen das Zusammenarbeiten in Gruppen fördert, der Grund für die herausragenden Ergebnisse der finnischen Schüler/-innen bei den Pisa-Tests wären. Viele Länder entschieden sich daraufhin ebenfalls für diese neue – dem Zeitgeist angepasste – Form des Unterrichtens, in welcher die Lehrpersonen viel mehr Coaches sind und sich die Schulkinder in Lernlandschaften sich oft selbst überlassen sind.

Doch warum kam es in den letzten Jahren beim Spitzenreiter Finnland zu derart grossen Einbussen? Beim direkten Vergleich der Ergebnisse aus den Jahren 2003 und 2012 fällt auf, dass Finnland ganze 25 Punkte eingebüsst hat. Laut Christine Sälzer, nationale Pisa-Koordinatorin von der TU München, entspricht dies dem Lernerfolg eines ganzen Schuljahres. [2] Der Wissenschaftler Gabriel Heller Sahlgren hat den Fall genauer untersucht und ist zu eindrücklichen Ergebnissen gekommen. Laut Sahlgren lag der Erfolg der finnischen Schulen bei der Pisa-Studie weniger im antiautoritären Unterrichten, als vielmehr in der Unterrichtsform, die bis in die 90er Jahre durchgeführt wurde. Als sehr spätes Land hat sich Finnland für das System des „Lehrkoordinators“ entschieden. Davor galten die finnischen Schulen als hierarchisch aufgebaute Institutionen mit Frontalunterricht und einer starken autoritären Stellung des Lehrers. Als man in den 90ern das System dann umpolte und den Frontalunterricht abschaffte, während die Stellung des Lehrers weniger autoritär wurden, dauerte es erst noch mehrere Jahre bis dieses neue Gedankengut auch in den Schulen selbst ankam und wirksam wurde.  

Die neuen Reformen griffen offenbar erst im jüngsten Pisa-Jahrgang aus dem Jahr 2012, denn seitdem erkennt man in Finnland einen signifikanten Rückgang der Leistungsfähigkeit. Schnell wurde offensichtlich: Die früheren Erfolge bei den Pisa-Studien lagen nicht am neuen System, sondern zeigten lediglich das Nachwirken des alten autoritären Systems, welches zu der Zeit, als man es in Finnland abschaffte, bereits seit mehreren Jahren in anderen Ländern abgeschafft war.

Andere Länder, die man mit demselben Erfolg wie demjenigen von Finnland vergleichen kann, sind beispielsweise Japan, China oder Singapur. Da dort nachweislich ein auf Druck ausgelegter Frontalunterricht herrscht, schien die weitaus sanftmütigere Variante in Finnland durchaus erstrebenswerter für europäische Ländern zu sein. Daher hat man sich vielerorts – die Ergebnisse der Pisa-Studien falsch deutend – für ein sehr liberales Schulsystem à la Finnland entschieden – ohne grossen Erfolg.

Finnland liegt zwar auch heute noch im europäischen Vergleich relativ weit vorne, doch durch die Verschlechterung bei den Pisa-Studien, einer hohe Jugendarbeitslosigkeit und verschiedenen individuellen Unterstützungsmassnahmen bei jedem fünften Schulkind, kann man heute nicht mehr von Finnland als Spitzenreiter des Schulsystems reden.

Ein gewisser Erfolg zeigt sich jedoch in der Freude der Schulkinder, die heute wesentlich lieber in die Schule gehen, als noch zur Zeit des früheren Systems, in welchem die Lehrpersonen allgemein als unnahbar und sehr autoritär galten. Es zeichnet sich also ab, dass ein allzu liberaler Umgang im Unterricht, der keine Hausaufgaben verlangt, auf Gruppenarbeiten konzentriert ist und die Lehrpersonen eher als Coaches sieht, nicht gleichzeitig zu dem besten Leistungserfolg führt. [3]

Dass man sich nun ein Beispiel an China nimmt und zu einem Bildungssystem (zurück)geht, welches von Drill und Druck geprägt war, ist nicht im Sinne der Starken Schule Baselland. Vielmehr sollte man ein gutes Mittelmass aus lernendem Frontalunterricht mit natürlicher Autorität und freiem Unterricht in Form von Projekten finden.

Saskia Olsson, Geschäftsleiterin Starke Schule Baselland

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[1] https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien
[2] Tagesanzeiger, 09.07.2015 "Darum lesen finnische Schüler plötzlich schlechter" von Thomas Vitzhum
[3] Tagesanzeiger, 09.07.2015 "Darum lesen finnische Schüler plötzlich schlechter" von Thomas Vitzhum
      und  Sonntagszeitung, 03.01.2016 "Mit mehr Spass kam weniger Leistung" von Nadja Pastega

Wichtiger Erfolg von RR Monica Gschwind

Die „Starke Schule Baselland“ nimmt positiv zur Kenntnis, dass die vom Bildungsrat vor zwei Jahren beschlossene neue Stundentafel auf Eis gelegt wird. Damit wird eine Stundentafel schubladisiert, mit der die in breiten Kreisen kritisierten Sammelfächer im August 2016 hätten eingeführt werden sollen. Stattdessen  wird im kommenden Schuljahr eine sogenannte Übergangsstundentafel in Kraft gesetzt, die weitgehend auf der heute bestehenden Stundentafel basiert. Die durch das fragwürdige Passepartout-Fremdsprachenkonzept notwendigen Anpassungen sind sinnvoll umgesetzt worden, ebenso konnte die Klassenstunde für Klassenlehrpersonen neu im siebten Schuljahr aufgenommen werden.

Für diesen ersten sichtbaren Erfolg in den Bestrebungen zu einem klaren und unzweideutigen Reformhalt gratulieren wir der neuen Bildungsdirektorin. Damit konnte die Einführung der stark umstrittenen Sammelfächer vorerst verhindert  werden. Voraussichtlich am 6. Juni 2016 wird das Volk an der Urne definitiv entscheiden, ob die Fächer Geschichte, Geografie, Biologie, Chemie, Physik als Einzelfächer im Bildungsgesetz verankert werden. Die von der Regierungsrätin Monica Gschwind vorgestellte Stossrichtung stellt aus Sicht der „Starken Schule“  noch nicht das Optimum dar, ist aber sicherlich ein wichtiger und grosser Schritt in die richtige Richtung.
 

Einspruch nun auch von Links  

Nachdem bisher vielfach aus konservativen Kreisen – die Starke Schule als mitte-links Verein ist eher eine Ausnahme – lautstarke Kritik gegenüber dem Lehrplan 21 vernommen wurde, gehen nun auch Vertreter/-innen der Linken öffentlich kritisch gegen den Lehrplan 21 vor. Ein rund 20-köpfiges Autorenteam – darunter die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz, der Bieler Lehrer und GLP-Politiker Alain Pichard, der Kinderarzt Remo Largo und der Publizist Beat Kappeler – hat eine 30-seitige Streitschrift mit dem Titel "Einspruch!" verfasst. Kritisiert wird darin vor allem die fehlende öffentliche Debatte über die Einführung dieses praxisfernen Lehrplans. Politisch sei der neue Bildungsentwurf nicht legitimiert, da sich eine demokratisch ausgewiesene Instanz nie dazu hat äussern können.

Ein grosser Nachteil des neuen Lehrplans 21 liegt in der Einführung eines neuen Bildungssystems durch die Beschreibung von „Kompetenzen“ statt Inhalten. Der Lehrplan 21 enthält 363 Kompetenzen und 2‘304 Kompetenzstufen. Es geht nicht mehr um das Erlernen von Wissen und Inhalten, sondern praktisch nur noch um den Prozess der Problemlösung. Wissen soll nicht mehr gelernt, sondern „reflektiert“ werden. Ein Beispiel einer Kompetenz, die im Fach Deutsch im Zusammenhang mit literarischen Texten erreicht werden muss, lautet: „Die Schülerinnen und Schüler können ein Buch auswählen, indem sie in verschiedenen Büchern schnuppern (z.B. durchblättern, Anfang oder Schluss lesen).“ Alain Pichard, der bereits das Memorandum „550 gegen 550“ initiiert hat, äussert sich gegenüber der Sonntagszeitung, dass er eine zunehmende Standardisierung und Testerei befürchtet, in welcher auch die methodisch-didaktische Unterrichtsfreiheit der Lehrpersonen stark beschränkt wird.

Weitere Kritiken wenden sich gegen die Detailliertheit des neuen Lehrplans 21, der laut Gegnern zu einem Kontrollorgan gegenüber den Lehrern und Schulkindern umfunktioniert werden soll. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Lehrplan 21 von Leuten ausgearbeitet wurde, deren Ziel es einzig ist, eine neue Ideologie ins Klassenzimmer zu bringen, in welchem Lehrpersonen nur noch Allrounder sind, die von allem ein wenig, aber von nichts wirklich ein fundiertes Wissen haben, wo bis zu drei Schulklassen in Lernlandschaften zusammen unterrichtet werden und Fächer wie Geschichte und Geografie derart an Wert verlieren, dass sie künftig marginalisiert als ein Fach unterrichtet werden sollen. Der praxisferne Lehrplan 21 behindert das nachhaltige Lernen der Schulkinder, obwohl in dem Mammutwerk das Wort nachhaltig laut Sonntagszeitung 76 Mal erwähnt wird.

Harmos ist bei weitem nicht die erste Reform der letzten Jahre. In der Schweiz kann man mittlerweile von einer richtigen Reformitis reden, da in den letzten Jahren derart viele umstrittene Reformen im Schweizer Schulwesen eingeführt wurden, dass die meisten den Überblick verloren haben. Im doppelseitigen Artikel der Sonntagszeitung vom 29. November 2015 werden die sieben Reformen der letzten 45 Jahre aufgelistet. Die Bilanz ist erschreckend, da man feststellen muss, dass die meisten dieser Reformen gescheitert sind. Harmos und der Lehrplan 21 sind dabei nur zwei Beispiele.

Dass nun auch heftige Kritik von der linken Seite am Lehrplan 21 geäussert wird, ist dringend notwendig. Den Schaden, welcher der Lehrplan in den Klassenzimmer anrichten würde ist enorm. Diesen erst im Nachhinein wieder gutmachen zu wollen würde noch mehr Ressourcen verschwenden.

Saskia Olsson, Geschäftsleiterin Starke Schule Baselland
 

Englisch - Freude an einer Sprache gezielt zerstören

Eindrücke eines Englischlehrers auf der Sekundarstufe I. Von Stefan Bucher

Seit vielen Jahren erteile ich Englischunterricht an der Oberstufe. Bisher führte ich die Schüler anhand eines systematischen Lehrwerkes in die Struktur der Sprache ein, leitete sie von Anfang an an, Vokabeln mikroskopisch genau zu lernen, die besprochene Grammatik an Beispielsätzen gezielt zu üben, um sie letztlich innerhalb von drei Jahren Oberstufenzeit zu einem recht freien Gebrauch der Sprache in verschiedenen Lebensbereichen zu führen und ihnen gleichzeitig das Rüstzeug an die Hand zu geben, sich andere Bereiche der Sprache und der Gesellschaft in der englischen Sprache zu erarbeiten.
Grammatikalisch beherrschten die Schüler present simple, present continuous, present perfect, past simple (einschliesslich einer Liste gebräuchlichster unregelmässiger Verben), past continuos, will-future, going-to-future, die drei conditionals. Die systematische Erarbeitung und die enge Begleitung führten bei den Schülern zu der Überzeugung der Lernbarkeit einer neuen (anfangs leichten) Sprache und hatten bei den meisten meiner Schüler zum Ergebnis, dass das Fach Englisch zu ihrem Lieblingsfach wurde. Vereinzelt schlossen Schüler an diese drei Jahre Englischunterricht einen Auslandsaufenthalt an und absolvierten danach erfolgreich das Cambridge First Certificate in English (FCE).

In diesem Jahr empfange ich erstmals ehemalige Primarschüler im neu als Niveaufach eingerichteten Unterrichtsfach Englisch, Niveau E (höchstes Niveau!), die bereits sogenanntes «Frühenglisch» hatten. Die Schüler hatten also bereits seit dem dritten Schuljahr Primarstufe wöchentlich 2 Lektionen Englisch, und das über vier Jahre. Das Bild ist niederschmetternd.

Ausgehend davon, dass die Schüler in etwa gleich viele Stunden mit der Fremdsprache verbracht hatten wie meine frisch abgegebenen Drittklässler der Oberstufe (drei Lektionen über drei Jahre entsprechen in etwa zwei Lektionen über vier Jahre), dachte ich, ich könne auf einen grossen Wortschatz zurückgreifen und dass die Schüler mich im gesprochenen Wort verstehen würden. Die erste Lektion spreche ich etwa fünf Minuten Englisch mit den neuen Schülern, bis ich feststelle, dass ich nicht verstanden werde. Auf meine Nachfrage, wer mich verstanden habe, erhalte ich ein (!) vages Handzeichen in der ganzen Klasse. Also gut. Ich setze weiter unten an: Ich erkläre den Schülern, was sie in meinem Unterricht erwartet. Sie kennen das Wort «vocabulary» nicht … Sie haben noch nie einen «vocabulary test» geschrieben. Sie kennen kein Grammatikheft. Sie haben ein halbes Jahr lang im Englischunterricht Naturbeobachtungen angestellt.

Relativ desillusioniert überprüfe ich im Primarschullehrwerk, was die Schüler hätten können sollen. Welche Lernziele sind formuliert? Ich stosse auf einen Grundwortschatz von 1300 Wörtern, der den Schülern aus der Auseinandersetzung mit dem Lehrwerk aus der Primarschule vertraut sein sollte. Die Schüler sollten die Zeiten present simple, ­present continuous, past simple (plus einige häufig verwendete unregelmässige Verben), will-future und going-to-future kennen. Ich lasse die Schüler noch in der ersten Schulwoche den Übertritts-Check – einen Test – schreiben, der dem Lehrer der Oberstufe anzeigen soll, was die Schüler aus der Primarschule mitbringen, um ihnen dann gezielt individualisiertes Schulmaterial zur Verfügung zu stellen, anhand dessen sie dann die zu Tage tretenden Lücken schliessen können sollen. Der Test zeigt flächendeckende Unwissenheit und präsentiert überdies auch noch in einem Multiple-Choice-Verfahren eine verwirrende Vielzahl falscher Formen, die die Schüler in der Folge ständig wiederholen.

In einem anschliessenden Repetitorium aller Bereiche, die als Lernziele angegeben sind (ausser die beiden future tenses) werden die Schüler mit strukturierten Einträgen der Grammatik vertraut gemacht und mit Übungsmaterial versorgt. In einem zweiten Test nach vier Wochen ist das Ergebnis wiederum ernüchternd: Die Schüler sind nicht gewohnt zu lernen, sie wissen nicht, dass man gewisse Dinge auswendig lernen muss.

In einem Gespräch bei der Rückgabe dieses Tests kann ich nicht umhin, den Schülern vom Englischunterricht zu berichten, so wie ich ihn bisher kannte. Die Schüler schauen mich mit staunenden und gleichzeitig fasziniert-sehnsüchtigen Blicken an. Sie bitten mich flehentlich, mit ihnen nochmal ganz von vorn anzufangen. Ich würde dies sogar tun, wenn nicht das neue Lehrmittel mich innerhalb des Niveau-Faches dazu zwingen würde, im ersten Schritt die Reihenfolge aller (!) Adjektive im Satz, compound nouns und Themen wie Architektur am Beispiel des Chrysler-Building, art deco (Radkappen, Motorhauben, Kühlerfiguren …), Entwerfen eines eigenen Grundrisses der eigenen Traumwohnung usw. durchzunehmen. Warum gezwungen? Weil Schüler, die aus dem nächst schwächeren Niveau zu mir «aufsteigen» denselben Stoff durchgenommen haben müssen wie wir, und weil Schüler, die von mir aus «abgestuft» werden müssen, sonst im mittleren Niveau nicht mithalten könnten.

Der Niveau-Unterricht nivelliert die Lehrmittelfreiheit und damit nahezu auch die Methodenfreiheit.
Vermutlich gibt es auch in der Primarschule entsprechende Rahmenbedingungen, die es selbst den willigen Englischlehrern verunmöglichen, die Sprache strukturiert beizubringen.

Bei einem Austausch zwischen Primar- und Oberstufenlehrern findet eine Diskussion über das neue Primarschulfach Englisch statt. Den Primarlehrern sei es in ihrer Englischausbildung an der Pädagogischen Hochschule eingebleut worden, keinen Wert auf Rechtschreibung und Grammatik zu legen, sondern lediglich auf die Freude an der Sprache, indem sie dem kommunikativen Ansatz voll und ganz Rechnung tragen. Grammatik lernen und «vocabulary tests» seien ihnen verboten worden, da diese die Freude an der Sprache zerstören würden. Ich frage mich, wie man Freude an einer Sprache entwickeln soll, wenn man sie nicht versteht …

Nota bene

Seit der dritten Woche an der Oberstufe finden wöchentlich «vocabulary tests» statt, die den erwähnten Wortschatz nachholen. Diese Aufarbeitung kostet viel Zeit, die eigentlich in der Primarschule zur Verfügung stand. Dennoch lohnt sich die Aufarbeitung, da die Schüler jetzt nach einem guten Quartal fleissig lernen und sich sehr über ausgezeichnete Ergebnisse freuen. Es werden wöchentlich 50 Wörter abgefragt, wobei mittlerweile Klassenschnitte von 2 Fehlern keine Seltenheit mehr sind. Die Schüler gewöhnen sich auch langsam an den Umstand, dass Grammatikeinträge relevant sind. Der Unterricht kann jetzt schon mehrheitlich auf Englisch abgehalten werden – und dennoch kann ich froh sein, wenn es gelingt, die Schüler zum gleichen Niveau zu führen wie vorherige Generationen, die Englisch erst mit Eintritt in die Oberstufe begonnen hatten.

Wieso wird diese wertvolle und für Englisch vergeudete Primarschulzeit nicht für Kernfächer wie Deutsch und Mathematik verwendet?

Quelle
 

Fremdsprachen lernen nur durch Motivation?

Das Muster ist mir nach 38 Jahren Lehrtätigkeit in Basel-Stadt vertraut: Mit Riesenaufwand wurde zu Beginn der  90-er Jahre die Schule umgekrempelt, Schulhäuser umgebaut, neue Lehrpläne und Leitbilder verfasst, denn mit dem bisherigen System war man unzufrieden. Kaum war das Projekt Orientierungsschule angelaufen, zeigten sich die Schwächen: Die Jugendlichen konnten noch weniger als vor der Reform, obwohl bessere Leistungen angekündigt worden waren.  

Niemand wollte eingestehen, dass die Reform vielleicht doch nicht das Gelbe vom Ei gewesen war. Nein, man tat so, als habe man eigentlich gar nicht bessere Leistungen gewollt, sondern lobte stattdessen, wie sich die „Sozialkompetenz“ der Kinder verbessert habe. Wie das zu überprüfen war, blieb allerdings schleierhaft. Die Schulsozialarbeit in der anschliessenden Weiterbildungsschule konnte sich jedenfalls nicht über Arbeitsmangel beklagen.  

Ausreden zur Ablenkung vom Misserfolg  
Nun haben in den Kantonen Bern, Solothurn und Basel-Stadt die ersten Kinder mit Passepartout-Französisch den Übertritt in die Sekundarschule hinter sich. Von überall her kommen die Klagen, es sei nicht weit her mit den versprochenen „Französisch-Kompetenzen“, besonders Kinder mit mittlerem und schwächerem Leistungsprofil hätten Mühe. Und wie rettet man sich aus der Affäre? Mit der „Motivation“. Die Kinder seien so wunderbar „motiviert“.  

Da stellt sich erstens die Frage, ob „Motivation“ als Erfolg von ca. 300 Lektionen Französisch, verteilt über vier Jahre, wirklich ausreicht. Sollten da nicht auch Grundlagen wie Wortschatz und Satzmuster verankert sein? Nach dem Konzept der neuen Fremdsprachendidaktik hätten sich diese eigentlich automatisch aus dem Sprachbad ergeben sollen. Aber Theorie und Praxis sind nicht dasselbe, insbesondere wenn die Theorie von ungesicherten Voraussetzungen ausgeht.  

Reichen Motivation und Zeit, um den Rückstand aufzuholen?  
Zweitens ist zweifelhaft, ob die gepriesene  Motivation anhalten wird, wenn die Lehrpersonen der Sekundarschule nun plötzlich Leistungen einfordern müssen, die mit Unlustgefühlen verbunden sind: Wörter lernen, korrekt aussprechen, richtig schreiben, Verben konjugieren, Adjektive angleichen und was es halt so braucht, um die Sprache ausserhalb des Klassenzimmers zu verwenden. Kommt dazu, dass jetzt dafür nur noch wenig Zeit bleibt, denn die Stunden, die man in der Primarschule mit „Motivation“ verlebt hat, fehlen jetzt, wo man sie zum Üben nötig hätte.   

Eine Didaktik wie diejenige von Passepartout, die mit angeblich „zeitgemässen“, in Wirklichkeit aber wohl zweifelhaften Methoden experimentiert, mag zu Beginn tatsächlich motivierend wirken. Wenn jedoch das böse Erwachen über vertane Chancen kommt, wird sich Enttäuschung breit machen. Die Orientierungs- und Weiterbildungsschulen, das grosse Reformprojekt in Basel, wurden nach 20 Jahren liquidiert. Wie lange wollen wir Passepartout aussitzen, bevor es ohnehin von einer garantiert besseren, weil dannzumal „zeitgemässen“ Methode verdrängt wird? Die in Basel mit dem OS-System gemachten Fehler dürfen im Baselbiet unter keinen Umständen mit „Passepartout“ wiederholt werden.

Felix Schmutz
 

Leserbrief von Michael Pedrazzi, Grüne-Unabhängige Allschwil

Flächendeckende Kritik
In den Kantonen Bern und Solothurn ist man bereits ein Jahr weiter als im Kanton Baselland; deren Schüler haben unter der verordneten Ideologie-Didaktik die Oberstufe (Sekundarstufe) bereits erreicht. Lehrpersonen kritisieren flächendeckend, dass die Lernziele nicht erreicht werden, nicht mal im stärksten Leistungszug. Zudem wurde diese Didaktik nie auf ihre Wirksamkeit geprüft. Ohne Pilotprojekte startete man durch die Hintertür eine Didaktik in Form eines Paradigmenwechsels und verneint nun stur jegliches Scheitern, indem man sich der Realität nicht stellen will. Auch die Studie von Prof. Simone Pfenninger (Universität Zürich) belegt, dass ein Frühstarten im Fremdsprachenunterricht unter solchen Umständen keinen besseren Lernerfolg bringt. Weiteres Zuwarten bis 2020 ist verantwortungslos, weitere Jahrgänge von Schülern würden diesem "Passepartout"-System geopfert werden.
 

SP diskreditiert die Arbeit der Starken Schule

Letzte Woche ist eine von den beiden SP Co-Präsidenten Regula Meschberger und Adil Koller unterschriebene Mail an alle Sekundarlehrpersonen verschickt worden, in welcher die Arbeit der Starken Schule diskreditiert und die Bildungsdirektorin verunglimpft wurde. Als Reaktion haben wir uns erlaubt, den Sekundarlehrpersonen einen Brief einer Lehrperson zu mailen:

 
Liebe Sekundarlehrpersonen

Die SP-Parteispitze verkennt ihre Verantwortung dafür, dass die letzten 20 Jahre Bildungspolitik unter ihrer Führung für die schwierige Situation an unseren Schulen verantwortlich ist. Folgend erlauben wir uns, Ihnen eine an das Co-Präsidium der SP gerichtete Reaktion einer Lehrperson weiterzuleiten.

Freundliche Grüsse

Saskia Olsson
Geschäftsleiterin Starke Schule

Alina Isler Sekretariat
Starke Schule

Michael Pedrazzi
Vorstand Starke Schule

«Sehr geehrte Frau Meschberger, sehr geehrter Herr Koller

Ihre Partei hat massiv an Rückhalt verloren innerhalb der Lehrerschaft u.a. wegen der Positionen, die sie auch in Ihrem Mail vertreten. Von daher täten Sie gut daran, tatsächlich offen zu sein für Anregungen von Lehrerseite, wie Sie es am Schluss Ihres Mails formulieren.

Ihre Aussage, wonach erneute Sparübungen für Sie nicht in Frage kämen, ist schöne Rhetorik ohne praktische Relevanz: Ihre Partei hat die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion an die FDP verloren, und im Landrat verfügt sie von insgesamt 90 Sitzen über 21 gegenüber 54 der Hauptvertreter des bürgerlichen Blocks. Es ermangelt Ihrer Partei folglich an Wirkungsmöglichkeiten und Stimmen, um Ihre Anliegen durchzusetzen. Dies ist nicht zuletzt die Folge der Entfremdung Ihrer Partei von der Basis.

Zu Beginn Ihres Schreibens behaupten Sie eine Verunglimpfung des Alt-Regierungsrates Urs Wüthrich seitens der "Starken Schule Baselland", um weiter unten die aktuelle Regierungsrätin, Monica Gschwind, zu verunglimpfen mittels der Unterstellung, sie sehe Bildung vor allem als Kostenfaktor. Damit entblössen Sie Ihre eigenen dem politischen Gegner unterstellten Methoden.

Unter Urs Wüthrichs Ägide wurden Lehrkräfte zu schweigenden Befehlsempfängern. Er machte den Eindruck eines zwar aus der Gewerkschaft kommenden, aber nun im hohen Elfenbeinturm sitzenden Ideologen ohne Bodenhaftung und Kontakt zur Basis, völlig unzugänglich für Anregungen. Sein Schreiben vom 1. September 2014 ans Lehrpersonal liest sich als unterschwellige Drohung insbesondere an die Adresse seiner Bildungs- und Reformpolitik gegenüber kritisch gesinnten Lehrerschaft. Es mutet auf diesem Hintergrund befremdend an, dass nun zwei Co-Präsidenten als Wüthrichs Parteigenossen sich ausgerechnet an die von ihm verschmähte Basis wenden, um sich für Rückmeldungen offen zu zeigen. Wo waren Sie bisher?

Es scheint, die SP weiss nicht, was sich an der Basis abspielt. Da werden Lehrkräfte von Schulleitungen eingeschüchtert und genötigt; da werden Tricksereien angewendet, um nicht genehme Lehrer wenige Jahre vor deren Pensionierung loszuwerden; da wird die von Urs Wüthrich als Anregung deklarierte pädagogische Kooperation als verbindlicher Bildungsauftrag durchgeboxt; da werden Schreiben von der Bildungsdirektion unterschlagen, weil sie die Schulleitungen dazu anhalten die Kollegien zu entlasten; da werden seitens diverser Schulleitungen ganze Kollegien auseinanderdividiert in kritisch und unkritisch usw. Schulräte wurden im neuen Schulgesetz aus den Klassenzimmern verbannt, wodurch sie sich nur noch mit den Schulleiterinnen und Schulleitern austauschen. Eine Aufsichtsbehörde für Schulleitungen, an die sich Lehrkräfte wenden könnten, gibt es folglich keine.

Es verwundert, dass Sie in Ihrem Schreiben hervorheben, Urs Wüthrich habe sich im Landrat für die Lehrerschaft und die Angestellten des Kantons eingesetzt. Was hätte er denn als sozialdemokratischer Bildungsdirektor und ehemaliger Gewerkschaftssekretär anderes tun sollen? Das ist doch das Mindeste, was man von ihm erwarten durfte. Was allerdings nutzte sein Einsatz in Anbetracht seiner Funktion als Durchlauferhitzer für die Reformindustrie?

Während der letzten Jahre entstanden rund ums Klassenzimmer neue Wirtschaftszweige bzw. Kostenstellen, die auf dem Buckel der öffentlichen Schulen und zu deren Nachteil ihre Geschäfte betreiben bzw. Kosten verursachen. Da ist die so genannte „Bildungswissenschaft“ zu nennen, die an Fachhochschulen in ständig schnellerem Rhythmus "neue" Unterrichtsmethoden, Schulkonzepte und -strukturen ausbrütet. Damit verbunden sind hoch dotierte Professuren, Assistenzen, Doktorate, Studienlehrgänge, Seminarien usw. Das Amt für Volksschule als nächster Akteur verarbeitet die erwähnten "Forschungsergebnisse" zu Schulreformen, wozu es u.a. personalintensive und kostspielige Arbeits- und Projektgruppen, Koordinations- und Stabsstellen schafft. Auf der Grundlage dieser im Wesentlichen immer wieder von neuem erfundenen alten Schläuche entwickelt die Verlagsindustrie neue und zunehmend teurer werdende Unterrichtsmaterialien, die vermehrt in den Schränken der Schulzimmer gebunkert, aber nicht zur Anwendung kommen wegen fehlender Praxistauglichkeit, siehe insbesondere http://www.starke-schule-baselland.ch/Initiative_Fremdsprachen/Passepartout.aspx. Als letzter Wirtschaftszweig agiert die Fortbildungsindustrie, die den Schulen ihre obligatorischen Weiterbildungskurse für die erwähnten Methoden, Konzepte und Schulbücher verkauft. Diesbezüglich stellen sich Fragen:

"Wie ist es möglich, dass sich eine einzige Beratungsfirma sprunghaft an die Spitze der Weiterbildungsindustrie setzen konnte? Wie lässt sich erklären, dass dieselbe Firma den Schulleitungen auch die entsprechenden Evaluationsinstrumente zur Verfügung stellt, mit welchen die korrekte Anwendung der von ihr vermarkteten Produkte überprüft werden soll? Weshalb investiert der Kanton so viel Geld in diese Produkte? Der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH macht auf seiner Website keinen Hehl daraus, dass er in Kooperation mit erwähnter Beratungsfirma Weiterbildungsseminare anbietet. Unter den Beraterinnen und Beratern finden sich Ex-Schulleiterinnen und -Schulleiter, welche an ihren ehemaligen Schulen die genannten Unterrichtskonzepte bereits zum Mass aller Dinge erklärt haben. Und ebendiese Schulen werden im Rahmen des vom Kanton finanzierten Projektes «Schulen besuchen Schulen» rege besucht." http://www.lvb.ch/docs/magazin/2014_2015/03-M%C3%A4rz/32_Sprachlabor_und_Fleischkaesewerkstatt_LVB_1415-03.pdf

Hätte sich Ihre Partei die letzten Jahre für die Redimensionierung der erwähnten vier Wirtschaftszweige und Kostenstellen und somit gegen das sich ständig schneller drehende Rad der Reformen eingesetzt, hätten wir heute kein Kostenplus im Bildungsbereich von 9.4% zu verzeichnen, sondern ein zweistelliges Minus. Dann hätten u.a. die Klassenzahlen und Pensen der Lehrkräfte nicht erhöht und die Altersentlastung nicht gestrichen werden müssen, was im Gegensatz der sich mittlerweile überschlagenden Reformen dem Schulbetrieb tatsächlich zugute käme. Auch wenn es als Argumentation schön daherkommt, nützt es der öffentlichen Schule und deren Kindern und Jugendlichen nichts, dass andere Departemente höhere Kostensteigerungen als der Bildungsbereich zu verzeichnen hat. Auch die zwar berechtigte Betonung der verfehlten rechtsbürgerlichen Steuerpolitik der letzten Jahre hilft da nicht weiter. Das ist Parteiengeplänkel und zeugt von Ihrer Ferne vom thematisierten Gegenstand.

Solange Ihre Partei die Reformhysterie als den richtigen Weg betrachtet, sind Sie eben nicht auf unserer Seite. Sie machen sich offensichtlich kein Bild vom starken Sukkurs, den das Komitee Starke Schule Baselland im Lehrpersonal geniesst. Kommen Sie an die Basis, machen Sie Umfragen, sprechen Sie mit den Lehrkräften und den Eltern, lösen Sie sich von Ideologie und Parteiendoktrin, beginnen Sie sich für den realen Schulalltag zu interessieren.

Machen Sie einen Schritt auf die Lehrerschaft, losgelöst von Parteipropaganda. Lösen Sie sich von der Vorstellung, Ihre bildungspolitischen Ideen liessen sich umsetzen. Darum geht es schon lange nicht mehr. Ihre Ideologie ist mittlerweile nicht mehr als ein lukratives Geschäftsmodell auf dem Buckel der öffentlichen Schule.»
 

Auf diese Mail hin haben wir bereits zahlreiche positive Rückmeldungen von Sekundarlehrpersonen erhalten, unter anderem Folgende:

  • "Schlicht und einfach ein grosses Bravo!"
  • "Das Vorgehen der SP ist sowas von daneben!"
  • "Das ist ein starker Brief!"
  • "Herzlichen Dank! Sie reden mir aus dem Herzen."
  • "Stark formuliert. Danke für die Recherchearbeit."
  • "Endlich sagt mal jemand, was Sache ist..."
     

Zwei neue Initiativen

Mit neuer Fremdsprachendidaktik werden die Lernziele nicht erreicht

Seit 2012 werden an den Primarschulen die Fremdsprachen nach einem völlig neuen didaktischen Konzept unterrichtet. Eines seiner Merkmale besteht darin, dass die Schüler/-innen praktisch keinen praxistauglichen Grundwortschatz und fast keine Grammatik lernen müssen. Auch auf eine korrekte Schreibweise und Aussprache wird verzichtet. Die Schüler/-innen sollen zum Beispiel statt "je" auch "schö" schreiben dürfen und die Primarlehrpersonen sind ausdrücklich angehalten, ihre Schützlinge nicht zu korrigieren. Dies wird von der neuen Didaktik verlangt. Halten sich die Primarlehrpersonen an diese Didaktik, was sie eigentlich tun müssten, dann haben sie so zu unterrichten.

Kritik wächst
Seit einiger Zeit erhalten wir zunehmend Kritik von besorgten Eltern und Primarlehrpersonen. Erste Rückschlüsse sind bereits möglich: Die Lernziele werden deutlich verfehlt. Mit zwei neuen, nichtformulierten Volksinitiativen möchten wir korrigierend eingreifen.

Zwei neue Bildungsinitiative
Mit der ersten Initiative „Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt“ soll der Kanton Baselland zum nächstmöglichen Termin aus dem Passepartout-Projekt aussteigen. Durch verwirrende Lernstrategien, die keinen praxistauglichen Grundwortschatz vorsehen und wo auf eine korrekte Schreibweise und Aussprache verzichtet wird, werden Schüler/-innen überfordert. Rückmeldungen zeigen: Lernziele können in den Fremdsprachen nicht erreicht werden und auch andere Fächer werden mangels Ressourcen vernachlässigt. Mit der zweiten Initiative „Stopp der Überforderung von Schüler/-innen: Eine Fremdsprache auf der Primarstufe genügt“ soll auf der Primarstufe zukünftig nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden. Es gibt heute keine Studie, die belegt, dass das frühe Erlernen von mehreren Fremdsprachen auch nachhaltig wirksam ist. Um den Druck auf die Schüler/-innen, gerade im jungen Alter, etwas zu dämpfen, soll neu nur noch Französisch auf der Primarstufe unterrichtet werden.

Unterschriftenbogen herunterladen
Für weitere Informationen zur Pressekonferenz vom 14.10.2015 und zur Einsichtnahme der einzelnen Statements klicken Sie hier. Die beiden Unterschriftenbogen können Sie hier herunterladen.
 

Ein oder zwei Fremdsprachen?

Der Zürcher Lehrerverband (ZLV) hat kürzlich eine Umfrage bezüglich ein oder zwei Fremdsprachen bei über 1'200 Lehrpersonen durchgeführt. Das Resultat ist erstaunlich. 75% der Befragten sprechen sich dezidiert für lediglich eine Fremdsprache in der Primarschule aus.

Die Diskussionen um den Fremdsprachenunterricht auf der Primarschule sind in vollem Gange. In Zürich hat sich der Lehrerverband in Form einer Mitgliederbefragung der Thematik angenommen. 1'233 Antworten bekam der ZLV auf die Frage, ob es in der Primarschule eine oder zwei Fremdsprachen geben soll. Während 4% am liebsten keine Fremdsprache hätten, sprachen sich 75% für eine und 20% für zwei Fremdsprachen ein. Obwohl mit 33% die Mehrheit der Befragten mit dem heutigen Beginn der ersten Fremdsprache in der dritten Klasse einverstanden sind, möchten 71%, dass mit der zweiten Fremdsprache erst nach der sechsten Klasse - also erst in der Sekundarstufe - begonnen wird.

Es gibt viele Gründe, die für lediglich eine Fremdsprache in der Primarschule sprechen. Darunter zum Beispiel die geringe Lektionenanzahl. Nur je zwei Wochenlektionen reichen nicht aus, um eine Fremdsprache mit der nötigen Intensität zu lernen. Die Abstände zwischen den Lektionen sind zu gross, sodass immer wieder viel Zeit für die Aktivierung des erst neu gelernten Wortschatzes aufgewendet werden muss. Viele Schulkinder sind stark überfordert und nicht selten wirkt sich diese Überforderung auch negativ auf das Lernverhalten von anderen Fächern aus.
 
 

Geschichte und Biologie werden marginalisiert

An den Baselbieter Sekundarschulen will der Regierungsrat ab dem Schuljahr 2016/17 die Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie abschaffen und durch die beiden Sammelfächer "Räume, Zeiten, Gesellschaften" sowie "Natur und Technik" ersetzen. Die traditionellen Fächer werden damit marginalisiert. Dieses Vorhaben, welches angeblich vernetztes Denken, lebensnahen Unterricht und Einblick in die Zusammenhänge verschiedener Fächer fördern will, schiesst weit über das Ziel hinaus. Die überwiegende Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen sind sich darin einig.

Statt Harmonisierung neue Bildungsideologie
Geplant ist ein Paradigmenwechsel. Mit der Einführung der Sammelfächer sollen künftig nicht mehr fundiert ausgebildete Lehrpersonen mit Universitätsabschluss an den Sekundarschulen unterrichten, sondern Generalisten und Allrounder. In Schmalspur-Kursen werden diese an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet. Sie verfügen nur noch über einen Bruchteil, über eine Lightversion der heutigen Fachausbildung. Die angehenden Lehrpersonen lernen eine Universität nur noch von aussen kennen. Dementsprechend sieht auch der Unterricht aus. Das bisherige Ziel, den Jugendlichen ein möglichst tiefes Verständnis wissenschaftlicher Gesetzmässigkeiten zu vermitteln, soll künftig einem oberflächlichen Breitbandunterricht geopfert werden. Der Sekundarstufe I droht via Sammelfächer, die ein fester Bestandteil des neuen Lehrplans 21 sind, ein massiver Qualitätsverlust und damit verbunden ein erheblicher Bildungsabbau. Statt der angestrebten Harmonisierung der Schulen, die faktisch gescheitert ist, erhalten die Schulen mit den Sammelfächern und dem kompetenzorientierten Lehrplan 21 eine neue Bildungsideologie vorgesetzt, die in Richtung Einheitsschule strebt. In verschiedenen Wahlpflichtfächern, wie z.B. Italienisch, Latein, MINT (Mathematik-Informatik-Natur-Technik) sollen in Kürze die drei bewährten Leistungsniveaus A (allgemeines Niveau), E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) abgeschafft werden. 

Minimierung der Berufschancen
Das Sammelfach-Vorhaben stellt auch einen massiven Eingriff in die Berufs- und Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler dar. Sind es doch gerade solide Vorkenntnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern, die für viele Ausbildungen von eminenter Bedeutung sind. Insbesondere am Wirtschaftsstandort Basel ist die Schule in der Pflicht und Verantwortung, ein besonderes Gewicht auf einen fundierten naturwissenschaftlichen Unterricht zu legen. Dies nicht zuletzt, um nicht die Konkurrenzfähigkeit der Schulabgängerinnen und -abgänger zu gefährden.

Bildung ist unser Rohstoff
Bildung ist ein hohes Gut und letztlich der einzige Rohstoff unseres Kantons. Unsere Dienstleistungssek-toren, innovativen Firmen und Industrien, die Präzisionsprodukte in die ganze Welt exportieren und damit für unseren Wohlstand in hohem Masse mitverantwortlich sind, benötigen jährlich eine Vielzahl neuer, bestens qualifizierter Arbeitskräfte. Eine starke Schule Baselland ist unabdingbar, um diese notwendige Anzahl fundiert ausgebildeter Jugendlicher hervorzubringen. Dies kann nur mit engagierten und qualifizierten Lehrpersonen gelingen, die ihren Schützlingen Vorbild sein können. Allrounder mit einer Schnellbleiche-Ausbildung, die etwa so viel wissen, wie sie von ihren Lernenden auf dem Übungsblatt verlangen, tragen wenig zu einem hochstehenden Bildungssystem bei.

Die Qualität des Unterrichtes nähme unweigerlich ab, unsere Kinder erhielten kaum mehr einen richtigen Geschichts- oder Biologieunterricht. Die Marginalisierung der Einzelfächer wird durch den geplanten Abbau der Lektionenzahl und einer gemeinsamen Zeugnisnote zusätzlich unterstrichen. Gerade im Wirtschafts-, Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordwestschweiz müssen die naturwissenschaftlichen Fächer eine bedeutende Rolle einnehmen.

Millionenkosten entstehen

Für die Umsetzung dieser Sammelfach-Idee nimmt die Regierung zusätzliche Kosten in Millionenhöhe in Kauf. Kosten für die Schnellbleiche-Weiterbildung der Lehrpersonen und für neue, teure Lehrmittel. Und dies alles ohne Mehrwert für das Bildungswesen.  

Neue Bildungsinitiative

Die Starke Schule Baselland lancierte vor den Sommerferien die Initiative "Ja zu den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie". Bis Ende September werden fleissig Unterschriften gesammelt. Mit der formulierten Gesetzesinitiative werden die Einzelfächer im Bildungsgesetz verankert. Unterschriftenbogen können Sie gerne hier anfordern.

Saskia Olsson Geschäftsleiterin Starke Schule Baselland

 

Aufhebung der Leistungsniveaus untergräbt Bildungsqualität

Die Sekundarschule BL ist seit vielen Jahren ein Erfolgsmodell. Von fachlich und pädagogisch kompetent ausgebildeten Lehrpersonen werden die unterschiedlichen Stärken der SchülerInnen innerhalb von drei Leistungsniveaus (A, E, P) gefördert. Grossmehrheitlich führen die Lehrpersonen ihre Klassen im jeweiligen Leistungsniveau mit Erfolg an die entsprechenden Bildungstreffpunkte.

Nun allerdings versucht die Regierung die Aufhebung gerade dieser drei erfolgreichen Niveaus durch die Hintertür durchzupauken. Dieser  eigenmächtige, für einen grossen Teil der Lehrerschaft nicht nachvollziehbare Schritt, hätte eine tief greifende Änderung im kantonalen Bildungssystem zur Folge und würde die (noch) hohe Bildungsqualität untergraben. Was mit der Aufhebung der Niveaus als Beitrag zur Chancengleichheit propagiert wird, ist bei Lichte besehen deren Gegenteil. Die Chancen der Jugendlichen würden mit dieser naiven, realitätsfernen und folgenschweren Gleichmacherei sicher nicht gefördert. 

Durch die geplante Mischung der Niveaus nämlich würde sich die innerhalb eines Niveaus übliche Heterogenität noch vervielfachen. Leistungsstarke wären permanent unter-, Schwächere überfordert. Gerade sie wären aber in besonderem Masse auf eine intensivere Betreuung angewiesen. Diese enorme Leistungsspanne würde auf allen Seiten zu Frustration, Entmutigung und Aggression führen. Unter dem Strich würden viele in ihren jeweiligen Lern- und  Entwicklungsmöglichkeiten gehemmt bzw. blockiert. Dies wiederum würde sich in Form von Bildungsdefiziten negativ auf ihre Zukunfts- und Berufschancen auswirken. Den Lehrpersonen schliesslich wäre es im Rahmen eines solch unverantwortlichen Experiments nicht mehr möglich, ihren gesetzlichen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Saskia Olsson, Geschäftsleiterin Komitee Starke Schule Baselland
 

Lancierung der formulierten Initiative "Ja zu den Einzelfächern"

Mit einer formulierten Initiative möchten wir die fünf Fächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie im Bildungsgesetz im §28, der Angebot und Dauer der Sekundarschulen festlegt, mit einem neuen vierten Absatz verankern. Festgeschrieben werden soll neu, dass diese fünf Fächer auf der Sekundarschule "als Einzelfächer unterrichtet und benotet" werden. Die Initiative definiert ebenfalls das Inkrafttreten dieser Änderung. Normalerweise ist die Regierung für die Inkraftsetzung einer Gesetzesänderung verantwortlich. Mit der gewählten Formulierung entziehen wir dem Regierungsrat diese Entscheidungsmöglichkeit und legen die Inkraftsetzung wie folgt fest: "Sind die Voraussetzungen für das Inkrafttreten dieser Änderung erfüllt, so tritt sie mit Beginn des darauf folgenden Schuljahres in Kraft."  

Das Ziel dieser Initiative ist die Verhinderung der beiden Sammelfächer "Räume, Zeiten, Gesellschaften" und "Natur und Technik". Im Dezember 2014 hat der Bildungsrat mit der neuen Stundentafel beschlossen, diese Sammelfächer ab dem Schuljahr 2016/17 einzuführen. Bereits in der Harmos-Aus­stiegs­initiative, die wir vor eineinhalb Jahren einreichten, waren diese Sammelfächer auf der Sekundarstufe 1 ein wesentlicher Kritikpunkt.

Unser Hauptkritikpunkt gegenüber der Einführung der Sammelfächer ist ein Bildungsabbau mit weitreichenden Folgen. Dies liegt vor allem an der Ausbildung der Lehrpersonen, die auf einen breiteren Fächerkanon hinauslaufen würde. Damit werden die Lehrpersonen zu Generalisten, die von allem ein bisschen, jedoch von nichts ein fundiertes Fachwissen haben. Ausserdem kommt es zu Kosten in Millionenhöhe, da neue Lehrmittel, Weiterbildungen und andere personelle Ressourcen gebraucht werden.

Den Unterschriftenbogen zu der Initiative können Sie hier herunterladen. Zusätzliche Informationen zur Initiative können Sie unter der Rubrik "Neue Initiative" finden.

 

Das Französisch-Lehrmittel „Mille feuilles“

Die Grundlage des Französisch-Lehrmittels „Mille feuilles“ bildet der Passepartout-Lehrplan, welcher Teil des Lehrplans 21 ist. Der Französisch-Unterricht, der in der 3. Primarklasse beginnt, baut auf der Kompetenzorientierung auf: Das wichtigste Ziel ist die „funktionale Kommunikation“. Die Schüler/-innen sollen in der Fremdsprache Kompetenzen erwerben, mit denen eine der Situation angepasste Verständigung gelingen kann. Dabei wird weniger Wert auf sprachliche Korrektheit gelegt, sondern vielmehr darauf, dass der Lernende verstanden wird. Die rund neunjährigen Kinder konstruieren ihr Wissen und ihre Erkenntnisse selber. Sie sollen Strategien entwickeln, um ihr Lernen selbst organisieren zu können. Die Lehrperson schafft die Lernbedingungen, beobachtet die Lernprozesse und steht als Berater/-in zur Verfügung.

Im Unterricht mit „Mille feuilles“ sollen sich die Kinder in einem französischen Sprachbad bewegen. Auch deshalb werden authentische Texte angeboten, die sich an französisch sprechende Kinder richten. Darin kommen zum Teil sehr spezielle Wörter vor, die nicht zum Grundwortschatz gehören. Diese Texte müssen jedoch nur oberflächlich verstanden werden.

Das Lehrmittel „Mille feuilles“ ist unter vielen Primarlehrpersonen, die Frühfranzösisch unterrichten, aufgrund erheblicher Nachteile heftig umstritten: So lässt dieses Buch z.B. klare Strukturen vermissen und ein sorgfältiger Aufbau eines verbindlich zu lernenden Grundwortschatzes fehlt gänzlich. Wörtchen lernen bedeutet nicht Drill, sondern erleichtert das Erlernen einer Fremdspräche massgeblich. Wörter und Ausdrücke erst später zusammen mit der korrekten Schreibweise lernen, bedeutet viel mehr Aufwand und führt bei manchem Kind zu Frust und Ablehnung dieser Fremdsprache.

In diesem Lehrmittel gibt es jede Menge "Aktionismus": Theaterszenen erfinden, Bildergeschichten erzählen, Comics zeichnen und Plakate gestalten sind nur einige Beispiele. Der zeitliche Aufwand dafür ist jedoch enorm und führt zur Reduktion derjenigen Zeit, die für das eigentliche Lernen der Fremdsprache zur Verfügung steht. Vieles wird deshalb nur angetippt. Es fehlen die Systematik und der rote Faden, an dem sich die Kinder orientieren können. Das Lernen geschieht zufällig oder es geschieht auch nicht. Kinder, die keine Unterstützung durch ihre Eltern oder ältere Geschwister bekommen, sind mit dieser Lernmethode oft überfordert und scheitern. Die Chancengleichheit lässt grüssen.

Auch auf der Sekundarstufe 1 wird das Lehrmittel „Mille feuilles“ heftig kritisiert. Da es sich um eine völlig neue Philosophie des Lernens handelt, müssen Lehrpersonen während 24 Halbtagen eine Weiterbildung machen, zu welcher sie oftmals gezwungen werden. Diese Weiterbildung soll zur „Umpolung“ auf das neue Lehrmittel genutzt werden. Um diese Weiterbildungen und damit die Einführung einer neuen wischiwaschi-Lehrmethode zu stoppen wurde im Landrat bereits der Vorstoss "Didaktische Umpolung von Lehrpersonen" eingereicht.

Frühfranzösisch reduziert die Kompetenzen im Fach Deutsch  

Seit Jahren stellen Primarlehrpersonen eine abnehmende Kompetenz der Schüler/-innen im Fach Deutsch fest. Die Gründe mögen vielfältig sein: Wesentlich dürfte das stark veränderte Freizeitverhalten heutiger Kinder eine tragende Rolle spielen. Viele lesen in ihrer Freizeit kaum noch. Die heutigen Kinder und Jugendlichen zeigen zunehmend Defizite in Rechtschreibung, Grammatik, Sprachgefühl, Sprachstil, Wortschatz und insbesondere im Textverständnis. Als Mittelstufenlehrperson, welche auf der Primarstufe in erster Linie der Sprachkompetenz im Fach Deutsch eine grosse Bedeutung beimisst, versuche ich in all den genannten Bereichen meine Schüler/-innen so oft wie möglich mit einer Wochenlektion zu fördern.

Das neu etablierte Unterrichtsfach Frühfranzösisch entzieht den Primarschülerschüler/-innen erhebliche Ressourcen: Sowohl die Unterrichtszeit als auch die tägliche und wichtige Hausaufgabenzeit für die anderen Fächer reduziert sich, insbesondere für die Fächer Deutsch und Mathematik. Die Kompetenz in der deutschen Sprache sinkt unter diesen Umständen weiter. Die ersten Rückmeldungen von Primarlehrpersonen zeigen, dass die Idee des sogenannten "Sprachbades" ein absolutes Märchen ist, da Frühfranzösisch aus Gründen der Stundentafel in den meisten Schulen an lediglich zwei Wochentagen unterrichtet werden kann. Im kommenden Schuljahr muss z.B. der Frühfranzösischunterricht in verschiedenen Klassen an der Primarschule Therwil sogar als Doppellektion an einem einzigen Wochentag stattfinden: Das Wort „Sprachbad“ wird dort gänzlich zur Farce. Erschwerend kommt hinzu, dass das  Lehrmittel „Milles Feuilles“ weder methodisch strukturiert ist, noch einen pädagogisch klar sichtbaren roten Faden zum Erlernen der französischen Sprache besitzt. Anfangs noch begeisterte Französisch-Fachlehrpersonen werfen zunehmend mehr oder weniger entnervt das Handtuch.

Selten könnte etwas so unkompliziert erworben werden wie Fremdsprachen: Ein intensiver Sprachaufenthalt stellt unbestrittenermassen die Resultate jahrelanger, möglicherweise mühselig erworbener Frühfremdsprachenkenntnisse in den meisten Fällen weit in den Schatten. Welcher Erwachsene besucht hingegen einen Deutschkurs, wenn er der Deutschen Sprache zu wenig mächtig ist? Das ist den meisten Betroffenen zu peinlich…

Den Ausbau des Fremdsprachenunterrichtes auf der Primarstufe lehne ich ab, obwohl oder gerade deshalb, weil ich selbst bis vor zwei Jahren Frühfranzösisch unterrichtete und wie viele meiner Arbeitskolleg/-innen keine befriedigenden Lernziele erreichen konnte. Mit zwei Fremdsprachen machen wir den meisten Kindern keinen Gefallen.

Marianne Lander Vuilliomenet, Primarlehrerin

Lehrmittelfreiheit an den Sekundarschulen

Caroline Mall (SVP) will  das Bildungsgesetz mit ihrer Motion "Lehrmittelfreiheit auch an den Sekundarschulen" (2015-075) so abändern, dass Lehrpersonen künftig nur noch Lehrmittel vorgeschlagen werden; obligatorisch sollen die Lehrmittel nicht mehr sein. Grund dafür sind die vielen - bis jetzt noch obligatorischen - Lehrmittel, die von Lehrpersonen oft gar nicht genutzt werden und dann nach vielen Jahren im Altpapiercontainer landen. Anlass zu Malls Vorstoss war wohl das kürzlich neu erstellte Englisch-Lehrmittel "New World", über das sich nicht nur das Komitee Starke Schule Baselland negativ geäussert hat, sondern auch der lvb.

An den Gymnasien herrscht bereits heute Lehrmittelfreiheit. Massgebend ist dort der Lehrplan, an welchem sich die Lehrpersonen orientieren müssen. Das Erreichen der Lernziele ist ihnen überlassen.

Vor gut zwei Wochen hat der lvb nun eine interne Umfrage gestartet, um damit einen Eindruck über die Meinung ihrer Mitglieder zu erhalten. Dabei kam heraus, dass sich 72% für die Motion von Mall ausgesprochen haben. 9.8% waren mit Vorbehalten dafür und 18.2% sind gegen die Motion. Wichtig für den lvb ist die Regelung der finanziellen Konsequenzen und die Sicherstellung, dass sich der Schulunterricht nicht zu stark von Klasse zu Klasse unterscheidet.

Für das Komitee, welches sich ebenfalls für die Lehrmittelfreiheit ausspricht, ist dieses Ergebnis erfreulich. Vor allem, da es die Meinung der Lehrpersonen - die im Endeffekt mit den Lehrmitteln arbeiten - widerspiegelt.

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Bessere Ausbildung für leistungsschwächere Schüler

Die rund 3'000 Schüler/-innen des Anforderungsniveau A (allgemeines Niveau) der Sekundarstufe 1 haben immer mehr Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt eine Lehrstelle zu finden. Viele Betriebe bevorzugen Schulabgänger/-innen, welche die beiden höheren Leistungsniveaus E und P absolviert haben. Zunehmend gilt dies sowohl für die typischen handwerklichen Berufe, wie z. B. Maler, Sanitärinstallateur, Zimmermann, als auch für Berufe im Dienstleistungssektor, wie z.B. Logistiker, Koch, Hotellerie. Die NZZ schreibt im Artikel „Keiner wartet auf schwache Schüler“ am 20.10.2014 treffend: "Die Ansprüche sind auf dem Arbeitsmarkt gestiegen – auf leistungsschwächere Jugendliche wartet heute niemand."

Berufschance optimieren

Die Berufschancen der Jugendlichen aus dem Anforderungsniveau A müssten zwingend verbessert werden: Eine intensive und konkrete Auseinandersetzung mit dem Berufsfindungsprozess während der Schulzeit ist dabei unerlässlich. Im Wochenstundenplan finden sich gerade mal 45 Minuten, um die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorzubereiten; viel zu wenig. Denn oft suchen die Schulabgänger/-innen den direkten Weg via Lehre ins Berufsleben, leider mit geringen Erfolgsaussichten. Meist muss daher ein zusätzliches Jahr in einem Brückenangebot absolviert werden. Die zweijährige Diplommittelschule (DMS 2), die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) und die Schulischen Brückenangebote (SBA und SBA plus) sind ausgezeichnete Schulen, die zahlreiche Vorkurse in verschiedenen Bereichen anbieten. Unverständlich mutet es an, dass Bildungsdirektor Urs Wüthrich als Sparmassnahme die beiden Erfolgsschulen DMS 2 und KVS abschaffen will, mit dem Ziel kurzfristig 600'000 Franken einzusparen. Damit nimmt er langfristig deutlich grössere Folgekosten in Kauf.

KVS und BVS 2 mindestens vorerst gerettet

Die Initiative "Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere" des Komitees Starke Schule Baselland sowie die NEIN-Kampagne zum "verlogenen Entlastungsrahmengesetz" verhinderte mindestens vorerst die Abschaffung der KVS und BVS 2. Beide Erfolgsschulen bieten den Jugendlichen aus dem Leistungsniveau A eine einmalige Chance, an der Sekundarschule verpassten Unterrichtsstoff nachzuholen resp. zu vertiefen und sogar eine anspruchsvolle kaufmännische Lehre anzupeilen. Die Nachfrage ist beachtlich und die Motivation der Absolvent/-innen gross. Mehr als 95% gelingt anschliessend ein erfolgreicher Wechsel in die Berufswelt. 

Dass die Bildungsdirektion nach wie vor die Option einer Abschaffung der KVS offen lassen möchte, ist nicht nachvollziehbar. 

Unverständlicher Entscheid 

Das sogenannte Werkjahr ist das 9. Schuljahr der Sekundarstufe 1, welches Schüler/-innen aus den Kleinklassen des Leistungsniveaus A besuchen können. Viele Jugendliche finden nach der Absolvierung des Werkjahres eine Lehrstelle, z.B. als Restaurationsfachfrau, Coiffeure, Detailhandelsassistentin, Automobilfachmann. Verständlicherweise ist dieses Werkjahr bei den Jugendlichen beliebt. Unverständlich ist der Entscheid der Bildungsdirektion, dieses wertvolle Werkjahr trotz dem klaren Erfolgsausweis zu streichen. Die Standorte Bottmingen und Liestal sind bereits geschlossen, dieses Jahr folgt Frenkendorf; und auch Pratteln beendet seinen Betrieb Mitte 2016.

Die Bildungspolitik der letzten Jahre von Regierungsrat Urs Wüthrich führt zu einem Bildungsabbau insbesondere bei den schulisch Schwächeren. Gerade aber sie sollten künftig wieder stärker in den Fokus unseres Bildungssystems gerückt werden.

Stärkung des Bildungssystems für schulisch Schwächer

Damit Jugendliche mit einer geringen schulischen Ausbildung den Wechsel in die Berufswelt schaffen und nicht langfristig zum Sozialfall werden, sind ihre Ausbildungschancen zu verbessern. Insbesondere in folgenden beiden Bereichen sehen wir Handlungsbedarf: 

  • Die Anzahl Kleinklassen hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Die betreffenden Schüler/-innen der Sekundarstufe 1 werden zunehmend in eine Regelklassen (Niveau A) integriert. Sie benötigen allerdings meist deutlich mehr Zeit um den Unterrichtsstoff zu bewältigen. Trotz Unterstützung durch Förderlehrpersonen (z.B. Heil- und Sozialpädagogen/-innen) während einzelnen Lektionen, können sie die Lernziele in den Regelklassen kaum erreichen. Dies führt zu Frust und einer Verlangsamung des Lerntempos der gesamten Klasse mit Anpassung der Lernziele zum Nachteil der lernstärkeren Schüler/-innen. Der Erhalt von Kleinklassen in ursprünglicher Quantität ist unabdingbar.
  • Künftig soll die Ausbildung der Lehrpersonen der drei Leistungsniveaus A, E und P vereinheitlicht werden. Die Pädagogen/-innen sollen nach dem Willen der Bildungsdirektion alle drei Niveaus unterrichten. Dabei wird verkennt, dass die Schüler/-innen der verschiedenen Niveaus unterschiedliche Bedürfnisse und Zukunftsperspektiven haben. Was für den Schüler im Niveau A richtig und gut ist, muss für die Schülerin im Niveau P nicht zielführend sein. Ein gutes Bildungssystem wird diesen Unterschieden gerecht. Eine Differenzierung der Stundentafel und des Lehrplanes sind dabei ebenso unabdingbar wie Lehrpersonen mit einer spezifisch auf die drei Leistungsniveaus angepasster Ausbildung. Um einen zielgerichteten Unterricht erteilen zu können, benötigen Lehrpersonen des Niveaus A eine andere Ausbildung als solche, die im Leistungsniveau E und P unterrichten. Die Ausbildung muss spezifisch angepasst werden. Während Lehrpersonen im Niveau E und P über ein speziell fundiertes Fachwissen in wenigen Fächern (in der Regel drei) verfügen müssen, benötigen Lehrpersonen für das Niveau A ein etwas weniger tiefes, dafür aber breiteres Wissen, um mehr Unterrichtsfächer abdecken zu können (in der Regel ca. fünf) mit einem höheren Praxisbezug.

Hier noch ein interessanter Artikel aus der NZZ, der dieses Thema ebenfalls aufgreift.

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Erfolge und Misserfolge des Komitees Starke Schule Baselland

Seit rund vier Jahren ist das Komitee Starke Schule Baselland aktiv. Sichtbar sind nicht nur die sieben lancierten und teilweise mit aussergewöhnlich vielen Unterschriften eingereichten Volksinitiativen, sondern auch diverse parlamentarische Vorstösse, welche vom Komitee erarbeitet und durch unsere Volksvertreter im Parlament eingereicht wurden. Zu den wichtigsten zählen die beiden Parlamentarischen Initiativen "Parlament bestimmt allfällige Einführung von Lehrplan 21" und "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer", mit welcher die Stossrichtung der Bildungspolitik unseres Bildungsministers korrigiert werden soll.

Seit seinem Bestehen erzielte das Komitee drei eindrückliche Erfolge, musste aber auch eine schmerhafte Niederlage einstecken: 

Vier eindrückliche Erfolge

  • Durch die Wahl von Monica Gschwind als neue Bildungsdirektorin ist ein Richtungswechsel in der Bildung nun endlich möglich. Diese Wahl ist auch für das Komitee ein Erfolg, da wir eine Wahlkampagne für Monica Gschwind mit ca. 400 Plakaten und einer Pressekonferenz ermöglicht haben. Als Konsequenz für die missglückte Bildungspolitik der letzten Jahre hatten sich viele Lehrpersonen bewusst dazu entschieden, Monica Gschwind ihre Stimme bei den Regierungsratswahlen zu geben.
  • Nach einem intensiv geführten Abstimmungskampf des Komitees Starke Schule Baselland mit 2'000 Plakaten, 100'000 Flyern und zahlreichen Inseraten mit dem Slogan "Nein zum verlogenen Entlastungsrahmengesetz" stimmt die Baselbieter Bevölkerung am 17. Juni 2012 mit 58% Nein zu den geplanten Sparmassnahmen im Bildungsbereich. Mit diesem Nein ist die Berufsvorbereitende Schule BVS 2 gerettet und das Komitee kann die eingereichte Initiative "Ja zur Weiterführung der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule" als erfüllt zurückziehen. Aus Spargründen wollte die Bildungsdirektion diese Schule abschaffen.
  • Nach der Einreichung der Initiative zur Verkleinerung der Maximalzahlen der Anzahl Schüler/-innen in den Klassenzimmern arbeitet die Regierung einen Gegenvorschlag aus. Das Stimmvolk befürwortet am 25. November 2012 diesen Gegenvorschlag deutlich. Ohne den Druck der Initiative "Überfüllte Klassen reduzieren" wäre diese Reduktion der maximalen Schülerzahlen auf Primar- und Sekundarschule nie erreicht worden.
  • Das Baselbieter Parlament befürwortet deutlich die vom Komitee Starke Schule Baselland eingereichte Initiative "Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere" und zwingt damit die Bildungsdirektion die Abschaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) zu verzichten. Die Regierung ist zurzeit an der Ausarbeitung einer Gesetzesvorlage, welche den Erhalt der KVS sichert. Der dritte Erfolg.

Ein schmerzhafter Misserfolg

  • Am 25. November 2012 lehnt die Bevölkerung aufgrund der schlechten Finanzlage unseres Kantons die Initiative "Keine Zwangsverschiebungen von Schüler/-innen an den Sekundarschulen" mit 59% ab. Damit können weiterhin Kinder im Alter von 11 und 12 Jahren aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen und in eine weiter entfernte Schule zwangsverschoben werden. Die Bildungsdirektion will mit diesen Verschiebungen die Klassen bis zur maximalen Grösse auffüllen, um so Kosten zu sparen. Das Komitee Starke Schule Baselland bedauert diesen Volksentscheid und erachtet diese Sparmassnahme auf dem Buckel der Kinder für heikel.
Der Vorstand des Komitees Starke Schule Baselland bedankt sich bei seinen Mitgliedern und Sympathisant/-innen herzlich für die erhaltene Unterstützung während den letzten Jahren und hofft, dass es uns gelingt weitere Erfolge zu realisieren: Im Wissen, dass Erfolge und Misserfolge manchmal sehr nahe beieinander liegen.

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Interview mit Monica Gschwind

Saskia Olsson: Die Bildungsdirektion strebt mit einer schleichenden Abschaffung der drei Leistungsniveaus A, E und P an den Sekundarschulen eine Einheitsschule an. In einem ersten Schritt sollen in den sieben Wahlpflichtfächern Latein, Italienisch, MINT, Musik, Bildnerisches Gestalten usw. die Niveaus aufgelöst werden. Was sagen Sie dazu?

Monica Gschwind: Ich befürworte an den Sekundarschulen die Beibehaltung der drei Leistungsniveaus in allen Promotionsfächern, also auch in den Wahlpflichtfächern. Je homogener die Klassen sind, desto effizienter können Lehrpersonen den Unterricht gestalten und damit sowohl den leistungsschwächeren als auch den leistungsstärkeren Kindern besser gerecht werden. Ich bin überzeugt davon, dass die Jugendlichen bessere Leistungen erbringen, wenn sie in einem ihnen zugeschnittenen Umfeld lernen können. Ansonsten sind Frustration und Unwillen vorprogrammiert.

Der neue Lehrplan 21 ist aber darauf ausgerichtet, in Grossklassenzimmern Schüler/-innen aller drei Niveaus gleichzeitig zu unterrichten. Lehrpersonen sollen weitgehend als Lerncoach fungieren, die bis zu sechs Fächern unterrichten und damit von vielem etwas und von wenig viel wissen. In Pratteln soll ab dem kommenden Schuljahr bereits teilweise so gearbeitet werden. Regierungsrat Urs Wüthrich und seine Chefbeamten arbeiten intensiv an dieser neuen Unterrichtsphilosophie.

Den Lehrplan 21, der weitgehend auf Kompetenzbeschreibungen basiert, lehne ich in der vorliegenden Version ab. Um eine echte Harmonisierung zu erreichen, benötigen unsere Schulen einen auf Stoffinhalt aufbauenden Lehrplan mit klaren und überprüfbaren Jahreszielen. Grossklassenzimmer, in welchem die Jugendlichen nach dem Wohlfühlprinzip selber entscheiden, was sie heute gerade lernen wollen und was nicht, mindern die Bildungsqualität. Ich lehne auch Sammelfächer ab, welche dazu führen, dass Sekundarlehrpersonen zu Generalisten werden. Jugendliche brauchen Lehrpersonen, die eine Vorbildfunktion übernehmen und motivieren können. Dazu müssen sie Spezialisten sein und die Jugendlichen mit ihrem Fachwissen überzeugen. Gerade in den MINT-Fächern sollen mehr Jugendliche gefördert werden, damit in den technischen Berufen der eigene Nachwuchs ausgebildet werden kann. Dazu braucht es eine hohe Sachkompetenz und eine grosse Überzeugungs- und Motivationskraft der Lehrpersonen.

Wie sieht aus Ihrer Sicht ein effizienter Unterricht aus?

Ich wünsche mir sowohl fachlich als auch methodisch-didaktisch fundiert ausgebildete Lehrpersonen, die motiviert sind, Kinder und Jugendliche zu fördern und einen guten Fachunterricht leisten. Dies muss wieder zur Kernaufgabe der Lehrpersonen werden. Von administrativen Aufgaben und unnötigen Sitzungen müssen sie entlastet werden. Nur motivierte Lehrpersonen leisten auch eine ausgezeichnete Arbeit. Deshalb muss unser Kanton ein attraktiver Arbeitgeber sein und den Lehrpersonen vor allem in der Unterrichtsgestaltung ein Maximum an Freiheiten überlassen.

Ein attraktiver Arbeitgeber bezahlt gute Löhne. Beabsichtigen Sie als Sparmassnahme aufgrund der unbefriedigenden Finanzlage unseres Kantons die Löhne der Lehrpersonen zu senken?

Nein, eine Senkung der Löhne kommt für mich nicht in Frage. Wir können es uns nicht erlauben, dass gute Lehrpersonen in die Privatwirtschaft abspringen, nur weil sie dort mehr verdienen. Die Lehrpersonen leisten einen anspruchsvollen Job und sie tragen eine grosse Verantwortung. Deshalb verdienen Sie eine hohe Achtung und eine gute Entlöhnung.

Sie haben in der Öffentlichkeit erwähnt, auch im Bildungsbereich sparen zu wollen. Wo beabsichtigen Sie zu sparen, wenn nicht bei den Löhnen?

Mein Sparwille begründet sich darin, dass unsere Staatsrechnung ein strukturelles Defizit ausweist und der Kanton nur unter Mithilfe aller Direktionen wieder eine ausgeglichene Rechnung vorweisen und Schulden abbauen kann. Dies ist notwendig, damit der Kanton wieder den notwendigen Handlungsspielraum erhält, um innovative und zukunftsweisende Projekte anzugehen. Auch die BKSD muss nun ihren Beitrag zur Sanierung des Haushalts erbringen.

Sparmöglichkeiten sehe ich einige, zum Beispiel in der Verwaltung oder bei Doppelspurigkeiten in der Ausbildung der angehenden Lehrpersonen. Gerade hier können Millionenbeträge eingespart werden. Nicht sparen will ich im Klassenzimmer, also überall dort, wo es ganz direkt zum Nachteil der Schüler/-innen wäre.

Erläutern Sie das bitte näher.

Angehende Lehrpersonen der Sekundarstufe 1 können ihre Fachausbildung entweder an der Universität oder an der Pädagogischen Hochschule absolvieren. Beide Bildungsstätten haben ihre Stärken und ihre Schwächen. Die Stärke der Universität ist die Fachausbildung, diejenige der Pädagogischen Hochschule die methodisch-didaktische und pädagogische Ausbildung. Meines Erachtens sollen sich beide auf ihre Stärken konzentrieren und diese ausbauen. Das heisst: Die Fachausbildung der Sek.-1-Lehrpersonen sollte vollumfänglich an der Universität erfolgen und die methodisch-didaktische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule. An der Universität gibt es ausgezeichnete Vorlesungen, Seminarien und Übungseinheiten. Es ist nicht sinnvoll, wenn nun entsprechende Vorlesungen auch an der Pädagogischen Hochschule angeboten werden. Das Sparpotential durch den Wegfall der Doppelspurigkeiten ist beträchtlich.

Bei welcher Initiative des Komitees Starke Schule Baselland waren Sie am stärksten involviert?

Ich habe mich für die Initiative gegen die Zwangsverschiebung von Schüler/-innen bisher am stärksten engagiert. Verschiebungen zwischen einzelnen Schulhäusern machen aus planerischer und finanzieller Sicht zwar Sinn und sollen, wo möglich, genutzt werden. Es darf jedoch nicht sein, dass einzelne Schüler/-innen willkürlich ausgewählt und aus ihrem sozialen Umfeld und Freundeskreis gerissen werden und sie keine Möglichkeit haben, sich dagegen zu wehren. Ich habe jedoch festgestellt, dass es sowohl Schüler- als auch Elterngruppen gibt, die sich freiwillig einem solchen Wechsel unterziehen wollen. Eine gezielte und rechtzeitige Information aller Beteiligten erachte ich deshalb als unumgänglich, um entsprechend motivierende Wirkung auslösen zu können. Dabei sollen die betroffenen Schulleitungen und Lehrer auch auf den Support der BKSD zurückgreifen können.

Wie war Ihre Haltung in Bezug auf die Sanierung der Basellandschaftlichen Pensionskasse?

Ich habe von Anfang an die Vorlage, welche auf dem Verhandlungsergebnis zwischen den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmervertretern basierte, unterstützt. Es handelte sich um einen Kompromiss und das Eingeständnis beider Partner, die Pensionskasse wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Das Respektieren solcher Verhandlungsergebnisse ist massgebend für das gegenseitige Vertrauen.

Sind Sie mit der Bildungspolitik von Regierungsrat Urs Wüthrich zufrieden?

Ich anerkenne das Engagement von Regierungsrat Urs Wüthrich;  er hat durchaus auch einiges gut gemacht. Zum Beispiel in den Bereichen Sport und Erwachsenenbildung. Auch die Universität ist sehr gut aufgestellt. Unbefriedigend sind hingegen seine Leistungen im Bereich Volksschulen sowie im Umgang mit den Lehrpersonen. Die Schullandschaft ist heute eine riesige Grossbaustelle und es bedarf nun eines Kurswechsels, damit BKSD, landrätliche Bildungskommission, Lehrerschaft und alle weiteren involvierten Gremien wieder am selben Strick ziehen. Für mich ist das Hochhalten der Qualität unserer Ausbildung das Wichtigste.

Was wollen Sie als erstes angehen, wenn Sie Bildungsdirektorin werden?

Es braucht einen sofortigen Marschhalt und eine fundierte Überprüfung der eingeleiteten Reformen. Danach muss eine intensive Diskussion geführt werden, damit mehrheitsfähige Lösungen gefunden und umgesetzt werden können.

 

Treten Sie dem Komitee bei

Wenn Sie ebenfalls dem Komitee "Monica Gschwind - unsere neue Bildungsdirektorin" beitreten, so schreiben Sie uns eine Mail an Starke_Schule_Baselland@gmx.ch mit folgenden Angaben: Vorname, Name, Postadresse, Beruf und allefalls Parteizugehörigkeit. Die Liste des aktuellen Komitees finden Sie hier.

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Schulsozialarbeit

Zu einer starken Schule Baselland gehört auch die Schulsozialarbeit, die in unserem Kanton seit 2004 auf der Sekundarstufe flächendeckend angeboten wird. Sie ist Teil der Jugendhilfe und arbeitet mit Methoden der Sozialen Arbeit.

Ziel der Schulsozialarbeit ist es, Kinder und Jugendliche in der Entwicklung von Sozial- und Lebenskompetenz und bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen. Sie trägt massgeblich zu einem verbesserten Kinderschutz bei. Die Schulsozialarbeiter/-innen leisten aber auch eine wichtige und fundierte Arbeit bei auftretenden Problemen und Fragen. Sie beraten nicht nur Schüler/-innen, Erziehungsberechtigte, Lehrpersonen und Schulleitungsmitglieder, sondern führen auch Klasseninterventionen bei Konflikten durch und leisten einen Beitrag zur Verbesserung des Schul- und Klassenklimas. Sie entlasten durch ihre Arbeit die Klassen- und Fachlehrpersonen signifikant, so dass diese sich wieder vermehrt um ihre Kernaufgabe - dem Unterrichten - widmen können. Die Schulsozialarbeit hat sich in den vergangenen Jahren sehr bewährt.
Folgende Bereiche kennzeichnen das Angebot der Schulsozialarbeit:
  • Niederschwellige Gesprächsmöglichkeiten
  • Beratungen
  • Einzelfallhilfe
  • Kriseninterventionen und Konfliktbearbeitung
  • Themenspezifische Gruppenarbeit
  • Beiträge zur Schulentwicklung
  • Vernetzung und Vermittlung mit und an weitere Fachstellen
  • Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten

Die Inanspruchnahme der Angebote der Schulsozialarbeit ist freiwillig, der Zugang soll niederschwellig sein und die Gesprächsinhalte werden vertraulich behandelt. Die Niederschwelligkeit wird u.a. dadurch sichergestellt, dass die Schulsozialarbeit ihr Büro innerhalb der Schule hat und somit für die Schüler/-innen schnell und unkompliziert erreichbar ist.

Die Schulsozialarbeit untersteht der berufsethischen Schweigepflicht, wodurch die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Erziehungsberechtigten, Lehrpersonen und Schulleitungsmitglieder einen geschützten Rahmen für ihre Probleme und Anliegen finden. Gerade bei kindsschutzrelevanten Themen ist diese Vertraulichkeit eine notwendige Basis für eine opitmale Unterstützung. Grundlage für diese Vertraulichkeit und Wahrung der Unabhängigkeit ist eine vom System Schule unabhängige Organisation der Schulsozialarbeit.
Weitere Informationen zur Schulsozialarbeit im Kanton Baselland finden sich hier.

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Erfolge und Misserfolge des Komitees Starke Schule Baselland

Seit rund vier Jahren ist das Komitee Starke Schule Baselland aktiv. Sichtbar sind nicht nur die sieben lancierten und teilweise mit aussergewöhnlich vielen Unterschriften eingereichten Volksinitiativen, sondern auch diverse parlamentarische Vorstösse, welche vom Komitee erarbeitet und durch unsere Volksvertreter im Parlament eingereicht wurden. Zu den wichtigsten zählen die beiden Parlamentarischen Initiativen "Parlament bestimmt allfällige Einführung von Lehrplan 21" und "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer", mit welcher die Stossrichtung der Bildungspolitik unseres Bildungsministers korrigiert werden soll.

Seit seinem Bestehen erzielte das Komitee drei eindrückliche Erfolge, musste aber auch eine schmerhafte Niederlage einstecken: 

Vier eindrückliche Erfolge

  • Durch die Wahl von Monica Gschwind als neue Bildungsdirektorin ist ein Richtungswechsel in der Bildung nun endlich möglich. Diese Wahl ist auch für das Komitee ein Erfolg, da wir eine Wahlkampagne für Monica Gschwind mit ca. 400 Plakaten und einer Pressekonferenz ermöglicht haben. Als Konsequenz für die missglückte Bildungspolitik der letzten Jahre hatten sich viele Lehrpersonen bewusst dazu entschieden, Monica Gschwind ihre Stimme bei den Regierungsratswahlen zu geben.
  • Nach einem intensiv geführten Abstimmungskampf des Komitees Starke Schule Baselland mit 2'000 Plakaten, 100'000 Flyern und zahlreichen Inseraten mit dem Slogan "Nein zum verlogenen Entlastungsrahmengesetz" stimmt die Baselbieter Bevölkerung am 17. Juni 2012 mit 58% Nein zu den geplanten Sparmassnahmen im Bildungsbereich. Mit diesem Nein ist die Berufsvorbereitende Schule BVS 2 gerettet und das Komitee kann die eingereichte Initiative "Ja zur Weiterführung der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule" als erfüllt zurückziehen. Aus Spargründen wollte die Bildungsdirektion diese Schule abschaffen.
  • Nach der Einreichung der Initiative zur Verkleinerung der Maximalzahlen der Anzahl Schüler/-innen in den Klassenzimmern arbeitet die Regierung einen Gegenvorschlag aus. Das Stimmvolk befürwortet am 25. November 2012 diesen Gegenvorschlag deutlich. Ohne den Druck der Initiative "Überfüllte Klassen reduzieren" wäre diese Reduktion der maximalen Schülerzahlen auf Primar- und Sekundarschule nie erreicht worden.
  • Das Baselbieter Parlament befürwortet deutlich die vom Komitee Starke Schule Baselland eingereichte Initiative "Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere" und zwingt damit die Bildungsdirektion die Abschaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) zu verzichten. Die Regierung ist zurzeit an der Ausarbeitung einer Gesetzesvorlage, welche den Erhalt der KVS sichert. Der dritte Erfolg.

Ein schmerzhafter Misserfolg

  • Am 25. November 2012 lehnt die Bevölkerung aufgrund der schlechten Finanzlage unseres Kantons die Initiative "Keine Zwangsverschiebungen von Schüler/-innen an den Sekundarschulen" mit 59% ab. Damit können weiterhin Kinder im Alter von 11 und 12 Jahren aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen und in eine weiter entfernte Schule zwangsverschoben werden. Die Bildungsdirektion will mit diesen Verschiebungen die Klassen bis zur maximalen Grösse auffüllen, um so Kosten zu sparen. Das Komitee Starke Schule Baselland bedauert diesen Volksentscheid und erachtet diese Sparmassnahme auf dem Buckel der Kinder für heikel.
Der Vorstand des Komitees Starke Schule Baselland bedankt sich bei seinen Mitgliedern und Sympathisant/-innen herzlich für die erhaltene Unterstützung während den letzten Jahren und hofft, dass es uns gelingt weitere Erfolge zu realisieren: Im Wissen, dass Erfolge und Misserfolge manchmal sehr nahe beieinander liegen.

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